Waldbrände stärken die Widerstandsfähigkeit des Waldes

Feuer wird normalerweise als eine Störung betrachtet. Diese Stellungnahme gilt allerdings nicht pauschal. Obwohl Waldbrände Herausforderungen darstellen, können sie auch die Wirkung haben, die Widerstandsfähigkeit des gesamten Waldes zu stärken. Das zeigte eine Studie der Oregon State University in den USA.

Wälder mit und ohne Straßen

Diese Studie fand heraus, dass Wälder ohne Straßen öfter und heftiger als Wälder mit Straßen brennen. Aber trotz des intensiveren Brandes hat dies zur Folge, dass der Wald sich nach einem Waldbrand schneller und besser regenerieren kann.

In der Vergangenheit haben die Bundesgesetzte der USA das Holzschneiden vorgeschrieben. Am Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in den USA einen Brandmangel wegen politischen Maßnahmen und einer Kombination von Weiden, Holzeinschlag und Landnutzungsänderungen. Das hat es erlaubt, dass schattentolerante und brandtolerante Arten sich in älteren Wäldern ansiedeln, was zu großen strukturellen Änderung in führte. Folglich hat die Widerstandsfähigkeit dieser Wälder im letzten Jahrhundert abgenommen, was die Entfachung von Bränden förderte.

Seit 1964 befindet sich die Naturpolitik der USA im Umbruch. In diesem Jahr ist der Wilderness Act in Kraft getreten, welcher die Ausweisung von Gebieten, wo natürliche Bedingungen erhalten bleiben, fördert. Gebiete, die Wälder ohne Straßen beinhalten, wurden quasi ein inoffizieller Teil des Wilderness-Systems da sie schwer zugänglich sind und und nach 2001 hat die Regierung den Bau von Straßen und den Holzeinschlag in diesen Gebieten verboten. Dadurch ist die Trennung zwischen Wäldern ohne und mit Straßen entstanden.

Verbindungen zwischen Straßen und Managementsystem

Die Unterteilung von Wäldern in die Kategorien mit und ohne Straßen entspricht auch dem Managementsystem eines Waldes. In Waldlandschaften, die von Straßen geprägt werden, kommt ein aktives Management zum Einsatz, weil es dort schon eine lange Geschichte von menschlicher Nutzung gab wie z.B. Erholungsnutzung und Holzgewinn.

Im Gegensatz dazu stehen Waldstücke ohne Straßen, die nicht für den Zweck von Holzeinschlag genutzt werden und in denen keine menschengesteuerten Entwicklungen stattfinden. Hier gibt es kein aktives Managementsystem und nachdem ein Brand entfacht wird, brennt dieser innerhalb dieses Gebiets meist weiter. Aber hier muss auch oft die Entscheidung getroffen werden, ob Waldbränden gelöscht werden müssen, da sie keine unmittelbare Lebensgefahr darstellen – anders als in Gebieten, die von Menschen genutzt werden. Indirekt können Leben von Menschen jedoch sehr wohl betroffen sein: unkontrollierte Waldbrände können das Grundwasser verschmutzen und dadurch der Wasserversorgung schaden. Zusätzlich ist es auch wichtig, dass die Risiken durch Waldbrände für Lebensräume und menschliche Infrastrukturen verringert werden, um so die Balance zwischen den Verjüngungseffekt und den Nachteilen eines Brandes zu halten.

Nichtsdestotrotz hängt der Schweregrad eines Brandes eigentlich von Unterschieden in der Umwelt und nicht von der Landnutzung ab. Bäume, die auf höheren Lagen mit größeren Mengen von Niederschlag und niedrigeren Temperaturen wachsen, sind im Allgemeinen weniger brandtolerant als die Arten, die sich in trockeneren und tieferen Bereichen befinden. In der Regel gilt je höher man geht, desto abgelegener ist der Ort und deshalb sind Straßen dort seltner zu finden. Deshalb ist das auch ein Grund, warum Waldbrände häufiger in passiv gemanagten Wälder vorkommen.

Wirkungen von Bränden auf den Wald

Waldbrände sind ein wichtiger Störungsprozess, der die Struktur, die Zusammensetzung und die Funktion von Wäldern prägt. Es gibt Hinweise darauf, dass deren größeres Ausmaß in straßenfreien Bereichen das Potenzial hat, diese Landschaften widerstandsfähiger im Angesicht des Klimawandels zu machen.

Die langfristigen Folgen von Brandbekämpfung sind außerdem zunehmende Walddichte und Artenverschiebungen. Infolgedessen verliert so ein Wald seine Widerstandsfähigkeit gegen Brände, Dürre und Insekten. Anderseits haben Studien vor kurzem gezeigt, dass Wälder in Wilderness und anderen straßenfreien Orten, die mehrere Waldbrände erlebt haben, unwahrscheinlicher einen kompletten Austausch des Baumbestandes erleben; und es ist einfacher für sie wieder die Struktur und Zusammensetzung wie vor dem Brand zu erreichen.

Besser mit dem Klimawandel umgehen

In Oregon haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch kürzlich bewiesen, dass ein lichter Baumstand weniger von Waldbränden betroffen ist. Ökologen habe in dem letzten Jahrzehnt daran gearbeitet, junge Bäume und Bestände von Gelb-Kiefern (Pinus ponderosa) auszudünnen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sie auch das Gestrüpp ausgedünnt und periodisch Waldbrände zugelassen. Folglich haben sich Waldbrände langsamer ausgedehnt und den Wald weniger geschädigt. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel hat sich gezeigt, dass traditionelle Managementansätze wie Brandunterdrückung die schon schlechte Situation noch verschlechtert haben. Diese Ergebnisse aus Oregon zeigen also, dass es Alternativen gibt, um besser mit dem Klimawandel und der Zukunft des Waldes umzugehen.

Momentan befinden wir uns in der Mitte dieser großen Herausforderung, die der Klimawandel an uns stellt. Deswegen ist es wichtig, besser nachzuvollziehen, wie sich passives und aktives Management sich in Bezug auf Brandmuster unterschieden. Dies könnte Försterinnen und Förster dabei helfen mit zukünftigen Walbränden umzugehen, besonders wenn das Ziel die Wiederherstellung des natürlichen Brandregimes ist.

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Daseinsvorsorge durch vitale Ökosysteme am Beispiel Wienerwald

Frei nach dem Motto Ökologie ist die „neue“ Ökonomie ging es in diesem Webinar um die Ökosystemdienstleistungen die der Wald uns liefert und wie diese nachhaltig gemanagt werden können. Hannes Berger, Leitung der Forstverwaltung Wienerwald, zeigte uns am Beispiel des Wienerwaldes eine Form des Managements die als ein Muster für Betriebe fungieren könnte, denn neben der Ökosystemleistung Holzproduktion haben auch andere Ökosystemleistungen (wie z.B. Kohlenstoffspeicherung) einen attraktiven Markt oder werden diesen in naher Zukunft zumindest bekommen.

Zur Person

Hannes Berger (vormals Lutterschmied) studierte 3 Jahre Mikrobiologie an der Universität Graz, bevor es ihn zum Forstwirtschaftsstudium nach Wien zog. Der berufliche Einstieg führte ihn über die Forsteinrichtung und der Leitung von diversen forstlichen Ökosystemmonitorings zur Leitung der Forstverwaltung Wienerwald des Land und Forstwirtschaftsbetriebs der Stadt Wien. Seit 10 Jahren ist er bemüht Schritt für Schritt ein umfassendes ökologisches Waldmanagement im Betrieb zu etablieren, denn das Management urbaner Wälder erfordert einen anderen Blickwinkel und somit ein differenzierteres Handeln, abseits des forstlichen Mainstreams.

