Wald wächst Emissionen nicht hinterher

Der Wald ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Erholungsraum für Menschen – und er bindet Kohlenstoff. Letzteres ist um dem Klimawandel entgegenzuwirken eine höchst relevante Dienstleistung. Doch wie viel Kohlenstoff binden die Wälder in Österreich und auch in Deutschland eigentlich? 

Der österreichische Wald speichert ca. 800 Millionen Tonnen Kohlenstoff insgesamt. Das entspricht der 40-fachen Menge der jährlichen Treibhausgasemissionen Österreichs. Da im österreichischen Wald in den letzten Jahrzehnten mehr Holz zugewachsen ist, als genutzt wurde, hat dieser Kohlenstoffvorrat laufend zugenommen. Weltweit ist die Situation anders zu beurteilen. In tropischen Gebieten schreitet die Entwaldung weiterhin fort, womit beachtliche Kohlenstoffemissionen durch Wälder an die Atmosphäre abgegeben werden.

Um dies durch genauere Zahlen zu verdeutlichen kann ein Blick nach Deutschland gerichtet werden. Die deutschen Wälder speicherten zum Beispiel im Jahr 2019 rund 8,3 Millionen Tonnen Kohlenstoff mehr als im Vorjahr. Das entspricht rund 30,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2). Die privaten Haushalte und die Produktionsbereiche wie beispielsweise die Industrie, Dienstleistungen oder die Landwirtschaft sorgten demgegenüber für einen Ausstoß von rund 879,2 Millionen Tonnen. Damit deckte die Zunahme der Kohlenstoffspeicherung des Waldökosystems im Jahr 2019 rechnerisch nur drei Prozent der jährlichen CO2 Emissionen in Deutschland ab.

Wald ist nicht ewig eine Kohlenstoffsenke

Der Anstieg des Kohlenstoffspeichers wird jedoch immer geringer. So findet ein Großteil der zusätzlichen Speicherung in den Waldböden statt, während im stehenden Holz und der sonstigen Holzbiomasse teilsweniger Kohlenstoff gespeichert wird. Wird die globale Erderwärmung nicht wie im Pariser Klimaschutzabkommen beschlossen auf unter 1.5°C begrenzt, ist die Kohlenstoffsenke Wald also definitivgefährdet. Österreichs Wald zum Beispiel wird noch für die nächsten 30-100 Jahre eine CO2-Senke darstellen, danach zeigen die Szenarien ein anderes Bild. Das zeigte das Projekt Care4Paris, an dem das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), die Universität für Bodenkultur (BOKU), Wood K plus und das Umweltbundesamt mitgearbeitet haben.

Der Wald wird früher oder später also vermutlich zur CO2-Netto-Emissionsquelle, weil der Zuwachs langfristig zurückgehen wird. Faktoren dafür sind schlechtere Wuchsbedingungen (Zunahme von Trockenperioden), steigender Schadholzanfall (Schädlingsbefall, Wetterextreme) und die Art der Bewirtschaftung (vorzeitige Nutzung oder Überalterung).

Die naturnahe Waldwirtschaft ist eines der Mittel die den Wald klimaresistenter machen kann. Gerald Blaich veranschaulicht uns seine Erfolge im naturnahen Waldbau im Stift Zwettl in dieser Podcastfolge von „Biodiversität im Wald“.

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Kann eine DNA Analyse der Dürreresistenz in Buchen ihre Zukunft sichern?

Welche Bäume überstehen trockene Sommer und welche tragen starke Schäden davon? Für Buchen kann man diese Frage nun per Genomanalyse beantworten. Ein ForscherInnen-Team vom LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik und dem SenckenbergBiodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt hat geschädigte und gesunde Buchen in Hessen untersucht und Bereiche in deren Erbgut identifiziert, die für Dürreresistenz zuständig sind.

Einzelne Buchen sind klimaresistenter als andere

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist in Europa weit verbreitet und der häufigste Laubbaum in den Wäldern Deutschlands. In Hessen wachsen die sommergrünen Bäume auf rund einem Drittel der Landeswaldfläche. Buchen kommen mit unterschiedlichen Standortbedingungen zurecht und spielen eine immer bedeutendere Rolle in der naturnahen Waldwirtschaft.

Anhand von DNA-Abschnitte lässt sich nun feststellen ob jeder einzelne Baum längere Trockenperioden übersteht oder nicht. Dank gezielter DNA-Tests könnten daher widerstandsfähige Exemplare für die Forstwirtschaft ausgewählt und Buchenwälder für den Klimawandel fit gemacht werden. Die Studie hat das Fachmagazin „eLife“ veröffentlicht.

Wer im Sommer durch die Wälder streift, sieht immer wieder braune ausgedörrte Blätter und abgestorbene Äste. Die langen Trockenperioden 2018 und 2019 haben Spuren hinterlassen. Aber wieso stehen oft völlig gesunde Bäume unmittelbar neben stark geschädigten Bäumen? 

Die Antwort liegt im Erbgut der Bäume, wie die Studie an rund 200 Baumpaaren zeigt. Das Genom der Rotbuchen, also deren gesamte Erbinformation in Form von DNA, umfasst 542 Millionen Bausteine. Einige dieser Bausteine sind bei allen Rotbuchen identisch. Andere unterscheiden sich jedoch von Baum zu Baum. Genau das ist bei gesunden und stark geschädigten Buchen der Fall, wie die Genomanalyse zeigt: Rund 100 DNA-Abschnitte sind demnach für die Dürreresistenz entscheidend. Bei gesunden Bäumen enthalten diese Abschnitte unter anderem Gene, die aus anderen Pflanzen bekannt sind und eine Reaktion auf Trockenstress ermöglichen.

DNA Analyse für Klimaresistenz

Die individuelle genetische Ausstattung bestimmt also darüber, ob eine Buche längere Trockenperioden gut übersteht. Wenn also einzelne Bäume eingeordnet werden können, können Forstleute gezielt auf besonders widerstandsfähige Bäume setzen, etwa zur Aufforstung. So sind Buchenwälder nachhaltig für den Klimawandel gerüstet. 

Damit das gelingt, haben die Forscherinnen und Forscher basierend auf ihren Ergebnissen einen Test entwickelt, mit dem man Dürreresistenz im Erbgut von Buchen – auch bereits in deren Samen – nachweisen kann. Die Erfolgsquote lag bei 99 Prozent. Beteiligt sind an der Studie auch Forscherinnen und Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, der TU Darmstadt und der Hochschule Geisenheim University.

Nun geht es darum, die Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen, zum Beispiel bei der Überwachung natürlicher Wälder oder der selektiven Abholzung und Wiederaufforstung. So können die DNA Analysen dazu beitragen, ein einzigartiges Ökosystem zu erhalten, das den Klimawandel bereits zu spüren bekommt.

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UN-Klimakonferenz: Beschluss gegen Abholzung

Auf dem Weltklimagipfel COP26 in Glasgow haben sich mehr als 100 Staaten dazu verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies erklärte die britische Regierung, die der UN-Konferenz vorsitzt. Aber ist dies überhaupt möglich? Denn jede Minute geht eine Fläche Wald von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

Eine ambitioniertes Ziel?

