Neue Buchreihe über UNESCO Buchenwälder

Seit nunmehr acht Jahren sind fünf deutsche Buchenwälder als UNESCO Weltnaturerbe gelistet. Um das zu feiern, fand im Oktober 2019 ein drei-tägiges Symposium in Bad Langensalza (Deutschland) statt. Hier wurde auch die Fertigstellung der Buchreihe über das UNESCO Weltnaturerbe “Buchenwälder” in Deutschland zelebriert. Die fünfteilige Buchserie erzählt Geschichten zu den fünf Wäldern in der Müritz, Schorfheide-Chorin, Hainich, Kellerwald-Edersee und Jasmund.

Eine wichtige Rolle spielte dabei der Natur&Text Verlag. Dieser half, die Feierlichkeiten zu organisieren und verkauft die Bücher auf ihrer Website. Das Ziel des Verlages ist es, die Bücher der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Buch über den UNESCO Buchenwald Jasmund

Seit über 200 Jahren hat sich der Jasmund mit seinen berühmten Kreidefelsen zu einer nahezu magischen Attraktion entwicklet. Die wilde, prächtige Küstenlandschaft und die Fragmente der wilden Buchenwälder inspiriert auch heute die Leute. Dazu kommt, dass die Kreidefelsen der Küste Jasmunds eine der wildesten und dynamischsten in Deutschland und Zentraleuropa ist.

Buchen dominieren schon seit tausenden Jahren die Wälder Jasmunds. Die Einzigartigkeit dieses Ortes liegt darin, dass die Buchenwälder bis an das Meeresufer der Ostsee reichen. Vom Klippenrand fallen sie wortwörtlich in die See und in den Schluchten und stillen Hängen reichen sie bis an die Küste. Diese und viele andere Geschichten über den Jasmund und seine Buchenwälder kann in dem kürzlich veröffentlichten Buch “Nationalpark Jasmund: Weltnaturerbe auf Rügen” nachgelesen werden.

Die Besonderheiten der Buchenwälder

Da die Buche in kleinen Arealen in den Alpen, Pyrenäen und Karpaten die letzte Eiszeit überlebt hat konnte sie sich nach ihrem Ende wieder über Europa ausbreiten. Ein Beispiel für die erfolgreiche Ausbreitung von Buchen ist ihre Anpassungsfähigkeit und Toleranz gegenüber verschiedensten klimatischen, geographischen und physikalischen Bedingungen. Weiterhin ist die Buche eine Schattbaumart, was bedeutet, dass junge Buchen jahrelang mit wenig Licht zurechtkommen können. Dies ist eine nützliche Überlebensstrategie, da Jungbäume häufig jahrelang unter dem schattigem Kronendach wachsen müssen.

Ohne menschliche Eingriffe würde die Buche ein viel größeres Gebiet in Europa einnehmen und die europäischen Wälder würden typischerweise von den Buche dominiert sein. Buchenwälder spielen somit eine wichtige Rolle in der Zusammensetzung von Wäldern in Europa. Zusätzlich bieten sie mehr als 10 000 Arten einen Lebensraum, spezialisierte Arten mit eingeschlossen.

Buchenwald Jasmund

Europäische Buchenwald Netzwerk

Gezielte Langzeit-Untersuchungen haben ergeben, dass vor vielen Jahren die Buchenwälder ein wichtiges Element der europäischen Natur waren, im speziellen für das Walderbe. Allerdings wurde erst 2017 das “Europäische Buchenwald Netzwerk” formell geschaffen. Das Netzwerk ging während dem Vorbereitungsprozess der Erweiterung des Weltnaturerbes “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas” hervor.

BEECH POWER

Im April 2019 hat die European Wilderness Society mit sechs weiteren Partnern ein neues Interreg Projekt mit dem Namen BEECH POWER initiiert. Dieses Projekt ist eine gute Möglichkeit ein neues Managementsystem für Buchenwälder zu entwickeln. Im Fokus stehen die Urwälder des UNESCO Weltnaturerbes “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas”. BEECH POWER möchte die Managementqualität und -effektivität des Weltnaturerbes verbessern. So soll die Unversehrtheit von einzelnen Komponenten eines Ökosystems gesichert sein. Des Weiteren will das Projekt auch die Kapazitäten und aktive Beteiligung von relevanten Stakeholdern verbessern. Ergänzend versucht das Projekt reproduzierbare und innovative Modelle für das Weltnaturerbe Buchenwälder und ihre Umgebung zu erstellen.

European Wilderness Network

Auch in dem “European Wilderness Network” spielen die europäischen Buchenwälder eine zentrale und unersetzbare Rolle. Seit 2014 ist das “European Wilderness Network” aktiv. Es hat über 40 Mitglieder in 17 Ländern und mehr als 350 000 ha geprüfte Wildnis. Das Netzwerk repräsentiert Europas letzte Wildnis und vergrößert sich Jahr für Jahr. Das Hauptziel ist es, einen vereinheitlichten Ansatz für die Wildnis “Zertifizierung” zu finden und die Diversität von Wildnis zu repräsentieren.  