Die Auswirkungen von natürlicher und vom Menschen gelenkter Beweidung auf Waldökosysteme

Das Wildtiere im Wald grasen ist ja nicht neues. Eine zu hohe Wilddichte kann dabei auch negative Folgen auf, zum Beispiel, die Waldverjüngung haben. Denn bei zu vielen Tieren werden zu viele junge Bäume und Triebe gefressen. Wenn dazu aber noch grasende Weidetiere wie Schafe oder Ziegen kommen, dann ist der Druck auf den Wald und dessen Biodiversität groß.

In diesem Interview mit Vlado Vancura, Forst und Wilderness Experte, erfahren wir welche Arten von Beweidung es im Wald gibt, welche positiven und negativen Einflüsse sie haben, ob und wie sich der Wald von zu intensiver Beweidung erholen kann. Vlado gibt uns auch spannende Beispiele aus den Karpaten, wo es in der Vergangenheit durch zu viel Beweidung zu Biodiversitätsverlust kam, das Ökosystem sich aber in den letzten Jahrzehnten wieder erholen konnte.

Das Interview ist auf Englisch, aber deutsche Untertitel sind durch einen Klick auf CC rechts unten verfügbar.

Waldland Österreich

Im europäischen Vergleich liegt Österreich im oberen Bereich was die Waldfläche angeht. Insgesamt 47,6 % der Landesfläche sind mit Wald bedeckt, seine waldreichen Nachbarländer Schweiz und Deutschland sind auch weit oben. Aufgrund der großen Waldfläche hat der Forstsektor auch eine große Bedeutung in Österreich. Über 300.000 Menschen sind dort beschäftigt und bringen jährlich einen Produktionswert von ungefähr zwölf Milliarden Euro ein. Das sind ca. 4 % des Bruttoinlandproduktes. Davon gehen um die 70 % der Produkte und Produktionsleistungen in den Export.

Im Vergleich ist in Deutschland 32 % der Landesfläche mit Wald bedeckt und ca. 1,1 Millionen in der Forstwirtschaft beschäftigt. 2018 wurden in Deutschland 64,55 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen, 20,7 % mehr als im Vorjahr. Von den eingeschlagenen Holzmengen 2018 sind rund 5,4 % exportiert worden, was einer Menge von 3,5 Millionen Kubikmeter Rundholz entspricht. Andererseits wurden 7,1 Millionen Kubikmeter Rundholz nach Deutschland importiert.

Die österreichischen Wälder wachsen

Die aktuelle österreichische Waldinventur (ÖWI) hat ergeben, dass in Österreichs Ertragswäldern der Holzvorrat bei 1173 Millionen Vorratsfestmetern (Vfm) liegt. Davon sind 29,7 Millionen Vfm stehendes Totholz. Seit der ersten Inventur, die von 1961 bis 1970 stattfand, sind die Vorräte beständig gestiegen. Damals waren 780 Millionen Vfm vorhanden, bis zu der momentanen ÖWI sind die Vorräte also um 50% gestiegen. In den Schutzwäldern sind zudem noch zusätzliche 31 Millionen Vfm vorhanden. Weiterhin haben sich die Durchmesserklassen in den Wäldern verschoben, und zwar hin zu den oberen Klassen. Auch haben sich die Baumartenzusammensetzungen weiter von Nadelbeständen hin zu Laubbeständen verschoben. Trotzdem ist die Fichte immer noch die dominierende Hauptbaumart, da Bäume eine lange Wuchsperiode haben und langsam wachsen, wodurch der Waldumbau Jahrhunderte dauert. Die Vorratsaufstockung in Österreich ist vor allem im Kleinwald passiert. Weiterhin werden Zuwachs und Nutzung immer weiter angenähert. Die Nutzung von 2007 bis 2018, also dem Zeitraum zwischen zwei Waldinventuren, im Ertragswald beläuft sich auf 26,2 Millionen Vfm pro Jahr. Der Zuwachs in der gleichen Periode liegt bei 29,7 Millionen Vfm pro Jahr.

Zwar werden an diesen Zahlen deutlich, dass Österreich eine gute Nutzungs- und Vorratsbilanz hat, allerdings wird das meiste Holz außer Landes exportiert und gleichzeitig Holz importiert. Hier sollte Österreich zu versuchen Stoffkreisläufe klein zu halten und im Land produziertes Holz zu verwenden. Der Import von kann insofern kritisiert werden, dass ja eigentlich genügend Holz vorhanden ist, was stattdessen exportiert wird. Auch kann bei Importen nicht genau gesagt werden, aus welchen Quellen diese stammen und ob sie so nachhaltig produziert wurden wie in Österreich. Dies gilt zum Beispiel für aus osteuropäischen Ländern. Allerdings sollte der Fokus nicht nur auf der Holzproduktion, sondern auf dem gesamten Ökosystem liegen. Deswegen können Interessenskonflikte entstehen, da wir auf der einen Seite Energie und Baustoff benötigen, auf der anderen Seite resiliente Waldökosysteme. Und Holz als vielfältig verwendbarer Rohstoff ist eine wichtige biologische und klimafreundlichere Alternative zu anderen Stoffen. 

Waldmanagement in den Karpaten

Die Karpaten beheimaten einen besonders wichtigen Teil der europäischen Wälder. Vlado Vancura, ein Experte zu den Themen Forst und Wildnis, berichtete uns in diesem Webinar von seinen jahrzehntelangen Erfahrungen im Waldmanagement in den slowaksichen Karpaten. Die Geschichte der slowakischen Wälder ist bewegt und gerpägt von vielen Veränderungen in Nutzung und Besitz. Heutzutage beheimaten die Karpaten einige der größten verbliebenen Urwälder Europas so wie gesunde Populationen von Wildtieren, die im Alpenraum vor langer Zeit vom Menschen verdrängt wurden. Aber auch diese Naturschätze geraten durch steigende Nachfrage nach Holz unter Druck und die Klimakrise mit der weit verbreiteten Borkenkäferplage tut ihr übriges.

Schaut euch die Aufzeichnung des zweisprachigen Webinars, welches unter anderem folgende Fragen beantwortet: Warum sind die Karpaten so einzigartig? Wie hat die Geschichte ihr Management geprägt? Welche Erfahrungen wurden mit aktivem und passivem Waldmanagement gemacht und warum ist gerade hier ein gut durchdachtes Waldmanagement so entscheidend?

Europäische Buchenwälder, UNESCO Weltnaturerbe und BEECH POWER als Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität im Wald

Das Webinar, gehalten von Marcus Waldherr, informierte über die Bedeutung der Buchenwälder für den Waldnaturschutz in Europa. Ein besonderes Augenmerk legte er dabei auf die transnationale serielle UNESCO Weltnaturerbestätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“. Anhand des aktuell von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und mehreren europäischen Partnern umgesetzten Interreg Central Europe Projektes „BEECH POWER – empowering and catalyzing an ecosystem-based sustainable development“, das Marcus leitet, zeigte er deren Potenzial für den Beitrag zum Schutz der Biodiversität im Wald und zur regionalen nachhaltigen Entwicklung auf.

BEECH POWER fokussiert sich vor allem auf die Managementunterstützung der Weltnaturerbestätten in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Slowenien und Kroatien, wobei die Biodiversität dadurch sekundär gefördert wird, denn die Wirkung des transnationalen UNESCO Weltnaturerbes geht natürlich über die Grenzen der Teilgebiete hinaus und stellt großes Potenzial auch für angrenzende Gebiet dar.

