Douglasie – Der Riese, der uns helfen könnte?

Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsbaumarten in Deutschland. Sie lässt sich mit Buche mischen und zeigt eine höhere Trockenheitstoleranz im Vergleich zur Fichte. Sie eignet sich daher als Baumart im Wandel des Klimas.“

Durch den Rückgang der Fichte vielerorts wird in Zukunft eine große Lücke zwischen Nachfrage und Angebot für Nadelholz entstehen. Es gilt somit eine Baumart zu finden, die sich veränderten Klimabedingungen anpassen kann und wirtschaftlich profitabel ist. Eine mögliche Alternative könnte die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) darstellen. In Deutschland bedeckt die Douglasie momentan bereits ca. 2 % der Waldfläche (217.600 ha). Es zeichnet sich bei dem Vergleich der letzten Waldinventuren außerdem eine steigende Tendenz ab.

Anpassungsfähiger als so manch andere Baumart

Im Jahre 1827 kam die Douglasie aus Amerika erstmals auf europäischen Boden. Denn ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Westen Nordamerikas von British Columbia entlang der Küste und der Rocky Mountains bis nach Mexiko. Mittlerweile ist der erstmals in England eingeführte Neophyt überall in Europa beheimatet. In Amerika wachsen Douglasien unter einer Vielfalt klimatischer Bedingungen. Sowohl im maritimen Klima im Nordwesten als auch bei langen Wintern und Temperaturunterschieden von 10 bis 16 Grad pro Tag in den Bergen. Und auch im kontinentalen Landesinneren sind die Douglasien zu finden. Dort wachsen sie unter erschwerten Bedingungen mit langen, harten Wintern und stellenweise sehr trockenen Sommern. 

Ein anspruchsloser Neophyt

Die Douglasie ist ein Baum mit geringen Nährstoffansprüchen und kann so auch auf einem mittleren bis schlechten Standort im Vergleich zu den meisten europäischen Baumarten gut wachsen. Lediglich auf staunassen Böden vermag sie nicht sich anzusiedeln. Doch nicht nur ihr schnelles Wachstum macht sie für die Fortwirtschaft interessant, sondern auch ihr dichtes und tiefes Wurzelsystem, was sie weniger anfällig für Windwurf macht.

Am besten gedeiht die Douglasie auf frischem Boden. Aber auch Trockenheit bis hin zur Dürre übersteht sie, wenn der Boden genügend Wasserspeicherkapazität hat. Somit bevorzugt sie ähnliche Standorte wie die Buche. Sie kann jedoch auch extremere Standorte sowohl auf nassen, aber vor allem auf trockenen Standorten besiedeln, wo die Buche nicht mehr wächst. Auch was den Boden betrifft, ist die Douglasie anspruchslos. So gedeiht sie am besten auf mäßig saurem Boden, kommt aber auch auf basischem und saurem Boden vor. Ist der Boden jedoch zu sauer, reagiert sie empfindlich. Auch extreme Stickstoffarmut bekommt ihr nicht sehr gut.

Douglasie ist nicht gleich Douglasie

Pseudotsuga menziesii hat zwei Unterarten. Zum einen die Küstendouglasie, welche entlang der nordamerikanischen Westküste beheimatet ist. Zum anderen die Gebirgsdouglasie, welche im Landesinneren in den Bergen beheimatet ist. Unterschiede zwischen den Unterarten bestehen im Wachstum, der Schattentoleranz und der Frostempfindlichkeit. Die Küstendouglasie hat ein deutlich stärkeres (Höhen-) Wachstum. Die Gebirgsdouglasie wächst dagegen besser im Schatten und auf feuchteren Standorten. In jungen Jahren ist die Küstendouglasie außerdem anfällig gegenüber Frostschäden. Die Gebirgsdouglasie ist durch ihre Anpassung an das Gebirge frostresistenter. Durch die Herkunftsauswahl lassen sich Schäden somit minimieren. Ist die Jugendphase erst einmal bewältigt, leidet sie deutlich weniger unter diesen Einflüssen.

Sturm- und dürretolerant

Auf Grundlage von Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Douglasie besonders in tiefen Lagen zusammen mit der Buche gedeiht. Jedoch wurden kleine Verjüngungen bis in die Lagen von 1300 m ü.M. gefunden. Weiter ließ sich feststellen, dass die Douglasie sich mit besseren Lichtverhältnissen auch entsprechend gut etablieren konnte und so besonders gestörte Areale, wie Schadflächen oder Wegränder, ein optimales Habitat für sie sind. Bei unseren Schweizer Nachbarn kann sich die Douglasie jedoch oberhalb von 1000 m ü.M. nicht mehr gegen die Fichte und Tanne durchsetzen. Dennoch befindet sich das höchste Anbaugebiet auf 1420 m ü.M. im Kanton Schwyz.

Die Douglasie bildet ein weitläufiges Wurzelsystem aus, was ihr zu einer erstaunlichen Stabilität verhilft. So gilt sie in ihrer Heimat als relativ sturmstabil. Auf dichten sowie nassen Böden zeigt die Küstendouglasie jedoch eine Anfälligkeit für Wind- und Schneebelastungen. Für Europa liegen jedoch noch zu wenige Daten vor, um eine Aussage treffen zu können.

Mit ihrer erstaunlichen Resistenz gegenüber Trockenheit, sowie der Tatsache, dass Berichte von großflächigem Schädlingsbefall bisher weitestgehend fehlen, zählt dies zu den Hauptgründen, weshalb das forstwirtschaftliche Interesse an ihr wächst – vor allem mit Blick auf den Klimawandel. Es ist sogar ein schnelleres Wachstum mit steigenden Temperaturen zu erwarten, wohingegen einheimische Fichten und Tannen in einer wärmeren Zukunft leiden werden. Wie einfach Krankheiten und Schädlingen von anderen Baumarten auf die Douglasie überspringen können, bleibt abzuwarten, da hier keine Erfahrungen vorliegen.

