Schädlinge im Wald

Was macht einen „Schädling“ überhaupt zu einem Schädling? Und welche Auswirkungen haben sie auf Ökosysteme? Der Begriff „Schädling“ ist ein rein anthropozentrischer, weil sich dieser Begriff vor allem auf Schäden in der Wirtschaft bezieht, oft gepflanzte Monokulturen betrifft und noch dazu oft durch anthropogen eingeschleppte „Schädlinge“ verursacht wird.

Wald- und Forstschädlinge

Waldschädling oder auch Forstschädling werden Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und Pilze genannt, die negative Auswirkungen auf die Fauna, hier im speziellen das Waldökosystem, haben. Die Schädlinge beeinflussen das Wachstum, aber auch die Gesundheit der Bäume nachhaltig. Bekannte Schädlinge sind z.B. verschiedene Arten des Borkenkäfers, andere Schadinsekten wie der Eichenprozessionsspinner, Mäuse, Wild und Pilze.

Meist haben Schädlinge nur dann eine negative Wirkung, wenn sie in Massen vorkommen. Dies kann zyklisch – oft im Abstand einiger Jahre – passieren oder auch spontan, wenn optimale Bedingungen vorliegen. Spontane Vermehrung kann durch gute Reproduktionsbedingungen, das Fehlen von (natürlichen) Gegenspielern oder ein Überangebot an Nahrung, meistens in Monokulturen, ausgelöst werden. Dann kann es vorkommen, dass Arten in Massen auftreten und Schäden an den Bäumen entstehen.

Die Kategorie Schädling ist eine durch den Menschen definierte Kategorie, die sich rein danach richtet, was als schädlich für die Forstwirtschaft angesehen wird. Insekten machen den Großteil der so genannten Schädlinge aus. Zwar schwächen viele Insekten die Bäume, in denen sie leben, sodass sie im schlimmsten Fall im Zuge des Befalls absterben. Doch dies sind natürliche Prozesse, die so schon immer ablaufen. Erst durch den Menschen kriegen sie eine Bewertung, da Waldbesitzer ein Massensterben oder Schäden an Bäumen nicht gerne sehen, da dadurch ein Wertverlust entsteht.

Auf der anderen Seite sind viele der von Menschen gepflanzten Forste prädestiniert für Schädlingsvermehrung. Monokulturen machen den Borkenkäfern die Vermehrung einfach und bieten ihnen ein Festmahl. Und auch Pilze können sich so optimal auf der vorhandenen Baumart ausbreiten. Und auch abiotische Schadfaktoren, wie zum Beispiel Stürme, haben es in Monokulturen einfacher, Schaden anzurichten. Andere Baumarten, die solche Ereignisse abpuffern könnten, sind in den Wäldern häufig nicht vorhanden oder nicht in einem Maße, wie es eigentlich gut wäre.

Was kann gegen sie getan werden?

Natürliche Gegenspieler der Schädlinge sind meistens andere Insekten, die sich von ihnen ernähren und sie so einem geringen Level halten. Wenn sich die Schädlinge stark vermehren, vermehren sich auch die Gegenspieler stärker, da ein größeres Nahrungsangebot vorhanden ist. So halten sich die Zahlen der Schädlinge und Nützlinge normalerweise beiderseits im Gleichgewicht. Auch Vögel ernähren sich teilweise von den Schädlingen, spielen aber meistens keine große Rolle.

Außerdem können sich die Bäume oft selbst gegen die Schädlinge zur Wehr setzen. Eine undurchdringliche Rinde oder die Produktion von abschreckenden oder giftigen Stoffen, vor allem im Harz, schützt gesunde Bäume. Andere Gegenspieler zur Eingrenzung der Schadinsekten können Krankheiten sein. Wenn die Zahl der Schädlinge explosionsartig zunimmt, können sich auch Krankheiten innerhalb der Population schnell verbreiten. Andere Faktoren greifen oft erst, wenn der Schaden entstanden ist. Wenn viele Bäume sterben, entsteht ein Nahrungsunterangebot oder die Schädlinge finden keine neuen Bäume zum Nisten.

