Naturschutzkriminalität gefährdet Waldfauna

Naturschutzkriminalität gibt es nicht nur in Afrika sondern auch in Europa. Österreich ist dabei keine Ausnahme. Generell wird Naturschutzkriminalität als kriminelle Handlungen an frei-lebenden und oft geschützten Wildtierartendefiniert. In Österreich und Deutschland handelt es sich hierbei vor allem um Greifvögel, Biber, Fischotter, aber auch Luchse und Wölfe. Aber warum werden Tiere illegal getötet und welche Auswirkungen hat das auf gefährdete Arten wie den Luchs?

Motive illegaler Tötungen

Obwohl die Täter illegaler Tötungen oft nicht klar sind, da die Verfolgung keine Resultate bringt, zeichnet sich generell ein Muster bei den Motiven ab. Diese sind vor allem:

  • Jagdkonkurrenz
  • Angst vor Wertverlust (z.B. geringere Pacht)
  • Abwehr zum Schutz von Nutztieren
  • Wirtschaftliche Interessen (z.B. Baugenehmigungen Windkraft)
  • Trophäenjagd
  • Jagdtourismus
  • Historische Gründe (z.B. Nationalparkgegner)
  • Zeichen setzen gegen Naturschutzbewegung

Vor allem Beutegreifer wie Greifvögel, Luchs oder Fischotter können als Gefahr oder Jagdkonkurrenten empfunden werden, da sie Geflügel, Niederwild oder Fische als Beute ansehen. Ihre Bedeutung für das Ökosystem wird dabei leider oft vergessen. Dabei sind die Methoden zur Tötung unterschiedlich wobei es vor allem auf die Tierart ankommt, die das Ziel darstellt. Am häufigsten kommen Vergiftung, Fallen, Beschuss und Aushorstung bzw. das Entfernen von Gelegen oder ganzen Horstbäumen vor.

Großpolizei Einsatz zur Spurensuche

In Österreich und Deutschland fallen vor allem Greifvögel und Eulen den Tätern zum Opfer, wobei es in den wenigsten Fällen zu einer Anzeige kommt aufgrund fehlender Beweise. Deshalb fand eine bislang einmalige Absuchaktion für den Natur- und Artenschutz im März 2021 in Niederbayern statt. Dieser sollte als Warnsignal und Zeichen gegen Naturschutzkriminalität gelten und hoffentlich zu den möglichen Tätern führen. 

Der Grund für den Einsatz war eine Serie von vergifteten Greifvögeln. Seit Ende Jänner 2021 wurden in den Landkreisen Straubing-Bogen, Dingolfing-Landau und Deggendorf 11 tote Greifvögel gefunden, die meisten davon Mäusebussarde und eine Rabenkrähe. Die Suchaktion fand mit Aufspürstöcken und Drohnen statt, um Spuren zu finden, die sie zum möglichen Täter führen könnten.

Obwohl solch ein Großeinsatz selten ist, sind es die Fälle von illegalen Tötungen nicht. BirdLife Österreich und der WWF haben Ende 2020 einen Bericht veröffentlicht, der zeigt, dass in allen Bundesländern einschlägige Straftaten gemeldet wurden. Mit insgesamt 87 Fällen zwischen 2016 und 2020 gibt es sogenannte Hotspots der illegalen Verfolgung von Greifvögeln welche die Bezirke Gänserndorf, Neusiedl am See, Mistelbach und Hollabrunn umfassen.Bei den illegalen Tötungen streng geschützter Säugetiere wie Bär, Luchs, Wolf, Biber oder Fischotter gibt es weniger Daten. Dennoch dokumentiert der Bericht in sieben von neun Bundesländern – bis auf Wien und Vorarlberg – eine oder mehrere illegale Tötungen von Säugetierarten. 

Kann die Luchspopulation überhaupt wachsen?

Wildbiologen wissen mittlerweile dass – trotz optimaler Lebensraumbedingungen und fortlaufend nachgewiesenem Nachwuchs – illegale Verfolgung dafür verantwortlich ist, dass der Luchsbestand in Österreich seit vielen Jahren kaum zunimmt. Illegale Abschüsse sind das, was die Rückkehr des Luchses am meisten behindert, denn bei den geringen Stückzahlen ist jedes getötete Tier ein Verlust, der schwer auszugleichen ist.

Zum Beispiel wurde in 2011/12 in Österreich drei Tiere aus der Schweiz angesiedelt, um den Bestand im Nationalpark Kalkalpen zu stützen. Dies führte zu Nachwuchs, aber 2015 brach der kleine Bestand wieder aufgrund zweier illegaler Abschüsse ein. Das verantwortliche Jägerehepaar musste dafür jeweils 12.000 Euro Schadenersatz zahlen. Um den Verlust auszugleichen, wurden zwei neue Luchse in den Kalkalpen angesiedelt und man hofft jetzt wieder auf Nachwuchs.

Eine wissenschaftliche Studie von Heurich (2018) hat alle verfügbaren Daten des Luchsmonitorings ausgewertet und ist zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen, dass das Vorkommen von Luchsen mit wachsender Entfernung von den Grenzen des Schutzgebietes rapide abnimmt, obwohl zahlreiche günstige Luchshabitate existieren. Die Luchse schaffen es also nicht, die Lebensräume zu besiedeln, die ihnen zur Verfügung stehen. 

In Österreich sind insgesamt nur sechs Fälle von illegal gewilderten Luchsen bekannt, wobei eine höhere Dunkelziffer sehr wahrscheinlich ist. Im Jahr 2012 wurde ein erschossener Luchs bei Mautern/Steiermark zur Tarnung auf die Geleise gelegt und vom Zug überrollt. Im Jahr darauf wurden zwei tote Luchse in einem Plastiksack in der Ysper aufgefunden – die Täter sind noch unbekannt. Wie schon erwähnt wurde 2015 einem Jägerehepaar die Erlegung von zwei Luchsen in der Nationalpark-Kalkalpen-Region nachgewiesen, was zu einer Verurteilung führte. Der letzte Fall illegaler Verfolgung wurde 2017 dokumentiert. Luchs Alus wurde an der Grenze Salzburg-Bayern (Saalachsee) erschossen aufgefunden. Im Waldviertel und Mühlviertel wurden zudem immer wieder verwaiste Jungluchse aufgefunden, weshalb auch aufgrund anderer bestätigter Vorfälle illegale Verfolgung als Ursache nicht auszuschließen ist.

Viele Wildtiertötungen bleiben ungeklärt

Die Aufklärung solcher illegaler Wildtiertötungen ist schwierig. Ein Großteil der Fälle von Naturschutzkriminalität bleibt ungeklärt und für die Täter folgenlos. Wird man jedoch erwischt fällt das Urteil je nach Tierart, also ob sie geschützt ist oder nicht, aus. Einen der raren Schuldsprüche vor Gericht gab es etwa im Sommer 2020 für einen Waldviertler Jäger, der eine Geldstrafe sowie eine sechsmonatige, bedingte Haftstrafe unter anderem für die Vergiftung eines Seeadlers und Mäusebussards sowie die Tötung eines Uhus erhielt.

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