Waldbrand in Treuenbrietzen – Bekämpfung

Die Jahre 2018 und 2019 werden wahrscheinlich in die Geschichte eingehen als die Jahre mit den meisten Waldbränden weltweit, so auch in Mitteleuropa. Während wir Waldbrände in den Tropen, Afrika oder auch in weitläufigen borealen Wäldern des Nordens gewöhnt sind, waren Waldbrände im deutschsprachigen Raum lange Zeit kein großes Problem. Durch den Klimawandel und damit einhergehende Dürreperioden könnte sich dies jedoch ändern. Wie schlecht vorbereitet viele Forstbetriebe und Feuerwehren auf große Waldbrände sind, zeigte sich im Jahre 2018 in Brandenburg.

Treuenbrietzen ist eine kleine Stadt nahe Berlin, umgeben von 20 km² eigenem Stadtwald und einem Mosaik aus Privatwald, der zum Großteil durch eine Eigentümer-Genossenschaft verwaltet wird. Auch wenn der Stadtwald seit über 10 Jahren nach dem Prinzip der „Naturgemäßen Waldwirtschaft“ bewirtschaftet wird, besteht der Großteil dort immer noch aus den für Sandböden typischen Kiefermonokulturen. Da Waldbrände hier lange kein Thema waren und die Region wirtschaftlich schwach ist, wurde hier in den letzten Jahrzehnten der wirtschaftliche Ertrag des Waldes in den Vordergrund gestellt.

Welche Gefahr Monokulturen in Zeiten von zunehmender Hitze und abnehmender Niederschläge darstellen, zeigte sich gegen Ende des Jahrhundertsommers 2018. Dieser war der sonnenreichste aller Zeiten in Brandenburg und die Niederschlagsmenge so gering wie erst viermal seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese Kombination führte zu einem nie dagewesenen Austrocknen der Böden, da die Kiefermonokulturen mit ihrem lichten Kronendach und humusarmen Boden nicht genug Wasser zurückhalten konnten. Zwar gibt es ähnliche Bedingungen regelmäßig in anderen Teilen der Welt, dort ist man jedoch auf Waldbrände eingestellt. In Treuenbrietzen waren jedoch sowohl Förster als auch Feuerwehr und Anwohner überrascht, wie schnell sich der Brand, der am 23.8.18 ausbrach, ausbreitete.

Wie aus Feuerwehrberichten zu entnehmen ist, trafen die meisten Einsatzkräfte erst ein, als die Rauchwolke des Brandes bereits aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen war. Anscheinend hatten sich an mehreren Stellen gleichzeitig – Hinweise auf Brandstiftung konnten nicht gefunden werden – Bodenfeuer entfacht, die sich im ausgetrockneten Gras und Kiefernstreu rasant ausbreiteten. In trockenen Gegenden der Erde sind solche Bodenfeuer Teil des Alltags und es werden vorsorglich Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung einzuschränken. Auch zuständige Förster in Treuenbrietzen forderten sogenannte Waldbrandriegel, Randstreifen aus Laubbüschen, die deutlich mehr Feuchtigkeit halten als Kiefern und Gras und Waldbrände damit stoppen können. Wie wichtig Waldbrandriegel gewesen wären, zeigte sich an der Bundesstraße, die durch das Gebiet des Brandes läuft. Die Bundesstraße und die einige Meter davon parallel liegenden Bahngleise wurden von vielen als unüberwindbares Hindernis für ein Bodenfeuer gesehen. Starke Winde sorgten jedoch dafür, dass die Flammen an einigen Stellen auf die Kronen übergriffen und sowohl die Straße als auch die Gleise überspringen konnten.

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Zur Bekämpfung des Waldbrandes wurden innerhalb von vier Tagen ca. 5000 Helfer hinzugezogen, die Tag und Nacht arbeiteten, um die Flammen unter Kontrolle zu bekommen. Das Problem waren in vielen Fällen jedoch nicht fehlende Helfer, sondern fehlende Ausrüstung und fehlendes Wasser. Da die ganze Region seit Monaten unter Trockenheit litt, waren die Wasserreserven bereits dezimiert und nicht genug Löschfahrzeuge zur Verfügung, um genug Wasser von teilweise weit entfernten Wasserentnahmestellen zu den Brandherden zu transportieren. Infolgedessen musste die Feuerwehr zu einer Technik greifen, die die meisten Einsatzkräfte noch nie im Ernstfall verwendet hatten. Per Hand wurden mithilfe von Schaufeln und Spaten Gräben gezogen, um den Brand zu stoppen. Dies gelang auch an einigen Stellen, ist jedoch eine sehr aufwändige und kräftezehrende Methode. In vielen Gegenden der Welt, die besser auf Waldbrände eingestellt sind, werden stattdessen Gegenfeuer zur Bekämpfung verwendet. Das bedeutet, dass Grasstreifen rund um den Brandherd gezielt abgebrannt werden. Dadurch steht dem Feuer kein Brennstoff mehr zur Verfügung, sobald es diesen Streifen erreicht, und es kann sich nicht weiter ausbreiten. In Deutschland werden Gegenfeuer als Maßnahme zur Waldbrandbekämpfung jedoch nicht eingesetzt, da ihre Kontrolle Fachwissen erfordert, das in Deutschland nicht vorhanden ist. 

Nach 9 Tagen konnte der Brand gestoppt werden. Für 400 Hektar Wald war das jedoch zu spät. Dank der unermüdlichen Arbeit der 5000 Helfer blieben sämtliche Häuser und Menschen- unbeschadet. Jedoch zeigt dieses Ereignis auch, dass die Feuerwehren in vielen Teilen Mitteleuropas nicht ausreichend auf Waldbrände vorbereitet sind. Sämtliche Klimaprojektionen sagen vorher, dass die Waldbrandgefahr in Mitteleuropa flächendeckend zunehmen wird, weswegen dieses Thema in den Fokus gerückt werden muss.