Die präsenten Länder, darunter auch Österreich und Deutschland, die gesamte EU und die Staaten mit den größten Wäldern weltweit: Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche – also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Nach Daten des World Resources Institute schrumpften diese 2020 um 258.000 Quadratkilometer, eine Fläche größer als die von Großbritannien selbst.

Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 rund 10,3 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen auch 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen. Obwohl das Abkommen von mehreren Maßnahmen begleitet wurde, die zu seiner Umsetzung beitragen sollen, kritisierten einige Interessengruppen, dass es dem Abkommen an Biss fehle, da es die weitere Abholzung der Wälder ermögliche und ähnliche Bemühungen in der Vergangenheit gescheitert seien.

Details des Abkommens

Im Mittelpunkt des Abkommens steht das Bestreben, die lukrativen finanziellen Anreize für die Abholzung von Wäldern zu verringern. Ein Großteil der weltweiten Abholzung wird durch die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln angetrieben, die die Menschen dazu bringt, Bäume zu fällen, um Platz für Rinder, Soja, Kakao und Palmöl zu schaffen.

Der Präsident Indonesiens, Joko Widodo, sagte laut der Mitteilung, sein Land sei gesegnet mit viel Regenwald. Seine Regierung verpflichte sich, diese als “natürliches Kapital” zu beschützen. 

Das Abkommen bringt also Länder wie Brasilien zusammen, wo die Abholzung im Amazonasgebiet und anderswo in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Mehr als 75 % der im Amazonas gerodeten Gebiete werden als Weideland (vor allem für Rinder) und zur Produktion von Futtermitteln genutzt. Der Abholzungs-Stopp ist realistischerweise also nur dann zu schaffen, wenn auch das Ernährungssystem grundlegend geändert wird. 

Doch wie so oft bei diplomatischen Verhandlungen birgt die Sicherung einer breiten Zustimmung, die die kritischsten Länder zum Beitritt bewegt, potenzielle Schwächen.

Auch die Naturschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Initiative: Damit werde praktisch grünes Licht gegeben “für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung”.

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Wie steht es um die Schmetterlinge in Österreichs Wäldern?

Österreich ist eines der Länder Europas mit der höchsten Schmetterlingsvielfalt. Über 4.000 Schmetterlingsarten aus 78 Familien sind bekannt, davon sind 208 Tagfalter. Die Schmetterlingsvielfalt sinkt jedoch dramatisch, mehr als 50% sind bedroht, rund 15% stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht und etwa 2% sind bereits ausgestorben. Die größte Gefährdung für Schmetterlinge stellen der Verlust und die Veränderung ihrer Lebensräume dar.

Was bedroht den Lebensraum der Schmetterlinge?

Dies geschieht vor allem durch intensive Landwirtschaft, Aufforstungen und Verbauungen. Blumenreiche alpine Wiesen verschwinden, weil es traditionelle Praktiken wie die extensive Beweidung vielerorts nicht mehr gibt und in der Folge Nektarquellen von Büschen und Bäumen überwuchert werden. Natürliche Wälder, Heidelandschaften und kalkhaltige Wiesen gehen aufgrund zahlreicher Veränderungen in der Lebensraumbewirtschaftung verloren. Ursprünglich bildeten Lichtungen in Wäldern Brutstätten für viele Schmetterlinge, aufgrund intensiver Forstbewirtschaftung und aktiver Bepflanzung mit nicht heimischen Nadelbäumen sowie Monokulturen sind diese Waldlichtungen vielerorts bereits verschwunden.

Fichtenforste prägen in vielen Regionen Österreichs die Wälder. Sie werden nur von wenigen, oft forstwirtschaftlich relevanten Schmetterlingen besiedelt. Waldrandbereiche mit einer naturnahen Struktur einschließlich Gebüschen und blütenreichen Waldsäumen sowie Heckenzeilen sind für Tagfalter wichtige Lebensräume. Auch die weit verbreitete Zerstörung der Waldmantelgesellschaften sowie Entfernung von solitären Altbäumen und Totholz wirkt sich negativ auf die Schmetterlingsvielfalt in Waldbiotopen aus. Wälder jeglicher Art sind ein wichtiger Lebensraum für viele Nachtfalter, wobei eine hohe Artenvielfalt bei den Pflanzen und eine kleinräumig unterschiedliche Altersstruktur des Gehölzbestandes gleichzeitig eine Zunahme der Schmetterlingsvielfalt bedeuten.

Die meisten Schmetterlingsarten sind Bioindikatoren, die die Qualität bestimmter Lebensräume anzeigen. Sie reagieren sehr empfindlich auf bestimmte Umwelteinflüsse. Ihr Auftreten bzw. Fehlen oder ihr Verhalten gibt Informationen über bestimmte Standort- und Umweltbedingungen, wie zum Beispiel Nährstoffverhältnisse, Wasser- oder Luftverschmutzungen oder den pH-Wert. Vor allem auch in Siedlungsgebieten verschafft uns ihr Vorkommen oder Verschwinden ein Bild vom Zustand des vorhandenen Naturraums.

Diese Arten flattern im Wald

Viele einheimische Schmetterlingsarten sind auf Wald-Lebensräume angewiesen und können deshalb als „Waldtagfalter“ bezeichnet werden. Zu dieser Gruppe gehören einige der schönsten, aber auch geheimnisvollsten Schmetterlingsarten. Manche verbringen einen großen Teil ihres Lebens hoch oben in den Busch- und Baumkronen, gut versteckt vor menschlichen Blicken. Ab und zu verlassen diese Schönheiten jedoch die luftigen Höhen und lassen sich bei der Nahrungsaufnahme oder beim Sonnenbad beobachten.

Dazu gehören der Grosse und der Kleine Schillerfalter (Apartura iris und ilia), die vor allem in der Nähe von Gewässern und in Auwäldern anzutreffen sind. Der edle Blauschwarze Eisvogel (Limenitis reducta) lebt an temperaturbegünstigten, sonnigen Waldrändern und -lichtungen und an felsigen Orten mit Strauchbewuchs. Der sehr seltene Grosse Eisvogel (Limenitis populi) wird unter den Schmetterlingen auch als König des Waldes bezeichnet, weil er in Grösse, Schönheit und Seltenheit kaum von einer anderen Art überboten wird. Sein kleinerer Bruder, der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla), ist dagegen weit verbreitet und lässt sich auch einfacher beobachten. Er ist ein fleissiger Blütenbesucher, obwohl auch er gerne an feuchten Waldstrassen oder am Rand von Pfützen Flüssigkeit und Nahrung aufnimmt. Schillerfalter und Eisvögel saugen nämlich gerne an Exkrementen, toten Tieren oder an Baumsäften. Deshalb lassen sich diese Arten auch leicht anlocken, zum Beispiel mit stark riechendem Käse.