Schaut euch hier die Aufzeichnung des wirklich spannenden Webinars an oder ladet euch die Präsentation herunter:

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Holzernte früher und heute

Nicht nur die Landwirtschaft erlebt so viele Branchen eine Technisierung, auch in der Forstbranche kam über die Jahre mehr und mehr Technik hinzu. Wurden früher Bäume mit Hand gefällt und mit Pferden, Schlitten oder Flößen wegtransportiert, kommen heute mechanisierte Vollerntemaschinen zum Einsatz. Dabei steht der Wald meistens als Holz-Ressource für den Menschen im Vordergrund. Durch seine diversen Vorteile ist er jedoch für den Menschen über tausende von Jahren eine der wichtigsten Quelle im täglichen Leben geblieben. 

Forstgeschichte

Vor der Industrialisierung und dem Aufkommen der fossilen Brennstoffe wurde ausschließlich Holz als Wärme- und Energiequelle sowie für Schwerindustrie, Salinen und Weiterverarbeitung von Erzen verwendet. Dadurch entwickelte sich die Forstwirtschaft von einer Selbstversorgung hin zu einer vermehrt großerwerblichen Nutzung. Durch die immer stärker auftretende Holzverknappung wurde angefangen über die Nachhaltigkeit und Langfristigkeit der Wälder nachzudenken und eine geregelte Forstwirtschaft aufzubauen. Unter anderem daraus resultierte am dritten Dezember 1852 das Forstgesetz, welches bis 1975 Gültigkeit hatte. Seitdem gilt ein neues Forstgesetz mit dem obersten Ziel die Waldfläche in Österreich zu erhalten. Auch durch immer häufiger auftretende Schäden in der Natur durch den Menschen und daraus resultierende Katastrophen wurde der Naturschutz- und Schutzwald-Gedanke wichtiger zur Stabilisierung und Pufferung der auftretenden Schäden.

Um früher das Holz zu den Werken zu bringen, hatten Manneskraft und Schlitten eine große Bedeutung, vor allem in den Bergen. Deshalb war Schnee auch ein wichtiger Faktor für den Transport. Vor allem in früheren Zeiten wurden Handsägen zum Fällen verwendet, bevor die Motorsäge eingeführt wurde. In den Gegenden mit Flüssen war es auch üblich die Stämme zu Flößen zusammenzubinden und diese auf dem Wasser zum Sägewerk zu transportieren. Auch wurden in steilen Gegenden eine Art Rutschen angelegt, in denen die Stämme ins Tal befördert wurden. Ab den 1990er Jahren wurde der Harvester, eine Vollerntemaschine, immer populärer und löste zum größten Teil die Arbeit mit der Motorsäge ab. Dadurch wurde die Arbeit immer effektiver, früher schaffte ein Waldarbeiter ungefähr ein bis drei Festmeter Holz in der Stunde, der Harvester schafft heute um die 20 Festmeter.

Aufkommen der modernen Technologie

Noch 1955 wurde der Großteil der Holzernte manuell mit der Hand- oder Zugsäge erledigt und ca. die Hälfte mit Pferden oder Ochsen abtransportiert, die andere Hälfte mit landwirtschaftlichen Maschinen. Rückegassen und andere Wege waren damals noch nicht vorhanden. Jedoch schon zehn Jahre später rückte die Arbeit mit Pferden immer weiter in den Hintergrund, die Bäume wurden nun mit der Kettensäge gefällt und die Nutzung von landwirtschaftlichen Schleppern stieg an. Weitere zehn Jahre später wurden erste Spezialforstschlepper in Skandinavien und Kanada entwickelt, die schnell Verwendung im Forst fanden. Nochmal zehn Jahre später sind Pferde kaum im Forstgeschehen zu finden, das Holz wird nur noch mit Schleppern gerückt. Zu dieser Zeit sind die ersten Harvester entwickelt worden, allerdings noch nicht wirklich im Einsatz. Doch das ändert sich. 1995 werden Harvester vermehrt eingesetzt und Pferde sind längst aus den Wäldern verdrängt worden. Auch in den 2000ern bleibt das Bild gleich. 

Vor einigen Jahren allerdings ist das Rücken mit Pferden wieder populärer geworden, da so der Boden geschont wird und eine ökologischere Waldbewirtschaftung möglich ist. In schwer zugänglichen und feuchten Gegenden hat sich das Rücken mit Pferden wieder mehr durchgesetzt. Pferde gelangen an solche Orte besser und einfacher als Harvester und Forwarder, da die Pferde wendiger, leichter und flexibler sind. 

Waldbewirtschaftung mit Pferd 

Das Haupteinsatzgebiet für Rückepferde sind meistens schwache und mittelstarke Bestände, bei denen die Pferde noch gut zurechtkommen, besser als im Starkholzbereich. Im Gegensatz zu Maschinen sind Pferde allerdings nicht so effektiv und kosten auf den Festmeter fünf Euro mehr als ein Harvester. Rechnen kann sich das allerdings über den positiven Effekt auf den Wald, Boden und die Umwelt. Außerdem können die Rückegassen von den üblichen 20 Metern auf 40 Meter erweitert werden, was wiederum neu gewonnene Fläche für den Wald bedeutet. Und durch weniger Kosten aus Bestands- und Bodenschäden kann sich im Endeffekt der Einsatz von Rückepferden lohnen. Ganz ohne Maschinen geht es in der modernen Forstwirtschaft allerdings nicht. 

Die Arbeitsbeziehung zwischen Pferd und Mensch hat eine lange Tradition und Menschen bauten auf die Pferde nicht nur als Transportmittel, sondern auch in der Land- und Forstwirtschaft. Als williges Arbeitstier ist das Rückepferd eine gute Alternative zum Einsatz von Forstmaschinen. Vor allem Bodenschäden werden geringgehalten und junge Pflanzen geschont.

Eingesetzt werden vor allem Kaltblüter, wie zum Beispiel das Schleswiger Kaltblut, es können aber auch schwere Warmblüter oder Kreuzungen verwendet werden. Als Eigenschaften sollten die Pferde ein ruhiges Wesen haben, gute Nerven und Geschick mitbringen, zuverlässig, lernfähig und anpassungsfähig sein. Wichtige körperliche Eigenschaften sind ein gutes Körpergewicht von mindestens 700 kg. Zu leichte Pferde springen häufig ein oder ziehen zu hastig, was zu einer schnelleren Ermüdung führt. Bei zu hohen Gewichten ist allerdings die Wendigkeit der Pferde eingeschränkt. Des Weiteren sollten die Pferde eine ausgeprägte Muskulatur besitzen. Starke Gelenke sind eine weitere wichtige Eigenschaft. Dazu sollten die Pferde eine breite und tiefe Brust besitzen und einen breiten, kräftigen Rücken.

Rückepferde sollten nicht allzu lange durchgängig arbeiten. Bis zu vier Stunden pro Tag kann ein Pferd am Stück arbeiten, sollte dabei aber nicht mehr als 20 % seines eigenen Körpergewichts auf Dauer ziehen. Meistens werden die Pferde zum Vorrücken verwendet. Das bedeutet, dass die Pferde zwischen zwei Rückegassen die Holzstämme meistens zu einem Weg vorrücken, wo sie dann von einer Maschine abtransportiert werden.