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Waldbrand: Neue Gefahr für die heimischen Waldökosysteme?

Lange Zeit spielten Waldbrände in Österreich kaum eine Rolle. Die wenigen auftretenden Brände waren meist Folge von unvorsichtigem Verhalten von Waldbesuchern, die Schäden hielten sich in Grenzen. Durch den Klimawandel hat sich das aber in den letzten Jahren gewandelt und wird sich in der Zukunft noch zuspitzen.

Entscheidender als hohe Temperaturen ist ein Mangel an Feuchtigkeit. Längere Perioden ohne Niederschlag trocknen speziell Gräser aus und werden zum Ausgangspunkt eines Feuers. Auch die Ansammlung trockener Nadeln – wie es für Kieferbestände typisch ist – führt zu Waldbränden. Daher kann es auch in Wintermonaten, in denen es keinen Niederschlag gibt, zu Bränden kommen. In 85% der Fälle ist Unachtsamkeit der Auslöser für einen Waldbrand. In Wäldern, wo seit mehreren Wochen kein Regen mehr gefallen ist, kann bereits eine Zigarette reichen, um einen Waldbrand auszulösen. In gefährdeten Gebieten darf daher kein offenes Feuer entfacht werden und es ist besondere Vorsicht geboten. Auch durch Funkenschlag in Maschinen, z.B. Forstmaschinen, können Waldbrände entstehen.

Waldbrand ist nicht gleich Waldbrand

Bei sogenannten Bodenfeuern verbrennt hauptsächlich die Bodenvegetation, also Gräser, Kräuter und Laub bzw. Nadeln. Das Schadensausmaß eines Bodenfeuers hängt vor allem vom Vorhandensein von brennbarem Material ab: Hängen an den Bäumen reichlich dürre Äste und Kronenreste, kann sich das Bodenfeuer zum Kronenfeuer weiterentwickeln. Dabei greifen die Flammen von der Bodenvegetation auf tiefhängende Äste über und von dort auf die Kronen.  Beginnen ganze Bäume zu brennen, spricht man von einem Vollfeuer. Vollfeuer verursachen die stärksten Waldbrände, die meist zu einem Totalverlust der Bäume führen.

Bodenfeuer sind am leichtesten zu bekämpfen, Vollfeuer am schwierigsten. In Verbindung mit starken Winden können sich Vollfeuer schnell verbreiten. Bei intensiven Bränden ist es sogar möglich, dass das Feuer selbst über die Breite einer Straße von Krone zu Krone überspringt.

Baumartenwahl

Nadelholz hat eine stärkere Tendenz zu brennen als Laubbäume. Die Kiefer etwa enthält neben Harz auch noch verschiedene ätherische Öle, die das Holz leichter brennen lassen als das bei Laubbäumen der Fall ist. Die Streu, also die auf dem Boden liegenden Nadeln bzw. Blätter, von Nadelbäumen ist ebenfalls leichter entzündbar als die von Laubbäumen. Es gibt aber auch Baumarten, die als besonders geeignet gelten für waldbrandgefährdete Gebiete.

Besonders geeignet auf relativ armen Standorten ist die Roteiche. Werden Waldbrandriegel aus Roteiche von einem Feuer durchlaufen, so können die Stämme im folgenden Winter am Stumpf abgesägt werden und treiben im kommenden Jahr wieder üppig aus. Auch die Traubeneiche kann durch diesen sogenannten Stockausschlag austreiben, wenn sie nach Bodenfeuern zurückgeschnitten wird. Die Buche wird am besten mittels Saat oder Naturverjüngung in bestehende Bestände eingebracht. Dadurch wird der Graswuchs unterbunden. Für den Unterwuchs auf besseren Standorten eignen sich die Baumarten Linde, Ahorn oder Hainbuche. Von der Birke ist eher abzuraten: bei großer Trockenheit ist die Rinde leicht entzündbar, außerdem entwickelt sich in den lichten Birkenbeständen eine üppige Grasvegetation, die zum Ausgangspunkt von Waldbränden werden kann.

Vorsorgen hilft

Die wichtigste waldbauliche Methode, um das Waldbrandrisiko zu senken, liegt darin Laubhölzer zu fördern. Laubbäume haben zwei Effekte: Ihr Laub ist nicht so leicht entflammbar wie die Nadeln und das Holz enthält mehr Feuchtigkeit. In manchen Beständen wird die Beimischung von Laubhölzern, die langsamer wachsen, die Holzproduktion schmälern. Die Bestandsstabilität ist in diesem Fall aber wichtiger als der Holzertrag, denn durch Waldbrände droht ein Gesamtverlust des Holzvorrates.

Als weitere waldbauliche Methode gilt die Isolierung von entstandenen Bränden. Dafür werden im Bestand Flächen angelegt, in denen das Feuer keinerlei Brennmaterial findet. Je nach Größe und Art unterscheidet man Wundstreifen, Schutzstreifen und Waldbrandriegel. Wundstreifen sollen die Verbreitung von Feuern komplett verhindern. Dazu werden Flächen von etwa einem Meter Breite angelegt, die von brennbarem Material und humusreichem Boden befreit werden. Durch einen Wundstreifen wird die Verbreitung eines Bodenfeuers verhindert. Wiederholtes Pflügen in der Waldbrandsaison hält die Funktion aufrecht.

Schutzstreifen sind ca. 20 bis 30 Meter breite Flächen, die von leicht brennbarem Material wie Reisig, dürren Ästen und Gestrüpp befreit werden. Ebenso werden schwache und trockene Bäume entfernt. Da wenig Brennmaterial vorhanden ist, können Bodenfeuer nicht auf die Kronen übergreifen.

