Waldbrände wüten in der Arktis

Nachdem in Schweden bereits im April Waldbrände ausgebrochen waren, wüten mittlerweile weltweit riesige Waldbrände in der Arktis und Tundra. Obwohl großflächige Brände in den borealen Wäldern im Sommer normal sind, ist das momentane Ausmaß das größte jemals gemessene.

Mit 1250 km² (50 x 25 km) ist das größte Feuer mehr als 160-mal so groß wie der Waldbrand in Brandenburg Anfang Juni. Bis Ende Juni erreichten bereits fünf Brände eine Größe von 1000 km² und allein Alaska brachen bis zu diesem Zeitpunkt über 300 Feuer aus. Diese Brände staßen mit 50 Megatonnen so viel Kohlendioxid aus, wie Schweden in einem ganzen Jahr und wie alle Brände in der Arktis im Monat Juli von 2010 bis 2018 zusammen. Vom ersten bis 21. Juli wurde nochmal doppelt so viel CO² (100 Megatonnen) emittiert. In diesem Zeitraum bedeckten alleine die Brände in Russland eine Fläche von 30.000 km², so groß wie Belgien.

Temperaturen befeuern Brände in der Arktis

Die regelmäßigen Feuer in der Arktis hängen mit der Bodenbeschaffenheit zusammen. Die oberste Schicht des Permafrostbodens besteht aus Torf, der im Sommer antaut und dann austrocknet. Dieser Prozess hat sich in den letzten Jahren intensiviert, da die Arktis weltweit die Region ist, die durch den Klimawandel bereits die stärkste Erwärmung erfährt. In Sibirien wurden in den Regionen mit den größten Feuern diesen Sommer bis zu 10 °C höhere Bodentemperaturen gemessen. Daher taute deutlich mehr Permafrostboden auf, trocknete aus und ist dadurch leicht entzündlich. Durch die Erderwärmung ist dadurch damit zu rechnen, dass die Waldbrände in der Arktis in der Zukunft noch zunehmen werden. Zusätzlich kann der sich in der Arktis verteilende Ruß, wenn er auf Schnee oder Eis fällt, dazu führen, dass mehr Sonnenlicht absorbiert wird und die Bodentemperatur noch schneller ansteigt.

Tauender Permafrost ist eine Zeitbombe

Zwar kann sich die Natur selbstständig von diesen Feuern erholen und auf dem tauenden Permafrost werden neue Ökosysteme enstehen. Allerdings dauert das Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte und bis dahin stößt der Permafrost beim Auftauen enorme Mengen CO² aus, besonders wenn Waldbrände diesen Ausmaßes Normalität werden sollten. Im Permafrost sind Milliarden Tonnen Kohlendioxid gebunden, die enormen Einfluss auf das Klima haben könnten, wenn sie in die Atmosphäre abgegeben werden. Die momentanen Waldbrände entstehen ohne menschliches Eingreifen und können aufgrund ihrer Größe und Ablegenheit vom Menschen auch nicht kontrolliert werden, daher kann man nur hoffen, dass steigende Temperaturen das Problem nicht noch verstärken und Rückkopplungs-Mechanismen ausgelöst werden, die das weltweite Klima beeinflussen.

Politiker fordern Umlenken in der Forstpolitik

Am 14. Juni fand in Berlin die Konferenz “Die Lunge des Planeten retten – Waldschutz zwischen Berlin und Brasilien” – statt. Das Thema dieser Konferenz war wie Abholzung weltweit gestoppt werden kann und wie Wälder auf den Klimawandel vorbereitet werden können. Bereits vor der Konferenz veröffentlichten die Grünen einen “Aktionsplan für einen gesunden Wald” als Autorinnenpapier des Fraktionsvorsitzenden Dr. Anton Hofreiter und Experten zum Thema Wald der Bundestagsfraktion. Darin betonen sie die diversen Ökosystemdienstleistungen des Waldes und dessen Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel. Diese wichtigen Leistungen kann von einem Großteil des deutschen Waldes jedoch nicht erbracht werden, da dieser aus Monokulturen, v.a. Kiefern und Fichten, besteht. Diese monotonen Forste haben einen sehr hohen Holzeinschlag, unterstützen kaum Biodiversität und sind dem Klimawandel gegenüber sehr verwundbar.