In dem Netzwerk sind die europäischen Buchenwälder schon präsent. Entweder als wichtiger Bestandteil einer Wildnis, wie in der Zentral-Balkan Region oder im Hainich und Jasmund.

Laubbäume lassen die Kassen klingeln

Durch die langfristigen Veränderungen des Klimas, steht der Waldbau zweifelsohne vor großen Herausforderungen. Wie der Wald der Zukunft aussehen kann wird vieler Orts heiß diskutiert. Denn es müssen nicht nur ökologische sondern auch ökonomische Ziele berücksichtigt werden. Doch auf Grundlage einer neuen Analyse der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg lässt sich sagen – Laubbäume lohnen sich richtig.

Das Holz von Pappel und Eichen wird bereits in großen Mengen vermarktet, von anderen Laubbaumarten werden jedoch nur sehr geringe Mengen verkauft. Da diese Erlöse in den Statistiken, wenn überhaupt nur zusammengefasst erscheinen, lässt sich ein differenziertes Bild auf dieser Datengrundlage unmöglich erstellen. Um dennoch eine Bewertungsgrundlage zu erhalten, wurden Submissionsverkäufe analysiert und verglichen. Bei dieser Art des Verkaufs wird das Wertholz an den Meistbietenden verkauft. Die Angebote erfolgen schriftlich. Enorm hohe Preise konnten mit Birnen-, Nuss- und Apfelholz erzielt werden. Und obwohl diese Baumarten einen geringeren Wertholzanteil im Vergleich zu anderen Sortimenten aufweisen, so lässt sich mit ihnen ein Großteil des Erlöses eines Bestandes erwirtschaften. Jedoch nur, wenn die besten Stammstücken einen hohen Preis erzielen.

Nussbäume sind die Spitzenreiter

Insbesondere für die Wal- und Schwarznuss wurden Spitzenpreise erzielt. Denn beide Baumarten wurden mit durchschnittlich 500€ pro Festmeter (fm) gehandelt. Und auch für Holz aus dem “C” Sortiment lag der Erlös mit 250€/fm über dem des besten Sortimentes der anderen Baumarten. Ulmenholz wird ebenfalls mit einem hohen Preis gehandelt, ist jedoch auf Grund des Ulmensterbens schlicht schwer erhältlich. Aber auch für Birnen- und Apfelholz wurden mit rund 300€ pro Festmeter hohe Preise erzielt. Lediglich die Erlöse für Linde mit 130€/fm, sowie Hainbuche und Feldahorn mit 100€/fm lagen deutlich darunter.

Beachtlich ist, dass Nuss, Birne und Ulme mit relativ geringen Mittendurchmessern von 35-40cm bereits hohe Preise erzielten. Weiter wurde bei den Versteigerungen hauptsächlich Holz verkauft, das unter dem empfohlenen Brusthöhendurchmesser (BHD) von 60cm liegt. Denn lediglich ein Drittel des verkauften Holzes wies einen BHD von 60cm am stehenden Holz auf.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg kurz FVA BW, übernimmt Aufgaben wie Fortbildung und die Beratung von Politik, Verwaltung und Betrieben sowie die Erforschung und das Monitoring des Waldes. Ziel ist es, mit Hilfe von Messungen und Analysen längerfristig Veränderungen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Kontext des Waldes herauszuarbeiten. Mit dem Projekt “Auwald im Klimawandel” wurde ein für Waldbewirtschafter und Waldbesitzer mit Sicherheit hoch interessantes Thema beleuchtet.

Fachjournale für Akteure im Wald

In dem vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) in Österreich geförderten Projektes “Multiperspektivischer Blick auf die Biodiversität von Fauna in Wald und Waldrandgebieten”, werden zu vier aktuellen Themen Informationshefte erstellt. Die Journale dienen Akteuren wie Waldbewirtschafter*innen, Behörden und Verwaltung, Naturschutzakteur*innen und der breiten Öffentlichkeit als Informationsmaterial zu Themen, die den Wald betreffen. Alle Journale werden auch unter dem Aspekt der Einflüsse des sich verändernden Klimas auf den Wald verfasst.

Die Themen der Journale

Klimawandel und invasive Arten in Wald und Waldrandgebieten

Das erste Heft wird sich mit der Thematik „Invasive Arten“ beschäftigen. Immer häufiger treten neue Arten im mitteleuropäischen Raum auf. Sei es durch Globalisierung und Reisen bei denen Samen und Tiere aus anderen Ländern mitgebracht werden, Importe oder Klimawandel, Neobiota kommen auf verschiedensten Wegen zu uns und einige wenige haben invasives Potenzial. Die Bekämpfung ist kostspielig, zeitaufwendig und meist aussichtslos. Ein anderer Weg könnte sein, diese Arten in unsere Wälder zu integrieren. So können ‘Wälder der Zukunft’ geschaffen werden, die Veränderungen besser standhalten können. Inwiefern sich dies realisieren ließe, wird in diesem Heft herausgearbeitet.

