Der Wald der Zukunft

Der Klimawandel ist kein neues Phänomen. Trotzdem ist er dringender denn je. In Zentraleuropa jagt seit 2018 ein Hitze- und Dürrerekord den nächsten. Darunter leiden besonders unsere Wälder. Besonders die gepflanzten uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten haben dem nichts entgegenzusetzen. Diese wurden seit dem zweiten Weltkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind. Aber auch natürliche Wälder können den Wetterextremen oft nicht mehr standhalten. Die anhaltende Dürre wird auch naturnahen Buchenwäldern gefährlich, die eigentlich resilienter gegenüber Trockenheit sind. Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber die kurzsichtige Forstwirtschaft der letzten Jahrzehnte ist.

Schneller Profit oder Resilienz?

Die Krux sind oft vielfältige Interessen, die mit der Forstwirtschaft verbunden sind. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, das Wald als wirtschaftliches Vermögen ansieht und auf möglichst viel Ertrag mit möglichst billig produzierten Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine der wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

All dies zeigt, dass der Wald eine Vielzahl von Ökosystemdienstleistungen bereitstellt, aber die Menschheit noch mehr von ihm fordert. Die Frage ist also, wie wir all dies unter einen Hut bringen können: Ein Wald, der der Klimakrise standhalten kann, gleichzeitig seine ökologischen Funktionen und Ökosystemdienstleistungen wie die Wasserversorgung und Temperaturregulation aufrechterhält und dazu noch Holz als nachhaltiges Bau- und Energiematerial liefert.

Der Natur ihren Lauf lassen…

Viele Experten betonen als oberste Maxime den passiven Waldumbau hin zu einem natürlich gewachsenen Mischwald. Dieser sollte eine heterogene Arten- und Altersvielfalt aufweisen. Die Überlegung dahinter ist, dass natürlich gewachsene, heterogene Waldgemeinschaften am besten an den jeweiligen Standort angepasst sind und resilient gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen sind. Der Weg zu einem naturnahen Mischwald ist relativ einfach. Hier gilt weniger ist mehr. Auf Schadflächen muss eine natürliche Sukzession erlaubt werden. Das bedeutet, dass diese nicht geräumt und wieder bepflanzt werden, sondern Bäume ungestört aus eingetragenen Samen wachsen können. In intakten Wäldern muss systematischer Kahlschlag ausgeschlossen werden und Holzeinschlag muss darauf ausgerichtet sein, Voraussetzungen für die natürliche Regeneration verschiedener heimischer Arten zu schaffen.

Nebst dem Waldbau ist auch das Wildtiermanagement ein entscheidender Faktor, um einen gesunden, naturnahen Wald zu kreieren. Die unnatürlich hohe Dichte and Schalen- und Schwarzwild beschränkt vielerorts die natürliche Regeneration durch übermäßigen Verbiss. Außerdem sollte mehr Totholz im Wald zurückgelassen werden, da dieses Wasser bindet, eine gesunde Mikrofauna fördert und zu niedrigeren Temperaturen im Waldinnern beiträgt. Insgesamt sollte bei der Bewirtschaftung von Wäldern der Horizont erweitert werden. Die Gewinne durch Holzverkauf dürfen nicht im alleinigen Fokus stehen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung muss alle Funktionen des Waldes für Mensch und Natur fördern. Dabei stechen besonders Speicherung von Kohlendioxid, Wasserspeicherung sowie -versorgung, Kühlungseffekte und der Schutz der Böden heraus.

… oder aktiv eingreifen

Während sich die Experten bei vielen Forderungen einig sind, gibt es jedoch auch ein Lager, dass einen aktiveren Einsatz zum Waldumbau fordert. Sie wollen aktiv Bäume aus wärmeren Regionen wie Südeuropa, Zentralasien und Amerika anpflanzen, die besser an Hitze und Dürre angepasst sind. Seit einigen Jahren werden Experimente durchgeführt, wie diese Arten in Zentraleuropa gedeihen und welche Auswirkungen sie auf unsere Ökosysteme haben könnten. Diese Arten könnten systematisch auf Schadflächen angepflanzt werden, um schnell einen klimaresilienten Wald zu schaffen. 