Der Schwarze Trauerfalter (Neptis rivularis) lebt bevorzugt in der Nähe von Bächen und ist häufig in sonnendurchfluteten Waldschluchten anzutreffen. Auch der Trauermantel (Nymphalis antiopa) und der Grosse Fuchs (Nymphalis polychloros) sind Schönheiten, die noch manchmal die Wälder durchflattern.Beide Arten findet man auch ausserhalb des Waldes, z.B. in naturnahen Obstgärten. Der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus) kann nur mit viel Erfahrung in den Wipfeln von Eichen erspäht werden. Der etwa 1,5 cm große Falter sitzt oft minutenlang auf Eichenblättern herum, um dann kurz aufzufliegen und eine neue Position zu beziehen. Ein typischer Bewohner von lichten Wäldern und Waldrändern ist auch der Gelbringfalter (Lopinga achine). Die Art gehört europaweit zu den bedrohten Arten, mit relativ einfachen Maßnahmen wie etwa schonender Durchforstung lassen sich geeignete Lebensräume für ihn aufwerten.

Der häufigste Waldschmetterling ist, wie sein Name schon verrät, das Waldbrettspiel (Pararge aegeria), der pro Jahr mehrere Generationen bilden kann und dessen Raupen bei ihren Nahrungspflanzen nicht sehr wählerisch sind. Kaisermantel (Argynnis paphia), Veilchen-Perlmutterfalter (Boloria euphrosyne), Aurorafalter (Anthocharis cardamines) und Landkärtchen (Araschnia levana) sind ebenfalls Arten, die sich gerne in Waldfluren, Waldrändern und Waldlichtungen aufhalten. 

Mit wenig Aufwand zum Schmetterlingsparadies

Das Aufwertungspotenzial im Wald zugunsten der Schmetterlinge ist enorm. Mit verhältnismässig geringem Aufwand lässt sich sehr vieles erreichen. Die Ansprüche der jeweiligen Waldtagfalter sind sehr unterschiedlich, bei den allermeisten aber geht es um gute Besonnung des Waldbodens, also um größere Lichtungen und Schneisen. Unsere Wälder werden immer dichter und strukturärmer und die Lebensräume für Lichtwaldarten dadurch immer rarer. Denn seit Waldlichtungen kaum noch als Schaf- oder Ziegenweide genutzt werden, sind sie vielerorts verschwunden und mit ihnen die dort heimischen Schmetterlinge. Ein weiträumig isolierter Falterbestand sollte das Jahr über aus etwa 5.000 bis 10.000 Individuen bestehen, um langfristig überlebensfähig zu sein.

Um diese Größenordnung an Faltern zu erreichen, braucht man eine Vielzahl getrennter Einzelhabitate, die über eine größere Fläche gestreut sind. Das lässt sich dadurch erreichen, dass nicht nur einzelne Bäume oder Büsche, sondern ganze Gruppen mit verschiedenen Altersklassen stehen bleiben. Das Ergebnis dieser Bewirtschaftung sind halboffene, parkartig strukturierte Bestände, in denen nahezu alle Lichtwald-Falterarten vorkommen und ein genetischer Austausch zwischen den Populationen stattfinden kann. Sogenannte „Lichtlöcher“ in die Wälder zu schlagen hilft ebenso vielen heimischen, bereits gefährdeten Arten, diese Maßnahmen sollten regelmäßig in Zusammenarbeit von Naturschutz und Waldbewirtschaftern durchgeführt werden. Waldtagfalter, deren Raupen in der Krautschicht leben, können mit dem Anlegen von breiten Krautsäumen gefördert werden, die danach periodisch gepflegt werden müssen, damit sie nicht zu stark verbuschen. In der Regel werden die betroffenen Gebiete gemäht. Wichtig ist, nie alles auf einmal zu mähen und an immer wechselnden Standorten einen Teil der Fläche über den Winter ungemäht stehen zu lassen. Auch durch Sturmwürfe, Schneebruch, Schädlingsbefall oder Kahlschläge entstehen große Freiflächen, die für viele Arten sehr wichtig sind.

Die Zukunft der Schmetterlinge

Neben der Zerstörung der natürlichen Lebensräume sind viele Schmetterlinge auch vom Klimawandel betroffen. Nach dem Klimaatlas der Tagfalter Europas, herausgegeben vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und weiteren europäischen Organisationen, könnten 70 der rund 300 untersuchten Arten 95% ihres Lebensraumes verlieren, wenn das schlimmste Klima-Szenario eintritt: ein Temperaturanstieg von 4,1 Grad Celsius bis 2080. Auch ein geringerer Temperaturanstieg von 2,4 Grad Celsius wäre für die Falter fatal: 147 Arten würden mehr als die Hälfte des für sie geeigneten Areals verlieren.

Der ideale Lebensraum vieler Schmetterlinge hat sich bereits in den letzten beiden Jahrzehnten in Europa schneller nach Norden verschoben, als die Arten mit wandern können. Bestimmte wärmeliebende Arten sind klimabedingt in den letzten Jahren aber auch eingewandert oder häufiger geworden, so z.B. Schwalbenschwanz, C-Falter oder Kaiserfalter. Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und Landkärtchen haben ihren Lebensraum sogar ausgeweitet, diese Arten sind aber Anzeiger für eine degradierte Umwelt. Generell werden die Populationen vieler Schmetterlingsarten durch den Klimawandel kleiner und dadurch verwundbarer, sie könnten in den nächsten Jahren komplett verschwinden. Umso wichtiger ist es also, noch vorhandene Schmetterlingsbiotope zu erhalten und wieder neue Lebensräume zu schaffen, um die Schmetterlinge auch in Zukunft bestmöglich zu erhalten und zu fördern.

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Der Wald der Zukunft

Der Klimawandel ist kein neues Phänomen. Trotzdem ist er dringender denn je. In Zentraleuropa jagt seit 2018 ein Hitze- und Dürrerekord den nächsten. Darunter leiden besonders unsere Wälder. Besonders die gepflanzten uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten haben dem nichts entgegenzusetzen. Diese wurden seit dem zweiten Weltkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind. Aber auch natürliche Wälder können den Wetterextremen oft nicht mehr standhalten. Die anhaltende Dürre wird auch naturnahen Buchenwäldern gefährlich, die eigentlich resilienter gegenüber Trockenheit sind. Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber die kurzsichtige Forstwirtschaft der letzten Jahrzehnte ist.

Schneller Profit oder Resilienz?

Die Krux sind oft vielfältige Interessen, die mit der Forstwirtschaft verbunden sind. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, das Wald als wirtschaftliches Vermögen ansieht und auf möglichst viel Ertrag mit möglichst billig produzierten Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine der wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

All dies zeigt, dass der Wald eine Vielzahl von Ökosystemdienstleistungen bereitstellt, aber die Menschheit noch mehr von ihm fordert. Die Frage ist also, wie wir all dies unter einen Hut bringen können: Ein Wald, der der Klimakrise standhalten kann, gleichzeitig seine ökologischen Funktionen und Ökosystemdienstleistungen wie die Wasserversorgung und Temperaturregulation aufrechterhält und dazu noch Holz als nachhaltiges Bau- und Energiematerial liefert.