Biodiversität der Fauna in Wald und Waldrandgebieten

Im zweiten Heft wird das Thema „Wildtiere im Wald“ behandelt. Durch die aktuell hohe Wilddichte in den Wäldern, wird diese Thematik immer präsenter. Wie könnte in Zukunft ein Management aussehen, bei dem sich Baumarten natürlich verjüngen können und dadurch resilienter im Klimawandel werden, ist z.B. eine der Fragen in dem Journal.

Waldbrand im Zeichen des Klimawandels: Vorbeugung, Bekämpfung und Wiederaufforstung

Das dritte Heft setzt sich mit dem Thema „Waldbrand und seine Auswirkungen“ auseinander. Denn immer häufiger sind in den letzten Jahren Waldbrände ausgebrochen. Durch eine Tendenz zu geringeren Niederschlägen und länger anhaltende Trockenperioden werden sich Waldbrände auch in Zukunft mehren. Wie andere Länder damit umgehen, was nach einem solchen Brand auf den Flächen passiert und welche Alternativen es gibt um den Wald widerstandsfähiger zu machen, werden Hauptthemen in diesem Journal sein.

Waldbewirtschaftung der Zukunft im Zeichen des Klimawandels

Im letzten Heft wird es um die „Waldbewirtschaftung in der Zukunft“ gehen. Was wären mögliche Maßnahahmen um unsere Wälder fit für die Zukunft zu machen? Welche Bewirtschaftungen haben sich bereits bewährt und über welche Alternativen muss aktuell und zukünftig diskutiert werden? Mit diesen und anderen Fragen wird sich das letzte Heft dieser Reihe beschäftigen.

Die fertigen Hefte werden gedruckt und zur Verfügung gestellt. Auch in den kommenden Exkursionen werden einige der Themen behandelt.

Waldgipfel – Rettung für den deutschen Wald?

Ende September 2019 fand der nationale Waldgipfel in Deutschland statt. Dabei ging es um Maßnahmen zur Rettung des deutschen Waldes.
Allerdings liegen die Meinungen zu diesem Thema weit auseinander. Worin sich alle einig sind ist, dass die Rettungsaktionen des Waldes teuer werden. Zum einen wurde auf dem Waldgipfel über die Zukunft der Wälder diskutiert, zum anderen die Höhe der Finanzen zum Schutz der Wälder festgelegt. Eine der vielen Fragen war, ob es besser ist aufzuforsten oder doch lieber auf die natürliche Verjüngung zu setzen. Viele Naturschützer plädieren darauf, den Wald sich selbst zu überlassen, da so standortsgemäße Mischwälder entstehen, die zum Beispiel keine Wurzelschäden durch Pflanzung bekommen und gegen Kalamitäten oft beständiger sind.

Da der Wald in letzter Zeit gestresst und anfällig ist, wird teilweise schon von einem “Waldsterben 2.0” berichtet. Immer präsenter wird das Thema Waldschwund durch die vergangenen Dürren, Stürme, Borkenkäfer und Brände. Diesbezüglich wurden einige Kostenangaben gemacht. Der gesamte Abtransport des Schadholzes würde ungefähr 2,1 Mrd. € kosten. Ferner werden um die 300 Mio. Bäume zur Aufforstung der Flächen benötigt. Des Weiteren wurden für weitere Kosten ca. 640 Mio. € kalkuliert. Laut Angaben des Bundesumweltamtes sind bis jetzt um die 180 000 Hektar Wald zerstört, 70 000 mehr als ursprünglich angenommen.

Maßnahmepaket aus dem Waldgipfel

Die Pläne und Aktionen zur Rettung des Waldes sind vielfältig. Ein Beispiel hierfür ist der 10-Punkte Plan des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der gegen das Waldsterben angehen soll. In diesem Papier werden Maßnahmen mit Blick auf die Zukunft gefordert. Eine Maßnahme wäre, den menschlichen Eingriff in Waldflächen zu reduzieren und so mehr Waldflächen sich selbst zu überlassen. Eine andere, mehr Forstpersonal einzusetzen. Auch das Bundesamt für Naturschutz hat ein Positionspapier herausgebracht, in dem der Natur- und Mischwald ein großes Thema darstellt. Der Waldumbau wird in Zukunft darin besonders hervorgehoben.

Das Maßnahmepaket des Bundes hat nun insgesamt 547 Mio. € für die nächsten vier Jahre zur Verfügung gestellt. Das sind pro Jahr 137 Mio. € für ganz Deutschland, dazu kommen noch die Zuschüsse aus den einzelnen Ländern. So sollen insgesamt um die 800 Mio. € zusammenkommen. Jedoch soll das Geld des Bundes nicht als Schadensersatz, sondern für eine bessere Anpassung an den Klimawandel dienen. Unter anderem sollen mit dem Geld kleinere Privatwaldbesitzer unterstützt, die Wiederaufforstung auf geschädigten Flächen in Gang gebracht und mehr Forstpersonal ausgebildet werden.
Manche Waldbesitzer finden das, zumindest für den Anfang, zu wenig Geld und fordern mehr für die Zukunft. So zum Beispiel der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR), der als Soforthilfe 2,3 Mrd. € fordert.