Waldbewirtschaftung mit Maschinen 

Die eigentlich überall am weitesten verbreitete Methode ist hingegen die Holzernte mit vollautomatischen Maschinen. Dazu werden im Normalfall zwei verschiedene Fahrzeuge verwendet: der Harvester und der Forwarder. Harvester sind große Traktoren mit einem Kran, an dem ein Arbeitskopf angebracht ist, der in einem Arbeitsschritt den Baum fällt, entastet, in Stücke schneidet und gegebenenfalls auch entrindet. Das bedeutet der Harvester fährt auf einige Meter an den zu fällenden Baum heran, fährt dann den Kran aus und greift den Baum. Nachdem der Harvester seine Arbeit getan hat, bleiben entastete und auf die richtige Länge zugeschnittene Stämme übrig, die auf dem Waldboden abgelegt werden. An diesem Punkt kommt die zweite Maschine zum Einsatz. Forwarder sind letztlich LKWs, die speziell für den Transport von Stämmen innerhalb des Waldes ausgerüstet sind. Sie haben große Räder oder Laufketten, die dafür gemacht sind, auch in tiefem und feuchtem Waldboden voranzukommen. Zudem haben sie einen Greifarm, mit dem die zurechtgeschnittenen Stämme auf die Ladefläche gehoben werden. Um eine effektive Arbeit zu ermöglichen, können Forwarder viele große Stämme und mehrere Tonnen Holz auf einmal transportieren, wodurch sie voll beladen wiederum sehr schwer sind. Das belastet den Waldboden, auf dem sie fahren, enorm. 

Neben seiner Kosteneffizienz hat der Einsatz von Harvestern und Forwardern noch einen zweiten großen Vorteil, die erhöhte Sicherheit der Forstarbeiter. Beim Einsatz von Rückepferden müssen die Bäume per Hand gefällt werden, was trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Gefahren für die Arbeiter birgt. Außerdem muss das Rücken mit Pferden geübt sein, damit dieses gefahrlos ablaufen kann. Der Faktor Mensch birgt hier nicht nur Gefahren für die Arbeiter selbst, sondern auch für den restlichen Bestand. Manuelles Fällen und Rücken führt immer wieder dazu, dass auch stehende Bäume beschädigt werden. Diesen Vorteilen steht vor allem den Schaden gegenüber, den diese tonnenschweren Fahrzeuge dem Waldboden zufügen.

Pferd oder Maschine?

Daher ist es unwahrscheinlich, dass Rückepferde Harvester und Forwarder aufs Neue komplett verdrängen werden. Allerdings sind Rückepferde gerade in Wäldern mit empfindlichen Böden eine echte Alternative. Dies gilt besonders in Moor- und Auenwäldern, die konstant nasse Böden haben, in denen sich die Räder oder Ketten der Fahrzeuge tief eingraben. So zerstören sie eine vielfältige Bodenflora und- fauna, die essenziell für einen intakten Wald ist. In anderen Szenarien, z.B. an Steilhängen, auf sandigen und somit druckresistenten Böden und in Beständen mit sehr großen Stämmen, die zu schwer für Pferde sind, sind Rückepferde allerdings nicht geeignet. 

Unabhängig von der Wahl der geeigneten Fäll- und Rückemethode muss jedoch die Bodenschonung Priorität bei der Holzernte haben. Trotz steigenden Bewusstseins wird immer noch laufend unterschätzt, wie elementar ein intakter Boden ist, um die Ökosystemdienstleistungen und den Holzertrag unserer Wälder aufrecht zu erhalten. Die Rückkehr zu alten, schonenderen Arbeitsweisen ist eine Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen. Da Harvester und Forwarder jedoch nicht so schnell aus unseren Wäldern verschwinden werden, muss jedoch auch bei ihrem Einsatz darauf geachtet werden, möglichst schonend vorzugehen. Da bedeutet unnötige Befahrung zu vermeiden, möglichst wenige Rückegassen anzulegen und zu ernten, wenn die Böden trocken sind. 

Der Wald der Zukunft

Der Klimawandel ist kein neues Phänomen. Trotzdem ist er dringender denn je. In Zentraleuropa jagt seit 2018 ein Hitze- und Dürrerekord den nächsten. Darunter leiden besonders unsere Wälder. Besonders die gepflanzten uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten haben dem nichts entgegenzusetzen. Diese wurden seit dem zweiten Weltkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind. Aber auch natürliche Wälder können den Wetterextremen oft nicht mehr standhalten. Die anhaltende Dürre wird auch naturnahen Buchenwäldern gefährlich, die eigentlich resilienter gegenüber Trockenheit sind. Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber die kurzsichtige Forstwirtschaft der letzten Jahrzehnte ist.

Schneller Profit oder Resilienz?

Die Krux sind oft vielfältige Interessen, die mit der Forstwirtschaft verbunden sind. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, das Wald als wirtschaftliches Vermögen ansieht und auf möglichst viel Ertrag mit möglichst billig produzierten Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine der wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

All dies zeigt, dass der Wald eine Vielzahl von Ökosystemdienstleistungen bereitstellt, aber die Menschheit noch mehr von ihm fordert. Die Frage ist also, wie wir all dies unter einen Hut bringen können: Ein Wald, der der Klimakrise standhalten kann, gleichzeitig seine ökologischen Funktionen und Ökosystemdienstleistungen wie die Wasserversorgung und Temperaturregulation aufrechterhält und dazu noch Holz als nachhaltiges Bau- und Energiematerial liefert.

Der Natur ihren Lauf lassen…

Viele Experten betonen als oberste Maxime den passiven Waldumbau hin zu einem natürlich gewachsenen Mischwald. Dieser sollte eine heterogene Arten- und Altersvielfalt aufweisen. Die Überlegung dahinter ist, dass natürlich gewachsene, heterogene Waldgemeinschaften am besten an den jeweiligen Standort angepasst sind und resilient gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen sind. Der Weg zu einem naturnahen Mischwald ist relativ einfach. Hier gilt weniger ist mehr. Auf Schadflächen muss eine natürliche Sukzession erlaubt werden. Das bedeutet, dass diese nicht geräumt und wieder bepflanzt werden, sondern Bäume ungestört aus eingetragenen Samen wachsen können. In intakten Wäldern muss systematischer Kahlschlag ausgeschlossen werden und Holzeinschlag muss darauf ausgerichtet sein, Voraussetzungen für die natürliche Regeneration verschiedener heimischer Arten zu schaffen.

Nebst dem Waldbau ist auch das Wildtiermanagement ein entscheidender Faktor, um einen gesunden, naturnahen Wald zu kreieren. Die unnatürlich hohe Dichte and Schalen- und Schwarzwild beschränkt vielerorts die natürliche Regeneration durch übermäßigen Verbiss. Außerdem sollte mehr Totholz im Wald zurückgelassen werden, da dieses Wasser bindet, eine gesunde Mikrofauna fördert und zu niedrigeren Temperaturen im Waldinnern beiträgt. Insgesamt sollte bei der Bewirtschaftung von Wäldern der Horizont erweitert werden. Die Gewinne durch Holzverkauf dürfen nicht im alleinigen Fokus stehen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung muss alle Funktionen des Waldes für Mensch und Natur fördern. Dabei stechen besonders Speicherung von Kohlendioxid, Wasserspeicherung sowie -versorgung, Kühlungseffekte und der Schutz der Böden heraus.

… oder aktiv eingreifen

Während sich die Experten bei vielen Forderungen einig sind, gibt es jedoch auch ein Lager, dass einen aktiveren Einsatz zum Waldumbau fordert. Sie wollen aktiv Bäume aus wärmeren Regionen wie Südeuropa, Zentralasien und Amerika anpflanzen, die besser an Hitze und Dürre angepasst sind. Seit einigen Jahren werden Experimente durchgeführt, wie diese Arten in Zentraleuropa gedeihen und welche Auswirkungen sie auf unsere Ökosysteme haben könnten. Diese Arten könnten systematisch auf Schadflächen angepflanzt werden, um schnell einen klimaresilienten Wald zu schaffen. 

