Waldbrand: Neue Gefahr für die heimischen Waldökosysteme?

Lange Zeit spielten Waldbrände in Österreich kaum eine Rolle. Die wenigen auftretenden Brände waren meist Folge von unvorsichtigem Verhalten von Waldbesuchern, die Schäden hielten sich in Grenzen. Durch den Klimawandel hat sich das aber in den letzten Jahren gewandelt und wird sich in der Zukunft noch zuspitzen.

Entscheidender als hohe Temperaturen ist ein Mangel an Feuchtigkeit. Längere Perioden ohne Niederschlag trocknen speziell Gräser aus und werden zum Ausgangspunkt eines Feuers. Auch die Ansammlung trockener Nadeln – wie es für Kieferbestände typisch ist – führt zu Waldbränden. Daher kann es auch in Wintermonaten, in denen es keinen Niederschlag gibt, zu Bränden kommen. In 85% der Fälle ist Unachtsamkeit der Auslöser für einen Waldbrand. In Wäldern, wo seit mehreren Wochen kein Regen mehr gefallen ist, kann bereits eine Zigarette reichen, um einen Waldbrand auszulösen. In gefährdeten Gebieten darf daher kein offenes Feuer entfacht werden und es ist besondere Vorsicht geboten. Auch durch Funkenschlag in Maschinen, z.B. Forstmaschinen, können Waldbrände entstehen.

Waldbrand ist nicht gleich Waldbrand

Bei sogenannten Bodenfeuern verbrennt hauptsächlich die Bodenvegetation, also Gräser, Kräuter und Laub bzw. Nadeln. Das Schadensausmaß eines Bodenfeuers hängt vor allem vom Vorhandensein von brennbarem Material ab: Hängen an den Bäumen reichlich dürre Äste und Kronenreste, kann sich das Bodenfeuer zum Kronenfeuer weiterentwickeln. Dabei greifen die Flammen von der Bodenvegetation auf tiefhängende Äste über und von dort auf die Kronen.  Beginnen ganze Bäume zu brennen, spricht man von einem Vollfeuer. Vollfeuer verursachen die stärksten Waldbrände, die meist zu einem Totalverlust der Bäume führen.

Bodenfeuer sind am leichtesten zu bekämpfen, Vollfeuer am schwierigsten. In Verbindung mit starken Winden können sich Vollfeuer schnell verbreiten. Bei intensiven Bränden ist es sogar möglich, dass das Feuer selbst über die Breite einer Straße von Krone zu Krone überspringt.

Baumartenwahl

Nadelholz hat eine stärkere Tendenz zu brennen als Laubbäume. Die Kiefer etwa enthält neben Harz auch noch verschiedene ätherische Öle, die das Holz leichter brennen lassen als das bei Laubbäumen der Fall ist. Die Streu, also die auf dem Boden liegenden Nadeln bzw. Blätter, von Nadelbäumen ist ebenfalls leichter entzündbar als die von Laubbäumen. Es gibt aber auch Baumarten, die als besonders geeignet gelten für waldbrandgefährdete Gebiete.

Besonders geeignet auf relativ armen Standorten ist die Roteiche. Werden Waldbrandriegel aus Roteiche von einem Feuer durchlaufen, so können die Stämme im folgenden Winter am Stumpf abgesägt werden und treiben im kommenden Jahr wieder üppig aus. Auch die Traubeneiche kann durch diesen sogenannten Stockausschlag austreiben, wenn sie nach Bodenfeuern zurückgeschnitten wird. Die Buche wird am besten mittels Saat oder Naturverjüngung in bestehende Bestände eingebracht. Dadurch wird der Graswuchs unterbunden. Für den Unterwuchs auf besseren Standorten eignen sich die Baumarten Linde, Ahorn oder Hainbuche. Von der Birke ist eher abzuraten: bei großer Trockenheit ist die Rinde leicht entzündbar, außerdem entwickelt sich in den lichten Birkenbeständen eine üppige Grasvegetation, die zum Ausgangspunkt von Waldbränden werden kann.

Vorsorgen hilft

Die wichtigste waldbauliche Methode, um das Waldbrandrisiko zu senken, liegt darin Laubhölzer zu fördern. Laubbäume haben zwei Effekte: Ihr Laub ist nicht so leicht entflammbar wie die Nadeln und das Holz enthält mehr Feuchtigkeit. In manchen Beständen wird die Beimischung von Laubhölzern, die langsamer wachsen, die Holzproduktion schmälern. Die Bestandsstabilität ist in diesem Fall aber wichtiger als der Holzertrag, denn durch Waldbrände droht ein Gesamtverlust des Holzvorrates.

Als weitere waldbauliche Methode gilt die Isolierung von entstandenen Bränden. Dafür werden im Bestand Flächen angelegt, in denen das Feuer keinerlei Brennmaterial findet. Je nach Größe und Art unterscheidet man Wundstreifen, Schutzstreifen und Waldbrandriegel. Wundstreifen sollen die Verbreitung von Feuern komplett verhindern. Dazu werden Flächen von etwa einem Meter Breite angelegt, die von brennbarem Material und humusreichem Boden befreit werden. Durch einen Wundstreifen wird die Verbreitung eines Bodenfeuers verhindert. Wiederholtes Pflügen in der Waldbrandsaison hält die Funktion aufrecht.

Schutzstreifen sind ca. 20 bis 30 Meter breite Flächen, die von leicht brennbarem Material wie Reisig, dürren Ästen und Gestrüpp befreit werden. Ebenso werden schwache und trockene Bäume entfernt. Da wenig Brennmaterial vorhanden ist, können Bodenfeuer nicht auf die Kronen übergreifen.