Egal welchen von beiden Ansätzen man wählt, Grundvoraussetzung für einen zukunftssicheren Wald ist es, seine Bedeutung anzuerkennen. Dazu zählt Forstämter mit genug finanziellen Mitteln, Personal und zukunftsorientierten Aus- sowie Weiterbildungen auszustatten, genug Geld für Forschung bereit zu stellen und Wälder systematisch zu überwachen. Auch die Holzindustrie muss ihren Beitrag dazu leisten, da Holz keine unendliche Ressource ist, sondern ein kostbares und begrenztes Gut. Daher muss der Einsatz von Holz effektiv stattfinden und Holzpreise hoch genug sein, um eine naturnahe Waldbewirtschaftung rentabel zu machen. Das ermöglicht auch eine schonende Holzernte, die die ökologischen Funktionen des Waldes möglichst wenig beeinträchtigt. Dabei muss in größeren Dimensionen als einzelnen Beständen und langfristigen Zeiträumen gedacht werden. Dazu gehören auch die Schaffung großer, zusammenhängender Wildnis- und Naturwaldgebiete. 

Die letzten zwei Jahre sind keine kurzfristige Krise, sondern der Start einer langfristigen Entwicklung, die Wälder weltweit unter zunehmenden Stress setzen wird. Förster, Jäger, die Holzwirtschaft und Konsumenten müssen entsprechend verantwortlich handeln, um diese Lebensgrundlage bestmöglich zu erhalten.

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Naturnahe Waldbewirtschaftung

Nachhaltige Waldwirtschaft versteht den Wald als Ökosystem, das unterschiedlichste Funktionen erfüllen sollte und sich nicht nur auf den Aspekt der Holzproduktion stützt. Nachhaltige Waldwirtschaft wird als ein Oberbegriff für mehrere Wirtschaftsweisen und Modellen verwendet. Die naturnahe Waldwirtschaft ist eines davon. Dass der Wald wichtig für uns Menschen und die Umwelt ist, vor allem in Zeiten des Klimawandels, ist klar und auch in diversen Gesetzen aufgeführt, wie zum Beispiel dem Bundeswaldgesetz in Deutschland von 1975. Doch der Begriff der Nachhaltigkeit und das vorausschauende Bewirtschaften eines Waldes geht noch viel weiter zurück. Vor mehr als 200 Jahren prägte Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ den Begriff der Nachhaltigkeit in Bezug auf den Wald. Er erkannte, dass der Wald so zu bewirtschaften ist, dass auch die Nachkommen noch ausreichend Holz zur Verfügung haben.

Im Klartext bedeutet dies nur so viel Holz zu entnehmen, wie auch nachwachsen kann. Denn die Bäume, die jetzt wachsen, werden erst von unseren Enkeln genutzt. Weiterhin soll auf den Boden mit Flora und Fauna ein besonderes Augenmerk gelegt werden, da diese für das gesamte System wichtig sind und eine Grundlage für einen stabilen Wald bieten. Im Allgemeinen werden bei der nachhaltigen Waldwirtschaft alle Leistungen des Waldes und der Dauerhaftigkeits-Gedanke berücksichtigt.

Die naturnahe Waldwirtschaft ist eine von drei waldwirtschaftlichen Konzepten mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Die zwei anderen Konzepte sind die naturgemäße Waldwirtschaft und die ökologische Waldwirtschaft. Die naturnahe Waldwirtschaft, orientiert sich, wie der Name schon andeutet, an Prozessen, die ohne den Eingriff von Menschen stattfinden würden, und nutzt diese für Bewirtschaftungsmaßnahmen. Sie versucht den ursprünglichen Zustand der Urwälder wiederherzustellen bzw. anzugleichen. Diese Prozesse, wie beispielsweise Naturverjüngung, sollen möglichst effizient und risikosenkend in ökonomischer und ökologischer Hinsicht ausgenutzt werden.

Ein maßgebliches Ziel ist es, die vorhandenen Baumarten, die das Landschaftsbild natürlicherweise prägen würden, zu fördern und stabile Mischwälder zu schaffen. Die Mischwälder sollten aus verschiedenen Altersstufen bestehen und strukturreich sein. Auch gilt ein Augenmerk auf das Prinzip „Klasse statt Masse“ zu legen. Das bedeutet, dass einzelne, am besten hochwertige und starke Bäume, geerntet werden, der Bestand aber stetig weiterwächst. Ein Kennzeichen für naturnahe Waldwirtschaft ist die waldbauliche Umwandlung von den Nadelreinbeständen hin zu Mischwäldern mit zum Beispiel erhöhtem Anteil von Rotbuche (Fagus sylvatica), Trauben-Eiche (Quercus petraea)oder Stiel-Eiche (Quercus robur). Dazu gehört natürlich auch die standortsgemäße Baumartenwahl, sowie die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, um einen Dauerwald zu begünstigen und möglichst auch keine Kahlschläge vorzunehmen. Auf Düngemittel, Herbizide, Insektizide, und andere Einsatzmittel ist zu verzichten und ökosystemverträgliche Wildbestände sollte man zulassen.