Egal welchen von beiden Ansätzen man wählt, Grundvoraussetzung für einen zukunftssicheren Wald ist es, seine Bedeutung anzuerkennen. Dazu zählt Forstämter mit genug finanziellen Mitteln, Personal und zukunftsorientierten Aus- sowie Weiterbildungen auszustatten, genug Geld für Forschung bereit zu stellen und Wälder systematisch zu überwachen. Auch die Holzindustrie muss ihren Beitrag dazu leisten, da Holz keine unendliche Ressource ist, sondern ein kostbares und begrenztes Gut. Daher muss der Einsatz von Holz effektiv stattfinden und Holzpreise hoch genug sein, um eine naturnahe Waldbewirtschaftung rentabel zu machen. Das ermöglicht auch eine schonende Holzernte, die die ökologischen Funktionen des Waldes möglichst wenig beeinträchtigt. Dabei muss in größeren Dimensionen als einzelnen Beständen und langfristigen Zeiträumen gedacht werden. Dazu gehören auch die Schaffung großer, zusammenhängender Wildnis- und Naturwaldgebiete. 

Die letzten zwei Jahre sind keine kurzfristige Krise, sondern der Start einer langfristigen Entwicklung, die Wälder weltweit unter zunehmenden Stress setzen wird. Förster, Jäger, die Holzwirtschaft und Konsumenten müssen entsprechend verantwortlich handeln, um diese Lebensgrundlage bestmöglich zu erhalten.

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Alternativen zur Deckung des Holzbedarfes in Österreich

Ein Diskussionspunkt beim Thema der Nutzung von Holz bzw. Wäldern ist die stoffliche oder energetische Nutzung. Hier liegt der Punkt in der Problematik, dass wir Energie benötigen, aber die Verbrennung von Holz CO2 freisetzt. Allerdings nur so viel wie der Baum aufgenommen hatte, wodurch Energie aus Holz als CO2-neutral angesehen werden kann. Auf der anderen Seite sind Bauelemente aus Holz sehr beliebt und langlebiger. Sie binden somit das CO2 langfristig. 

Als nachwachsender und umweltfreundlicher Rohstoff wird Holz vielfach als eine gute Alternative zu anderen, umweltschädlicheren Stoffen gesehen. Bei der Verbauung speichert das Holz das CO2 länger als bei der energetischen Nutzung. Daher möchte man die Verwendung von Holz erhöhen und die Nutzung klimaschädlicher Rohstoffe verringern. Doch bei steigendem Bedarf an Holz sind irgendwann die Grenzen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung erreicht. Da der Wald ein langsam wachsender Rohstoff ist, sollte der Zuwachs größer sein als die entnommene Menge. So wird auch für die Zukunft eine Deckung des Bedarfes ermöglicht. Bei zu großem Bedarf an Holz kann dies zu einer Holzentnahme führen, die höher ist als der Zuwachs, was schlussendlich zu einer Entwaldung führt.

Alternativen können hilfreich sein, um eine Abhilfe des Nutzungskonfliktes zu schaffen, indem zum Beispiel der Energiebedarf mit Alternativen gedeckt wird und so genügend Holz als Baumaterial bleibt. Ob der Nachfrage nach Holz im Laufe der Zeit sinken wird, kann nicht gesagt werden, anhand aktueller Entwicklungen scheint es wahrscheinlicher, dass die Nachfrage gleichbleibt bzw. steigt. Um die Vorteile des Waldes wie die Funktion als CO2-Senke und den Erosionsschutz für den Klimawandel „ausnutzen“ zu können, können alternative Stoffe, die ähnlich wie Holz verwendet werden, von Vorteil sein. So wird dem Wald eine Entlastung geboten und es kann auf andere Bereiche ein Augenmerk gelegt werden. 

Kurzumtriebsplantagen

Eine Alternative für die Deckung des Holzbedarfs können sogenannte Kurzumtriebsplantagen (KUP) sein. KUP sind Plantagen, auf denen meist eine bestimmte, in der Jugend schnellwachsende Baumart kultiviert wird. Diese werden je nach Rotationszeit nach einigen Jahren geerntet. Häufig werden verschiedene Methoden bei der Ernte angewandt, so dass nicht alles Holz auf einmal geerntet wird. Als geeignete Baumarten sind zum Beispiel Weide, Pappel oder Robinie geeignet, es können aber auch andere schnellwachsende Baumarten sein, welche sich oft über Stockausschlag vermehren können. Somit ist es meistens nicht nötig die Fläche über mehrere Jahre neu zu bepflanzen. Je nachdem wie schnell eine Pflanze wächst, wird das Holz jeweils anders genutzt. Die schnellwachsenden Hölzer werden normalerweise als Energieholz verwendet, da Wertholz in dieser Zeit nicht wachsen kann. Vor allem in einer Rotationszeit von zwei bis drei Jahren bei Weiden und drei bis fünf Jahren bei Aspen und Pappeln wird das Holz nur für die Energienutzung verwendet. 

Trotz der energetischen Verwendung des Holzes aus den KUP können je nach Baumart auch stoffliche Verwendungen genutzt werden, zum Beispiel mit dem Holz von Pappeln und Robinien. Es sollte schon am Anfang feststehen, zu welchem Zweck man die KUP verwenden möchte, da die Anpflanzung zwischen der stofflichen und energetischen Nutzung variiert. Bei stofflicher Verwendung sollte die Pflanzung mit geringerer Baumanzahl stattfinden. Dadurch haben die Bäume in der späteren Wachstumsphase genügend Abstand und Platz sich auszubreiten und zu wachsen. Nach 8 bis 15 Jahren sind die Industriehölzer fertig für die Ernte und werden dann häufig für die Papier- und Zellstoffindustrie verwendet, können aber auch in der Holzwerkstoffindustrie Verwendung finden.

Neuauflage des Niederwalds

Zwar können KUP im Aufbau und der Bewirtschaftungsweise dem eines Niederwaldes ähneln, allerdings gibt es einige Unterschiede. Niederwälder sind altbekannte Waldformen, die in einer Zeitspanne von 20 bis 40 Jahren bewirtschaftet werden können. Ein weiteres Charakteristikum für einen Niederwald ist die wiederholte Verwendung des vorhandenen Baumbestands und die daraus häufig resultierende Verwendung des Stockausschlages, also von Zweigen, die aus dem abgeschnittenen Stamm nachwachsen. KUP dagegen werden auf landwirtschaftlichen Flächen kultiviert und in der Anfangsphase sind zum Schutz der Sämlinge Pflanzenschutzmittel erlaubt, sollten diese benötigt werden. Weiterhin wird für den Anbau meistens auch gezüchtetes Pflanzenmaterial verwendet, welches eine gute Wachstumsleistung besitzt. Dabei werden für KUP nur Bäume verwendet, die ein schnelles Jugendwachstum haben und somit schnell reif für die Ernte sind. Auch die Zeitlängen zwischen der Ernte der KUP fallen wesentlich schneller an als in einem bewirtschafteten Niederwald. 