Wie die Pläne umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Das der Weg hin zu stabilen Mischwäldern ein langer wird, auch wenn bereits heute darauf hingearbeitet wird, ist gewiss. Die Frage, ob stellenweise eine Naturverjüngung durch den Wald selbst sowie das Belassen eines Holzüberschusses im Wald besser ist, bleibt.

Kommende Exkursionen 2020

Im Zuge des Projektes “Multiperspektivischer Blick auf die Biodiversität in Wäldern und Waldrandzonen” werden nächstes Jahr drei Exkursionen zu verschiedenen Themen angeboten.

Die erste Exkursion führt in die wilde Slovakei. Behandelt werden hier die Auswirkungen auf Waldrandgebiete nach dem Beenden der Beweidung und die Auswirkungen der Beutegreifer auf die Wildbestände und den Wald.
Die folgende Exkursion führt in das sonnige Norddeutschland. Dort wird es um die zunehmenden Waldbrandflächen auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen, nachhaltige Alternativen in Städten oder näheres zu dem Forschungsprojekt ‘Gläserner Forstbetrieb‘ gehen.
Die dritte Exkursion wird im alpinen Italien stattfinden. Hier wird es um die Auswirkung steigender Temperaturen auf Buchenbestände gehen. Desweiteren steht die Interaktion zwischen Beutegreifern und Schwarzwild im Fokus.

In den nächsten Tagen werden genaue Termine festgelegt, für die Sie sich anmelden können.

Auch Borkenkäfer tragen zur Artenvielfalt bei

Die langanhaltende Hitze und daraus resultierende Trockenheit in vielen Teilen Deutschlands und der Welt, wirken sich nicht nur auf die Waldbrandgefahr aus, sondern erhöhen auch die Gefahr eines Borkenkäferbefalls. Durch die Trockenheit entsteht eine Stresssituation und die Bäume sind geschwächt. Das prädestiniert sie für den Befall von Borkenkäfern. 

Borkenkäfer bevorzugen geschwächte oder kranke Bäume. In diese können sie einfacher eindringen und die Bäume sind nicht in der Lage viel Harz als Abwehrreaktion gegen die Käfer zu bilden. Wenn ein Baum befallen ist, fressen sich die Larven unter der Rinde durch das Kambium, dabei unterbrechen so den Wasser- und Nährstofffluss des Baumes. Bei starkem Befall führt das zum Tod des Baumes.  

Problematisch für gesunde Bäume wird es erst bei einer Massenvermehrung der Borkenkäfer. Durch die Unmengen an Käfern fehlt ihnen „geeigneter“ Lebens- und Brutraum, dann befallen sie auch gesunde Bäume. Aufgrund des trockenen, für Borkenkäfer aber optimalen, Sommers 2018 hatten sie schon letztes Jahr gute Bedingungen und in einer Saison konnten drei vollständig entwickelte Generationen nachgewiesen werden.
Wegen dieser hohen Ausgangslage an Käfern, konnten sie dieses Frühjahr direkt ausfliegen und neue Bäume besiedeln. Auch die hohen Temperaturen ließen dieses Jahr ein gutes Jahr für die Borkenkäfer sein. Die großen Mengen Holz, die durch vergangene Stürme und Schneebruch im Wald verweilen, begünstigten zusätzlich die Verhältnisse für den Käferbefall. Die befallenen Teile des Waldes und größeren Mengen an Käferholz, werden mit kritischen Augen betrachtet, gilt der Borkenkäfer doch als größter Schädling in der Forstwirtschaft.

Nicht nur Zerstörung

Aber der Borkenkäfer bedeutet nicht nur Verlust und Zerstörung. Ein gutes Beispiel ist der Nationalpark Bayrischer Wald. In den 1990ern gab es hier Massenvermehrungen des Borkenkäfers, der Hektar um Hektar des Waldes befiel, allerdings wurde beschlossen nicht in das Geschehen einzugreifen. Ganz nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ wurden keine Sanitätshiebe durchgeführt, keine liegenden Bäume entrindet oder Totholz aus dem Wald geholt. Auch wenn es zu Beginn so aussah, dass sich der Wald nicht erholen wird und nur noch aus kahlen Baumskeletten besteht, ist im Laufe der Zeit wieder neuer Wald entstanden.

Der Borkenkäfer ist sozusagen ‚zuständig‘ für den Neuanfang im Wald, er trägt zu neuer Verjüngung bei. Durch die abgestorbenen Bäume fällt mehr Licht auf den Waldboden und ermöglicht es neuen und anderen Pflanzen und Baumsämlingen zu wachsen. Auch diejenigen, die viel Licht benötigen. Das verbleibende Totholz dient z.B. als Wasserspeicher und liefert Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil auf solche Lebensräume angewiesen sind, wie diverse Käferarten und der Duftende Feuerschwamm. Dieser Pilz kommt nur in Urwaldrelikten vor, benötigt sehr alte Tannen zum Leben und ist selten zu finden. Der Borkenkäfer trägt somit zur Artenvielfalt bei und bringt den (natürlichen) Kreislauf der Natur in Schwung. Zu Anfang hat er zwar eine Zerstörung hervorgerufen, danach kommt aber ein Neuanfang.