Auch bewegt sich die naturnahe Waldwirtschaft hin zu einem multifunktionalen Wald und versucht die Prozesse der Fläche abzustimmen. Der naturnahe Waldbau beinhaltet als Kernpunkte sechs verschiedene Elemente. Zum einen sind das die standortgerechte Baumartenwahl sowie die Naturnähe des Waldes im Allgemeinen. Mischwälder mit verschieden alten und großen Bäumen sind ein weiterer wichtiger Aspekt. Dabei sollte die ökologische und physikalische Stabilität der Wälder mitberücksichtigt werden. Einer der Hauptaugenmerke liegt dabei auf der Naturverjüngung, die unter anderem durch angepasste Wildbestände erreicht wird. Augenmerk sollte auf der angepassten Pflege der Bestände liegen, und zwar in der qualitäts- und stabilitätsorientierten Pflege. Weiterhin sind der integrierte Waldschutz und die pflegliche Waldarbeit auch Teile der naturnahen Waldwirtschaft. Bei allen Konzepten sollten die Interessen der verschiedenen Akteure mit einbezogen werden. 

Bestandszieltypen

In Deutschland werden Bestandszieltypen oder Waldbaurichtlinien für die einzelnen Bundesländer entwickelt und bieten Praktikern ein Nachschlagwerk zur Orientierung. In diesen Dokumenten werden Bestimmungen zur Baumartenzusammensetzung in einer praktischen Anleitung für den Waldbau geliefert. Hauptsächlich geben und gelten die Bestandszieltypen für die öffentlichen Wälder, die in Deutschland von den einzelnen Bundesländern bewirtschaftet werden. Allerdings haben auch bei anderen Nutzungsformen, wie zum Beispiel im Privat- oder Körperschaftswald diese Richtlinien eine große Bedeutung. 

Die Waldbaurichtlinien gelten allgemein und beschreiben die Grundsätze für den Waldbau. Der Bestandszieltypenerlass bestimmt noch einmal genauer, wie geeignet Baumarten bzw. Baumartenzusammensetzungen für verschiedene Standorte sind. Als höchstes Ziel der Waldwirtschaft steht die nachhaltige Waldentwicklung im Vordergrund. Es ist wichtig die Baumarten passend zu den jeweiligen Standorten zu wählen, da dies schon die erste Hürde ist, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann. Der Grundsatz der waldökologischen Orientierung ist die Naturnähe, die sich auch in den Bestandszieltypen widerspiegelt. Naturnähe fördert stabile Bestandsstrukturen und naturschutzfachliche Anforderungen. Auch die Wirtschaftszielorientierung ist ein wichtiges Leitprinzip, das befolgt werden sollte. Es misst sich an Wert- und Volumenleistungserwartungen der Bestände. 

Naturnähe und Wirtschaftlichkeit

Bestandszieltypen sind mittel- bis langfristige Zielsetzungen für einen Bestandsaufbau, der ausgehend vom Bestandszustand angestrebt wird. Nicht standortgerechte Bestandszustände sollten so zeitnah wie möglich in Richtung eines geeigneten Bestandszieltyps entwickelt werden. Bestandszieltypen beschreiben eine „während des gesamten Bestandslebens planmäßig zu gestaltende, standortsgerechte Bestockung, die sich im Hiebsreifealter der Hauptbaumart durch die Zusammensetzung nach Haupt- und Mischbaumarten sowie durch den vertikalen und horizontalen Bestandsaufbau auszeichnet“.

Ein Hauptpunkt der Bestandszieltypen sind die Stamm-Standortsformengruppen, aus denen sich die Bestände zusammensetzen. Diese sind jeweils noch nach den Klimastufen getrennt in feuchtes, mäßig trockenes und trockenes Tieflandklima. Zu der konkreten Bestandszieltypenwahl gehören, auf die Hauptbaumarten bezogen, die Grundsätze der Standortsgerechtigkeit, der Naturnähe und der Wirtschaftszielorientierung. Die neuen Bestandszieltypen sind entsprechend in Baumarten und Baumartenanteile, Bestandsstruktur, Leistungserwartung für Wertholz, Entstehung des Bestandszieltyp, mögliche Standortseinheiten, Waldentwicklungsstadien und charakteristische Waldbiotoptypen eingeteilt.

Der naturnahe Waldbau ist in Deutschland in Landesgesetzen festgehalten und somit Grundlage für die Waldwirtschaft. Das Leitbild ist, wie oben schon erwähnt, ein gemischter, strukturierter und naturnaher Wald. Diese Wälder haben häufig eine geringere Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefahren. Weiterhin sollen die Wälder standortgerecht und stabil sein, um die auch die Nutzungsmöglichkeiten langfristig zu sichern. 

