Holzernte früher und heute

Nicht nur die Landwirtschaft erlebt so viele Branchen eine Technisierung, auch in der Forstbranche kam über die Jahre mehr und mehr Technik hinzu. Wurden früher Bäume mit Hand gefällt und mit Pferden, Schlitten oder Flößen wegtransportiert, kommen heute mechanisierte Vollerntemaschinen zum Einsatz. Dabei steht der Wald meistens als Holz-Ressource für den Menschen im Vordergrund. Durch seine diversen Vorteile ist er jedoch für den Menschen über tausende von Jahren eine der wichtigsten Quelle im täglichen Leben geblieben. 

Forstgeschichte

Vor der Industrialisierung und dem Aufkommen der fossilen Brennstoffe wurde ausschließlich Holz als Wärme- und Energiequelle sowie für Schwerindustrie, Salinen und Weiterverarbeitung von Erzen verwendet. Dadurch entwickelte sich die Forstwirtschaft von einer Selbstversorgung hin zu einer vermehrt großerwerblichen Nutzung. Durch die immer stärker auftretende Holzverknappung wurde angefangen über die Nachhaltigkeit und Langfristigkeit der Wälder nachzudenken und eine geregelte Forstwirtschaft aufzubauen. Unter anderem daraus resultierte am dritten Dezember 1852 das Forstgesetz, welches bis 1975 Gültigkeit hatte. Seitdem gilt ein neues Forstgesetz mit dem obersten Ziel die Waldfläche in Österreich zu erhalten. Auch durch immer häufiger auftretende Schäden in der Natur durch den Menschen und daraus resultierende Katastrophen wurde der Naturschutz- und Schutzwald-Gedanke wichtiger zur Stabilisierung und Pufferung der auftretenden Schäden.

Um früher das Holz zu den Werken zu bringen, hatten Manneskraft und Schlitten eine große Bedeutung, vor allem in den Bergen. Deshalb war Schnee auch ein wichtiger Faktor für den Transport. Vor allem in früheren Zeiten wurden Handsägen zum Fällen verwendet, bevor die Motorsäge eingeführt wurde. In den Gegenden mit Flüssen war es auch üblich die Stämme zu Flößen zusammenzubinden und diese auf dem Wasser zum Sägewerk zu transportieren. Auch wurden in steilen Gegenden eine Art Rutschen angelegt, in denen die Stämme ins Tal befördert wurden. Ab den 1990er Jahren wurde der Harvester, eine Vollerntemaschine, immer populärer und löste zum größten Teil die Arbeit mit der Motorsäge ab. Dadurch wurde die Arbeit immer effektiver, früher schaffte ein Waldarbeiter ungefähr ein bis drei Festmeter Holz in der Stunde, der Harvester schafft heute um die 20 Festmeter.

Aufkommen der modernen Technologie

Noch 1955 wurde der Großteil der Holzernte manuell mit der Hand- oder Zugsäge erledigt und ca. die Hälfte mit Pferden oder Ochsen abtransportiert, die andere Hälfte mit landwirtschaftlichen Maschinen. Rückegassen und andere Wege waren damals noch nicht vorhanden. Jedoch schon zehn Jahre später rückte die Arbeit mit Pferden immer weiter in den Hintergrund, die Bäume wurden nun mit der Kettensäge gefällt und die Nutzung von landwirtschaftlichen Schleppern stieg an. Weitere zehn Jahre später wurden erste Spezialforstschlepper in Skandinavien und Kanada entwickelt, die schnell Verwendung im Forst fanden. Nochmal zehn Jahre später sind Pferde kaum im Forstgeschehen zu finden, das Holz wird nur noch mit Schleppern gerückt. Zu dieser Zeit sind die ersten Harvester entwickelt worden, allerdings noch nicht wirklich im Einsatz. Doch das ändert sich. 1995 werden Harvester vermehrt eingesetzt und Pferde sind längst aus den Wäldern verdrängt worden. Auch in den 2000ern bleibt das Bild gleich. 

Vor einigen Jahren allerdings ist das Rücken mit Pferden wieder populärer geworden, da so der Boden geschont wird und eine ökologischere Waldbewirtschaftung möglich ist. In schwer zugänglichen und feuchten Gegenden hat sich das Rücken mit Pferden wieder mehr durchgesetzt. Pferde gelangen an solche Orte besser und einfacher als Harvester und Forwarder, da die Pferde wendiger, leichter und flexibler sind. 

Waldbewirtschaftung mit Pferd 

Das Haupteinsatzgebiet für Rückepferde sind meistens schwache und mittelstarke Bestände, bei denen die Pferde noch gut zurechtkommen, besser als im Starkholzbereich. Im Gegensatz zu Maschinen sind Pferde allerdings nicht so effektiv und kosten auf den Festmeter fünf Euro mehr als ein Harvester. Rechnen kann sich das allerdings über den positiven Effekt auf den Wald, Boden und die Umwelt. Außerdem können die Rückegassen von den üblichen 20 Metern auf 40 Meter erweitert werden, was wiederum neu gewonnene Fläche für den Wald bedeutet. Und durch weniger Kosten aus Bestands- und Bodenschäden kann sich im Endeffekt der Einsatz von Rückepferden lohnen. Ganz ohne Maschinen geht es in der modernen Forstwirtschaft allerdings nicht. 

Die Arbeitsbeziehung zwischen Pferd und Mensch hat eine lange Tradition und Menschen bauten auf die Pferde nicht nur als Transportmittel, sondern auch in der Land- und Forstwirtschaft. Als williges Arbeitstier ist das Rückepferd eine gute Alternative zum Einsatz von Forstmaschinen. Vor allem Bodenschäden werden geringgehalten und junge Pflanzen geschont.