Waldbrände im Amazonas

Waldbrände sind Ereignisse, die natürlicherweise Auftreten und für manche Baumarten sogar essenziell zur Verjüngung sind. Die Zapfen dieser Nadelbäume öffnen sich erst bei großen Temperaturen und entlassen so das Samenmaterial für eine neue Generation. Brände gehören zum Ökosystem und tragen so zu neuer und anderer Vielfalt bei.
Auf natürlichem Weg entstehen Feuer z.B. durch einen Blitzeinschlag oder durch spontane Entzündung, die meisten Feuer werden allerdings durch den Menschen verursacht. Eine noch glimmende Zigarette aus dem Auto entsorgt oder ein Funkenflug der Feuerstelle und schon kann sich ein Brand entwickeln. Besonders dann, wenn es trocken ist, was dieses Jahr auch im Amazonas der Fall ist.

Was sich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und anderen Teilen Deutschlands, Skandinaviens, Australiens oder der Arktis abspielt, findet sich auch im Amazonas. Die zurzeit dort auftretenden Waldbrände sind mehrheitlich von den Menschen verursacht, da Brände im Regenwald normalerweise keine natürlichen Prozesse sind. Um genaueres über die Feuer zu erfahren, können Forscher Sattelitenbilder verwenden, um die Vorgänge zu interpretieren. Mit solchen Bildern können sie sehen, dass die meisten Brände nach linearen Mustern auftreten, was für natürlich auftretende Brände nicht üblich ist. Daraus schließen sie, dass viele der Brände von oder in der Nähe von Straßen entstanden sind und somit durch Menschenhand verursacht wurden.

Bolsonaros Politik Schuld an Amazonas-Bränden?

Es ist kein Geheimnis, dass die Landwirte im Amazonas-Gebiet Feuer verwenden und neues Land für die Kultivierung zu gewinnen. Mit der sogenannten Brandrodung, die seit langer Zeit praktiziert wird, ist es am einfachsten und schnellsten an neues Land zu kommen. Da es einfacher ist, ein Feuer in der Trockenzeit zu starten, warten die Farmer auf genau diese Zeit, um das Land zu verbrennen. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Jahr ein sehr trockenes Jahr ist, können sich die Feuer relativ einfach und schnell auch auf den (intakten) Wald ausbreiten. Laut CNN betrug die Anzahl der Brände in Brasilien bis jetzt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 85%. Und es sieht nicht so aus, als ob der brasilianischen Präsident Jair Bolsonaro wirklich bemüht ist die Brände zu stoppen. Einige sagen sogar, dass Bolsonaros Regierungstaktik den Bränden entspricht, da er unter anderem durch den Export von Agrarprodukten das Wirtschaftswachstum in das Land bringen will. Und dafür braucht er Land, das mit Hilfe von Feuer von den Bauern geräumt und erschlossen wird.

Natürlich sind diese Politik und Trockenheit ein großes Problem, es ist aber nicht der einzige Grund, warum die Brände in diesem Jahr so ​​extrem sind. Auch andere Faktoren spielen dazu und beeinflussen die Situation. Wie zum Beispiel Abholzung und illegaler Holzeinschlag zu mehr Bränden führen, da dadurch bessere Bedingungen für Waldbrände geschaffen werden. Wenn die Bäume geerntet werden, bleiben Äste und Blätter auf dem Boden zurück, trocknen und können dann besser brennen. Außerdem ist ein gestörtes, unnatürliches Waldökosystem weniger widerstandsfähig gegen Bedrohungen und äußere Einflüsse. Dadurch können größere Probleme auftreten. Allerdings hat die Rate der illegalen Abholzung und Entwaldung im Laufe der Jahre nicht signifikant abgenommen, und nimmt allmählich, in allen Amazonasländern, wieder mehr zu. (siehe: Abholzung im Amazonas nimmt stark zu) Mit Bolsonaro als Präsident wird dieser Anstieg wahrscheinlich weitergehen, da er, wie erwähnt, seine „Export- und Expansionspolitik“ verfolgt. Der Pakt von Leticia, ein Plan zur Rettung des Regenwaldes, ist zumindest ein Anfangsschritt.

Abholzung im Amazonas nimmt stark zu

Im Sommer 2019 brennen nicht nur Wälder weltweit, sondern die Abholzung im Amazonas-Gebiet nahm im Vergleich zum Vorjahr auch drastisch zu. Diesen Juni lag die Abholzungsrate in Brasilien bereits 88% über dem Vorjahreswert, im Juli sogar 278%. Im Juli wurde mit 2250 km² damit fast viermal soviel Wald im brasilianischen Regenwald abgeholzt wie im Juli 2019.

Dies ist besonders beunruhigend, da die brasilianische Regierung die Abholzung nicht bekämpft, sondern sie unterstützt. Der neue Präsident Jair Bolsonaro ist ein Klimawandel-Leugner und hat mehrmals gedroht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Er stellt die Agrarindustrie, die den größten Anteil am brasilianischen Export hat, über den Naturschutz. Nachdem die beschleunigte Abholzung vom brasilianischen Institut für Weltraumforschung veröffentlicht wurde, feuerte der Präsident dessen Chef. Dies begründete er damit, dass das Institut falsche Zahlen veröffentliche, die den Ruf Brasiliens beschädigen. Von nun an werden die Daten des Instituts erst veröffentlicht, wenn diese durch das Umweltministerium geprüft wurden.