Gemeinsamkeiten der Bundesländer 

Trotz der unterschiedlich aufgebauten Bestandszieltypen gibt es auch Gemeinsamkeiten bei angeratenen Zusammensetzungen, Vorschlägen und Richtlinien der verschiedenen Bundesländer. 

Beispielhaft wird hier der Bestandszieltyp Rotbuche (Fagus sylvatica) – Grüne Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. menziesii) aus Brandenburg dargestellt, welcher sich in ähnlicher Form in anderen Bundesländer findet und im Hinblick auf den Klimawandel für viele Standorte geeignet ist. Aus den Brandenburgischen Tabellen hervor, dass die Buche als Hauptbaumart mit 50 bis 70% Anteil vorkommen sollte. Die vertikale Bestandsstruktur, also die Schichtung, ist für Haupt- und Mischbaumarten so vorgesehen, dass durch frühzeitige waldbauliche Eingriffe eine vertikale Differenzierung des Bestands anzustreben ist. Dabei wird die Schnellwüchsigkeit der Douglasie ausgenutzt. Auch sollte der Unterstand vorwiegend aus Rotbuchen bestehen. Der Stammdurchmesser auf Brusthöhe beim Fällen der Buchen sollte im Optimalfall 55 bis 65 cm betragen. Das ist nach 120 bis 160 Jahren erreicht. Der Buchenbestand sollte vorzugsweise durch Naturverjüngung entstehen. Ist dies nicht der Fall, können auch Pflanzung oder die Übernahme von Unterbauten eine Möglichkeit sein.

Die Grüne Douglasie als Mischbaumart sollte einen Anteil von 20 bis 40 % ausmachen und eher einzeln unter die Buchen gemischt sein. Der gewünschte Stammdurchmesser beträgt mindestens 50 cm und die Wuchszeit 80 bis 120 Jahre. Entstehen sollte die Mischungsschicht durch Naturverjüngung, Nachbau und Ergänzung. Die Begleitbaumarten sollten ca. 10 % des Bestandes ausmachen und durch Naturverjüngung natürlich wächsen. Begleitbaumarten können beispielsweise Traubeneiche, Hainbuche, Gemeine Kiefer, Gemeine Fichte, Küstentanne, Eberesche und Gemeine Birke sein. Diese sind in der Bestandsstruktur einzelstammweise im Bestand verteilt und kommen meistens im Bereich der Bestandsränder vor. Dieser Bestandszieltyp entspricht dem sogenannten Schlusswaldstadium und ist einer von natürlichen Buchenwaldgesellschaften veränderter Waldtyp, der durch die Einbringung von Douglasien geändert wird. Dieser Typ ist aber zum Beispiel nicht für Böden mit erhöhter Staunässegefahr sowie hochanstehendem Kalk und Lehmsubstraten geeignet. Geeignete Nährstoffkraftstufen und Bodenformen sowie Humusformen und Klimastandorte werden in den Unterlagen der Bestandszieltypen aufgeführt.

Geltung in Österreich 

Aus dem oben genannten Beispiel der Bestandszieltypen können Ansätze und Vorschläge auch auf Österreich angewendet werden. Natürlich sollten die Ausgangslage und Bedingungen vor Ort berücksichtigt und jeweils angepasst werden. 

Zum Beispiel ist der Weg in Richtung Mischwälder für alle europäischen Länder eine gute Idee und sollte überall in Gang gebracht werden. Daher ist für die Fichten-Monokulturen in den Bergwäldern Österreichs ein Umbau in Richtung Bergmischwälder sinnvoll. Dadurch werden die Wälder resilienter, stabiler und können so wieder natürlichen Schutz gegen Erosionen, Lawinen und andere Gefahren bieten. Ein weiterer positiver Effekt ist die Luftreinigung und Wasserhalte- sowie Wasserfilterfähigkeit. Der oben genannte Bestandszieltyp kann auch in vielen Regionen Österreichs eine Option darstellen. Die Douglasie eine gute Baumartenwahl für die Zukunft dar, ebenso die Buche, die ihren natürlichen Verbreitungsraum in Europa hat. Aus den Bestimmungen der Bestandszieltypen können also auch für Österreich Waldbaustrategien abgeleitet werden. 

Waldstrategieplan 2020+

Eine weitere Möglichkeit, um den Waldbau in eine nachhaltigere und zukunftsorientierte Richtung zu lenken ist der Waldstrategieplan 2020+. Dies ist ein vom österreichischen Ministerium herausgegebener Plan, der Strategien für die Waldwirtschaft darlegt. Er wurde durch Walddialog-Beteiligte erarbeitet und es ist ein eigenes Arbeitsprogramm für dessen Umsetzung erarbeitet worden. Das Programm enthält konkrete Maßnahmen und ist somit das Umsetzungsinstrument der Waldstrategie. Es soll laufend weiterentwickelt und angepasst werden.