Waldbrandriegel sind 100 bis 300 Meter breite Flächen, die mit brandhemmenden Laubbäumen und Sträuchern bewachsen sind. Ein Waldbrandriegel soll Vollfeuer in leichter zu bekämpfende Bodenfeuer umwandeln sowie der Feuerwalze die Energie entziehen. Außerdem kann trockenes Material auf dem Boden entfernt werden, sodass auch Bodenfeuer eingedämmt werden. Aufgrund des großen Flächenbedarfs von Waldbrandriegeln ist hier die Kooperation von mehreren Waldbesitzern notwendig. Auch der Verlauf eines Waldbrandriegels muss richtig geplant werden. Da der Wind meist aus Westen bläst, sollen die Riegel von Norden nach Süden verlaufen, um eine Barriere für das Feuer darzustellen.

Technische Einrichtungen

Das wichtigste Löschmittel ist und bleibt Wasser. Löschteiche dienen der Feuerwehr dazu, in unmittelbarer Brandnähe Wasser entnehmen zu können. In großen, zusammenhängenden brandgefährdeten Waldgebieten ist es hilfreich solche Löschteiche anzulegen. Dabei können entweder natürliche Gewässer genutzt oder künstliche Teiche angelegt werden. Bei der Neuanlage von Löschteichen ist eine Abstimmung der Waldbesitzer, der Forstbehörde sowie der Feuerwehren unbedingt notwendig. Wichtig ist, dass Entnahmestellen der Feuerwehr bekannt und für Löschfahrzeuge erreichbar sind. Laufende Kontrollen der Löschteiche, speziell in den Sommermonaten, garantieren deren Einsatztauglichkeit.

Beim Bau von neuen Forststraßen sollte in waldbrandgefährdeten Gebieten ebenfalls die lokale Feuerwehr eingebunden werden. Während der Brandsaison ist darauf zu achten, dass die Froststraßen frei und befahrbar sind und keine Hindernisse wie abgestellte Forstmaschinen oder provisorische Holzlager die Durchfahrt behindern.

Verhalten im Brandfall

Wer einen Waldbrand oder einen Brand in der Nähe des Waldes entdeckt, kann – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen – mit Löschversuchen beginnen. Hierbei helfen schon einfache Mittel wie z. B. ein entstehendes Bodenfeuer mit Erde zu bedecken oder es mit grünen Zweigen auszustreichen. Wenn erste Bekämpfungsmaßnahmen erfolgt sind und der Brand möglicherweise gelöscht wurde, ist die Feuerwehr in jedem Fall unmittelbar zu informieren. Denn Glutreste können im Untergrund immer noch glimmen und das Feuer neu entzünden. Wenn das Feuer nicht selbst gelöscht werden kann, ist die Feuerwehr so schnell wie möglich zu alarmieren. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgt in Österreich über den Notruf 122.

Für die Brandmeldung sind folgende Informationen wichtig:

  1. Wo brennt es? – genaue Ortsangabe, markante Geländepunkte (großer Baum, Wiese oder Felsen), Brandausmaß
  2. Was brennt? – Bodenvegetation oder Baumkronen
  3. Sind Menschen und Tiere oder Sachwerte in Gefahr? – Personen, Häuser oder andere Einrichtungen in der Umgebung
  4. Ort, von dem Sie den Brand melden? – Angabe Ihrer Rückrufnummer, Aufenthaltsort, wenn möglich auf Rettungskräfte warten, damit diese eventuell zum Brandort geführt werden können.

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Leben nach dem Brand

Waldbrandflächen sind sogenannte Störungsflächen, die vor allem von Pioniervegetation erobert werden. Wie lang das dauert, hängt vor allem von der Intensität und der Temperatur des Waldbrandes ab. Bei starken Vollfeuern werden auch Wurzeln sowie die meisten im Boden befindlichen Samen zerstört. Daher kann es einige Jahre dauern, bis die Samen von anderen Baumarten vom Wind eingetragen werden und keimen. Durch die Asche sind Brandflächen reich mit Nährstoffen ausgestattet, auf Hanglagen kann es aber durch Niederschläge zur raschen Auswaschung und Erosion kommen. Auf ehemaligen Waldbrandflächen siedeln sich zahlreiche Pflanzenarten an, sie sind daher auch ein beliebter Platz zum Grasen für Wild. Um die jungen Bäume vor Wildverbiss zu schützen, können verkohlte Stämme auf der Fläche liegengelassen werden, sofern es die Arbeitssicherheit zulässt. Eine rasche Aufforstung sollte nur in Schutzwaldgebieten durchgeführt werden. Ansonsten sollte der Waldbesitzer darauf warten, dass sich ein Vorwald aus Birke, Eberesche und Salweide ausgebildet hat, und dann erst unter dem Schirm dieser wenig konkurrenzfähigen Pionierbäume weitere Verjüngungsschritte wie Saat und Pflanzungen einleiten, um Zielbaumarten einzubringen. Der Grund hierfür liegt vor allem in der üppigen Konkurrenzvegetation, die sich auf den fruchtbaren Waldbrandflächen bildet. Die Pionierbaumarten bringen diese kostengünstig und auf natürliche Art und Weise unter Kontrolle. Alles, was es dafür braucht, ist etwas Geduld und Vertrauen in die Natur.

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Ursachen und Entstehung von Waldbränden

Immer häufiger entstehen Waldbrände. Doch woran liegt das? Nur am Klimawandel oder gibt es noch mehr Ursachen? Und wie entstehen Brände überhaupt?