Eingesetzt werden vor allem Kaltblüter, wie zum Beispiel das Schleswiger Kaltblut, es können aber auch schwere Warmblüter oder Kreuzungen verwendet werden. Als Eigenschaften sollten die Pferde ein ruhiges Wesen haben, gute Nerven und Geschick mitbringen, zuverlässig, lernfähig und anpassungsfähig sein. Wichtige körperliche Eigenschaften sind ein gutes Körpergewicht von mindestens 700 kg. Zu leichte Pferde springen häufig ein oder ziehen zu hastig, was zu einer schnelleren Ermüdung führt. Bei zu hohen Gewichten ist allerdings die Wendigkeit der Pferde eingeschränkt. Des Weiteren sollten die Pferde eine ausgeprägte Muskulatur besitzen. Starke Gelenke sind eine weitere wichtige Eigenschaft. Dazu sollten die Pferde eine breite und tiefe Brust besitzen und einen breiten, kräftigen Rücken.

Rückepferde sollten nicht allzu lange durchgängig arbeiten. Bis zu vier Stunden pro Tag kann ein Pferd am Stück arbeiten, sollte dabei aber nicht mehr als 20 % seines eigenen Körpergewichts auf Dauer ziehen. Meistens werden die Pferde zum Vorrücken verwendet. Das bedeutet, dass die Pferde zwischen zwei Rückegassen die Holzstämme meistens zu einem Weg vorrücken, wo sie dann von einer Maschine abtransportiert werden.

Waldbewirtschaftung mit Maschinen 

Die eigentlich überall am weitesten verbreitete Methode ist hingegen die Holzernte mit vollautomatischen Maschinen. Dazu werden im Normalfall zwei verschiedene Fahrzeuge verwendet: der Harvester und der Forwarder. Harvester sind große Traktoren mit einem Kran, an dem ein Arbeitskopf angebracht ist, der in einem Arbeitsschritt den Baum fällt, entastet, in Stücke schneidet und gegebenenfalls auch entrindet. Das bedeutet der Harvester fährt auf einige Meter an den zu fällenden Baum heran, fährt dann den Kran aus und greift den Baum. Nachdem der Harvester seine Arbeit getan hat, bleiben entastete und auf die richtige Länge zugeschnittene Stämme übrig, die auf dem Waldboden abgelegt werden. An diesem Punkt kommt die zweite Maschine zum Einsatz. Forwarder sind letztlich LKWs, die speziell für den Transport von Stämmen innerhalb des Waldes ausgerüstet sind. Sie haben große Räder oder Laufketten, die dafür gemacht sind, auch in tiefem und feuchtem Waldboden voranzukommen. Zudem haben sie einen Greifarm, mit dem die zurechtgeschnittenen Stämme auf die Ladefläche gehoben werden. Um eine effektive Arbeit zu ermöglichen, können Forwarder viele große Stämme und mehrere Tonnen Holz auf einmal transportieren, wodurch sie voll beladen wiederum sehr schwer sind. Das belastet den Waldboden, auf dem sie fahren, enorm. 

Neben seiner Kosteneffizienz hat der Einsatz von Harvestern und Forwardern noch einen zweiten großen Vorteil, die erhöhte Sicherheit der Forstarbeiter. Beim Einsatz von Rückepferden müssen die Bäume per Hand gefällt werden, was trotz aller Sicherheitsvorkehrungen Gefahren für die Arbeiter birgt. Außerdem muss das Rücken mit Pferden geübt sein, damit dieses gefahrlos ablaufen kann. Der Faktor Mensch birgt hier nicht nur Gefahren für die Arbeiter selbst, sondern auch für den restlichen Bestand. Manuelles Fällen und Rücken führt immer wieder dazu, dass auch stehende Bäume beschädigt werden. Diesen Vorteilen steht vor allem den Schaden gegenüber, den diese tonnenschweren Fahrzeuge dem Waldboden zufügen.

Pferd oder Maschine?

Daher ist es unwahrscheinlich, dass Rückepferde Harvester und Forwarder aufs Neue komplett verdrängen werden. Allerdings sind Rückepferde gerade in Wäldern mit empfindlichen Böden eine echte Alternative. Dies gilt besonders in Moor- und Auenwäldern, die konstant nasse Böden haben, in denen sich die Räder oder Ketten der Fahrzeuge tief eingraben. So zerstören sie eine vielfältige Bodenflora und- fauna, die essenziell für einen intakten Wald ist. In anderen Szenarien, z.B. an Steilhängen, auf sandigen und somit druckresistenten Böden und in Beständen mit sehr großen Stämmen, die zu schwer für Pferde sind, sind Rückepferde allerdings nicht geeignet. 

Unabhängig von der Wahl der geeigneten Fäll- und Rückemethode muss jedoch die Bodenschonung Priorität bei der Holzernte haben. Trotz steigenden Bewusstseins wird immer noch laufend unterschätzt, wie elementar ein intakter Boden ist, um die Ökosystemdienstleistungen und den Holzertrag unserer Wälder aufrecht zu erhalten. Die Rückkehr zu alten, schonenderen Arbeitsweisen ist eine Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen. Da Harvester und Forwarder jedoch nicht so schnell aus unseren Wäldern verschwinden werden, muss jedoch auch bei ihrem Einsatz darauf geachtet werden, möglichst schonend vorzugehen. Da bedeutet unnötige Befahrung zu vermeiden, möglichst wenige Rückegassen anzulegen und zu ernten, wenn die Böden trocken sind. 

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