Das Hauptaugenmerk des Strategieplans liegt auf der nachhaltigen multifunktionalen Waldwirtschaft, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigt. Es sind sieben Punkte aufgelistet, die als Orientierungspunkte gelten sollen, und zwar: 

1. Beitrag der österreichischen Wälder zum Klimaschutz 
2. Gesundheit und Vitalität der österreichischen Wälder 
3. Produktivität und wirtschaftliche Aspekte der österreichischen Wälder 
4. Biologische Vielfalt in Österreichs Wäldern 
5. Schutzfunktionen der österreichischen Wälder 
6. Gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Aspekte der österreichischen Wälder 
7. Österreichs internationale Verantwortung für nachhaltige Waldbewirtschaftung

Dem Wald stehen viele Erwartungen und Ansprüche entgegen. Er soll Lebensraum, Erholung, Wasserfilter, Schutz gegen Lawinen und Kohlenstoffspeicher bieten. Das sind viele Aufgaben für ein komplexes Ökosystem. Da so viele Anforderungen an den Wald bestehen, sollte es klar sein wie wichtig sein Schutz ist. Die Ansprüche an ihn werden aber immer höher, weshalb es wichtig ist ihn nachhaltig zu bewirtschaften und bedacht mit ihm umzugehen. Um solche Reglements für die Waldbesitzer zu bieten, gibt es diese Handlungsvorgaben/-anregungen des Waldstrategieplans.

Richtlinien des ÖBF

Auch von den österreichischen Bundesforsten (ÖBF) wird eine ökologische und naturnahe Waldwirtschaft angestrebt. Zwar sind dessen Vorgaben nur für die Landesforste zwingend, allerdings können diese Leitsätze und Prinzipien natürlich auch von privaten Waldbesitzern verwendet werden. Die waldbaulichen Strategien sind in einem weiteren Heft zusammengestellt, welches als Orientierungspunkt dienen sollte. Auch hier wird das Augenmerk auf naturgemäße und ökologische Waldwirtschaft gelegt, da nur so die multifunktionalen Anforderungen an den Wald erfüllt werden können. So steht auch in Österreich die natürliche Baumartenzusammensetzung im Vordergrund, welche standortsgerecht eingesetzt werden sollte. Im Klartext bedeutet das Bäume aus der potenziell natürlichen Vegetation der jeweiligen Region zu verwenden.

Des Weiteren wird auch auf die Naturverjüngung ein Augenmerk gelegt, durch die neue Bestände begründet werden sollen. Auch die Biodiversität spielt eine große Rolle in der naturnahen Waldbewirtschaftung. Diese soll gefördert werden und Kleinstrukturen/-biotope sowie Besonderheiten erhalten bleiben. Es werden also Wälder angestrebt, die standortangepasst, gesund, gut strukturiert und stabil sind. Dabei sollen die Wälder auch wertvolles Holz liefern, um den wirtschaftlichen Nutzen zu integrieren.

Ein weiteres Augenmerk wird aktuell auf den Klimawandel gelegt. Dabei ist bei Wäldern besonders auf die Resilienz zu achten sowie auf die Anpassung an wärmere Temperaturen und erhöhte Schadereignisse bei der Baumartenwahl.Um in einem konkreten Bestand Ziele zu formulieren und später zu erreichen, ist es zuerst wichtig aktuelle waldbaulichen Planungen und Grundlagen zu analysieren, die sich an den natürlichen Gegebenheiten des jeweiligen Bestandes orientieren. Wichtig ist den vorliegenden Standort genau zu bestimmen, was für ein Bestand gewünscht ist und wie dieser erreicht werden kann. Durch diese Bestimmungen kann für jeden Waldbesitzer mit den vorgegebenen Kriterien eine naturgemäße Waldwirtschaft/-strategie geplant werden. Die Bestandszieltypen aus Deutschland haben mit den verschiedenen Strategien in Österreich viele Gemeinsamkeiten, die auch individuell von Förstern übernommen werden können.

Erhöhter Stickstoffgehalt bedroht Biodiversität in Wäldern

Neue Forschungsergebnisse zeigen einen möglichen Wendepunkt für Wälder und ihre biologische Vielfalt auf. Die Anreicherung von Stickstoff droht die Zusammensetzung der Wälder zu verändern und sie in weniger vielfältige Ökosysteme umzuwandeln. Normalerweise trägt eine gesunde Baumschicht dazu bei, das Licht, das den Waldboden erreicht, abzufangen und die Auswirkungen der Stickstoffansammlung zu mildern. Dies wird sich jedoch angesichts des Klimawandels ändern: mehr Waldkrankheiten und Dürre führen zu lichteren Wäldern und dadurch veränderten Verhältnissen zwischen Generalisten und Spezialisten.