Der Natur ihren Lauf lassen…

Viele Experten betonen als oberste Maxime den passiven Waldumbau hin zu einem natürlich gewachsenen Mischwald. Dieser sollte eine heterogene Arten- und Altersvielfalt aufweisen. Die Überlegung dahinter ist, dass natürlich gewachsene, heterogene Waldgemeinschaften am besten an den jeweiligen Standort angepasst sind und resilient gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen sind. Der Weg zu einem naturnahen Mischwald ist relativ einfach. Hier gilt weniger ist mehr. Auf Schadflächen muss eine natürliche Sukzession erlaubt werden. Das bedeutet, dass diese nicht geräumt und wieder bepflanzt werden, sondern Bäume ungestört aus eingetragenen Samen wachsen können. In intakten Wäldern muss systematischer Kahlschlag ausgeschlossen werden und Holzeinschlag muss darauf ausgerichtet sein, Voraussetzungen für die natürliche Regeneration verschiedener heimischer Arten zu schaffen.

Nebst dem Waldbau ist auch das Wildtiermanagement ein entscheidender Faktor, um einen gesunden, naturnahen Wald zu kreieren. Die unnatürlich hohe Dichte and Schalen- und Schwarzwild beschränkt vielerorts die natürliche Regeneration durch übermäßigen Verbiss. Außerdem sollte mehr Totholz im Wald zurückgelassen werden, da dieses Wasser bindet, eine gesunde Mikrofauna fördert und zu niedrigeren Temperaturen im Waldinnern beiträgt. Insgesamt sollte bei der Bewirtschaftung von Wäldern der Horizont erweitert werden. Die Gewinne durch Holzverkauf dürfen nicht im alleinigen Fokus stehen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung muss alle Funktionen des Waldes für Mensch und Natur fördern. Dabei stechen besonders Speicherung von Kohlendioxid, Wasserspeicherung sowie -versorgung, Kühlungseffekte und der Schutz der Böden heraus.

… oder aktiv eingreifen

Während sich die Experten bei vielen Forderungen einig sind, gibt es jedoch auch ein Lager, dass einen aktiveren Einsatz zum Waldumbau fordert. Sie wollen aktiv Bäume aus wärmeren Regionen wie Südeuropa, Zentralasien und Amerika anpflanzen, die besser an Hitze und Dürre angepasst sind. Seit einigen Jahren werden Experimente durchgeführt, wie diese Arten in Zentraleuropa gedeihen und welche Auswirkungen sie auf unsere Ökosysteme haben könnten. Diese Arten könnten systematisch auf Schadflächen angepflanzt werden, um schnell einen klimaresilienten Wald zu schaffen. 

Egal welchen von beiden Ansätzen man wählt, Grundvoraussetzung für einen zukunftssicheren Wald ist es, seine Bedeutung anzuerkennen. Dazu zählt Forstämter mit genug finanziellen Mitteln, Personal und zukunftsorientierten Aus- sowie Weiterbildungen auszustatten, genug Geld für Forschung bereit zu stellen und Wälder systematisch zu überwachen. Auch die Holzindustrie muss ihren Beitrag dazu leisten, da Holz keine unendliche Ressource ist, sondern ein kostbares und begrenztes Gut. Daher muss der Einsatz von Holz effektiv stattfinden und Holzpreise hoch genug sein, um eine naturnahe Waldbewirtschaftung rentabel zu machen. Das ermöglicht auch eine schonende Holzernte, die die ökologischen Funktionen des Waldes möglichst wenig beeinträchtigt. Dabei muss in größeren Dimensionen als einzelnen Beständen und langfristigen Zeiträumen gedacht werden. Dazu gehören auch die Schaffung großer, zusammenhängender Wildnis- und Naturwaldgebiete. 

Die letzten zwei Jahre sind keine kurzfristige Krise, sondern der Start einer langfristigen Entwicklung, die Wälder weltweit unter zunehmenden Stress setzen wird. Förster, Jäger, die Holzwirtschaft und Konsumenten müssen entsprechend verantwortlich handeln, um diese Lebensgrundlage bestmöglich zu erhalten.

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Naturnahe Waldbewirtschaftung

Nachhaltige Waldwirtschaft versteht den Wald als Ökosystem, das unterschiedlichste Funktionen erfüllen sollte und sich nicht nur auf den Aspekt der Holzproduktion stützt. Nachhaltige Waldwirtschaft wird als ein Oberbegriff für mehrere Wirtschaftsweisen und Modellen verwendet. Die naturnahe Waldwirtschaft ist eines davon. Dass der Wald wichtig für uns Menschen und die Umwelt ist, vor allem in Zeiten des Klimawandels, ist klar und auch in diversen Gesetzen aufgeführt, wie zum Beispiel dem Bundeswaldgesetz in Deutschland von 1975. Doch der Begriff der Nachhaltigkeit und das vorausschauende Bewirtschaften eines Waldes geht noch viel weiter zurück. Vor mehr als 200 Jahren prägte Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ den Begriff der Nachhaltigkeit in Bezug auf den Wald. Er erkannte, dass der Wald so zu bewirtschaften ist, dass auch die Nachkommen noch ausreichend Holz zur Verfügung haben.

Im Klartext bedeutet dies nur so viel Holz zu entnehmen, wie auch nachwachsen kann. Denn die Bäume, die jetzt wachsen, werden erst von unseren Enkeln genutzt. Weiterhin soll auf den Boden mit Flora und Fauna ein besonderes Augenmerk gelegt werden, da diese für das gesamte System wichtig sind und eine Grundlage für einen stabilen Wald bieten. Im Allgemeinen werden bei der nachhaltigen Waldwirtschaft alle Leistungen des Waldes und der Dauerhaftigkeits-Gedanke berücksichtigt.

Die naturnahe Waldwirtschaft ist eine von drei waldwirtschaftlichen Konzepten mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Die zwei anderen Konzepte sind die naturgemäße Waldwirtschaft und die ökologische Waldwirtschaft. Die naturnahe Waldwirtschaft, orientiert sich, wie der Name schon andeutet, an Prozessen, die ohne den Eingriff von Menschen stattfinden würden, und nutzt diese für Bewirtschaftungsmaßnahmen. Sie versucht den ursprünglichen Zustand der Urwälder wiederherzustellen bzw. anzugleichen. Diese Prozesse, wie beispielsweise Naturverjüngung, sollen möglichst effizient und risikosenkend in ökonomischer und ökologischer Hinsicht ausgenutzt werden.

Ein maßgebliches Ziel ist es, die vorhandenen Baumarten, die das Landschaftsbild natürlicherweise prägen würden, zu fördern und stabile Mischwälder zu schaffen. Die Mischwälder sollten aus verschiedenen Altersstufen bestehen und strukturreich sein. Auch gilt ein Augenmerk auf das Prinzip „Klasse statt Masse“ zu legen. Das bedeutet, dass einzelne, am besten hochwertige und starke Bäume, geerntet werden, der Bestand aber stetig weiterwächst. Ein Kennzeichen für naturnahe Waldwirtschaft ist die waldbauliche Umwandlung von den Nadelreinbeständen hin zu Mischwäldern mit zum Beispiel erhöhtem Anteil von Rotbuche (Fagus sylvatica), Trauben-Eiche (Quercus petraea)oder Stiel-Eiche (Quercus robur). Dazu gehört natürlich auch die standortsgemäße Baumartenwahl, sowie die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, um einen Dauerwald zu begünstigen und möglichst auch keine Kahlschläge vorzunehmen. Auf Düngemittel, Herbizide, Insektizide, und andere Einsatzmittel ist zu verzichten und ökosystemverträgliche Wildbestände sollte man zulassen.