KUP stehen als eigenes Kulturelement zwischen der langfristigen Forstwirtschaft und der intensiv genutzten Landwirtschaft. Ökologisch betrachtet werden KUP auf landwirtschaftlichen Flächen meistens als positiv ermessen. Vor allem die längere Standzeit auf den Böden ist vorteilhaft gegenüber intensiv genutzten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Auch sind die Stickstoffkreisläufe geschlossen und entziehen so dem Boden nicht nur Nährstoffe, sondern geben ihm auch Nährstoffe zurück. Durch die langjährige Durchwurzelung und Bestockung des Bodens findet eine Stabilisierung statt und es können Erosionen verhindert oder vermindert werden. Bezüglich der Biodiversität müssen KUP und landwirtschaftlich genutzte Flächen differenziert betrachtet werden. Gegenüber den landwirtschaftlichen Flächen gibt es zum Beispiel eine höhere Anzahl an Brutvögeln in den KUP, allerdings ist die Anzahl der Laufkäfer geringer. Gegenüber intensiv genutzten Agrarflächen sind die Artenzusammensetzungen verändert und können sich auch verbessern, müssen dies aber nicht. Auch im Sinne des Bodenschutzes auf Agrarflächen sind die KUP besser anzusehen, da hier kaum gedüngt wird und die Bäume mehrjährig auf dem Boden stehen bleiben. Weiter wird der Boden kaum bearbeitet und die Mehrjährigkeit wirkt sich positiv auf den Boden aus.

Hanf als Holzalternative

Eine andere Möglichkeit kann Hanf sein. Früher war die Pflanze in vielen Kulturen als vielfältig eingesetzte Nutzpflanze verbreitet. Vor allem in China und Persien wurde Hanf schon vor 12.000 Jahren angebaut. Sie nutzen ihn für Papier, Bekleidung und andere Faserstoffe und aßen die Samen. Im 13. Jahrhundert kam der Hanf dann nach Europa. Er wurde auch wegen seiner heilenden Wirkung in der Medizin gerne genutzt. Berühmte Produkte aus Hanf waren zum Beispiel die Bibel von Gutenberg, die er 1455 auf Hanfpapier druckte, die erste Jeans aus Hanf und Teile der Schiffe von Kolumbus. Deren Segeltücher und die Taue der Schiffe bestanden aus Hanf. Durch Kolumbus war der Hanf dann in Amerika angekommen. Auch dort blühte seine Verwendung auf, bis die Industrialisierung einsetzte. Da Hanf von Hand verarbeitet wurde und somit aufwändig zu bearbeiten war, wurden Alternativen, die maschinell bearbeitet wurden, billiger und somit populärer. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Anbau von Hanf noch einmal befördert, da Rohstoffmangel herrschte. Danach ist er immer mehr in Vergessenheit geraten und wurde durch andere Stoffe verdrängt. 

Doch es scheint, als erlebt der Hanf im 21. Jahrhundert seine Renaissance. Immer häufiger sieht man Produkte und Nahrungsmittel aus Hanf. Aufgrund seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten wird Hanf in Zukunft vielleicht auch in anderen Branchen wieder Verwendung finden, zum Beispiel als Alternative zum Holz für Papier. So braucht man dafür weniger Holz, welches anderweitig verwendet werden oder im Wald verbleiben kann. 

Der für die Rohstoffgewinnung angebaute Nutzhanf (Cannabis sativa var. sativa) hat einen geringen THC-Gehalt und kann legal angebaut werden. Dies ist auch immer häufiger der Fall. Es scheint also, dass der Hanf eine Renaissance erlebt. Hanf hat viele positive Eigenschaften, die früher von den Leuten gesehen wurden, aber anscheinend in Vergessenheit geraten sind. Einen großen Vorteil von Hanf ist, dass er universell eingesetzt werden kann, was ihn anpassungsfähig macht. Seine Fasern sind sehr elastisch, reißfest sowie lange haltbar und können aufgrund dieser Eigenschaften vielseitig verwendet werden. Nicht nur in der Papierherstellung kann er als Alternative zum Holz herangezogen werden, auch sind die Fasern als Dämm- und Isoliermaterial geeignet. Aus Hanf hergestelltes Papier überdauert lange und vergilbt kaum. Des Weiteren lassen sich Textilien, Bekleidung, Seile, Segel und ähnliches aus Hanf herstellen. Von Nahrungsmitteln und Kosmetikartikeln mal ganz abgesehen. Weiterhin kann Hanf gut ökologisch angebaut werden und ist biologisch abbaubar. Hanf ist auch im Anbau anspruchslos, wächst schnell und hat keine großen Ansprüche an den Boden. Die Pflanze kann die Bodenqualität verbessern und benötigt so gut wie keine Pestizide. Im Vergleich zu Holz ergibt Hanf auf gleicher Anbaufläche vier- bis fünfmal mehr Papier und lässt sich aufgrund der Reißfestigkeit öfter recyceln. Auch im Vergleich zu Baumwolle liefert Hanf zwei- bis dreimal so viel Fasern, die für Kleidung und ähnliches verwendet werden können. Weiter kann Hanf als Energiequelle genutzt werden oder in Faser- und Verbundstoffen.

Produktionsabfälle als Holzalternative

Weiterhin gibt es zum Beispiel für Terrassenverkleidungen eine neuartige Alternative, Resysta, das zu 60 % aus Abfallstoffen besteht, und zwar aus Reishülsen. Des Weiteren kommen noch 22 % Steinsalz und 18 % Mineralöl dazu. In einem Verfahren werden daraus Produkte hergestellt, die UV-beständig, rutschfest, wasserfest sowie wetterbeständig ist. Durch die Fertigung sieht das Material ähnlich wie Holz aus und aufgrund der Materialien, die für die Herstellung von Resysta verwendet werden, sind die Produkte recyclebar. Weiterhin sind die Produkte mit minimalem Pflegeaufwand lange haltbar. So kann Resysta auch für Outdoormöbel, Zäune, Fassaden, Verkleidungen, Nassbereiche, Innenausbau, Messebau, Fenster und Schiffe verwendet werden.

Eine weitverbreitet Alternative – Bambus

Auch Bambus ist eine gute Alternative zu Holz, so können zum Beispiel Bambusspäne zu Spanplatten verarbeitet werden. Aber nicht nur das lässt sich aus Bambus herstellen, auch andere Holzprodukte können aus Bambus hergestellt werden. Als alltägliches Beispiel kann die Zahnbürste aus Bambus genannt werden. Weiterhin kann Bambus für Papier, Möbel, Fußböden sowie Kleidung verwendet werden.

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Naturnahe Waldbewirtschaftung

Nachhaltige Waldwirtschaft versteht den Wald als Ökosystem, das unterschiedlichste Funktionen erfüllen sollte und sich nicht nur auf den Aspekt der Holzproduktion stützt. Nachhaltige Waldwirtschaft wird als ein Oberbegriff für mehrere Wirtschaftsweisen und Modellen verwendet. Die naturnahe Waldwirtschaft ist eines davon. Dass der Wald wichtig für uns Menschen und die Umwelt ist, vor allem in Zeiten des Klimawandels, ist klar und auch in diversen Gesetzen aufgeführt, wie zum Beispiel dem Bundeswaldgesetz in Deutschland von 1975. Doch der Begriff der Nachhaltigkeit und das vorausschauende Bewirtschaften eines Waldes geht noch viel weiter zurück. Vor mehr als 200 Jahren prägte Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ den Begriff der Nachhaltigkeit in Bezug auf den Wald. Er erkannte, dass der Wald so zu bewirtschaften ist, dass auch die Nachkommen noch ausreichend Holz zur Verfügung haben.

Im Klartext bedeutet dies nur so viel Holz zu entnehmen, wie auch nachwachsen kann. Denn die Bäume, die jetzt wachsen, werden erst von unseren Enkeln genutzt. Weiterhin soll auf den Boden mit Flora und Fauna ein besonderes Augenmerk gelegt werden, da diese für das gesamte System wichtig sind und eine Grundlage für einen stabilen Wald bieten. Im Allgemeinen werden bei der nachhaltigen Waldwirtschaft alle Leistungen des Waldes und der Dauerhaftigkeits-Gedanke berücksichtigt.

