Abholzung im Amazonas nimmt stark zu

Im Sommer 2019 brennen nicht nur Wälder weltweit, sondern die Abholzung im Amazonas-Gebiet nahm im Vergleich zum Vorjahr auch drastisch zu. Diesen Juni lag die Abholzungsrate in Brasilien bereits 88% über dem Vorjahreswert, im Juli sogar 278%. Im Juli wurde mit 2250 km² damit fast viermal soviel Wald im brasilianischen Regenwald abgeholzt wie im Juli 2019.

Dies ist besonders beunruhigend, da die brasilianische Regierung die Abholzung nicht bekämpft, sondern sie unterstützt. Der neue Präsident Jair Bolsonaro ist ein Klimawandel-Leugner und hat mehrmals gedroht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Er stellt die Agrarindustrie, die den größten Anteil am brasilianischen Export hat, über den Naturschutz. Nachdem die beschleunigte Abholzung vom brasilianischen Institut für Weltraumforschung veröffentlicht wurde, feuerte der Präsident dessen Chef. Dies begründete er damit, dass das Institut falsche Zahlen veröffentliche, die den Ruf Brasiliens beschädigen. Von nun an werden die Daten des Instituts erst veröffentlicht, wenn diese durch das Umweltministerium geprüft wurden.

Der Schutz des Amazonas ist nur nicht wegen der einmaligen Biodiversität und den indigenen Völkern existenziell, sondern auch weil er die “grüne Lunge des Planeten” ist und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz liefert. Jedoch werden immer mehr Flächen in Acker- und Weideland umgewandelt, wo hauptsächlich Soja angebaut und Rinder gezüchtet werden. Mittlerweile ist der Agrarsektor für 70% der brasilianischen CO²-Emissionen verantwortlich.

Kann Europa im Amazonas eingreifen?

Als Reaktion auf diese Zahlen fordern viele Europäer, dass die EU ihre politische und wirtschaftliche Macht nutzen muss, um den Amazonas zu schützen. Eine Möglichkeit dazu bietet das Mercosur-Abkommen, ein Freihandels-Abkommen zwischen der EU und der Freihandels-Organisation Südamerikas, zu der die wichtigsten Amazonas-Staaten gehören. Obwohl sich EU und Mercosur geeinigt haben, weigern sich einige Mitgliedsstaaten aufgrund der Abholzung das Abkommen zu ratifizieren. Jetzt steht die EU in der Pflicht, das Abkommen so nachzubessern, dass der Schutz des Amazonas darin verankert wird.

Der brasilianische Präsident wehrt sich jedoch gegen eine Einmischung von außen, aus seiner Sicht ist der brasilianische Wald allein Sache Brasiliens. Deswegen soll auf der “Amazon Fund” umstrukturiert werden. Der Fonds zum Schutz des Regenwalds, der hauptsächlich vom norwegischen Staat und der deutschen Förderbank KfW finanziert wird, wird momentan von einem Lenkungsausschuss geleitet. In diesem sitzen neben Staatsvertretern auch Vertreter der Zivilgesellschaft. Geht es Bolsonaro, soll die Kontrolle vom Lenkungsausschuss zu einem Exekutivausschuss übergehen und das Geld statt für Naturschutzprojekte für Entschädigungen von Landbesitzern verwendet werden.

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