Die Gefahren von zu viel Stickstoff

Stickstoff birgt vielzählige Gefahren für ein gesundes Ökosystems. Übermäßige Stickstoffablagerung führt zum Auswaschen bestimmter Nährstoffe aus dem Boden, zur Versauerung des Bodens und zur Eutrophierung. 

Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Pflanzen die in der Strauch- und Krautschicht des Waldes wachsen. Generalisten passen sich normalerweise an neue Umstände gut  an und können einen Anstieg des Stickstoffgehalts sogar für sich als Vorteil nutzen. Das heißt, sobald mehr Licht in den Wald einfällt, können sie den Überschuss an Stickstoff nutzen und sich schneller verbreiten. Im Gegenteil dazu sindSpezialisten weniger adaptionsfähig und reagieren empfindlich auf Änderungen der Umgebungsbedingungen. Da Generalisten oft nicht heimisch sind und sich durch diese neuen Umstände noch schneller verbreiten können, führt das zum Rückgang der biologischen Vielfalt.

Dunkelliebendes Unterholz

Der Grund, warum diese Bedrohung für die biologischen Vielfalt erst jetzt bekannt wird, ist, dass der begrenzte Lichteinfall die Stickstoffablagerung in Grenzen gehalten hat. Spezialisten und Generalisten waren mehr oder weniger auf Augenhöhe. Die Integrität der Waldkrone hat sich in den letzten Jahren jedoch, unter anderem wegen des Klimawandels, vermindert. Zum Beispiel hat Dürre im vergangenen Jahrzehnt große Fichtenpopulationen in Belgien, Deutschland und Frankreich ausgelöscht, und Laubwälder vieler Orts auch schon von Eschensterben betroffen sind. Dies setzt das Unterholz dem Licht aus und hatverheerenden Folgen.

In gemäßigten Wäldern, die einen großen Teil der europäischen Wälder ausmachen, befinden sich 80% der biologischen Vielfalt des Waldes in der Kräuter- und Strauchschicht. Hier finden essentielleÖkosystemfunktionen wie Phosphor-, Kalium- und Stickstoffkreislauf sowie die Zersetzung von Baumstreu statt. Um die Wälder an den Klimawandel anzupassen und die Integrität der Waldkrone zu stärken, möchten Förster nicht-einheimische Arten pflanzen, die aus trockeneren und heißeren Klimazonen stammen. Dieses Vorhaben ist aber mit Vorsicht zu genießen, da eine Veränderung der einheimischen Laubwälder Auswirkungen auf die Fauna des Waldes haben könnte, die sich möglicherweise nicht an die neue Baumzusammensetzung anpassen kann.

Biodiversität hilft gegen Klimawandel

Aber auch im Kontext der Minderung des Klimawandels ist die Aufrechterhaltung dieses Unterholzes von Bedeutung. Wälder wirken als Puffer gegen den Klimawandel. Der Schatten der Waldkrone, die erhöhte Evapotranspiration und die Verhinderung der Mischung von warmer und kalter Luft durch Windstille, tragen dazu bei, ein Mikroklima in Wäldern zu schaffen, das kühler als ihre Umgebung ist. Dieser Effekt wird auch als Waldpufferung bezeichnet und hat vielen Arten ermöglicht trotz erhöhter Temperaturen außerhalb des Waldes zu überleben. 

Außerdem führt große Artenvielfalt der Wälder zu erhöhter Produktivität des Waldes, was wiederum höhere Kohlenstoffbindung bedeutet. Das heißt, dass Wälder bestehend aus einheimischen Arten eine wichtigeRolle bei der Bekämpfung des Klimawandels einnehmen. 

Wir befinden uns also, wie so oft, in einer Zwickmühle: langfristig sind Wälder mit hoher Biodiversität wichtig um den Klimawandel zu bekämpfen, unter anderem, weil sie mehr Kohlenstoff aufnehmen können. Aber die vielen spezialisierten Pflanzenarten in solch einem Wald haben sogar jetzt schon mit Auswirkungen des Klimawandels – lichtere Wälder mit mehr Stickstoff – zu kämpfen.