Hinzu kommt, dass sie sich mit der Buche aber auch mit der Kiefer mischen lässt. Durch Verjüngung entstandene Buchenbestände lassen sich durch die Einführung von Douglasien aufwerten. Da die Douglasie über eine gute Schattentoleranz in der Jungendphase verfügt und auch um sie vor Frostereignissen zu schützen, sollte sie nicht auf Freiflächen, sondern unter anderen Bäumen gepflanzt werden. Mit einem jährlichen durchschnittlichen Zuwachs von 18,9 m³/ha, ist sie die wüchsigste Wirtschaftsbaumart und den heimischen Koniferen deutlich überlegen. Das Holz der Douglasien zeichnet sich durch eine hohe Festigkeit aus und erzielt sehr gute Holzpreise. Weiterhin besitzt das Holz eine hohe Festigkeit und Witterungsbeständigkeit.

Die Riesen der Wälder

In ihrer Heimat erreichen Douglasien monumentale Größen. In Oregon steht die sogenannte „Doerner Fir“, an der man 2015 eine Höhe von 107,89 m messen konnte. Und in Neuseeland erreicht eine Douglasie 68,80 m. Aber auch in Europa haben die Douglasien das Potenzial für ein enormes Höhenwachstum. So steht in Spanien eine Douglasie mit dem Namen „Intxauralde Baserria“ und einer Höhe von 63,45 m. Die größte Douglasie Österreichs steht im Wald des Domkapitels Linz in St. Thomas am Blasenstein und ist stolze 59,90 m hoch. Auch unseren deutschen Nachbarn stehen einige der Riesen. Die größte Douglasie in Deutschland misst 66,58 m, steht im Mühlenwald bei Freiburg und trägt den Namen „Waldtraut vom Mühlenwald“.

Der Boden dankt

Ökologisch betrachtet hat die Douglasie eine positivere Wirkung auf den Boden als beispielsweise die Fichte. Denn ihre Nadeln lassen sich besser zersetzen und erzeugen so eine höhere Bodenqualität. Eine Ausweitung des Anbaus dieser wuchskräftigen Baumart kann zur Steigerung der Produktivität von Wäldern und damit auch zur CO2-Speicherung beitragen.

Die Küstendouglasie wächst am besten auf gut durchlüfteten Böden mit einem leicht-sauren pH-Wert. Sie wächst dagegen nicht auf trockenen, stark verdichteten Böden. Die küstennahen Böden in den USA sind geprägt von Meeressandstein und Tonstein, die einen feuchten Boden mit feiner Textur bilden. Die Oberböden sind normalerweise sauer, stickstoff- und humusreich.

Sind Douglasienforste weniger artenreich? 

Studien zeigen, dass Douglasien weniger andere Arten verdrängen als beispielsweise die Fichte. Da die Douglasie bei uns nicht heimisch ist, stellen sie für europäische Tiere einen relativ neuen Lebensraum dar. Daher kann vermutet werden, dass Douglasien Bestände weniger divers sind als Bestände mit heimischen Nadelbäumen.

Mittels einer Brutvogelkartierung im Stadtwald Gaggenau in Baden-Württemberg konnten spannende Erkenntnisse gesammelt werden. In zwei aufeinander folgenden Jahren wurde die Brutvogelkartierung in vier Douglasien- und vier Weißtannenbeständen durchgeführt. Die Bestände verfügen über relativ ähnliche Bedingungen, wie Größe, Lage, Anteil der Hauptbaumart und dem Durchschnittsalter. Es wurde beobachtet, dass Arten wie Tannenmeisen und Wintergoldhähnchen besonders häufig in allen Beständen vorkommen. In Douglasien-Beständen leben außerdem besonders viele Haubenmeisen, wobei der Buntspecht als Brutvogel gänzlich fehlt. Da der Specht in stehendem Totholz brütet, wurde stehendes Totholz in beiden Beständen verglichen. In dem Douglasien-Bestand konnten überwiegend heimische Bäume als stehendes Totholz identifiziert werden. Dies erklärt sich durch die höhere Vitalität der Douglasie und der häufigen Entnahme nach dem Absterben, da sie im Gegensatz zu anderen Baumarten auch nach dem Absterben noch verwertbar ist.

Es konnte keine Bruthöhle des Spechtes in einer Douglasie gefunden werden. Eine Erklärung hierfür lässt sich finden, wenn man sich das Holz der Douglasie genauer ansieht. Sie verfügt über ein hartes, harziges Holz, welches weniger zum Höhlenbau geeignet ist als das Holz anderer Nadelbäume. Eine andere Erklärungsmöglichkeit besteht darin, dass die Anzahl der für die Jungenaufzucht geeigneten Insekten in den Douglasien-Beständen generell geringer ist. Auch in der amerikanischen Heimat der Douglasie konnten keine Spechthöhlen in lebendem Holz gefunden werden. Hier erklären Untersuchungen das durch den hohen Harzanteil sowie mit der Härte des Douglasienholzes. Ob das Fehlen des brütenden Buntspechts sich auf das Vorkommen anderer Höhlenbrüter auswirkt, konnte noch nicht untersucht werden. Generell lässt sich jedoch sagen, dass Douglasien-Bestände von einer Vielzahl unserer heimischen Vögel durchaus angenommen werden.

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