Der Schutz des Amazonas ist nur nicht wegen der einmaligen Biodiversität und den indigenen Völkern existenziell, sondern auch weil er die “grüne Lunge des Planeten” ist und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz liefert. Jedoch werden immer mehr Flächen in Acker- und Weideland umgewandelt, wo hauptsächlich Soja angebaut und Rinder gezüchtet werden. Mittlerweile ist der Agrarsektor für 70% der brasilianischen CO²-Emissionen verantwortlich.

Kann Europa im Amazonas eingreifen?

Als Reaktion auf diese Zahlen fordern viele Europäer, dass die EU ihre politische und wirtschaftliche Macht nutzen muss, um den Amazonas zu schützen. Eine Möglichkeit dazu bietet das Mercosur-Abkommen, ein Freihandels-Abkommen zwischen der EU und der Freihandels-Organisation Südamerikas, zu der die wichtigsten Amazonas-Staaten gehören. Obwohl sich EU und Mercosur geeinigt haben, weigern sich einige Mitgliedsstaaten aufgrund der Abholzung das Abkommen zu ratifizieren. Jetzt steht die EU in der Pflicht, das Abkommen so nachzubessern, dass der Schutz des Amazonas darin verankert wird.

Der brasilianische Präsident wehrt sich jedoch gegen eine Einmischung von außen, aus seiner Sicht ist der brasilianische Wald allein Sache Brasiliens. Deswegen soll auf der “Amazon Fund” umstrukturiert werden. Der Fonds zum Schutz des Regenwalds, der hauptsächlich vom norwegischen Staat und der deutschen Förderbank KfW finanziert wird, wird momentan von einem Lenkungsausschuss geleitet. In diesem sitzen neben Staatsvertretern auch Vertreter der Zivilgesellschaft. Geht es Bolsonaro, soll die Kontrolle vom Lenkungsausschuss zu einem Exekutivausschuss übergehen und das Geld statt für Naturschutzprojekte für Entschädigungen von Landbesitzern verwendet werden.

Waldexperten warnen vor Aktionismus in der Waldkrise und fordern Ende von ‚Holzfabriken‘

Angesichts der aktuellen Waldkrise fordert eine Gruppe von Waldexperten, Forstpraktikern, Waldbesitzern und Verbändevertretern in einem offenen Brief an Bundesministerin Klöckner eine Abkehr von der konventionellen Forstwirtschaft. Es heißt: „Wir fordern die staatliche Forstwirtschaft auf, anstelle teurem Aktionismus endlich eine sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens vorzunehmen und dabei alle Akteure mit einzubeziehen. Gefordert werden eine konsequente Abkehr von der Plantagenwirtschaft und eine radikale Hinwendung zu einem Management, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als Holzfabrik behandelt“.

Wir brauchen endlich eine Waldwende, die die natürlichen Produktionskräfte des Waldes stärkt und nicht weiter schwächt. Darum ist zunächst ist die Forstwirtschaft selbst gefragt, betriebliche Stressoren zurückzunehmen und bei der Wiederbewaldung auf die Natur zu setzen.“

Wilhelm Bode
ehemaliger Leiter der saarländischen Forstverwaltung und Autor des Buchs „Waldwende“

Die derzeitige Waldkrise in Deutschland ist nicht allein eine Folge des Klimawandels – auch die Art der Waldbewirtschaftung trägt eine erhebliche Mitverantwortung. Es gibt zu viele struktur- und artenarme Wälder, die durch zu viele Wege zerschnitten wurden. Waldböden werden zu intensiv befahren, und vielerorts ist das Waldinnenklima durch Auflichtung und zu starke Holzentnahme geschädigt“

Prof. Pierre Ibisch
Waldökologe und Naturschutzwissenschaftler

„Wir brauchen endlich Ruhepausen für den Wald in Deutschland, der jahrhundertelang ausgebeutet wurde. Wir brauchen ein neues, ökologisch orientiertes Konzept für den zukünftigen Wald, – keinen hektischen „Waldumbau“, sondern schlicht Waldentwicklung – hin zu mehr Naturnähe, die dem Wald als Ökosystem den notwendigen Spielraum belässt, selbstregulierend auf die sich abzeichnenden Umweltveränderungen reagieren zu können.“

Norbert Panek
Waldschützer

Es wäre Steuergeldverschwendung, jetzt Millionen von Bäumen zu pflanzen, wenn diese vom Wild gefressen werden wie bisher. Eine waldverträgliche Verringerung des Wildbestandes ist dringender als je zuvor“.

