Der Baum des Jahres 2021: die Stechpalme

Die Stechpalme (Ilex aquifolium) wurde zum Baum des Jahres 2021 von der Dr. Silvius Wodarz Stifutung in Deutschland gekürt. Sie ist ein Paradebeispiel für den Artenschutz, da sie schon seit 100 Jahren unter Schutz steht, ihre Bestände sich erholt haben und nun wieder einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in heimischen Wäldern leistet.

Eine Tradition als Namensgeber

Ja, die Stechpalme ist ein Baum. Der Name hängt mit der christlichen Tradition am Palmsonntag zusammen. Weil Jesus damals mit Palmwedeln begrüßt worden war, diese in Mitteleuropa aber nicht erhältlich waren, dienten bei Prozessionen Sträuße aus Zweigen der Stechpalme als kirchlich geweihter Palmwedel-Ersatz.

Standortsbedingungen

Obwohl der Name andeutet, dass es eine Palme ist und ihre Wuchsart eher an ein strauchartiges Gehölz erinnert, kommt es jedoch sehr auf die Lichtverhältnisse an, wie der Baum im Endeffekt wächst. Bei weniger Licht kann er bis zu 5 Meter hoch werden und eher in die Breite wachsen. An lichten Waldstandorten oder in Parks und Gärten schießt sie etwa 10 Meter in die Höhe und ähnelt in der Gestalt dann eher einem Nadelbaum.

Die Verbreitung der Stechpalme

Die Stechpalme ist in Europa heimisch und wuchs schon vor über zwei Millionen Jahren auf unserem Kontinent, auf dem es damals allerdings deutlich wärmer war. Heute fühlt sich die Stechpalme vor allem dort wohl, wo es recht milde Winter ohne Früh- und Spätfröste und nicht allzu trockene Sommer gibt. Das ist vor allem das Gebiet, dass klimatisch stark durch den Atlantik geprägt ist: Westeuropa von der Südwestküste Norwegens bis zur Iberischen Halbinsel. Die aktuellen klimatischen Veränderungen lassen die Art aber nun auch wieder vermehrt an Standorten im Norden und Osten Europas gedeihen.

Schutz der Stechpalme

Aufgrund der religiösen und dekorativen Nutzung der Stechpalme während der Weihnachts- und Osterzeit, wurde sie im 19ten und anfangs des 20ten Jahrhunderts unter starkem Druck gestellt. In den 1920er-Jahren reagierten Forstleute, Naturschützer und Politiker auf den dramatischen Rückgang der Stechpalme in Deutschland, indem sie die Pflanze unter Schutz stellten. Mittlerweile haben sich die Bestände erholt und liefern einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt der heimischen Wälder. „Der sympathische Immergrün ist ein hervorragender Brutplatz und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Bienen und Hummeln“, betonte Schirmherrin der Organisation Julia Klöckner. Daher ist die Stechpalme auch Bestandteil des Ziels der Bundesregierung, den Umbau der deutschen Wälder zu klimaangepassten Mischwäldern weiter voranzubringen.

Baum des Jahres 2020 war übrigens die nicht heimische Robinie. Sie kann zwar andere Pflanzen verdrängen, gilt wegen ihrer Widerstandsfähigkeit aber auch als Hoffnungsträger in Zeiten des Klimawandels.

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EU Forestry Strategy: Bestimme über die Zukunft der Wälder Europas mit!

Im Rahmen des Europäischen Green Deal hat die Kommission eine neue Forestry Strategy (Waldstrategie) angekündigt. Diese baut auf die geplante Biodiversitätsstrategie auf und soll sich auf die verschiedenen Aspekte des Waldes und dessen zahlreiche Dienstleistungen konzentrieren.

Die Kommission ruft die Bevölkerung noch bis 4. Dezember 2020 dazu auf, ihr Feedback zu der Strategie zu liefern. Das ist Ihre Möglichkeit, Ihren Ideen Gehör zu verschaffen und Herausforderungen und Probleme in ihrer Region zu teilen.

Die Strategie zielt darauf ab, gesunde und widerstandsfähige Wälder zu gewährleisten, die zur biologischen Vielfalt, zur Eindämmung des Klimawandels, und zur Sicherung von Lebensunterhalten beitragen. Gleichzeitig soll sie eine Kreislaufwirtschaft im Forstsektor unterstützen. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf dem Schutz des Waldes, dessen Restauration und der EU-weiten nachhaltigen Bewirtschaftung.

Die Länder der EU und ihre Bevölkerung sind so verschieden wie ihre Wälder. Die Forestry Strategy wird einen Rahmen bieten, EU Fördermittel effizient zu vergeben und idealerweise Regionen und Wälder fördern, die die Unterstützung am nötigsten haben. Deshalb ist es vor allem wichtig, dass erfahrene Förster und Experten ihre Visionen zu der Strategie beitragen.