Natürliche Brände

Die Entstehung eines natürlichen Waldbrandes hängt von vielen verschiedenen Bedingungen oder Umständen ab. Entscheidend sind häufig Witterung, Verfügbarkeit von Brennmaterial und Sonnenintensität. Im Winter sind Waldbrände selten, da Waldbrände meistens im trockenen Laub beginnen, das den Waldboden bedeckt. Wenn eine Schneedecke besteht oder der Boden gefroren ist, fällt das Laub als Ursprung für einen Waldbrand weg. Und auch ohne Schnee und Frost ist die Gefahr für Brände im Winter niedrig, da durch die tiefen Temperaturen das Laub weniger schnell austrocknet. Im Frühjahr erhöht sich die Waldbrandgefahr erheblich. Vor dem ersten Austrieb bis Ende April oder Anfang Mai befindet sich der erste Höhepunkt. Der zweite befindet sich dann in den Sommermonaten, nach längerer Trockenperiode, von Ende Juni bis Ende August.

Meist bleibt im Frühjahr die Brandfläche kleiner, da nur die vertrockneten Pflanzenreste aus dem Vorjahr dort brennen. Fataler sind die Sommerbrände. Aufgrund der Trockenheit kann nicht nur das Laub, sondern auch ausgetrocknete Bodenschichten brennen. Häufig entstehen Brände am frühen Nachmittag, da es zu dieser Zeit am wärmsten ist.

Natürliche Brandursachen können Blitzschlag, spontane Selbstentzündung und vulkanische Aktivitäten sein. Meistens ist in Österreich und anderen benachbarten Ländern ein Blitzschlag die einzig natürliche Ursache für die Entstehung eines Waldbrandes. Andere Ursachen kommen äußerst selten vor und sind in Mitteleuropa zu vernachlässigen.

Der Mensch als Ursache

Die meisten Feuer, die bei uns in Österreich oder anderen benachbarten Gebieten auftreten, sind menschengemacht. Die Ursachen können vielfältig sein, wie ein noch glimmendes Lagerfeuer oder eine weggeworfene Zigarette. Neben der Fahrlässigkeit von Waldbesuchern gehören aber auch Brandstiftung sowie die Forstwirtschaft sowie Militärübungen dazu. Wird ein entstehender Brand nicht erkannt oder schnell gelöscht, kann dies fatale Folgen haben. Gerade in Monokulturen findet das Feuer genug Brennmaterial, um sich schnell fortzubewegen. Zusätzlich angefacht von Wind kann dieses tagelang wüten.

Historische Entwicklung

Waldbrandstatistiken protokollieren sowohl ausgebrochene Feuer als auch die durchschnittliche Waldbrandgefahr an. Aus diesen Statistiken kann man dementsprechend historische Entwicklungen ablesen und sieht so, dass früher im Vergleich zu heute weniger Brände entstanden.

Einerseits werden immer mehr Waldbrände durch die Aktivitäten von Menschen im Wald ausgelöst. Andererseits richten sie immer größere Schäden an. Durch den Klimawandel nehmen Dürreperioden und Hitzewellen zu, wodurch Feuer schneller wachsen und mehr Schaden anrichten, wenn sie einmal entfacht wurden.

Entstehung von Bränden

Zum Brennen benötigt ein Feuer Sauerstoff, Hitze und Brennmaterial. Fehlt eine der drei Komponenten, kann es nicht weiterbrennen. Wenn sich ein Feuer entzündet und alle drei Komponenten verfügbar sind, hängt das weitere Verhalten von Wetter, Topografie und verfügbarem Brennmaterial ab. Zuerst breitet sich das Feuer vom Entstehungspunkt in alle Richtungen aus. Danach folgt es der Richtung des Hauptwindes. Trotzdem kann es in der weiteren Entwicklung zur Änderung und Wechslung der Richtung führen. Fachleute sagen dazu auch, „dass sich das Feuer seinen eigenen Wind macht“, um genügend Sauerstoff zu haben.

In Österreich sind die Besonderheiten von Bergwäldern zu beachten. Dort kann gerade in künstlich gepflanzten Wäldern häufiger ein Waldbrand durch Blitzschlag entstehen. Natürliche Bergwälder sind feucht und kalt genug, dass kaum Brände bestehen. In natürlichen, montanen Fichten-Mischbergwäldern ist eine Waldbrandgefahr gegeben. Dort kommt die Fichte als Hauptbaumart vor, ist aber mit anderen Baumarten, wie z.B. dem Bergahorn, der Buche, der Eberesche und der Lärche gemischt. Diese anderen Baumarten verringern das Risiko eines Brandes oder können diese in bestimmtem Maße abpuffern. Die hiesigen Bergwälder bestehen allerdings zumeist aus Fichtenreinbeständen. Diese Monokulturen sind einer hohen Waldbrandgefahr ausgesetzt, da ihre Nadeln ein leichter entflammbares Material bieten als Blätter. Das Holz ist im Gegensatz zu Laubbäumen auch trockener und kann leichter anfangen zu brennen. Die hoch entflammbaren Harze und Öle in den Fichten erhöhen das Risiko zusätzlich.

Im Falle eines Brandes gestalten sich auch die Löscharbeiten in den Bergwäldern schwieriger. Aufgrund der schweren Erreichbarkeit der Wälder und häufig kritischen Wasserzufuhr sind diese Brände herausfordernd für die Feuerwehr. Blitzschläge entfachen vielfach Erdfeuer, welche schwer zu löschen sind. Erdfeuer oder Schwelfeuer laufen, wie der Name schon sagt, auf dem Boden entlang. Dabei wird Laub und Humus verbrannt und das Feuer breitet sich relativ langsam aus. (BOKU Wien, Waldbrände in Österreich) Verbrennt der Humus, bleibt nach dem Brand kaum fruchtbarer Boden für die Pflanzen übrig und diese haben es danach nicht einfach Fuß zu fassen.

Hotspots für Waldbrände in Österreich sind oft die Steiermark, Kärnten, Tirol und das südliche Niederösterreich. Im benachbarten Deutschland dagegen ist vor allem der Norden betroffen.

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Waldbrandgefahrenstufen

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Österreich, kurz ZAMG, verwendet 4 Waldbrandgefährdungsstufen.