Neue Bedrohungen – nicht mehr „nur“ der Borkenkäfer

Durch den globalen Handel wird die Einwanderung von Schädlingen enorm begünstigt und so steigt die Zahl der nicht heimischen Schädlinge zunehmend an. Durch den Klimawandel und mildere Winter gelingt ihnen zunehmend auch die Etablierung in nördlicheren Regionen. Die Schädlinge gelangen hauptsächlich aus Asien und Nordamerika zu uns, da dort ähnliche klimatische Bedingungen herrschen und ähnliche Wirtspflanzen vorhanden sind. Deswegen ist die Nahrungsgrundlage für Schädlinge gesichert, jedoch fehlen die Gegenspieler aus der Heimat gänzlich. So kommt es global zu der Verdrängung heimischer Arten sowie dem Absterben der Wirtspflanzen. Insbesondere der Wald ist davon betroffen, da etwa ein Drittel der eingeschleppten Insekten Bäume befallen. Aber auch andere Gefahren wie Pilze und Viren werden eingeschleppt und bedrohen die heimische Fauna. Doch unsere Ökosysteme in Mitteleuropa, wie auch Ökosysteme im Allgemeinen sind nicht statisch. Da sich Ökosysteme natürlicherweise ständig wandeln und dynamisch sind, sind sie ebenso anpassungsfähig.

Auch die Globalisierung macht es den Schädlingen einfacher. Zum Beispiel werden sie über Palettenholz in neue Länder eingeführt. Dort fehlen oft Faktoren und Gegenspieler, die die Ausbreitung verhindern würden. So können neu ankommende Schädlinge großen Schaden anrichten, wenn sie günstige Bedingungen vorfinden. So kommt zu Massensterben, wenn neue Schädlinge auftauchen und heimische Pflanzenarten können verdrängt werden.

Betroffen sind oft zunächst Stadtareale, da dort importiertes Holz ankommt, mit dem neue Schädlinge in neue Gebiete gelangen. Von dort ausgehend breiten sich die Schädlinge immer weiter aus und treffen früher oder später auf den Wald. Da dieser in den letzten Jahrzehnten durch künstliche Monokulturen und standortsfremde Baumarten verändert wurde und somit anfälliger ist, haben ankommende Schädlinge ein leichtes Spiel.

Wie können wir vorbeugen?

Zum einen lassen sich durch strengere Importkontrollen Schädlinge finden und beseitigen. Abhilfe könnten hier zum Beispiel speziell trainierte Hunde bieten. Sie können die Schädlinge, nachdem man sie darauf trainiert hat, erschnüffeln. So werden in Baumschulen Hunde zur Erkennung des Asiatischen Laubholzbockkäfers eingesetzt. Findet der Vierbeiner einen Käfer, so muss die Baumschule geschlossen werden, kann aber „Bekämpfungsmaßnahmen“ gegen ihn einsetzen. Dies kann in einigen Fällen Sicherheit bieten, ist aber kein totaler Schutz.

Zum anderen kann importiertes Holz einer Schadstoffbehandlung ausgesetzt werden. Dies kann entweder physikalisch geschehen, indem das Holz mit hochenergetischer Strahlung behandelt wird, so wie es auch bei manchen Lebensmitteln eingesetzt wird. Oder das Holz wird chemisch mit Insektiziden behandelt. Beides tötet im Idealfall Schädlinge ab ohne Rückstände im Holz zurück zu lassen. Diese Methoden sind aufgrund möglicher ökologischer Schäden jedoch umstritten. Dazu kommt, dass auch sie keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Dafür gibt es zu viele andere Wege für Schädlinge in ein neues Land zu gelangen.

An den jeweiligen Standort angepasste Wälder mit eine naturnahen Baumartenzusammensetzung, beugen jedoch langfristig Schäden vor. Denn besonders anfällig sind Fichten- und Kiefern-Monokulturen, die auf ungeeigneten Standorten wachsen. Die Fichte beispielsweise nutzt nur das Wasser aus oberen Bodenlagen und trocknet so den Boden während Dürreperioden schnell aus. Der Borkenkäfer hat dann leichtes Spiel mit der bereits geschwächten Fichte und kann ganze Bestände gefährden. Die Fichten mit Laubbäumen zu mischen, wäre eine Maßnahme für die Zukunft, erfordert jedoch Zeit und geht mit einem Verlust des Holzertrags einher. Denn wachsen langsamer und produzieren so weniger Holz. So kann man seine Bestände durch einen stabilen Mischwald aber durchaus schützen. Nicht nur vor Schädlingen, sondern auch vor Waldbränden und anderen Gefahren.

Zu den am meisten gefürchteten Waldschädlingen in Mitteleuropagehören zur Zeit der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) und der Zitrusbockkäfer (Anoplophora chinensis). Diese gehören zu den sogenannten „Quaräntaneschaderregern“. Das bedeutet es wird alles unternommen, um ihre Ausbreitung zu verhindern.

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