Waldbrandriegel sind 100 bis 300 Meter breite Flächen, die mit brandhemmenden Laubbäumen und Sträuchern bewachsen sind. Ein Waldbrandriegel soll Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln sowie der Feuerwalze die Energie entziehen. Außerdem kann trockenes Material auf dem Boden entfernt werden, sodass auch Bodenfeuer eingedämmt werden. Aufgrund des großen Flächenbedarfs von Waldbrandriegeln ist hier die Kooperation von mehreren Waldbesitzern notwendig. Auch der Verlauf eines Waldbrandriegels muss richtig geplant werden. Da der Wind meist aus Westen bläst, sollen die Riegel von Norden nach Süden verlaufen, um eine Barriere für das Feuer darzustellen.

Technische Einrichtungen

Das wichtigste Löschmittel ist und bleibt Wasser. Löschteiche dienen der Feuerwehr dazu, in unmittelbarer Brandnähe Wasser entnehmen zu können. In großen, zusammenhängenden brandgefährdeten Waldgebieten ist es hilfreich solche Löschteiche anzulegen. Dabei können entweder natürliche Gewässer genutzt oder künstliche Teiche angelegt werden. Bei der Neuanlage von Löschteichen ist eine Abstimmung der Waldbesitzer, der Forstbehörde sowie der Feuerwehren unbedingt notwendig. Wichtig ist, dass Entnahmestellen der Feuerwehr bekannt und für Löschfahrzeuge erreichbar sind. Laufende Kontrollen der Löschteiche, speziell in den Sommermonaten, garantieren deren Einsatztauglichkeit.

Beim Bau von neuen Forststraßen sollte in waldbrandgefährdeten Gebieten ebenfalls die lokale Feuerwehr eingebunden werden. Während der Brandsaison ist darauf zu achten, dass die Froststraßen frei und befahrbar sind und keine Hindernisse wie abgestellte Forstmaschinen oder provisorische Holzlager die Durchfahrt behindern.

Verhalten im Brandfall

Wer einen Waldbrand oder einen Brand in der Nähe des Waldes entdeckt, kann – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen – mit Löschversuchen beginnen. Hierbei helfen schon einfache Mittel wie z. B. ein entstehendes Bodenfeuer mit Erde zu bedecken oder es mit grünen Zweigen auszustreichen. Wenn erste Bekämpfungsmaßnahmen erfolgt sind und der Brand möglicherweise gelöscht wurde, ist die Feuerwehr in jedem Fall unmittelbar zu informieren. Denn Glutreste können im Untergrund immer noch glimmen und das Feuer neu entzünden. Wenn das Feuer nicht selbst gelöscht werden kann, ist die Feuerwehr so schnell wie möglich zu alarmieren. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgt in Österreich über den Notruf 122.

Für die Brandmeldung sind folgende Informationen wichtig:

  1. Wo brennt es? – genaue Ortsangabe, markante Geländepunkte (großer Baum, Wiese oder Felsen), Brandausmaß
  2. Was brennt? – Bodenvegetation oder Baumkronen
  3. Sind Menschen und Tiere oder Sachwerte in Gefahr? – Personen, Häuser oder andere Einrichtungen in der Umgebung
  4. Ort, von dem Sie den Brand melden? – Angabe Ihrer Rückrufnummer, Aufenthaltsort, wenn möglich auf Rettungskräfte warten, damit diese eventuell zum Brandort geführt werden können.

Mehr zum Thema Waldbrand im Buch “Waldbrand” von Bernhard Henning und auf seiner Internetseite Forestbook

Leben nach dem Brand

Waldbrandflächen sind sogenannte Störungsflächen, die vor allem von Pioniervegetation erobert werden. Wie lang das dauert, hängt vor allem von der Intensität und der Temperatur des Waldbrandes ab. Bei starken Vollfeuern werden auch Wurzeln sowie die meisten im Boden befindlichen Samen zerstört. Daher kann es einige Jahre dauern, bis die Samen von anderen Baumarten vom Wind eingetragen werden und keimen. Durch die Asche sind Brandflächen reich mit Nährstoffen ausgestattet, auf Hanglagen kann es aber durch Niederschläge zur raschen Auswaschung und Erosion kommen. Auf ehemaligen Waldbrandflächen siedeln sich zahlreiche Pflanzenarten an, sie sind daher auch ein beliebter Platz zum Grasen für Wild. Um die jungen Bäume vor Wildverbiss zu schützen, können verkohlte Stämme auf der Fläche liegengelassen werden, sofern es die Arbeitssicherheit zulässt. Eine rasche Aufforstung sollte nur in Schutzwaldgebieten durchgeführt werden. Ansonsten sollte der Waldbesitzer darauf warten, dass sich ein Vorwald aus Birke, Eberesche und Salweide ausgebildet hat, und dann erst unter dem Schirm dieser wenig konkurrenzfähigen Pionierbäume weitere Verjüngungsschritte wie Saat und Pflanzungen einleiten, um Zielbaumarten einzubringen. Der Grund hierfür liegt vor allem in der üppigen Konkurrenzvegetation, die sich auf den fruchtbaren Waldbrandflächen bildet. Die Pionierbaumarten bringen diese kostengünstig und auf natürliche Art und Weise unter Kontrolle. Alles, was es dafür braucht, ist etwas Geduld und Vertrauen in die Natur.

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