  1. Gefährdungsstufe 1 (grün) = gering
    • Hier liegen meistens schwer entzündliche Materialein und die Wahrscheinlichkeit eines Brandes wird als gering eingestuft.
    • Wenn Brände entstehen, sind dies vereinzelte Kleinbrände oder Entstehungsbrände.
    • Brände sind auf den Ausbruchsort beschränkt und werden häufig als Glimmbrände oder Erdfeuer eingestuft. Das Abbrennen von Bäumen ist unwahrscheinlich und Feuer greifen nicht auf die Kronen über.
    • Bei dieser Gefährdungsstufe liegt kein oder nur sehr geringer Funkenflug vor. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist niedrig. Im Allgemeinen entstehen keine Sekundärbrände und häufig sind weiße oder weiß-graue Rauchfahnen zu erkennen.
  2. Gefährdungsstufe 2 (gelb) = erhöht
    • Hier können einzelne Flammen einen Brand entfachen.
    • Wenn Brände entstehen, treten vermehrt Kleinbrände oder vereinzelt Großbrände auf.
    • Brandarten reichen von moderaten Glimmbränden bis zu kräftigen Lauffeuern mit meterhohen Flammen. Das Abbrennen einzelner Bäume ist möglich, aber aktives Kronenfeuer ist unwahrscheinlich.
    • Bei dieser Gefährdungsstufe liegt mäßiger Funkenflug vor und die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist mittel. Im Allgemeinen entstehen kaum Sekundärbrände und häufig sind graue, dunkle Rauchfahnen zu erkennen.
  3. Gefährdungsstufe 3 (orange) = hoch
    • Hier entfacht eine Flamme mit Sicherheit einen Brand.
    • Die Brände treten als zahlreiche Kleinbrände oder vermehrt als Großbrände auf.
    • Brandarten sind intensive Glimmbrände bis massige Lauffeuer. Das Abbrennen zahlreicher Bäume ist die Folge und auch aktives Kronenfeuer ist möglich.
    • Bei dieser Gefährdungsstufe liegt starker Funkenflug vor und die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist hoch. Im Allgemeinen entstehen Sekundärbrände diverse Meter vor der Feuerfront und häufig sind rötlich-schwarze Rauchsäulen zu erkennen.
  4. Gefährdungsstufe 4 (rot) = extrem
    • Hier können einzelne Funken einen Brand auslösen.
    • Die Brände treten als zahlreiche Großbrände auf.
    • Brandarten sind sehr intensive Glimmbrände und Lauffeuer. Auch aktives Kronenfeuer ist wahrscheinlich.
    • Bei dieser Gefährdungsstufe liegt massiver Funkenflug vor und die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist sehr hoch. Im Allgemeinen entstehen Sekundärbrände einige hundert Meter vor der Feuerfront und häufig sind schwarze, dichte Rauchfahnen zu erkennen.

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Waldbrand durch Totholz oder Monokulturen?

Fördert viel Totholz im Wald das Risiko für Brände? Oder sind es die künstlichen Monokulturen, die ungeeignet sind?

Unsere deutschen Nachbarn hatten in der nahen Vergangenheit häufig mit Waldbränden zu kämpfen. Vor allem in Brandenburgs Wäldern schlugen die Flammen zu. Die Diskussion um das Management von Waldbränden im Ernstfall ist enorm wichtig und zeigt mitunter Schwächen auf. Doch was wäre, wenn es in vielen Fällen gar nicht erst hätte dazu kommen müssen? Bis vor kurzem wurde die Annahme vertreten, dass Totholz im Wald, sollte es zu einem Brand kommen, das Feuer noch zusätzlich füttert. Es galt also den Anteil des Totholzes im Wald möglichst gering zu halten. Neuere Annahmen zeigen jedoch, dass vor allem in liegendem Totholz viel Wasser gespeichert werden kann. Es ist auch bereits länger bekannt, dass Totholz die Temperatur im Wald senken kann. Somit ist Totholz doch eigentlich feuerhemmend oder etwa nicht?

Das Problem mit den künstlichen Wäldern

Grundsätzlich haben beide Seiten nachvollziehbare Ansichten, vor allem wenn man die Flächen Brandenburgs betrachtet und was auf ihnen wächst. So hat die Kiefer (Pinus sylvestris) einen Flächenanteil von 72%. Naturgemäß würde die Rotbuche (Fagus sylvatica) auf einem Großteil der europäischen Fläche wachsen und wäre die dominante Art. Dies wird jedoch durch uns Menschen verhindert. Andere Baumarten wie die schnellwachsende Kiefer und Fichte werden durch uns begünstigt, weil für die Forstwirtschaft einfacher zu nutzen sind. Deswegen wachsen sie in Europa auf einer deutlich größeren Fläche, als sie es natürlicherweise tun würde. Denn die Kiefer ist zwar heimisch in Brandenburg, jedoch würde sie natürlicherweise nicht als Monokultur, sondern als Teil eines Mischwaldes zusammen mit Laubbaumarten, wachsen.

„Die Verbreitungsgebiete der Kiefern oder auch Fichten sind Skandinavien und das nördliche Russland – und dort sind Waldbrände ein natürliches Element der Waldverjüngung.“

Lutz Fähser

Damit sich ein Kiefern- oder Fichtenbestand auf einem natürlichen Standort verjüngen kann, braucht es einen Waldbrand. Dies hängt damit zusammen, dass in ihren heimischen Regionen weniger Licht, aber auch weniger Wärme, zur Verfügung steht. Die Lichtbaumart Kiefer und die Halbschattenbaumart Fichte benötigen also mehr Licht als in den dichten, dunklen Nadelwäldern des Nordens zum Boden durchdringt. Um dennoch den Fortbestand der Art zu gewährleisten, dienen Waldbrände als Verjüngungsmöglichkeit. Erwärmen sich die Zapfen der Mutterbäume auf 60 bis 80 Grad, öffnen sie sich. Auf der durch den Brand entstandenen Lichtung können die Samen dann keimen und wachsen. In vielen Teilen der Welt werden Bodenfeuer sogar bewusst eingesetzt, um die Regeneration in Wäldern zu beschleunigen. Denn wenn die Nadeln am Boden verbrannt sind, werden die Nährstoffe der ansonsten schlecht verwitternden Nadeln für das Ökosystem verfügbar. Und die Kiefern überleben ein Bodenfeuer problemlos. Sowohl in Übersee als auch in Europa und in Brandenburg.