Auch bewegt sich die naturnahe Waldwirtschaft hin zu einem multifunktionalen Wald und versucht die Prozesse der Fläche abzustimmen. Der naturnahe Waldbau beinhaltet als Kernpunkte sechs verschiedene Elemente. Zum einen sind das die standortgerechte Baumartenwahl sowie die Naturnähe des Waldes im Allgemeinen. Mischwälder mit verschieden alten und großen Bäumen sind ein weiterer wichtiger Aspekt. Dabei sollte die ökologische und physikalische Stabilität der Wälder mitberücksichtigt werden. Einer der Hauptaugenmerke liegt dabei auf der Naturverjüngung, die unter anderem durch angepasste Wildbestände erreicht wird. Augenmerk sollte auf der angepassten Pflege der Bestände liegen, und zwar in der qualitäts- und stabilitätsorientierten Pflege. Weiterhin sind der integrierte Waldschutz und die pflegliche Waldarbeit auch Teile der naturnahen Waldwirtschaft. Bei allen Konzepten sollten die Interessen der verschiedenen Akteure mit einbezogen werden. 

Bestandszieltypen

In Deutschland werden Bestandszieltypen oder Waldbaurichtlinien für die einzelnen Bundesländer entwickelt und bieten Praktikern ein Nachschlagwerk zur Orientierung. In diesen Dokumenten werden Bestimmungen zur Baumartenzusammensetzung in einer praktischen Anleitung für den Waldbau geliefert. Hauptsächlich geben und gelten die Bestandszieltypen für die öffentlichen Wälder, die in Deutschland von den einzelnen Bundesländern bewirtschaftet werden. Allerdings haben auch bei anderen Nutzungsformen, wie zum Beispiel im Privat- oder Körperschaftswald diese Richtlinien eine große Bedeutung. 

Die Waldbaurichtlinien gelten allgemein und beschreiben die Grundsätze für den Waldbau. Der Bestandszieltypenerlass bestimmt noch einmal genauer, wie geeignet Baumarten bzw. Baumartenzusammensetzungen für verschiedene Standorte sind. Als höchstes Ziel der Waldwirtschaft steht die nachhaltige Waldentwicklung im Vordergrund. Es ist wichtig die Baumarten passend zu den jeweiligen Standorten zu wählen, da dies schon die erste Hürde ist, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann. Der Grundsatz der waldökologischen Orientierung ist die Naturnähe, die sich auch in den Bestandszieltypen widerspiegelt. Naturnähe fördert stabile Bestandsstrukturen und naturschutzfachliche Anforderungen. Auch die Wirtschaftszielorientierung ist ein wichtiges Leitprinzip, das befolgt werden sollte. Es misst sich an Wert- und Volumenleistungserwartungen der Bestände. 

Naturnähe und Wirtschaftlichkeit

Bestandszieltypen sind mittel- bis langfristige Zielsetzungen für einen Bestandsaufbau, der ausgehend vom Bestandszustand angestrebt wird. Nicht standortgerechte Bestandszustände sollten so zeitnah wie möglich in Richtung eines geeigneten Bestandszieltyps entwickelt werden. Bestandszieltypen beschreiben eine „während des gesamten Bestandslebens planmäßig zu gestaltende, standortsgerechte Bestockung, die sich im Hiebsreifealter der Hauptbaumart durch die Zusammensetzung nach Haupt- und Mischbaumarten sowie durch den vertikalen und horizontalen Bestandsaufbau auszeichnet“.

Ein Hauptpunkt der Bestandszieltypen sind die Stamm-Standortsformengruppen, aus denen sich die Bestände zusammensetzen. Diese sind jeweils noch nach den Klimastufen getrennt in feuchtes, mäßig trockenes und trockenes Tieflandklima. Zu der konkreten Bestandszieltypenwahl gehören, auf die Hauptbaumarten bezogen, die Grundsätze der Standortsgerechtigkeit, der Naturnähe und der Wirtschaftszielorientierung. Die neuen Bestandszieltypen sind entsprechend in Baumarten und Baumartenanteile, Bestandsstruktur, Leistungserwartung für Wertholz, Entstehung des Bestandszieltyp, mögliche Standortseinheiten, Waldentwicklungsstadien und charakteristische Waldbiotoptypen eingeteilt.

Der naturnahe Waldbau ist in Deutschland in Landesgesetzen festgehalten und somit Grundlage für die Waldwirtschaft. Das Leitbild ist, wie oben schon erwähnt, ein gemischter, strukturierter und naturnaher Wald. Diese Wälder haben häufig eine geringere Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefahren. Weiterhin sollen die Wälder standortgerecht und stabil sein, um die auch die Nutzungsmöglichkeiten langfristig zu sichern. 

Gemeinsamkeiten der Bundesländer 

Trotz der unterschiedlich aufgebauten Bestandszieltypen gibt es auch Gemeinsamkeiten bei angeratenen Zusammensetzungen, Vorschlägen und Richtlinien der verschiedenen Bundesländer. 

Beispielhaft wird hier der Bestandszieltyp Rotbuche (Fagus sylvatica) – Grüne Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. menziesii) aus Brandenburg dargestellt, welcher sich in ähnlicher Form in anderen Bundesländer findet und im Hinblick auf den Klimawandel für viele Standorte geeignet ist. Aus den Brandenburgischen Tabellen hervor, dass die Buche als Hauptbaumart mit 50 bis 70% Anteil vorkommen sollte. Die vertikale Bestandsstruktur, also die Schichtung, ist für Haupt- und Mischbaumarten so vorgesehen, dass durch frühzeitige waldbauliche Eingriffe eine vertikale Differenzierung des Bestands anzustreben ist. Dabei wird die Schnellwüchsigkeit der Douglasie ausgenutzt. Auch sollte der Unterstand vorwiegend aus Rotbuchen bestehen. Der Stammdurchmesser auf Brusthöhe beim Fällen der Buchen sollte im Optimalfall 55 bis 65 cm betragen. Das ist nach 120 bis 160 Jahren erreicht. Der Buchenbestand sollte vorzugsweise durch Naturverjüngung entstehen. Ist dies nicht der Fall, können auch Pflanzung oder die Übernahme von Unterbauten eine Möglichkeit sein.