Forderung nach einem naturnahen Wald

Deswegen fordern mehr und mehr Politiker, dass sich die Bundesregierung mehr gegen Abholzung weltweit einsetzt. Mit einem Waldzukunftsfonds sollen Monokulturen zu robusten und biodiversen Ökowäldern umgebaut werden. Außerdem sollen Wälder naturnäher bewirtschaftet werden, ohne schädliche Kahlschläge und mit möglichst geringem Pestizideinsatz. Dazu zählt auch der Schutz der Artenvielfalt durch Erhöhung des Totholzanteils, Schaffung von nicht bewirtschafteten Wilderness-Zonen und die Priorisierung von großen, unzerschnittenen Habitaten in der Landschaftsplanung. Damit beziehen auch die Grünen eindeutig Stellung zu Problemen, die von Naturschutzorganisationen schon lange angekreidet werden. Es sind die gleichen Probleme, die dieses Projekt thematisiert, mit dem das österreichische Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus Informationen sammeln und weiter kommunizieren möchte.

Globale Abholzung muss gestoppt werden

Weiterhin thematisiert das Autorinnenpapier auch globale Probleme. Der Holzverbrauch steigt weltweit, obwohl ein Großteil des Holzes für Einmalprodukte und als Brennstoff genutzt wird. Zum Waldschutz gehört auch die nachhaltige Nutzung von Holzprodukten. Dies ist besonders wichtig, da immer noch massenhaft Holz durch die Abholzung von Tropenwäldern gewonnen wird. Im diesem Zusammenhang thematisiert das Papier auch die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeits-Zertifizierungen, über die wir bereits berichteten LINK!, und das gerade beschlossene Freihandelsabkommen Mercusor, das in den Augen von Kritikern zur weiteren Abholzung in Südamerika beitragen könnte.

Podiumsdiskussion

Das Hauptelement der Konferenz war eine Podiusmdiskussion mit vorangehenden Reden von Anton Hofreiter und Peter Wohlleben, einem bekannten Autor und Advokaten für ökologische Waldwirtschaft. An der Podiumsdiskussion nahmen außerdem der Steffi Lemke, die Sprecherin für Naturschutzpoltik der Grünen, Adriana Ramos, Umweltjuristin eines brasilianischen NGOs, und Pierre Ibisch, Professor an der HNE Eberswalde, teil. Die Aufzeichnung der Podiusmdiskussion finden sie hier, die danach stattfindenden parallelen Panels sind leider nicht online verfügbar.

Buchensterben im Nationalpark Hainich

Nachdem wir bereits berichtet haben, dass die Dürre von 2018 und 2019 dieses Jahr vermehrt zu Waldbränden in Ostdeutschland geführt hat, leiden mittlerweile sogar die Buchenwälder im Nationalpark Hainich und anderen Teilen Thüringens unter der Trockenheit. Der Schaden ist so groß, dass man von einem Buchensterben reden muss und teilweise ein Drittel aller Buchen kahl sind und vor dem Betreten des Waldes gewarnt wird, weil die ausgetrockneten Bäume nicht mehr standsicher sind.

Forest Fire Treuebrietzen Brandenburg
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Experten verzweifeln an Buchensterben

Das Ausmaß des Buchensterbens hat viele Experten geschockt. Die Waldbrände in Ostdeutschland sind zum Großteil nicht nachhaltiger Waldwirtschaft geschuldet, da große Kiefer-Monokulturen angelegt wurden, die zwar viel Ertrag bringen, aber sehr anfällig sind. Jetzt wird jedoch klar, dass die anhaltende Dürre auch naturnahen Buchenwäldern gefährlich wird, die resilienter gegenüber Trockenheit sind. Der Nationalpark Hainich beinhaltet nicht nur den größten zusammenhängenden Laubwald Deutschlands, er ist auch Teil des UNESCO-Weltnaturerbes und zeritifziertes WILDForest-Gebiet. Sollte dieses einmalige Ökosystem nun aufgrund des Klimawandels verloren gehen, wäre das ein herber Rückschlag für den Schutz von Urwäldern in Deutschland.
Dieses dramatische Situation bestätigt die Dringlichkeit des transnationalen Projekts BEECH POWER, in dem auch der Nationalpark Hainich involviert ist. Dieses Projekt soll das Management des UNESCO-Weltnaturerbes, dass über mehrere europäische Länder verteilt ist, koordinieren.