Anfällige Kiefernreinbestände

Kommt es zu einer Dürreperiode in unseren Breiten, so trocknen Kiefernforste schnell aus. Das liegt an unterschiedlichen Faktoren. Zum einen gelangt durch die lichte Kiefernkrone viel Sonnenlicht auf den Boden, was ihn schnell austrocknet und die Temperatur im Bestand enorm erhöht. Und zum anderen brennen die Nadeln der Kiefern gut, wenn sie erst trocken genug sind. Das wird durch die schlechte Zersetzbarkeit der Nadeln begünstigt, wodurch sie sich auf dem Boden ansammeln. Doch die Nadeln bergen ein weiteres Problem. Denn durch ihre schlechte Zersetzbarkeit versauern sie den Boden und sorgen dafür, dass die Humusschicht dünn bleibt, die wie ein Schwamm fungiert. So ist es dem Boden unmöglich, genügend Feuchtigkeit zu speichern. Hinzu kommt, dass Nadelbäume über einen großen Harzanteil verfügen, der zusammen mit ätherischen Ölen als Brandbeschleuniger wirkt. Übrigens treffen alle diese ungünstigen Eigenschaften der Kiefer auch auf künstliche Fichtenreinbestände zu. Bei der Fichte kommt allerdings noch hinzu, dass sie mit ihren Wurzeln nur in die oberen Bodenschichten vordringt und somit auch nur einen geringen Anteil des Wassers im Boden nutzen kann. Dadurch kommt sie nicht nur schlechter mit dem Trockenstress klar, sondern trocknet auch den Boden extremer aus. Kommt es nun zu einem Waldbrand, so ist es durchaus verständlich, dass Totholz, welches in solchen Beständen ebenfalls rasch austrocknet, als Brandbeschleuniger wirken kann.

Zusätzlich können Fichte und Kiefer Kronenfeuer begünstigen, da tote und damit trockene Äste nicht abgeworfen werden, sondern unterhalb der gesunden Krone am Baum hängen bleiben. Auch begünstigt das Management der Kiefernplantagen das Waldbrandrisiko. Denn um die Bestände besser ernten zu können, werden Waldwege in einem Abstand von 20 Metern angelegt. So dringt in die ohnehin schon lichten Kiefernbestände noch mehr Licht, was die Bodenvegetation in feuchten Perioden schnell wachsen und die Temperaturen steigen lässt. In Trockenperiode dient diese Bodenvegetation dann als Zunder für Brände. Und auch der Wind kann auf einer solchen Fläche besser angreifen und den Brand zum Inferno entfachen. Dies führte in Rheinsberg in Brandenburg dazu, dass auf dem Boden einer Kiefernmonokultur 45 Grad gemessen wurden.

Mehr zum Thema Waldbrand im Buch “Waldbrand” von Bernhard Henning und auf seiner Internetseite Forestbook

Totholz im Wald trotzt den Waldbränden, wenn…

„Ganz wichtig ist das Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff in den Nadeln und der Blattstreu. Bei Linde, Buche oder Kastanie ist es relativ günstig. Eichenblätter sehen sie schon länger auf dem Waldboden. Und Nadeln sind erst nach vier bis fünf Jahren abgebaut, weil sie für die Bodenorganismen aufgrund der Inhaltsstoffe nicht so attraktiv sind. (…)“

Pierre Ibisch

Das künstliche Monokulturen durch Waldbrände bedroht werden, ist nun erläutert worden. Welche Vorteile hat die Existenz von Totholz für Waldbrandprävention? Betrachtet man Laubbaumarten wie den Neophyten Roteiche (Quercus rubra), so fallen sofort die Blätter ins Auge. Diese sind im Vergleich zu den Nadeln der Fichte oder Kiefer größer und können somit mehr Schatten auf dem Boden erzeugen. Und auch die Schattenbaumart Buche erzeugt ein dunkles und somit kühles Waldinnenklima. Je älter die Buchen in einem Bestand werden, desto positiver wirkt es sich auf das Waldklima aus. Wachsen also mehr Laubbäume auf einer Fläche, so entsteht ein kühleres Waldinnenklima und somit wird Feuchtigkeit besser gehalten. Auch wächst unter Umständen relativ wenig Bodenvegetation und damit Brennmaterial. Befindet sich nun zusätzlich noch eine große Menge wasserspeicherndes Totholz im Bestand, so wirkt es sich in diesem Fall positiv auf die Waldbrandgefahr aus. Denn Totholz kann unter diesen Bedingungen die Feuchtigkeit halten und verlangsamt, sollte dennoch ein Brand ausbrechen, dessen Ausbreitung.