Die Grüne Douglasie als Mischbaumart sollte einen Anteil von 20 bis 40 % ausmachen und eher einzeln unter die Buchen gemischt sein. Der gewünschte Stammdurchmesser beträgt mindestens 50 cm und die Wuchszeit 80 bis 120 Jahre. Entstehen sollte die Mischungsschicht durch Naturverjüngung, Nachbau und Ergänzung. Die Begleitbaumarten sollten ca. 10 % des Bestandes ausmachen und durch Naturverjüngung natürlich wächsen. Begleitbaumarten können beispielsweise Traubeneiche, Hainbuche, Gemeine Kiefer, Gemeine Fichte, Küstentanne, Eberesche und Gemeine Birke sein. Diese sind in der Bestandsstruktur einzelstammweise im Bestand verteilt und kommen meistens im Bereich der Bestandsränder vor. Dieser Bestandszieltyp entspricht dem sogenannten Schlusswaldstadium und ist einer von natürlichen Buchenwaldgesellschaften veränderter Waldtyp, der durch die Einbringung von Douglasien geändert wird. Dieser Typ ist aber zum Beispiel nicht für Böden mit erhöhter Staunässegefahr sowie hochanstehendem Kalk und Lehmsubstraten geeignet. Geeignete Nährstoffkraftstufen und Bodenformen sowie Humusformen und Klimastandorte werden in den Unterlagen der Bestandszieltypen aufgeführt.

Geltung in Österreich 

Aus dem oben genannten Beispiel der Bestandszieltypen können Ansätze und Vorschläge auch auf Österreich angewendet werden. Natürlich sollten die Ausgangslage und Bedingungen vor Ort berücksichtigt und jeweils angepasst werden. 

Zum Beispiel ist der Weg in Richtung Mischwälder für alle europäischen Länder eine gute Idee und sollte überall in Gang gebracht werden. Daher ist für die Fichten-Monokulturen in den Bergwäldern Österreichs ein Umbau in Richtung Bergmischwälder sinnvoll. Dadurch werden die Wälder resilienter, stabiler und können so wieder natürlichen Schutz gegen Erosionen, Lawinen und andere Gefahren bieten. Ein weiterer positiver Effekt ist die Luftreinigung und Wasserhalte- sowie Wasserfilterfähigkeit. Der oben genannte Bestandszieltyp kann auch in vielen Regionen Österreichs eine Option darstellen. Die Douglasie eine gute Baumartenwahl für die Zukunft dar, ebenso die Buche, die ihren natürlichen Verbreitungsraum in Europa hat. Aus den Bestimmungen der Bestandszieltypen können also auch für Österreich Waldbaustrategien abgeleitet werden. 

Waldstrategieplan 2020+

Eine weitere Möglichkeit, um den Waldbau in eine nachhaltigere und zukunftsorientierte Richtung zu lenken ist der Waldstrategieplan 2020+. Dies ist ein vom österreichischen Ministerium herausgegebener Plan, der Strategien für die Waldwirtschaft darlegt. Er wurde durch Walddialog-Beteiligte erarbeitet und es ist ein eigenes Arbeitsprogramm für dessen Umsetzung erarbeitet worden. Das Programm enthält konkrete Maßnahmen und ist somit das Umsetzungsinstrument der Waldstrategie. Es soll laufend weiterentwickelt und angepasst werden.

Das Hauptaugenmerk des Strategieplans liegt auf der nachhaltigen multifunktionalen Waldwirtschaft, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt. Es sind sieben Punkte aufgelistet, die als Orientierungspunkte gelten sollen, und zwar: 

1. Beitrag der österreichischen Wälder zum Klimaschutz 
2. Gesundheit und Vitalität der österreichischen Wälder 
3. Produktivität und wirtschaftliche Aspekte der österreichischen Wälder 
4. Biologische Vielfalt in Österreichs Wäldern 
5. Schutzfunktionen der österreichischen Wälder 
6. Gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Aspekte der österreichischen Wälder 
7. Österreichs internationale Verantwortung für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Dem Wald stehen viele Erwartungen und Ansprüche entgegen. Er soll Lebensraum, Erholung, Wasserfilter, Schutz gegen Lawinen und Kohlenstoffspeicher bieten. Das sind viele Aufgaben für ein komplexes Ökosystem. Da so viele Anforderungen an den Wald bestehen, sollte es klar sein wie wichtig sein Schutz ist. Die Ansprüche an ihn werden aber immer höher, weshalb es wichtig ist ihn nachhaltig zu bewirtschaften und bedacht mit ihm umzugehen. Um solche Reglements für die Waldbesitzer zu bieten, gibt es diese Handlungsvorgaben/-anregungen des Waldstrategieplans.

Richtlinien des ÖBF

Auch von den österreichischen Bundesforsten (ÖBF) wird eine ökologische und naturnahe Waldwirtschaft angestrebt. Zwar sind dessen Vorgaben nur für die Landesforste zwingend, allerdings können diese Leitsätze und Prinzipien natürlich auch von privaten Waldbesitzern verwendet werden. Die waldbaulichen Strategien sind in einem weiteren Heft zusammengestellt, welches als Orientierungspunkt dienen sollte. Auch hier wird das Augenmerk auf naturgemäße und ökologische Waldwirtschaft gelegt, da nur so die multifunktionalen Anforderungen an den Wald erfüllt werden können. So steht auch in Österreich die natürliche Baumartenzusammensetzung im Vordergrund, welche standortsgerecht eingesetzt werden sollte. Im Klartext bedeutet das Bäume aus der potenziell natürlichen Vegetation der jeweiligen Region zu verwenden.

Des Weiteren wird auch auf die Naturverjüngung ein Augenmerk gelegt, durch die neue Bestände begründet werden sollen. Auch die Biodiversität spielt eine große Rolle in der naturnahen Waldbewirtschaftung. Diese soll gefördert werden und Kleinstrukturen/-biotope sowie Besonderheiten erhalten bleiben. Es werden also Wälder angestrebt, die standortangepasst, gesund, gut strukturiert und stabil sind. Dabei sollen die Wälder auch wertvolles Holz liefern, um den wirtschaftlichen Nutzen zu integrieren.

Ein weiteres Augenmerk wird aktuell auf den Klimawandel gelegt. Dabei ist bei Wäldern besonders auf die Resilienz zu achten sowie auf die Anpassung an wärmere Temperaturen und erhöhte Schadereignisse bei der Baumartenwahl.Um in einem konkreten Bestand Ziele zu formulieren und später zu erreichen, ist es zuerst wichtig aktuelle waldbaulichen Planungen und Grundlagen zu analysieren, die sich an den natürlichen Gegebenheiten des jeweiligen Bestandes orientieren. Wichtig ist den vorliegenden Standort genau zu bestimmen, was für ein Bestand gewünscht ist und wie dieser erreicht werden kann. Durch diese Bestimmungen kann für jeden Waldbesitzer mit den vorgegebenen Kriterien eine naturgemäße Waldwirtschaft/-strategie geplant werden. Die Bestandszieltypen aus Deutschland haben mit den verschiedenen Strategien in Österreich viele Gemeinsamkeiten, die auch individuell von Förstern übernommen werden können.