In der folgenden Webseite können sie ihr Feedback abgeben:

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BEECH POWER: Alte Buchenwälder in Europa schützen

Seit 2019 läuft das Projekt „BEECH POWER – Welterbe Buchenwälder: Stärkung einer ökosystem-basierten nachhaltigen Entwicklung“. Das übergeordnete Ziel dieses internationalen Projektes ist es, das integrierte Management der UNESCO Welterbe-Stätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ zu verbessern. Durch die stärkere Einbindung der verschiedenen administrativen Ebenen und die Aktivierung aller relevanten Interessengruppen im Umfeld der Schutzgebiete sollen Qualität und Effektivität des Weltnaturerbe-Managements (Schutz der Integrität der Ökosysteme, regionale Verankerung) in den Teilgebieten erhöht werden. 

Zusammen mit sechs Partnern in fünf europäischen Ländern macht sich die European Wilderness Society für die UNESCO-Weltnaturerbestätte stark. Unter der Leitung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde arbeiten Buchenwald-Welterebestätten in Deutschland, Kroatien, Slowenien, Slowakei und Österreich zusammen, um innovative Modelle für eine nachhaltige Regionalentwicklung in den Welterbe-Regionen zu entwickeln. Neben zahlreichen anderen Aktivitäten soll ein „Buchenwald-Qualitäts-Standard“ erarbeitet werden, der die Verwaltung der Welterbestätten, aber auch öffentliche Stellen sowie Akteure der lokalen Zivilgesellschaft in ihrer täglichen Arbeit unterstützen soll.

Einzigartiges Welterbe

Das serielle Welterbe “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ stellt mit seinen mehr als 40 Buchenwald-Schutzgebieten in 12 europäischen Ländern die größte und komplexeste Welterbestätte der UNESCO dar. Die Welterbestätte in der jetzigen gesamteuropäischen Form besteht erst seit 2017. Sie bietet ein vielfältiges Potenzial für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung von Regionen und Kommunen.Dieses Potenzial muss sich allerdings noch besser entwickeln, findet das internationale Team, das im neuen EU-Projekt „BEECH POWER“ für die nächsten drei Jahre zusammenarbeitet.

Im Austausch mit allen Akteuren wie zum Beispiel den Waldbesitzer*innen und Gemeinden wollen wir gemeinsam Lösungen finden, um klare und wirkungsvolle Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Marcus Waldherr
HNEE-Projektkoordinator

Während die involvierten Schutzgebietsverwaltungen vor ähnlichen Herausforderungen stehen, unterscheiden sich die jeweiligen ökologischen und sozioökonomischen Zusammenhänge auf lokaler und nationaler Ebene erheblich. So sehen sich beispielsweise lokale Verwaltungseinheiten mit einigen Herausforderungen konfrontiert, wenn es um das Management von Pufferzonen, den angrenzenden Bereichen zum Schutzgebiet, geht. Das Projekt aus dem Programm „Interreg-Zentraleuropa“ BEECH POWER bringt Wissenschaftler*innen, Praxispartner*innen und Bürger*innen aus den jeweiligen Regionen zusammen. Anhand dreier Arbeitspakete soll das Management für die Schutzgebiete verbessert werden. Ziel ist die Verbesserung der Qualität und Effektivität des integrierten Managements der gesamten Weltnaturerbestätte. Dies soll durch die stärkere Einbindung von relevanten Behörden, regionalen Akteurinnen und Interessengruppen der Zivilgesellschaft, den Aufbau eines adäquaten Pufferzonen-Managementsystems erreicht werden.

BEECH POWER fördert regionale Prozesse auf internationaler Ebene

Im Rahmen partizipativer Prozesse werden Strategien für eine ökosystembasierte, nachhaltige Entwicklung in der Region erarbeitet. Verschiedene Pilotmaßnahmen beinhalten z. B. die Einrichtung lokaler Arbeitsgruppen, die Durchführung eines Jugend-Austauschprogramms und die Umsetzung einer regionalen Marketingstrategie.Das Projekt trägt erheblich dazu bei, Teilgebiete der Weltnaturerbestätte stärker in der jeweiligen Region zu verankern. Dadurch wird sowohl die Akzeptanz der Schutzgebiete als auch die Identifikation der lokalen Bevölkerung mit dem Weltnaturerbe als regionale Besonderheit von globaler Bedeutung gesteigert, zudem wird auch die lokale bzw. (inter-)regionale Vernetzung relevanter Akteurinnen und die Zusammenarbeit mit den Partner-Schutzgebieten und -Kommunen intensiviert.

Mehr Informationen auf der Projekt-Webseite und Facebook (auf Englisch).

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