Erhöhter Stickstoffgehalt bedroht Biodiversität in Wäldern

Neue Forschungsergebnisse zeigen einen möglichen Wendepunkt für Wälder und ihre biologische Vielfalt auf. Die Anreicherung von Stickstoff droht die Zusammensetzung der Wälder zu verändern und sie in weniger vielfältige Ökosysteme umzuwandeln. Normalerweise trägt eine gesunde Baumschicht dazu bei, das Licht, das den Waldboden erreicht, abzufangen und die Auswirkungen der Stickstoffansammlung zu mildern. Dies wird sich jedoch angesichts des Klimawandels ändern: mehr Waldkrankheiten und Dürre führen zu lichteren Wäldern und dadurch veränderten Verhältnissen zwischen Generalisten und Spezialisten.

Die Gefahren von zu viel Stickstoff

Stickstoff birgt vielzählige Gefahren für ein gesundes Ökosystems. Übermäßige Stickstoffablagerung führt zum Auswaschen bestimmter Nährstoffe aus dem Boden, zur Versauerung des Bodens und zur Eutrophierung. 

Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Pflanzen die in der Strauch- und Krautschicht des Waldes wachsen. Generalisten passen sich normalerweise an neue Umstände gut  an und können einen Anstieg des Stickstoffgehalts sogar für sich als Vorteil nutzen. Das heißt, sobald mehr Licht in den Wald einfällt, können sie den Überschuss an Stickstoff nutzen und sich schneller verbreiten. Im Gegenteil dazu sindSpezialisten weniger adaptionsfähig und reagieren empfindlich auf Änderungen der Umgebungsbedingungen. Da Generalisten oft nicht heimisch sind und sich durch diese neuen Umstände noch schneller verbreiten können, führt das zum Rückgang der biologischen Vielfalt.

Dunkelliebendes Unterholz

Der Grund, warum diese Bedrohung für die biologischen Vielfalt erst jetzt bekannt wird, ist, dass der begrenzte Lichteinfall die Stickstoffablagerung in Grenzen gehalten hat. Spezialisten und Generalisten waren mehr oder weniger auf Augenhöhe. Die Integrität der Waldkrone hat sich in den letzten Jahren jedoch, unter anderem wegen des Klimawandels, vermindert. Zum Beispiel hat Dürre im vergangenen Jahrzehnt große Fichtenpopulationen in Belgien, Deutschland und Frankreich ausgelöscht, und Laubwälder vieler Orts auch schon von Eschensterben betroffen sind. Dies setzt das Unterholz dem Licht aus und hatverheerenden Folgen.

In gemäßigten Wäldern, die einen großen Teil der europäischen Wälder ausmachen, befinden sich 80% der biologischen Vielfalt des Waldes in der Kräuter- und Strauchschicht. Hier finden essentielleÖkosystemfunktionen wie Phosphor-, Kalium- und Stickstoffkreislauf sowie die Zersetzung von Baumstreu statt. Um die Wälder an den Klimawandel anzupassen und die Integrität der Waldkrone zu stärken, möchten Förster nicht-einheimische Arten pflanzen, die aus trockeneren und heißeren Klimazonen stammen. Dieses Vorhaben ist aber mit Vorsicht zu genießen, da eine Veränderung der einheimischen Laubwälder Auswirkungen auf die Fauna des Waldes haben könnte, die sich möglicherweise nicht an die neue Baumzusammensetzung anpassen kann.

Biodiversität hilft gegen Klimawandel

Aber auch im Kontext der Minderung des Klimawandels ist die Aufrechterhaltung dieses Unterholzes von Bedeutung. Wälder wirken als Puffer gegen den Klimawandel. Der Schatten der Waldkrone, die erhöhte Evapotranspiration und die Verhinderung der Mischung von warmer und kalter Luft durch Windstille, tragen dazu bei, ein Mikroklima in Wäldern zu schaffen, das kühler als ihre Umgebung ist. Dieser Effekt wird auch als Waldpufferung bezeichnet und hat vielen Arten ermöglicht trotz erhöhter Temperaturen außerhalb des Waldes zu überleben. 

Außerdem führt große Artenvielfalt der Wälder zu erhöhter Produktivität des Waldes, was wiederum höhere Kohlenstoffbindung bedeutet. Das heißt, dass Wälder bestehend aus einheimischen Arten eine wichtigeRolle bei der Bekämpfung des Klimawandels einnehmen. 

Wir befinden uns also, wie so oft, in einer Zwickmühle: langfristig sind Wälder mit hoher Biodiversität wichtig um den Klimawandel zu bekämpfen, unter anderem, weil sie mehr Kohlenstoff aufnehmen können. Aber die vielen spezialisierten Pflanzenarten in solch einem Wald haben sogar jetzt schon mit Auswirkungen des Klimawandels – lichtere Wälder mit mehr Stickstoff – zu kämpfen.

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