Erhöhter Stickstoffgehalt bedroht Biodiversität in Wäldern

Neue Forschungsergebnisse zeigen einen möglichen Wendepunkt für Wälder und ihre biologische Vielfalt auf. Die Anreicherung von Stickstoff droht die Zusammensetzung der Wälder zu verändern und sie in weniger vielfältige Ökosysteme umzuwandeln. Normalerweise trägt eine gesunde Baumschicht dazu bei, das Licht, das den Waldboden erreicht, abzufangen und die Auswirkungen der Stickstoffansammlung zu mildern. Dies wird sich jedoch angesichts des Klimawandels ändern: mehr Waldkrankheiten und Dürre führen zu lichteren Wäldern und dadurch veränderten Verhältnissen zwischen Generalisten und Spezialisten.

Die Gefahren von zu viel Stickstoff

Stickstoff birgt vielzählige Gefahren für ein gesundes Ökosystems. Übermäßige Stickstoffablagerung führt zum Auswaschen bestimmter Nährstoffe aus dem Boden, zur Versauerung des Bodens und zur Eutrophierung. 

Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Pflanzen die in der Strauch- und Krautschicht des Waldes wachsen. Generalisten passen sich normalerweise an neue Umstände gut  an und können einen Anstieg des Stickstoffgehalts sogar für sich als Vorteil nutzen. Das heißt, sobald mehr Licht in den Wald einfällt, können sie den Überschuss an Stickstoff nutzen und sich schneller verbreiten. Im Gegenteil dazu sindSpezialisten weniger adaptionsfähig und reagieren empfindlich auf Änderungen der Umgebungsbedingungen. Da Generalisten oft nicht heimisch sind und sich durch diese neuen Umstände noch schneller verbreiten können, führt das zum Rückgang der biologischen Vielfalt.

Dunkelliebendes Unterholz

Der Grund, warum diese Bedrohung für die biologischen Vielfalt erst jetzt bekannt wird, ist, dass der begrenzte Lichteinfall die Stickstoffablagerung in Grenzen gehalten hat. Spezialisten und Generalisten waren mehr oder weniger auf Augenhöhe. Die Integrität der Waldkrone hat sich in den letzten Jahren jedoch, unter anderem wegen des Klimawandels, vermindert. Zum Beispiel hat Dürre im vergangenen Jahrzehnt große Fichtenpopulationen in Belgien, Deutschland und Frankreich ausgelöscht, und Laubwälder vieler Orts auch schon von Eschensterben betroffen sind. Dies setzt das Unterholz dem Licht aus und hatverheerenden Folgen.

In gemäßigten Wäldern, die einen großen Teil der europäischen Wälder ausmachen, befinden sich 80% der biologischen Vielfalt des Waldes in der Kräuter- und Strauchschicht. Hier finden essentielleÖkosystemfunktionen wie Phosphor-, Kalium- und Stickstoffkreislauf sowie die Zersetzung von Baumstreu statt. Um die Wälder an den Klimawandel anzupassen und die Integrität der Waldkrone zu stärken, möchten Förster nicht-einheimische Arten pflanzen, die aus trockeneren und heißeren Klimazonen stammen. Dieses Vorhaben ist aber mit Vorsicht zu genießen, da eine Veränderung der einheimischen Laubwälder Auswirkungen auf die Fauna des Waldes haben könnte, die sich möglicherweise nicht an die neue Baumzusammensetzung anpassen kann.

Biodiversität hilft gegen Klimawandel

Aber auch im Kontext der Minderung des Klimawandels ist die Aufrechterhaltung dieses Unterholzes von Bedeutung. Wälder wirken als Puffer gegen den Klimawandel. Der Schatten der Waldkrone, die erhöhte Evapotranspiration und die Verhinderung der Mischung von warmer und kalter Luft durch Windstille, tragen dazu bei, ein Mikroklima in Wäldern zu schaffen, das kühler als ihre Umgebung ist. Dieser Effekt wird auch als Waldpufferung bezeichnet und hat vielen Arten ermöglicht trotz erhöhter Temperaturen außerhalb des Waldes zu überleben. 

Außerdem führt große Artenvielfalt der Wälder zu erhöhter Produktivität des Waldes, was wiederum höhere Kohlenstoffbindung bedeutet. Das heißt, dass Wälder bestehend aus einheimischen Arten eine wichtigeRolle bei der Bekämpfung des Klimawandels einnehmen. 

Wir befinden uns also, wie so oft, in einer Zwickmühle: langfristig sind Wälder mit hoher Biodiversität wichtig um den Klimawandel zu bekämpfen, unter anderem, weil sie mehr Kohlenstoff aufnehmen können. Aber die vielen spezialisierten Pflanzenarten in solch einem Wald haben sogar jetzt schon mit Auswirkungen des Klimawandels – lichtere Wälder mit mehr Stickstoff – zu kämpfen.

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Straßenbau verändert Waldzustand und beschleunigt Klimawandel

Straßen sind essentiell für die Fortbewegung des Menschen. Sie haben uns ermöglicht Land zu erschließen, das sonst schwer zugänglich gewesen wäre. Gleichzeitig stellen sie jedoch eine erhebliche Bedrohung für die Tierwelt dar, da sie deren Fortbewegung eingrenzen und das Risiko von Straßenkollisionen besteht. Straßenbau wirkt sich auch stark auf angrenzende Wälder aus, indem nicht nur eine physische, sondern auch eine thermische Fragmentierung der Landschaft verursacht wird. Eine Straße beeinflusst die mikro-klimatischen Bedingungen in ihrer Umgebung, was zu einem Temperaturanstieg führt. Dies kann verheerende Auswirkungen auf die Bäume haben und wird höchstwahrscheinlich durch den Klimawandel beschleunigt. Aber wie ernst ist die Situation wirklich?

Forschungsdisziplin Straßenökologie

Straßen fragmentieren die Erdoberfläche in mehr als 600.000 Teile. Für Europa bedeutet dies, dass 50% der Oberfläche des Kontinents nur 1,5 km von einer Straße oder Eisenbahn entfernt sind, während der Rest der Oberfläche 10 km von einer Straße entfernt ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil der natürlichen Lebensräume, inklusive Wälder, von den Auswirkungen von Straßenbau betroffen ist.

Die Straßenökologie beschreibt die Forschungsdisziplin, die die Auswirkungen von Straßen auf die Umwelt untersucht. Der Kern der Disziplin besteht darin, dass das Mikroklima eines Standorts von der Struktur seiner Oberfläche abhängt. Haben Sie sich jemals gefragt, warum sich ein heißer Sommertag in der Natur viel kühler anfühlt als in einer Stadt? Oberflächen die von Vegetation bedeckt sind, insbesondere von Wäldern, wirken kühlend, während sich verbaute Gebiete wie Städte schneller erwärmen. Um zu verhindern, dass sich Städte zu stark erwärmen, ist grüne Infrastruktur wichtig. Bäume verdampfen Wasser, das die Umgebung sofort abkühlt. Gleichzeitig absorbieren sie CO2, was zur Verringerung der Klimaüberhitzung beiträgt.

Dieser Kühlungseffekt wird durch den Bau von Straßen verringert. Sie verändern das Mikroklima in ihrer Umgebung, was zu einem Temperaturanstieg führt. Dies kann verheerende Auswirkungen haben, insbesondere auf Waldränder.