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Straßenbau verändert Waldzustand und beschleunigt Klimawandel

Straßen sind essentiell für die Fortbewegung des Menschen. Sie haben uns ermöglicht Land zu erschließen, das sonst schwer zugänglich gewesen wäre. Gleichzeitig stellen sie jedoch eine erhebliche Bedrohung für die Tierwelt dar, da sie deren Fortbewegung eingrenzen und das Risiko von Straßenkollisionen besteht. Straßenbau wirkt sich auch stark auf angrenzende Wälder aus, indem nicht nur eine physische, sondern auch eine thermische Fragmentierung der Landschaft verursacht wird. Eine Straße beeinflusst die mikro-klimatischen Bedingungen in ihrer Umgebung, was zu einem Temperaturanstieg führt. Dies kann verheerende Auswirkungen auf die Bäume haben und wird höchstwahrscheinlich durch den Klimawandel beschleunigt. Aber wie ernst ist die Situation wirklich?

Forschungsdisziplin Straßenökologie

Straßen fragmentieren die Erdoberfläche in mehr als 600.000 Teile. Für Europa bedeutet dies, dass 50% der Oberfläche des Kontinents nur 1,5 km von einer Straße oder Eisenbahn entfernt sind, während der Rest der Oberfläche 10 km von einer Straße entfernt ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil der natürlichen Lebensräume, inklusive Wälder, von den Auswirkungen von Straßenbau betroffen ist.

Die Straßenökologie beschreibt die Forschungsdisziplin, die die Auswirkungen von Straßen auf die Umwelt untersucht. Der Kern der Disziplin besteht darin, dass das Mikroklima eines Standorts von der Struktur seiner Oberfläche abhängt. Haben Sie sich jemals gefragt, warum sich ein heißer Sommertag in der Natur viel kühler anfühlt als in einer Stadt? Oberflächen die von Vegetation bedeckt sind, insbesondere von Wäldern, wirken kühlend, während sich verbaute Gebiete wie Städte schneller erwärmen. Um zu verhindern, dass sich Städte zu stark erwärmen, ist grüne Infrastruktur wichtig. Bäume verdampfen Wasser, das die Umgebung sofort abkühlt. Gleichzeitig absorbieren sie CO2, was zur Verringerung der Klimaüberhitzung beiträgt.

Dieser Kühlungseffekt wird durch den Bau von Straßen verringert. Sie verändern das Mikroklima in ihrer Umgebung, was zu einem Temperaturanstieg führt. Dies kann verheerende Auswirkungen haben, insbesondere auf Waldränder.

Mikro-klimatische Bedingungen mit großem Effekt

Die Veränderung des Mikroklimas kann zu einer Zunahme der Wasserverdunstung, des Hitzestresses, der Baumsterblichkeit und des Waldbrandrisikos führen. Dies wirkt sich wiederum auf die Grundwasserressourcen und die Widerstandsfähigkeit der Bäume gegenüber dem Klimawandel aus. Eine Studie im deutschen Oberhessen bestätigte diese Auswirkungen im Zuge einer Analyse der Umweltauswirkungen eines geplanten Autobahnbaus. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die geplante Autobahn die Baumsterblichkeit erhöhen und dadurch den Kühlungseffekt des Waldes erheblich verringern würde.

Auswirkungen neu gebauter Straßen sind besonders extrem, da durch Abholzung Waldränder entstehen. Die Bäume entlang der Waldränder sind nicht an die neuen klimatischen Bedingungen wie erhöhte Sonneneinstrahlung, Wind und erhöhte Temperaturen gewöhnt. Das Ergebnis ist ein vermehrtes Sterben der Bäume, während der Wald sogar in eine negative Rückkopplungsschleife eintreten kann: die Beschädigung der Bäume und damit die Verringerung des Kühlungseffekts führt zu erhöhten Oberflächentemperaturen, was wiederum zu erhöhter Baumsterblichkeit führt, usw.

Straßen-freie Landschaften zur Eindämmung des Klimawandels

Der Fall in Oberhessen ist nicht einzigartig. Die ganze Welt und insbesondere Europa verlieren kontinuierlich Grünflächen durch den Bau von Straßen und anderen Oberflächenversiegelungen. Auf diese Weise verlieren wir viele Ökosystemdienstleistungen die diese Grünflächen bieten. Dazu gehören die Wasserspeicherungskapazität des Bodens, Kühlungseffekte des Waldes, die Absorption und Speicherung von CO2 und die damit verbundene Reinigung der Luft. Diese Dienstleistungen sind für die Eindämmung des Klimawandels und für das Wohlergehen der Menschen in städtischen Gebieten von entscheidender Bedeutung. Angesichts der Tatsache, dass die Natur aufgrund der bestehenden Fragmentierung der Landschaft durch Straßen und städtische Gebiete bereits einem immensen Druck ausgesetzt ist, stellt sich die Frage ob es nicht besser wäre ihren Bau zu reduzieren. Jedenfalls müssen die ökologischen Auswirkungen des Straßenbaus auf die Wälder zukünftig vermehrt berücksichtigt werden, damit diese so gut wie möglich erhalten werden können.