Die naturnahe Waldwirtschaft ist eine von drei waldwirtschaftlichen Konzepten mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Die zwei anderen Konzepte sind die naturgemäße Waldwirtschaft und die ökologische Waldwirtschaft. Die naturnahe Waldwirtschaft, orientiert sich, wie der Name schon andeutet, an Prozessen, die ohne den Eingriff von Menschen stattfinden würden, und nutzt diese für Bewirtschaftungsmaßnahmen. Sie versucht den ursprünglichen Zustand der Urwälder wiederherzustellen bzw. anzugleichen. Diese Prozesse, wie beispielsweise Naturverjüngung, sollen möglichst effizient und risikosenkend in ökonomischer und ökologischer Hinsicht ausgenutzt werden.

Ein maßgebliches Ziel ist es, die vorhandenen Baumarten, die das Landschaftsbild natürlicherweise prägen würden, zu fördern und stabile Mischwälder zu schaffen. Die Mischwälder sollten aus verschiedenen Altersstufen bestehen und strukturreich sein. Auch gilt ein Augenmerk auf das Prinzip „Klasse statt Masse“ zu legen. Das bedeutet, dass einzelne, am besten hochwertige und starke Bäume, geerntet werden, der Bestand aber stetig weiterwächst. Ein Kennzeichen für naturnahe Waldwirtschaft ist die waldbauliche Umwandlung von den Nadelreinbeständen hin zu Mischwäldern mit zum Beispiel erhöhtem Anteil von Rotbuche (Fagus sylvatica), Trauben-Eiche (Quercus petraea)oder Stiel-Eiche (Quercus robur). Dazu gehört natürlich auch die standortsgemäße Baumartenwahl, sowie die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, um einen Dauerwald zu begünstigen und möglichst auch keine Kahlschläge vorzunehmen. Auf Düngemittel, Herbizide, Insektizide, und andere Einsatzmittel ist zu verzichten und ökosystemverträgliche Wildbestände sollte man zulassen.

Auch bewegt sich die naturnahe Waldwirtschaft hin zu einem multifunktionalen Wald und versucht die Prozesse der Fläche abzustimmen. Der naturnahe Waldbau beinhaltet als Kernpunkte sechs verschiedene Elemente. Zum einen sind das die standortgerechte Baumartenwahl sowie die Naturnähe des Waldes im Allgemeinen. Mischwälder mit verschieden alten und großen Bäumen sind ein weiterer wichtiger Aspekt. Dabei sollte die ökologische und physikalische Stabilität der Wälder mitberücksichtigt werden. Einer der Hauptaugenmerke liegt dabei auf der Naturverjüngung, die unter anderem durch angepasste Wildbestände erreicht wird. Augenmerk sollte auf der angepassten Pflege der Bestände liegen, und zwar in der qualitäts- und stabilitätsorientierten Pflege. Weiterhin sind der integrierte Waldschutz und die pflegliche Waldarbeit auch Teile der naturnahen Waldwirtschaft. Bei allen Konzepten sollten die Interessen der verschiedenen Akteure mit einbezogen werden. 

Bestandszieltypen

In Deutschland werden Bestandszieltypen oder Waldbaurichtlinien für die einzelnen Bundesländer entwickelt und bieten Praktikern ein Nachschlagwerk zur Orientierung. In diesen Dokumenten werden Bestimmungen zur Baumartenzusammensetzung in einer praktischen Anleitung für den Waldbau geliefert. Hauptsächlich geben und gelten die Bestandszieltypen für die öffentlichen Wälder, die in Deutschland von den einzelnen Bundesländern bewirtschaftet werden. Allerdings haben auch bei anderen Nutzungsformen, wie zum Beispiel im Privat- oder Körperschaftswald diese Richtlinien eine große Bedeutung. 

Die Waldbaurichtlinien gelten allgemein und beschreiben die Grundsätze für den Waldbau. Der Bestandszieltypenerlass bestimmt noch einmal genauer, wie geeignet Baumarten bzw. Baumartenzusammensetzungen für verschiedene Standorte sind. Als höchstes Ziel der Waldwirtschaft steht die nachhaltige Waldentwicklung im Vordergrund. Es ist wichtig die Baumarten passend zu den jeweiligen Standorten zu wählen, da dies schon die erste Hürde ist, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann. Der Grundsatz der waldökologischen Orientierung ist die Naturnähe, die sich auch in den Bestandszieltypen widerspiegelt. Naturnähe fördert stabile Bestandsstrukturen und naturschutzfachliche Anforderungen. Auch die Wirtschaftszielorientierung ist ein wichtiges Leitprinzip, das befolgt werden sollte. Es misst sich an Wert- und Volumenleistungserwartungen der Bestände. 

Naturnähe und Wirtschaftlichkeit

Bestandszieltypen sind mittel- bis langfristige Zielsetzungen für einen Bestandsaufbau, der ausgehend vom Bestandszustand angestrebt wird. Nicht standortgerechte Bestandszustände sollten so zeitnah wie möglich in Richtung eines geeigneten Bestandszieltyps entwickelt werden. Bestandszieltypen beschreiben eine „während des gesamten Bestandslebens planmäßig zu gestaltende, standortsgerechte Bestockung, die sich im Hiebsreifealter der Hauptbaumart durch die Zusammensetzung nach Haupt- und Mischbaumarten sowie durch den vertikalen und horizontalen Bestandsaufbau auszeichnet“.

Ein Hauptpunkt der Bestandszieltypen sind die Stamm-Standortsformengruppen, aus denen sich die Bestände zusammensetzen. Diese sind jeweils noch nach den Klimastufen getrennt in feuchtes, mäßig trockenes und trockenes Tieflandklima. Zu der konkreten Bestandszieltypenwahl gehören, auf die Hauptbaumarten bezogen, die Grundsätze der Standortsgerechtigkeit, der Naturnähe und der Wirtschaftszielorientierung. Die neuen Bestandszieltypen sind entsprechend in Baumarten und Baumartenanteile, Bestandsstruktur, Leistungserwartung für Wertholz, Entstehung des Bestandszieltyp, mögliche Standortseinheiten, Waldentwicklungsstadien und charakteristische Waldbiotoptypen eingeteilt.

Der naturnahe Waldbau ist in Deutschland in Landesgesetzen festgehalten und somit Grundlage für die Waldwirtschaft. Das Leitbild ist, wie oben schon erwähnt, ein gemischter, strukturierter und naturnaher Wald. Diese Wälder haben häufig eine geringere Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefahren. Weiterhin sollen die Wälder standortgerecht und stabil sein, um die auch die Nutzungsmöglichkeiten langfristig zu sichern. 

Gemeinsamkeiten der Bundesländer 

Trotz der unterschiedlich aufgebauten Bestandszieltypen gibt es auch Gemeinsamkeiten bei angeratenen Zusammensetzungen, Vorschlägen und Richtlinien der verschiedenen Bundesländer. 

Beispielhaft wird hier der Bestandszieltyp Rotbuche (Fagus sylvatica) – Grüne Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. menziesii) aus Brandenburg dargestellt, welcher sich in ähnlicher Form in anderen Bundesländer findet und im Hinblick auf den Klimawandel für viele Standorte geeignet ist. Aus den Brandenburgischen Tabellen hervor, dass die Buche als Hauptbaumart mit 50 bis 70% Anteil vorkommen sollte. Die vertikale Bestandsstruktur, also die Schichtung, ist für Haupt- und Mischbaumarten so vorgesehen, dass durch frühzeitige waldbauliche Eingriffe eine vertikale Differenzierung des Bestands anzustreben ist. Dabei wird die Schnellwüchsigkeit der Douglasie ausgenutzt. Auch sollte der Unterstand vorwiegend aus Rotbuchen bestehen. Der Stammdurchmesser auf Brusthöhe beim Fällen der Buchen sollte im Optimalfall 55 bis 65 cm betragen. Das ist nach 120 bis 160 Jahren erreicht. Der Buchenbestand sollte vorzugsweise durch Naturverjüngung entstehen. Ist dies nicht der Fall, können auch Pflanzung oder die Übernahme von Unterbauten eine Möglichkeit sein.

