Neobiota im Kontext des Klimawandels

Der heimische Wald wird sich in den nächsten Jahrzehnten durch den Klimawandel verändern. In diesem Wandel haben Neobiota das Potenzial eine wichtige Rolle zu spielen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Der Klimawandel wird sich in Österreich wahrscheinlich hauptsächlich durch eine Temperaturerhöhung und Niederschlagsverminderung zu bestimmten Jahreszeiten ausdrücken. In den Bergwäldern wird der Klimawandel wohl geringe negative Folgen haben, da hier das Wachstum der Bäume vor allem durch die Länge der Wachstumsperiode begrenzt wird. Dürre und Hitze ist hier selten ein Problem. Anders sieht es im Osten des Landes aus. Im Tiefland sind heiße Sommer bereits normal und der Klimawandel wird diese weiter intensivieren.

Für die neuen Bedingungen sind manche Baumarten besser gewappnet als andere. Allerdings sind es besonders die forstwirtschaftlich bedeutenden Baumarten, die unter den neuen Bedingungen leiden. Fichte, Kiefer und Lärche sind an vielen Standorten, wo sie heute angebaut werden, nicht mehr zukunftsfähig. Die Reaktion darauf ist zwiegespalten. Manche sehen einen naturnäheren Wald als Antwort. Heimische Laubbaumarten wie Buche, Eiche, Ahorn und Esche sind den Veränderungen gegenüber besser gewappnet. Daher sehen es viele als die beste Lösung die Forstwirtschaft auf diese Baumarten zu fokussieren. Das ist einerseits gut für die Artenvielfalt, da die heimische Tierwelt an diese Bäume angepasst ist. Andererseits fürchten Skeptiker einen Einbruch in der Produktivität des Waldes, da Laubbäume langsamer wachsen als Nadelbäume.

Andere fordern einen aktiveren Ansatz, bei dem Neobiota im Mittelpunkt stehen. Sie sehen einen Waldumbau mit Baumarten aus anderen Teilen der Welt als beste Maßnahme, um den heimischen Wald auf den Klimawandel vorzubereiten. Viele der Arten, die dazu in Frage kommen, sind zwar bereits in Europa eingeführt worden, spielen forstwirtschaftlich aber noch eine kleine Rolle. Sie stammen oft aus Nord-Amerika, da dort ähnliche Klimabedingungen herrschen. Zwar werden auch Arten in Betracht gezogen, die aus Zentralasien stammen. Diese sind aber oft nur für Extremstandorte geeignet, wo extreme Hitze und Dürre droht. Arten aus Nordamerika sind vielversprechend, da das Klima kontinentaler als in Österreich und dem größten Teil Europas ist. Das bedeutet, dass Hitzewellen und Dürreperioden häufiger sind. Das gleiche gilt für Arten aus Zentralasien. Da diese nicht räumlich von Europa getrennt sind, stellt sich die Frage, ob sich diese hier nicht schon angesiedelt hätten, wenn die Klimabedingungen geeignet wären.

Neobiota spielen jedoch auch eine negative Rolle im Zuge des Klimawandels. Eingeschleppte Schädlinge treten bereits jetzt immer häufiger auf. Höhere Temperaturen und weniger Niederschlag setzen die Bäume unter Stress, wodurch sie sich schlechter gegen Schädlinge wehren können. Außerdem vermehren sich viele Schädlinge unter wärmeren Bedingungen schneller. Eine längere Wachstumsperiode führt in manchen Gebieten bereits dazu, dass sich manche Borkenkäfer zweimal statt nur einmal im Jahr fortpflanzen. Daher wird der Klimawandel dafür sorgen, dass der heimische Wald anfälliger gegenüber eingeschleppten Arten wird und diese sich schneller ausbreiten können. In den Bergwäldern begünstigen vor allem mildere Winter das Überleben und die Vermehrung von Schädlingen. Viele eingeschleppte Schädlinge können sich hier bisher nicht etablieren, da sie die harten Winter nicht überleben. Der Klimawandel könnte auch dies ändern.

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