László Maraz
Koordinator der AG Wald des Forum Umwelt und Entwicklung

Die von allen Bürgerinnen und Bürgern über ihre Steuern zu bezahlenden Hilfen für die Waldbesitzenden seien gerechtfertigt – aber nur, wenn sie genutzt würden, einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen. Definitiv sei geboten Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu vermeiden.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören neben Wissenschaftlern Forstexperten mit jahrzehntelanger Erfahrung, Chefs von Umweltverbänden wie etwa Deutscher Naturschutzring, Greenpeace, NABU, Naturfreunde und die Deutsche Umweltstiftung, Vertreter von Bürgerinitiativen und namhafte Autoren wie Franz Alt oder Peter Wohlleben.

Die Unterstützer

Dr. Franz Alt (Journalist und Autor) – Bigi Alt (www.sonnenseite.com) – Jana Ballenthien(Waldreferentin, ROBIN WOOD) – Martin Bertram (Forstwissenschaftler) – Claudia Blank (Sprecherin der Bundes BürgerInitiative WaldSchutz, BBIWS) – Wilhelm Bode (Autor und vormals Leiter der Saarländischen Forstverwaltung; Leit.Min.Rat a.D.) – Klaus Borger (Assessor des Forstdienstes und Staatssekretär a.D., Vorsitzender Forstbetriebsgemeinschaft Saar-Hochwald w.V.) – Reinhard Dalchow(Pfr. i. R., Bundesvorstand Grüne Liga, Mitglied der AG Kirchenforst) – Susanne Ecker (Sprecherin BI Schützt den Pfälzerwald) – Gotthard Eitler (Förster i.R.) –  Hermann Edelmann (MitgründerProRegenwald) – Dr. Lutz Fähser (Forstamtsleiter i.R., Lübeck) – Herbert Fahrnbauer (Sprecher BI gegen die Waldzerstörung) –Dr. Andreas Fichtner (Wissenschaftler, Leuphana Universität Lüneburg) – Professor Dr. Maximilian Gege (VorsitzenderB.A.U.M.) – Peter Gerhardt(denkhausbremen) – Franz Gregetz (BundesBürgerInitiative WaldSchutz) – Manfred Großmann (Leiter Nationalpark Hainich) – Jessica und Hakan Günder (Bürgerinitiative: BI fightforforest Odenwald)- Sylvia Hamberger (Gesellschaft für Ökologische Forschung) – Mark Harthun (Fachbereichsleiter Naturschutz, Stellvertr. Landesgeschäftsführer NABU Landesverband Hessen) – Dr. Annette Hartmann (Baumaktivistin Geisenfeld) – Hermann Graf Hatzfeldt (Waldbesitzer, ehm. Vorsitzender FSC-Deutschland) – Gaby und Joachim Heger (Sprecher Bürgerinitiative Lachwald-erhalten.de) –Dr Peter R Hobson School for Sustainable Environments & Design, Writtle University College, IUCN CEM Forest Ecosystems –Hajo Hoffmann (Minister a.D. ) – Birgit Huvendieck (BI Baumschutz Braunschweig)  – Prof. Dr. Pierre Ibisch (Direktor Centre for Econics and Ecosystem Management an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Vorstand Deutsche Umweltstiftung, Vorstand European Beech Forest Network) – Dr. Lebrecht Jeschke (ehem. Direktor des Landesnationalparkamtes Mecklenburg-Vorpommern) – Eberhard Johl (BI-Baumschutz Hildesheim) – Martin Kaiser (Geschäftsführer Greenpeace) – Dr. Bernd Kempf(Bürgerbewegung Freunde des Spessarts, BBFdS) – Tanja Keßels (Protect, Natur-, Arten- und Landschaftsschutz e.V.) – Jutta Kill (Biologin, Beraterin für soziale Bewegungen, Autorin) – Kerstin Klein(BI Stadtwald Raunheim) – Regina Klein (BI Waldschutz im Taunus) – Armin Kohler (VereinEntwicklung Lebensraum Kißlegg e.V.)  – PD Dr. Werner Kratz (FU Berlin, stv. Vorsitzender NABu Brandenburg) – Wolfgang Kuhlmann (Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz) – Max V. Limbacher (M.A. Ortsvorsteher Kirkel Limbach) – Dr. Siegfried Klaus (AG Waldnaturschutz im NABU Thüringen) – Prof. Dr. Hans D. Knapp (DirProf.a.D., Succow Stiftung, Vorstand European Beech Forest Network, EuroNatur) –Heinz Kowalski (Stellv. Landesvorsitzender NABU NRW, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz) – Sandra Kraus (Ameisenhegerin Homburg) – Michael Kunkel (BN Ortsgruppe Heigenbrücken) – Dr. Liebhard Löffler (Vorsitzender Verein Nationalpark Steigerwald e.V.) – Dr. Petra Ludwig-Sidow (Dipl.Geol., Wald-AG des NABU Ammersbek) – Jürgen Maier (Geschäftsführer, Forum Umwelt & Entwicklung) – László Maraz (Koordinator Dialogplattform Wald/ AG Wälder, Forum Umwelt & Entwicklung) – Michael Müller (Parlamentarischer Staatssekretär a.D. im. Bundesumweltministerium, Bundesvorsitzender NaturFreunde Deutschland) –Peter Naumann (Bergwaldprojekt e.V.) – Prof. Dr. Kai Niebert (Präsident DNR – Deutscher Naturschutzring) – Dr.Jörg Noetzel (Sprecher der Bürgerinitiative Zukunft Stuttgarter Wald)  – Dr. Lars Opgenoorth(Ökologe, Philipps-Universität Marburg, European Beech Forest Network) – Norbert Panek (Agenda zum Schutz deutscher Buchenwälder) – Silvia Roelcke (waldproblematik.de) – Max Rossberg (Chairman European Wilderness Society) – Birgit Huvendieck (BI Baumschutz Braunschweig) – Ulrike Rothbarth (BI Baumschutz Braunschweig) – Doz. Dr. Wolfgang Scherzinger (ehem. Wissenschaftler/Zoologe des Nationalparks Bayerischer Wald) – Edmund Schultz (Waldschützer, Braunschweig) – Evelyn SchönheitJupp Trauth (Forum Ökologie & Papier)- Jörg Sommer (Vorstandsvorsitzer Deutsche Umweltstiftung) – Dr. Georg Sperber (ehemaliger Leites des Forstamts Ebrach) – Wolfgang Stoiber(Vorsitzender, Naturschutz und Kunst – Leipziger Auwald e.V. – NuKLA) – Gerlinde Straka(Projektkoordinatorin Wald, Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke) – Knut Sturm (Forstamtsleiter, Stadtwald Lübeck) – Prof. em. Dr. Michael Succow (Stiftungsratsvorsitzender Michael Succow Stiftung) – Walter Trefz (Förster) – Olaf Tschimpke (Präsident, NABU- Naturschutzbund Deutschland e.V.) – Florian Tully (2. Vorstand Verein Nationalpark Steigerwald e.V.) – Silvia Wagner (Sprecherin BI pro Ettersberg) – Dr.Torsten Welle (Naturwald Akademie) – Dr. Volkhard Wille (Vorstand, OroVerde – Die Tropenwaldstiftung) – Peter Wohlleben (Förster und Autor, Wohllebens Waldakademie)