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Waldbrand in Treuenbrietzen – Wiederaufforstung

Die Geschichte eines Waldbrands endet nicht mit der letzten Flamme. Mindestens genauso wichtig wie die Bekämpfung von Waldbränden ist deren Vorbeugung. Und die beste Vorsorge ist ein resilienter Wald. Durch den Fokus auf wirtschaftlichen Ertrag wurde in Treuenbrietzen ein Wald kultiviert, der äußerst anfällig für Feuer ist. Kiefern kommen gut zurecht mit den kargen Sandböden in Brandenburg und liefern schnellwachsendes, gut verwertbares Holz. Durch die langsam zerfallenden Nadeln sowie im Holz vorhandenes Harz und ätherische Öle ist das Waldbrandrisiko in Monokulturen jedoch erhöht. Zwar entstand in Treuenbrietzen kein großflächiger Kronenbrand und die meisten Bäume verbrannten nur oberflächlich. Das reichte jedoch, um das Kambium und damit die Nährstoffversorgung der meisten Bäume zu unterbrechen. Uneinigkeit herrschte nach dem Brand was mit den Bäumen geschehen sollte. Auch beschädigte Bäume könne sich wieder erholen und falls nicht, so können sie trotzdem eine wichtige Funktion als Totholz einnehmen. Aus finanziellen Gründen entscheiden sich viele Waldbesitzer nach einem Brand jedoch dazu, möglichst viel des stehenden Holzes zu entnehmen und zu verkaufen, um die Wiederaufforstung zu finanzieren und die Flächen zur Pflanzung leicht zugänglich zu machen. Dabei wird auch der Boden beschädigt. Um die Schadflächen zu räumen, werden sie großflächig mit schweren Maschinen befahren. Das verdichtet den Boden, wodurch er weniger Wasser speichern kann und Bäume sich schwieriger wieder ansiedeln können.

Mischwald statt Monokultur

Von vielen Seiten wurde nach dem Brand für eine Kursänderung im Waldbau plädiert. Statt wieder mit Kiefermonokulturen aufzuforsten, sollte ein Mischwald entstehen. Dazu werden diverse Arten zur Pflanzung vorgeschlagen: Eiche, Roteiche, Robinie, Birke, Traubeneiche, Spitzahorn, Schwarzkiefer, Rotbuche, Esskastanie, Winterlinde, Vogelbeere, Hainbuche, Feldulme, Espe, Salweide und Eberesche. Ein Laubmischwald ist deutlich besser gegen Waldbrände geschützt, da Laubbäume mehr Wasser speichern und kein Harz enthalten. Außerdem ist das Kronendach dichter, wodurch auf dem Boden kaum Gras wächst und kein Bodenfeuer entstehen kann. Zusätzlich wird Laub schneller als Kiefernadeln zum Humus abgebaut, wodurch der Boden mehr Feuchtigkeit halten kann und die Nadeln nicht als Brennstoff für das Bodenfeuer dienen können. Mischwälder wären außerdem fast überall in Brandenburg die natürliche Waldform, Kiefermonokulturen sind ein rein künstliches Konstrukt.

Ein wichtiger Faktor bei der Regeneration des Waldes in Treuenbrietzen ist der Wildverbiss. Die Schalenwilddichte in Brandenburg ist ähnlich hoch wie in Österreich, was die Regeneration des Waldes deutlich beeinträchtigen kann. Daher wurden große Flächen zum Schutz vor Verbiss eingezäunt und zusätzlich die Jagd intensiviert. Wie so oft spielen auch hier zwei Faktoren eine übergeordnete Rolle: Geld und Bürokratie. Auch wenn viele Waldbesitzer bereit sind, kurzfristige Profite hintanzustellen, stehen ihnen dabei mehrere Hindernisse im Weg. Wie bereits erwähnt, wird die Aufforstung oft durch den Verkauf des Schadholzes finanziert. Auch weil im Sommer 2018 weltweit und besonders in Brandenburg mehr Feuer wüteten als üblich, sank der Preis für Schadholz um bis zu 50%. Das bedeutet, dass kaum Geld mit dem Verkauf verdient werden konnte. Außerdem sollte bei einer naturnahen Aufforstung möglichst viel Totholz zurückgelassen werden, da dies Wasser speichert, Nährstoffe über einen langen Zeitraum liefert und einen wichtigen Lebensraum für Organismen im Wald darstellt. Somit sanken die finanziellen Mittel für die Aufforstung zusammen mit den Preisen für Schadholz noch weiter. Zwar versprachen sowohl Bund als auch Land finanzielle Hilfen, die Besitzer mussten jedoch in Vorleistung gehen und oft Monate auf die Rückzahlungen warten. Außerdem sind Waldbesitzer in Brandenburg dazu gesetzlich verpflichtet, eine Aufforstung innerhalb von 36 Monaten sicher zu stellen. Das macht eine natürliche Regeneration unmöglich. Und selbst ein privates Spendenprojekt aus Berlin mit genug eigenen Mitteln stieß auf bürokratischen Widerstand, als mit den Geldern ein naturnaher Laubmischwald aufgeforstet werden sollte. Anscheinend sind manche Mitarbeiter der zuständigen Behörden immer noch der Meinung, dass Kiefermonokulturen der profitabelste und damit einzig richtige Weg sind. Dabei werfen viele einen kurzsichtigen Blick in die Zukunft.

Dass ein solcher Waldbrand auch eine Chance darstellt, zeigt ein Projekt des Forstamts Treuenbrietzen und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Das Forstamt überließ der Hochschule eine Fläche, auf der Wissenschaftler und Studenten nun verschiedene Regenerationsmethoden untersuchen. Dazu werden Teilflächen komplett geräumt, andere unverändert gelassen, eingezäunt oder gar nicht oder nur und künstlich bepflanzt oder sich selbst überlassen.

Der Waldbrand in Treuenbrietzen zeigt exemplarisch die Probleme, die bei der Prophylaxe, Bekämpfung und Nachbereitung in Brandenburg bestehen – einem Bundesland, das laut Vorhersagen in den Jahrzehnten immer schwerer unter Dürre, Hitze und somit Waldbränden leiden wird. Die Waldbrandgefahr steigt jedoch nicht nur in Brandenburg, sondern auch in vielen Teilen Österreichs. Deswegen sollte dieses Beispiel ein Weckruf sein, um den Waldbrandschutz auch hier in den Fokus zu rücken.