Die Grüne Douglasie als Mischbaumart sollte einen Anteil von 20 bis 40 % ausmachen und eher einzeln unter die Buchen gemischt sein. Der gewünschte Stammdurchmesser beträgt mindestens 50 cm und die Wuchszeit 80 bis 120 Jahre. Entstehen sollte die Mischungsschicht durch Naturverjüngung, Nachbau und Ergänzung. Die Begleitbaumarten sollten ca. 10 % des Bestandes ausmachen und durch Naturverjüngung natürlich wächsen. Begleitbaumarten können beispielsweise Traubeneiche, Hainbuche, Gemeine Kiefer, Gemeine Fichte, Küstentanne, Eberesche und Gemeine Birke sein. Diese sind in der Bestandsstruktur einzelstammweise im Bestand verteilt und kommen meistens im Bereich der Bestandsränder vor. Dieser Bestandszieltyp entspricht dem sogenannten Schlusswaldstadium und ist einer von natürlichen Buchenwaldgesellschaften veränderter Waldtyp, der durch die Einbringung von Douglasien geändert wird. Dieser Typ ist aber zum Beispiel nicht für Böden mit erhöhter Staunässegefahr sowie hochanstehendem Kalk und Lehmsubstraten geeignet. Geeignete Nährstoffkraftstufen und Bodenformen sowie Humusformen und Klimastandorte werden in den Unterlagen der Bestandszieltypen aufgeführt.

Geltung in Österreich 

Aus dem oben genannten Beispiel der Bestandszieltypen können Ansätze und Vorschläge auch auf Österreich angewendet werden. Natürlich sollten die Ausgangslage und Bedingungen vor Ort berücksichtigt und jeweils angepasst werden. 

Zum Beispiel ist der Weg in Richtung Mischwälder für alle europäischen Länder eine gute Idee und sollte überall in Gang gebracht werden. Daher ist für die Fichten-Monokulturen in den Bergwäldern Österreichs ein Umbau in Richtung Bergmischwälder sinnvoll. Dadurch werden die Wälder resilienter, stabiler und können so wieder natürlichen Schutz gegen Erosionen, Lawinen und andere Gefahren bieten. Ein weiterer positiver Effekt ist die Luftreinigung und Wasserhalte- sowie Wasserfilterfähigkeit. Der oben genannte Bestandszieltyp kann auch in vielen Regionen Österreichs eine Option darstellen. Die Douglasie eine gute Baumartenwahl für die Zukunft dar, ebenso die Buche, die ihren natürlichen Verbreitungsraum in Europa hat. Aus den Bestimmungen der Bestandszieltypen können also auch für Österreich Waldbaustrategien abgeleitet werden. 

Waldstrategieplan 2020+

Eine weitere Möglichkeit, um den Waldbau in eine nachhaltigere und zukunftsorientierte Richtung zu lenken ist der Waldstrategieplan 2020+. Dies ist ein vom österreichischen Ministerium herausgegebener Plan, der Strategien für die Waldwirtschaft darlegt. Er wurde durch Walddialog-Beteiligte erarbeitet und es ist ein eigenes Arbeitsprogramm für dessen Umsetzung erarbeitet worden. Das Programm enthält konkrete Maßnahmen und ist somit das Umsetzungsinstrument der Waldstrategie. Es soll laufend weiterentwickelt und angepasst werden.

Das Hauptaugenmerk des Strategieplans liegt auf der nachhaltigen multifunktionalen Waldwirtschaft, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt. Es sind sieben Punkte aufgelistet, die als Orientierungspunkte gelten sollen, und zwar: 

1. Beitrag der österreichischen Wälder zum Klimaschutz 
2. Gesundheit und Vitalität der österreichischen Wälder 
3. Produktivität und wirtschaftliche Aspekte der österreichischen Wälder 
4. Biologische Vielfalt in Österreichs Wäldern 
5. Schutzfunktionen der österreichischen Wälder 
6. Gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Aspekte der österreichischen Wälder 
7. Österreichs internationale Verantwortung für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Dem Wald stehen viele Erwartungen und Ansprüche entgegen. Er soll Lebensraum, Erholung, Wasserfilter, Schutz gegen Lawinen und Kohlenstoffspeicher bieten. Das sind viele Aufgaben für ein komplexes Ökosystem. Da so viele Anforderungen an den Wald bestehen, sollte es klar sein wie wichtig sein Schutz ist. Die Ansprüche an ihn werden aber immer höher, weshalb es wichtig ist ihn nachhaltig zu bewirtschaften und bedacht mit ihm umzugehen. Um solche Reglements für die Waldbesitzer zu bieten, gibt es diese Handlungsvorgaben/-anregungen des Waldstrategieplans.

Richtlinien des ÖBF

Auch von den österreichischen Bundesforsten (ÖBF) wird eine ökologische und naturnahe Waldwirtschaft angestrebt. Zwar sind dessen Vorgaben nur für die Landesforste zwingend, allerdings können diese Leitsätze und Prinzipien natürlich auch von privaten Waldbesitzern verwendet werden. Die waldbaulichen Strategien sind in einem weiteren Heft zusammengestellt, welches als Orientierungspunkt dienen sollte. Auch hier wird das Augenmerk auf naturgemäße und ökologische Waldwirtschaft gelegt, da nur so die multifunktionalen Anforderungen an den Wald erfüllt werden können. So steht auch in Österreich die natürliche Baumartenzusammensetzung im Vordergrund, welche standortsgerecht eingesetzt werden sollte. Im Klartext bedeutet das Bäume aus der potenziell natürlichen Vegetation der jeweiligen Region zu verwenden.

Des Weiteren wird auch auf die Naturverjüngung ein Augenmerk gelegt, durch die neue Bestände begründet werden sollen. Auch die Biodiversität spielt eine große Rolle in der naturnahen Waldbewirtschaftung. Diese soll gefördert werden und Kleinstrukturen/-biotope sowie Besonderheiten erhalten bleiben. Es werden also Wälder angestrebt, die standortangepasst, gesund, gut strukturiert und stabil sind. Dabei sollen die Wälder auch wertvolles Holz liefern, um den wirtschaftlichen Nutzen zu integrieren.

Ein weiteres Augenmerk wird aktuell auf den Klimawandel gelegt. Dabei ist bei Wäldern besonders auf die Resilienz zu achten sowie auf die Anpassung an wärmere Temperaturen und erhöhte Schadereignisse bei der Baumartenwahl.Um in einem konkreten Bestand Ziele zu formulieren und später zu erreichen, ist es zuerst wichtig aktuelle waldbaulichen Planungen und Grundlagen zu analysieren, die sich an den natürlichen Gegebenheiten des jeweiligen Bestandes orientieren. Wichtig ist den vorliegenden Standort genau zu bestimmen, was für ein Bestand gewünscht ist und wie dieser erreicht werden kann. Durch diese Bestimmungen kann für jeden Waldbesitzer mit den vorgegebenen Kriterien eine naturgemäße Waldwirtschaft/-strategie geplant werden. Die Bestandszieltypen aus Deutschland haben mit den verschiedenen Strategien in Österreich viele Gemeinsamkeiten, die auch individuell von Förstern übernommen werden können.