Mikro-klimatische Bedingungen mit großem Effekt

Die Veränderung des Mikroklimas kann zu einer Zunahme der Wasserverdunstung, des Hitzestresses, der Baumsterblichkeit und des Waldbrandrisikos führen. Dies wirkt sich wiederum auf die Grundwasserressourcen und die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber dem Klimawandel aus. Eine Studie im deutschen Oberhessen bestätigte diese Auswirkungen im Zuge einer Analyse der Umweltauswirkungen eines geplanten Autobahnbaus. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die geplante Autobahn die Baumsterblichkeit erhöhen und dadurch den Kühlungseffekt des Waldes erheblich verringern würde.

Auswirkungen neu gebauter Straßen sind besonders extrem, da durch Abholzung Waldränder entstehen. Die Bäume entlang der Waldränder sind nicht an die neuen klimatischen Bedingungen wie erhöhte Sonneneinstrahlung, Wind und erhöhte Temperaturen gewöhnt. Das Ergebnis ist ein vermehrtes Sterben der Bäume, während der Wald sogar in eine negative Rückkopplungsschleife eintreten kann: die Beschädigung der Bäume und damit die Verringerung des Kühlungseffekts führt zu erhöhten Oberflächentemperaturen, was wiederum zu erhöhter Baumsterblichkeit führt, usw.

Straßen-freie Landschaften zur Eindämmung des Klimawandels

Der Fall in Oberhessen ist nicht einzigartig. Die ganze Welt und insbesondere Europa verlieren kontinuierlich Grünflächen durch den Bau von Straßen und anderen Oberflächenversiegelungen. Auf diese Weise verlieren wir viele Ökosystemdienstleistungen die diese Grünflächen bieten. Dazu gehören die Wasserspeicherungskapazität des Bodens, Kühlungseffekte des Waldes, die Absorption und Speicherung von CO2 und die damit verbundene Reinigung der Luft. Diese Dienstleistungen sind für die Eindämmung des Klimawandels und für das Wohlergehen der Menschen in städtischen Gebieten von entscheidender Bedeutung. Angesichts der Tatsache, dass die Natur aufgrund der bestehenden Fragmentierung der Landschaft durch Straßen und städtische Gebiete bereits einem immensen Druck ausgesetzt ist, stellt sich die Frage ob es nicht besser wäre ihren Bau zu reduzieren. Jedenfalls müssen die ökologischen Auswirkungen des Straßenbaus auf die Wälder zukünftig vermehrt berücksichtigt werden, damit diese so gut wie möglich erhalten werden können.

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Was ist die Antwort auf das Waldsterben?

Nach den Katastrophenjahren 2018 und 2019 für den mitteleuropäischen Wald ist klar, dass wir eine Antwort brauchen. Besonders betroffen war Deutschland, wo deswegen seit spätestens letztem Sommer eine hitzige Debatte geführt wird, wie man den deutschen Wald auf die Zukunft vorbereiten kann. Alle Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber eine nicht standortgerechte Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten ist.

Besonders die uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten werden kritisiert. Diese wurden seit dem zweiten Wetlkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind.

Politik greift zu schneller Antwort

Die deutsche Politik war schnell eine einfache Antwort zu liefern: Aufräumen und Aufforsten! Dieser Ansatz bekämpft zwar kurzfristig das Symptom, aber nicht langfristig die Ursache. Statt überhetzt gepflanzten Monokulturen, die der nächsten Dürreperiode wieder zum Opfer fallen, brauchen wir einen Wald, der den Wetterextremen der Klimakrise gegnüber resilient ist.

Die Krux in der Fortwirtschaft sind die vielfältigen Interessen aus verschiedenen Richtungen. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, wo Wald als wirtschaftliches Vermögen angesehen wird und das auf möglichst viel Ertrag von möglichst billigem Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine unendliche Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

Wo sich die meisten einig sind, ist, dass der Forstsektor in Deutschland seit vielen Jahren vernachlässigt wurde. An vielen Stellen wurde so viel Personal gestrichen, dass der schon seit langem forcierte Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern oft kaum vorankam. Zusätzlich beklagen Forschungsinstitute und Universitäten, dass Forschung zu einem zukunftsfähigen Wald in Zeiten der Klimakrise vernachlässigt wurde. Außerdem müsse erforscht werden, wie die Holzverwertung geändert werden könne, um eine naturnahe Bewirtschaftung profitabel zu machen. Deswegen wird jetzt gefordert, wieder mehr Personal einzustellen und neue Kapazitäten in der Waldforschung zu schaffen.

Kann der Wald die Antwort selbst liefern…

Experten, die die ökologische Funktion des Waldes in den Vordergrund stellen, haben zwei Kernforderungen: eine Neudefinierung der Nachhaltigkeit und mehr Vertrauen in die natürliche Regeneration des Waldes. Im Mutterland der Nachhaltigkeit wird kritisiert, dass der Begriff bis heute zu einseitig ausgelegt wird und sich nur auf die eingeschlagene Holzmenge bezieht. Die vielfältigen Ökosystemdienstleistungen und andere sozio-ökonomische Nutzen werden außer Acht gelassen.

Ausgehend von der Annahme, dass wir nicht genug darüber wissen, wie sich die klimatischen und biotischen Faktoren in den nächsten Jahrzehnten ändern werden, lehnen diese Experten übereilten Aktionismus als schnelle Antwort ab. Sie unterstützen eine natürliche Regeneration der zerstörten Waldflächen. Natürlich gewachsene Wälder hätten die größte Resilienz gegen Änderungen der Standortbedingungen. Zu einer natürlichen Regeneration gehört das Zurücklassen von Totholz im Wald und eine Reduktion des Wildbestandes oder Einzäunung von Regenerationsflächen, da in Deutschland ebenso wie in Österreich die Wilddichte durch unzureichende Jagd und zusätzliche Fütterung so hoch ist, dass sie die natürliche Verjüngung des Waldes einschränkt.

… oder müssen wir eingreifen?

Andere Experten stellen die Holzproduktion in den Vordergrund. Für sie ist die Antwort ein gezielter Waldumbau mit trocken- und hitzeresistenten Arten. Auch sie fordern, die Arten- und Altersstruktur im Wald vielfältiger zu gestalten und die Palette von eingesetzten Arten zu erweitern. Dabei setzen sie vor allem auf Baumarten aus Südeuropa, Zentralasien und Amerika, wo Dürre und Hitze normal sind. Seit einigen Jahren werden diese Bäume auf ihre Tauglichkeit in Mitteleuropa getestet, jedoch bleiben Fragen, wie sie sich auf die heimische Biodiversität auswirken.

Und was ist die langfristige Antwort? Hier sind sich viele Experten einig. Wir brauchen eine naturnähere Bewirtschaftung der Wälder und eine schonendere Holzernte. Das schützt Vielfalt, Boden und Wasser in Wäldern, was existenziell für ihre Resilienz gegenüber sich ändernden Klimaverhältnissen ist.