Neue Studie erneuert Kritik an FSC-Siegel

Das Forest Stewardship Council wurde 1993 als gemeinsame Initiative von Forstwirtschaft und Umweltschutzorganisationen gegründet, um soziales und ökologisches Management von Wäldern zu zertifizieren. Jedoch decken verschiedene Organisationen und Medien immer wieder Probleme mit dem Siegel auf. Während viele darauf hofften, dass die FSC-Zertifizierung dazu beitragen würde, die Abholzung von tropischen Regenwäldern zu verlangsamen, wurde gerade in diesem Gebiet oft Kritik geübt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Heterogenität des Siegels. In jedem Land gelten von der jeweiligen nationalen Arbeitsgruppe festgelegte Standards, die teilweise stark voneinander abweichen. In manchen Ländern werden so Plantagen und Monokulturen als nachhaltig zertifiziert, obwohl Umweltschützer immer wieder massiver Kritik an diesen Formen üben. Auch die Transparenz und der Umgang mit Kritik ruft regelmäßig Kritik am FSC hervor.

Abholzung von Urwäldern

Bereits 2016 berichtete die European Wilderness Society mehrfach darüber, wie in Rumänien von einem FSC-zertifizierten Unternehmen einige der letzten Urwälder Europas illegal abgeholzt wurden. Dieser Vorfall resultierte in massiven Protesten und dem Entzug des FSC-Siegels. Der öffentliche Widerstand bildete sich auch, weil diese Urwälder Teil des Unesco-Weltnaturerbes “Ancient and Primeval Beech Forests of the Carpathians and Other Regions of Europe” sind. 2018 ist die Kritik so hoch gekocht, dass Greenpeace als Gründungsmitglied seine Mitgliedschaft beendet hat. Auch Greenpeace bemängelte die heterogenen Standards, mangelnde Transparenz und besonders, dass Holz mit FSC-Siegel teilweise aus Urwäldern stammt. Auch der Sender Arte nahm sich 2018 dieses Problems und beleuchtete in einer 45-minütigen Dokumentation die Probleme des FSC. Oft wird das Siegel als “Greenwashing” bezeichnet, mit dem Forstunternehmen versuchen ihren Produkten einen nachhaltigen Anstrich zu verpassen.

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Hat das FSC-Monitoring überhaupt einen Effekt?

Vor diesem Hintergrund hat der WWF, offizieller Unterstützer des FSC, eine Studie in Auftrag gegeben, um den Effekt der FSC-Zertifizierung zu überprüfen. Im Rahmen dieser Studie untersuchte die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in einem Gebiet in Westrussland, ob sich die FSC-zertifizierte Bewirtschaftung der Wälder im Vergleich zu herkömmlicher Nutzung positiv auf den ökologischen Zustand der Wälder auswirkt. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Bewirtschaftung unter FSC-Richtlinien sich nicht ökologisch positiv auswirkt. Der Hauptkritikpunkt ist der Einsatz von großflächigen Kahlschlägen. Dieser lässt den Boden äußerst verwundbar gegenüber Austrocknung zurück und ist gerade im Angesicht der Dürre 2018/19 äußerst problematisch. Dieses Holz landet mit FSC-Siegel im europäischen Handel, wo es von FSC-zertifizierten Holz aus anderen Ländern mit strengeren Regeln nicht zu unterscheiden ist.

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Europa wird erdrückt von einer Welle von Waldbränden

Wie es bereits im Frühjahr absehbar war, ist 2019 wieder ein Hitzerekord-Jahr. Nachdem 2018 das weltweit heißeste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn war, ist auch dieses Jahr bisher außergewöhnlich trocken und heiß. Der Juni 2019 war gar der weltweit heißeste Juni aller Zeiten. Viele Teile Europas leiden unter einer Hitzewelle, die eine nie dagewesene Zahl an Waldbränden ausgelöst hat.

Dürre seit 2018

Durch die Hitze und Trockenheit 2018 litten die Wälder bereits Anfang dieses Jahres unter zu trockenen Böden. Auch im Frühjahr fiel nicht genug Niederschlag, um dies wieder auszugleichen. Obwohl die Hauptsaison für Waldbrände natürlicherweise der heiße und trockene Sommer ist, führte diese Dürre bereits früh zu immensen Waldbränden in Skandinavien. Auch in Deutschland warnte unser Experte Pierre Ibisch im April wegen der andauernden Dürre vor zunehmenden Waldbränden.