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Was ist die Antwort auf das Waldsterben?

Nach den Katastrophenjahren 2018 und 2019 für den mitteleuropäischen Wald ist klar, dass wir eine Antwort brauchen. Besonders betroffen war Deutschland, wo deswegen seit spätestens letztem Sommer eine hitzige Debatte geführt wird, wie man den deutschen Wald auf die Zukunft vorbereiten kann. Alle Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber eine nicht standortgerechte Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten ist.

Besonders die uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten werden kritisiert. Diese wurden seit dem zweiten Wetlkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind.

Politik greift zu schneller Antwort

Die deutsche Politik war schnell eine einfache Antwort zu liefern: Aufräumen und Aufforsten! Dieser Ansatz bekämpft zwar kurzfristig das Symptom, aber nicht langfristig die Ursache. Statt überhetzt gepflanzten Monokulturen, die der nächsten Dürreperiode wieder zum Opfer fallen, brauchen wir einen Wald, der den Wetterextremen der Klimakrise gegnüber resilient ist.

Die Krux in der Fortwirtschaft sind die vielfältigen Interessen aus verschiedenen Richtungen. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, wo Wald als wirtschaftliches Vermögen angesehen wird und das auf möglichst viel Ertrag von möglichst billigem Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine unendliche Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

Wo sich die meisten einig sind, ist, dass der Forstsektor in Deutschland seit vielen Jahren vernachlässigt wurde. An vielen Stellen wurde so viel Personal gestrichen, dass der schon seit langem forcierte Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern oft kaum vorankam. Zusätzlich beklagen Forschungsinstitute und Universitäten, dass Forschung zu einem zukunftsfähigen Wald in Zeiten der Klimakrise vernachlässigt wurde. Außerdem müsse erforscht werden, wie die Holzverwertung geändert werden könne, um eine naturnahe Bewirtschaftung profitabel zu machen. Deswegen wird jetzt gefordert, wieder mehr Personal einzustellen und neue Kapazitäten in der Waldforschung zu schaffen.

Kann der Wald die Antwort selbst liefern…

Experten, die die ökologische Funktion des Waldes in den Vordergrund stellen, haben zwei Kernforderungen: eine Neudefinierung der Nachhaltigkeit und mehr Vertrauen in die natürliche Regeneration des Waldes. Im Mutterland der Nachhaltigkeit wird kritisiert, dass der Begriff bis heute zu einseitig ausgelegt wird und sich nur auf die eingeschlagene Holzmenge bezieht. Die vielfältigen Ökosystemdienstleistungen und andere sozio-ökonomische Nutzen werden außer Acht gelassen.

Ausgehend von der Annahme, dass wir nicht genug darüber wissen, wie sich die klimatischen und biotischen Faktoren in den nächsten Jahrzehnten ändern werden, lehnen diese Experten übereilten Aktionismus als schnelle Antwort ab. Sie unterstützen eine natürliche Regeneration der zerstörten Waldflächen. Natürlich gewachsene Wälder hätten die größte Resilienz gegen Änderungen der Standortbedingungen. Zu einer natürlichen Regeneration gehört das Zurücklassen von Totholz im Wald und eine Reduktion des Wildbestandes oder Einzäunung von Regenerationsflächen, da in Deutschland ebenso wie in Österreich die Wilddichte durch unzureichende Jagd und zusätzliche Fütterung so hoch ist, dass sie die natürliche Verjüngung des Waldes einschränkt.

… oder müssen wir eingreifen?

Andere Experten stellen die Holzproduktion in den Vordergrund. Für sie ist die Antwort ein gezielter Waldumbau mit trocken- und hitzeresistenten Arten. Auch sie fordern, die Arten- und Altersstruktur im Wald vielfältiger zu gestalten und die Palette von eingesetzten Arten zu erweitern. Dabei setzen sie vor allem auf Baumarten aus Südeuropa, Zentralasien und Amerika, wo Dürre und Hitze normal sind. Seit einigen Jahren werden diese Bäume auf ihre Tauglichkeit in Mitteleuropa getestet, jedoch bleiben Fragen, wie sie sich auf die heimische Biodiversität auswirken.

Und was ist die langfristige Antwort? Hier sind sich viele Experten einig. Wir brauchen eine naturnähere Bewirtschaftung der Wälder und eine schonendere Holzernte. Das schützt Vielfalt, Boden und Wasser in Wäldern, was existenziell für ihre Resilienz gegenüber sich ändernden Klimaverhältnissen ist.