Waldbrände wüten in der Arktis

Nachdem in Schweden bereits im April Waldbrände ausgebrochen waren, wüten mittlerweile weltweit riesige Waldbrände in der Arktis und Tundra. Obwohl großflächige Brände in den borealen Wäldern im Sommer normal sind, ist das momentane Ausmaß das größte jemals gemessene.

Mit 1250 km² (50 x 25 km) ist das größte Feuer mehr als 160-mal so groß wie der Waldbrand in Brandenburg Anfang Juni. Bis Ende Juni erreichten bereits fünf Brände eine Größe von 1000 km² und allein Alaska brachen bis zu diesem Zeitpunkt über 300 Feuer aus. Diese Brände staßen mit 50 Megatonnen so viel Kohlendioxid aus, wie Schweden in einem ganzen Jahr und wie alle Brände in der Arktis im Monat Juli von 2010 bis 2018 zusammen. Vom ersten bis 21. Juli wurde nochmal doppelt so viel CO² (100 Megatonnen) emittiert. In diesem Zeitraum bedeckten alleine die Brände in Russland eine Fläche von 30.000 km², so groß wie Belgien.

Temperaturen befeuern Brände in der Arktis

Die regelmäßigen Feuer in der Arktis hängen mit der Bodenbeschaffenheit zusammen. Die oberste Schicht des Permafrostbodens besteht aus Torf, der im Sommer antaut und dann austrocknet. Dieser Prozess hat sich in den letzten Jahren intensiviert, da die Arktis weltweit die Region ist, die durch den Klimawandel bereits die stärkste Erwärmung erfährt. In Sibirien wurden in den Regionen mit den größten Feuern diesen Sommer bis zu 10 °C höhere Bodentemperaturen gemessen. Daher taute deutlich mehr Permafrostboden auf, trocknete aus und ist dadurch leicht entzündlich. Durch die Erderwärmung ist dadurch damit zu rechnen, dass die Waldbrände in der Arktis in der Zukunft noch zunehmen werden. Zusätzlich kann der sich in der Arktis verteilende Ruß, wenn er auf Schnee oder Eis fällt, dazu führen, dass mehr Sonnenlicht absorbiert wird und die Bodentemperatur noch schneller ansteigt.

Tauender Permafrost ist eine Zeitbombe

Zwar kann sich die Natur selbstständig von diesen Feuern erholen und auf dem tauenden Permafrost werden neue Ökosysteme enstehen. Allerdings dauert das Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte und bis dahin stößt der Permafrost beim Auftauen enorme Mengen CO² aus, besonders wenn Waldbrände diesen Ausmaßes Normalität werden sollten. Im Permafrost sind Milliarden Tonnen Kohlendioxid gebunden, die enormen Einfluss auf das Klima haben könnten, wenn sie in die Atmosphäre abgegeben werden. Die momentanen Waldbrände entstehen ohne menschliches Eingreifen und können aufgrund ihrer Größe und Ablegenheit vom Menschen auch nicht kontrolliert werden, daher kann man nur hoffen, dass steigende Temperaturen das Problem nicht noch verstärken und Rückkopplungs-Mechanismen ausgelöst werden, die das weltweite Klima beeinflussen.