Straßenbau verändert Waldzustand und beschleunigt Klimawandel

Straßen sind essentiell für die Fortbewegung des Menschen. Sie haben uns ermöglicht Land zu erschließen, das sonst schwer zugänglich gewesen wäre. Gleichzeitig stellen sie jedoch eine erhebliche Bedrohung für die Tierwelt dar, da sie deren Fortbewegung eingrenzen und das Risiko von Straßenkollisionen besteht. Straßenbau wirkt sich auch stark auf angrenzende Wälder aus, indem nicht nur eine physische, sondern auch eine thermische Fragmentierung der Landschaft verursacht wird. Eine Straße beeinflusst die mikro-klimatischen Bedingungen in ihrer Umgebung, was zu einem Temperaturanstieg führt. Dies kann verheerende Auswirkungen auf die Bäume haben und wird höchstwahrscheinlich durch den Klimawandel beschleunigt. Aber wie ernst ist die Situation wirklich?

Forschungsdisziplin Straßenökologie

Straßen fragmentieren die Erdoberfläche in mehr als 600.000 Teile. Für Europa bedeutet dies, dass 50% der Oberfläche des Kontinents nur 1,5 km von einer Straße oder Eisenbahn entfernt sind, während der Rest der Oberfläche 10 km von einer Straße entfernt ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil der natürlichen Lebensräume, inklusive Wälder, von den Auswirkungen von Straßenbau betroffen ist.

Die Straßenökologie beschreibt die Forschungsdisziplin, die die Auswirkungen von Straßen auf die Umwelt untersucht. Der Kern der Disziplin besteht darin, dass das Mikroklima eines Standorts von der Struktur seiner Oberfläche abhängt. Haben Sie sich jemals gefragt, warum sich ein heißer Sommertag in der Natur viel kühler anfühlt als in einer Stadt? Oberflächen die von Vegetation bedeckt sind, insbesondere von Wäldern, wirken kühlend, während sich verbaute Gebiete wie Städte schneller erwärmen. Um zu verhindern, dass sich Städte zu stark erwärmen, ist grüne Infrastruktur wichtig. Bäume verdampfen Wasser, das die Umgebung sofort abkühlt. Gleichzeitig absorbieren sie CO2, was zur Verringerung der Klimaüberhitzung beiträgt.

Dieser Kühlungseffekt wird durch den Bau von Straßen verringert. Sie verändern das Mikroklima in ihrer Umgebung, was zu einem Temperaturanstieg führt. Dies kann verheerende Auswirkungen haben, insbesondere auf Waldränder.

Mikro-klimatische Bedingungen mit großem Effekt

Die Veränderung des Mikroklimas kann zu einer Zunahme der Wasserverdunstung, des Hitzestresses, der Baumsterblichkeit und des Waldbrandrisikos führen. Dies wirkt sich wiederum auf die Grundwasserressourcen und die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber dem Klimawandel aus. Eine Studie im deutschen Oberhessen bestätigte diese Auswirkungen im Zuge einer Analyse der Umweltauswirkungen eines geplanten Autobahnbaus. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die geplante Autobahn die Baumsterblichkeit erhöhen und dadurch den Kühlungseffekt des Waldes erheblich verringern würde.

Auswirkungen neu gebauter Straßen sind besonders extrem, da durch Abholzung Waldränder entstehen. Die Bäume entlang der Waldränder sind nicht an die neuen klimatischen Bedingungen wie erhöhte Sonneneinstrahlung, Wind und erhöhte Temperaturen gewöhnt. Das Ergebnis ist ein vermehrtes Sterben der Bäume, während der Wald sogar in eine negative Rückkopplungsschleife eintreten kann: die Beschädigung der Bäume und damit die Verringerung des Kühlungseffekts führt zu erhöhten Oberflächentemperaturen, was wiederum zu erhöhter Baumsterblichkeit führt, usw.

Straßen-freie Landschaften zur Eindämmung des Klimawandels

Der Fall in Oberhessen ist nicht einzigartig. Die ganze Welt und insbesondere Europa verlieren kontinuierlich Grünflächen durch den Bau von Straßen und anderen Oberflächenversiegelungen. Auf diese Weise verlieren wir viele Ökosystemdienstleistungen die diese Grünflächen bieten. Dazu gehören die Wasserspeicherungskapazität des Bodens, Kühlungseffekte des Waldes, die Absorption und Speicherung von CO2 und die damit verbundene Reinigung der Luft. Diese Dienstleistungen sind für die Eindämmung des Klimawandels und für das Wohlergehen der Menschen in städtischen Gebieten von entscheidender Bedeutung. Angesichts der Tatsache, dass die Natur aufgrund der bestehenden Fragmentierung der Landschaft durch Straßen und städtische Gebiete bereits einem immensen Druck ausgesetzt ist, stellt sich die Frage ob es nicht besser wäre ihren Bau zu reduzieren. Jedenfalls müssen die ökologischen Auswirkungen des Straßenbaus auf die Wälder zukünftig vermehrt berücksichtigt werden, damit diese so gut wie möglich erhalten werden können.

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