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2019 – Der Globus in Flammen

Rund um die Welt haben 2018 und 2019 Wälder gebrannt. Die Brände unvorstellbaren Ausmaßes in Australien setzten dem Ganzen zu Ende letzten Jahres und Beginn dieses Jahres noch einmal die Krone auf. Nachdem diese Brände endlich gelöscht sind, ist es Zeit Bilanz zu ziehen.

Start in Kalifornien 2018

Das besondere in diesen zwei Jahren war das schiere Ausmaß der Feuer. Fast alle biogeografischen Regionen der Welt litten zu verschiedenen Zeitpunkten unter Waldbränden außergewöhnlichen Ausmaßes. Begonnen hat alles in Kalifornien, wo von Juli bis November 2018 Brände ungekannten Ausmaßes wüteten. Weiter ging es im Frühling und Sommer 2019 mit massiven Bränden in den borealen Wäldern rund um den Globus. Allein in Russland brannte Wald in der Größe Belgiens. Auch wenn großflächige in borealen Wäldern normal sind, war sowohl das Ausmaß als auch der frühe Zeitpunkt, zu dem die Feuersaison startete, außergewöhnlich.

Sowohl Norden als auch Süden in 2019 betroffen

Im Laufe des Sommers 2019 wechselte die Aufmerksamkeit dann von der Nord- zur Südhalbkugel des Planeten. Es verwundert kaum, dass der heißeste jemals gemessene Monat weltweit – Juli 2019 – von Feuern auf der ganzen Welt geprägt war. Während die Feuer in der Arktis weiter brannten, breiteten sich Feuer im Amazonas und anderen tropischen Wäldern in Afrika und Asien aus. Gerade im Amazonas ist das Problem menschengemacht. Immer weiter werden Waldflächen für Viehzucht oder Landwirtschaft für den globalen Markt gerodet. In den Feucht- und Trockenwäldern Südamerikas verändert dies den Wasserhaushalt grundlegend, was die Chance von Feuern erhöht. Im Gegensatz zu borealen Wäldern, mediterranen Trpckenwäldern oder afrikanischen Savannen, kommen große Waldbrände hier nicht natürlich vor.

Waldbrand in Treuebrietzen, Deutschland

Alle Kontinente betroffen

Nachdem die Brände im Amazonas, der “grünen Lunge des Planeten” viel mediale Aufmerksamkeit absorbiert hatten, wurde im Laufe des Jahres klar, dass in Afrika sogar noch mehr Feuer wüteten. Die Brände dort waren zwar zum Großteil in Savannen, wo regelmäßige Buschbrände notwendig für die Regeneration des Ökosystems sind, aber auch hier waren die Anzahl an Feuern deutlich höher als in einer normalen Feuersaison. Und auch in den Regenwäldern Indonesiens wüteten Waldbrände, die ganze Städte in Rauchschwaden hüllten. Damit alle drei Hotspots der tropischen Artenvielfalt massiv betroffen.

Gegen Ende des Jahres drehte sich die Weltöffentlichkeit dem fünften Kontinent zu – Australien. Auf der Südhalbkugel, wo die Jahreszeiten vertauscht sind, begann die Feuersaison im Oktober, also im Frühjahr statt wie normal im heißen Sommer. Insgesamt haben unglaubliche 200.000 km² – mehr als die doppelte Fläche Österreichs – von Oktober bis März gebrannt. Dabei sind Millionen von Tiere ums Leben gekommen.

Und auch in Europa führten die Rekordjahre 2018 und 2019 zu verheerenden Bränden über den ganze Kontinent verteilt. Feuer wüteten von Spanien über Frankreich bis Zentraleuropa und von der Arktis bis zum Mittelmeer. Selbst in Regionen wie den Kanarischen Inseln und Zypern, wo Feuer zum natürlichen Kreislauf der Natur gehört, war man vom Ausmaß überfordert.

Deutschland wird 2019 hart getroffen

Besonders überfordert war Deutschland, wo über 1 000 km² Wald zerstört. wurden Das ist zwar nicht vergleichbar mit Australien, wo 200 000 km² brannten, aber in Relation zu Größe und Feuerresistenz des deutschen Waldes trotzdem verheerend. Schätzungen gehen davon aus, dass 300 Millionen Bäume nötig sind, um die Schäden zu regnerieren. Außerdem sind Schäden im Bereich von Hunderten Milliarden Euro entstanden. Neben Brandschäden waren hier vor allem Schädlinge verheerend. Durch die langanhaltende Dürre und Hitze waren viele Bäum zu schwach, um sich gegen die Schädlinge zu wehren. Dadurch konnten Borkenkäfer, Pilze, Krankheitserreger und Insekten außergewöhnlich viel Schaden anrichten. Dies gilt besonders für Nadel-Monokulturen, wo sich Schädlinge durch die uniforme Struktur besonders gut vermehren können.

Manche Experten sehen den deutschen Wald bereits am Rande des Kollaps. Das Waldsterben ist deutlich schlimmer als das Waldsterben der Achtzigerjahre, dem mit effektiven lokalen Maßnahmen schnell Einhalt geboten werden konnte. Ein weiteres Problem ist, dass Forstbesitzer auf dem Schadholz sitzen bleiben. Durch die immensen Schäden weltweit im Jahr 2019 ist der Preis für Schadholz dermaßen gefallen, dass sich die Bergung oft nicht lohnt.

Von der Ausnahme zur Regel

All diese Meldungen zeigen, dass der Einfluss der Klimakrise auf den Wald weltweit nicht mehr zu leugnen ist. Auch wenn 2019 ein Ausnahmejahr war, die Klimakrise wird Jahre wie diese zur Regel machen und das letzte Jahr lehrt uns, welche verheerenden Schäden das bewirkt. Mit unserer Hilfe können sich die Wälder wieder von diesen Schäden erholen. Wenn immer wärmeres Klima diese Bedingungen jedoch zur Regel macht, wird es keine Regenerationsphasen mehr für den Wald geben.