Massive Waldbrände in Ostdeutschland

Genau diese Befürchtungen haben sich im Juni bewahrheitet. Nachdem Brandenburg Anfang Juni bereits den größten Waldbrand seit den 1970ern erlebt hat, wurde es Ende des Monats noch ernster. Der Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern brach genau während der Hitzewelle aus und konnte lange kaum kontrolliert werden. Erst nachdem der Rauch bis ins 350 km entfernte Dresden gezogen war und mehrere Gemeinden evakuiert werden mussten, konnte das Feuer unter Einsatz von hunderten Helfern von Feuerwehr, Bundeswehr und anderen Organisationen unter Kontrolle gebracht werden. Diese zwei Waldbrände sind nur die Spitze des Eisbergs, allein in Brandenburg gab es im ersten Halbjahr 2019 277 Waldbrände. Die in Ostdeutschland weit verbreiteten Fichten-Monokulturen bieten den idealen Nährboden für Feuer, da sie Feuchtigkeit viel schlechter halten können als naturnahe Mischwälder.

Rekordjahr 2019

Das Problem ist jedoch europaweit. Auch Spanien und Frankreich hatten dieses Jahr bereits mit massiven Feuern zu kämpfen. In ganz Europa gab es dieses Jahr achtmal so viele Waldbrände wie normalerweise in der ersten Hälfte des Jahres. Und selbst verglichen zum Rekordjahr 2018 ist die Situation jetzt schon dramatischer. Obwohl die typische Waldbrand-Saison im Sommer noch aussteht, zeichnet sich 2019 jetzt schon als Rekordjahr im Bezug auf Waldbrände ab.

Zwar lässt sich die Zukunft nicht voraussagen, aber dies könnte erst der Anfang einer andauernden Entwicklung sein. Das kommende Jahrzehnt könnte das wärmste aller Zeiten werden und das Problem von Waldbränden noch dramatischer machen. Noch können gesunde und naturnahe Wälder der Dürre widerstehen, sollte diese jedoch anhalten, sind sämtliche Wälder in Gefahr (s. Interview).

Feuerwehren nicht genug auf Waldbrände vorbereitet

Die zunehmenden Waldbrände haben auch gezeigt, dass viele Feuerwehren nur unzureichend auf Waldbrände vorbereitet sind. Es fehlen den Feuerwehrleuten leichte Bekleidung, um sich im Gelände bewegen zu können, viele Löschfahrzeuge sind nicht geländegängig genug und die Werkzeuge sind auf die Brandbekämpfung in Gebäuden optimiert. Darüber hinaus fehlt es an Fachwissen hinsichtlich Waldbränden, wie man es in Südeuropa und in den USA schon seit Jahren aufgebaut hat. Nur Löschpanzer alleine reichen leider nicht.

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Bereits Waldbrände in Schweden

Aufgrund der viel zu geringen Niederschläge diesen Winter brennt es bereits im Süden Schwedens – und das sehr viel früher als gewöhnlich. Im Frühjahr ist schon immer die Gefahr von Grasbrände hoch gewesen bis das neue frische Gras das abgestorbene Gras vom Vorjahr abgedeckt hat. Das Risiko von Waldbränden steigt in der Regel erst in den trockenen Sommermonaten an. In diesem Jahr ist aber alles vieles anders. Die Grasbrände und die Trockenheit überlagern sich und führen zu heftigen und zahlreichen Waldbrände. Derzeit sind bereits 15 Waldbrände und mehr als 50 Grasbrände gezählt worden und es herrscht die Angst, dass 2019 noch schlimmer als 2018 wird, was wiederum als das Jahr galt wo es die schlimmsten Waldbränden seit mehr als 100 Jahren gab.

Auch Norwegen leidet bereits unter der Trockenheit und der Waldbrandgefahr.

Deutschland leidet bereits unter Wassermangel

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes könnte uns dieses Jahr wieder ein Dürresommer erwarten. Anhaltender Wassermangel, quasi kaum noch Bodenfeuchtigkeit – das trifft vor allem uns in Ostdeutschland und unsere ausgetrockneten Wälder. Die weit verbreiteten Kiefer-Monokulturen sind besonders anfällig gegen Trockenheit und damit dem Klimawandel ausgeliefert. Sollte sich so lange Dürreperioden im nächsten Jahrzehnt mehren, wie es manche Experten befürchten, könnte dies eine ernstzunehmende Gefahr für deutsche Wälder werden. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und Fachexperte bei diesem Projekt dazu im Interview:

Experten rechnen mit Dürresommer und Wassermangel