FeaturedWebinare zum Thema Wald

Am 23.7. starten wir eine Reihe von Webinare / Online-Fachvorträgen. In Abständen von ca. zwei Wochen berichten Experten von ihren Erfahrungen und Ideen, warum Biodiversität im Wald so wichtig ist, wie sie geschützt werden kann und wie die Zukunft unserer heimischen Wälder aussehen könnte.

Unsere Fachvorträge und Webinare bieten zahlreiche Fallbeispiele aus Österrreich und europäischen Nachbarländern mit dem Ziel, die schrittweise Anpassung der österreichischen Forstpolitik an die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte aufgrund von Klimaveränderungen zu unterstützen. Die Vorträge unterstützen auch den Blick auf faunistische und floristische Biodiversität in Wald und Waldrandumgebung aus mehreren Perspektiven.

Webinare zu diversen Themen

Die Fachvorträge stellen innovative Ansätze aus Österreich und anderen Ländern Europas vor, um unsere Wälder zukunftsfähig zu gestalten. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Biodiversität. Diese wird auf mehreren Perspektiven beleuchtet. Einerseits aus der Perspektive des gezielten Waldbaus, wie der Wahl der Arten für Wirtschaftsbäume, andererseits mit Sicht auf die natürliche Biodiversität mit Fokus auf gefährdete Arten und wichtige Ökosystemprozesse. Dabei wird reflektiert, wie diese Ansätze großflächig in Österreich umgesetzt werden können. Themen umfassen z.B. folgende:

  • Auswirkungen von Forstmaßnahmen auf die Waldökosysteme
  • Management von Wildtieren
  • Unterschiede in der Wald- und Wildtierbewirtschaftung in und außerhalb von Schutzgebieten
  • Gesetzlicher Rahmen und Leitlinien für staatlichen und privaten Forst
  • Gezielter Einsatz von zukunftsfähigen Baumarten im Waldbau
  • Gefahren durch zunehmende Trockenheit
  • Prävention, Bekämpfung und Wiederaufforstung von / nach Waldbränden
  • Naturnahes Waldmanagement als klimaresilientes Model

Eingeladen zu den Fachvorträgen sind staatliche und private Waldmanager und andere Interessierte. Konkrete praktische Praxisbeispiele spielen eine wichtige Rolle und nach jedem Vortrag wird es Raum für Fragen und Diskussionen geben. Die Anmeldung für die Vorträge können Sie auf der Infoseiten der Veranstaltungen vornehmen.

Informationen auf Webseite und in Journalen

Falls Sie nicht an dern Webinaren teilnehmen können, können Sie sich auch auf dieser Webseite über unsere Themen informieren. Hier erscheinen regelmäßig Artikel, die Sie über einzelne Themen informieren. Zusätzlich erscheinen vier Journale, die unsere Themen zusammenfassen und ansprechend präsentieren.

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Unsere Exkursionen: Von der echten in die virtuelle Welt

Eigentlich hatten wir im Laufe diese Projektes drei Exkursionen nach Brandenburg, Italien und in die Slowakei geplant. Aufgrund von Covid-19 können wir diese 2020 allerdings nicht anbieten. Nichtsdestotrotz möchten wir die Erkenntnisse, die in unserer Vorbereitung gewonnen haben, aber nicht für uns behalten.

Zum Thema: Unsere Webinarreihe

2019 waren wir zuerst in Brandenburg im Forst Treuebrietzen, dann im Nationalpark Majella in Italien und zu guter Letzt in im ‘Slowakischen Paradies’ (Slovensky raj), um unsere Exkursionen zu verschiedenen Themen vorzubereiten. In Treuebrietzen haben wir und von Prof. Pierre Ibisch, einem Experten für Waldökologie der Hochschule Eberswalde, zeigen lassen wie Flächen nach einem Waldbrand wieder regenerieren. In Majella haben wir gelernt, wie sich der Klimawandel auf den dortigen Wald auswirkt und wie die Natur sich selbst heilt, wenn man ihr den Raum dazu gibt. Und in der Slowakei, wo Bären und Wölfe noch zum Alltag gehören, haben wir erfahren wie große Beutegreifer den Wald positiv beeinflussen und wie die Menschen dort friedlich mit ihnen zusammenleben.

Webinare statt Exkursionen

Wie alle anderen auch hat uns die rasante Ausbreitung von Covid-19 überraschend und hart getroffen. Noch im März haben wir mit Hochdruck daran gearbeitet, die Exkursionen von Juni bis September stattfinden zu lassen. Nach einigen turbulenten Wochen war jedoch klar, dass internationale Reisen in Gruppen diesen Sommer weder planbar noch verantwortlich sein werden.

Zwar sind wir enttäuscht, dass wir unsere Exkursionen in die besuchten Gebiete nicht durchführen können. Dank moderner Technologie sind wir aber trotzdem in der Lage, die Erfahrungen aus diesen Fällen mit einer breiten Öffentlichkeit zu teilen. Deswegen haben wir aus jedem der drei Gebiete Experten dazu eingeladen, sich an unser Webinarreihe zu beteiligen und ihr Erfahrungen mit Interessierten zu teilen.

Genaue Termine und Themen stehen zwar noch nicht jedoch fest. Wenn sich Sie sich für unseren Newsletter eintragen, werden Sie jedoch sofort informiert, wenn es Neuigkeiten gibt.

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BEECH POWER: Alte Buchenwälder in Europa schützen

Seit 2019 läuft das Projekt „BEECH POWER – Welterbe Buchenwälder: Stärkung einer ökosystem-basierten nachhaltigen Entwicklung“. Das übergeordnete Ziel dieses internationalen Projektes ist es, das integrierte Management der UNESCO Welterbe-Stätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ zu verbessern. Durch die stärkere Einbindung der verschiedenen administrativen Ebenen und die Aktivierung aller relevanten Interessengruppen im Umfeld der Schutzgebiete sollen Qualität und Effektivität des Weltnaturerbe-Managements (Schutz der Integrität der Ökosysteme, regionale Verankerung) in den Teilgebieten erhöht werden. 

Zusammen mit sechs Partnern in fünf europäischen Ländern macht sich die European Wilderness Society für die UNESCO-Weltnaturerbestätte stark. Unter der Leitung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde arbeiten Buchenwald-Welterebestätten in Deutschland, Kroatien, Slowenien, Slowakei und Österreich zusammen, um innovative Modelle für eine nachhaltige Regionalentwicklung in den Welterbe-Regionen zu entwickeln. Neben zahlreichen anderen Aktivitäten soll ein „Buchenwald-Qualitäts-Standard“ erarbeitet werden, der die Verwaltung der Welterbestätten, aber auch öffentliche Stellen sowie Akteure der lokalen Zivilgesellschaft in ihrer täglichen Arbeit unterstützen soll.

Einzigartiges Welterbe

Das serielle Welterbe “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ stellt mit seinen mehr als 40 Buchenwald-Schutzgebieten in 12 europäischen Ländern die größte und komplexeste Welterbestätte der UNESCO dar. Die Welterbestätte in der jetzigen gesamteuropäischen Form besteht erst seit 2017. Sie bietet ein vielfältiges Potenzial für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung von Regionen und Kommunen.Dieses Potenzial muss sich allerdings noch besser entwickeln, findet das internationale Team, das im neuen EU-Projekt „BEECH POWER“ für die nächsten drei Jahre zusammenarbeitet.

Im Austausch mit allen Akteuren wie zum Beispiel den Waldbesitzer*innen und Gemeinden wollen wir gemeinsam Lösungen finden, um klare und wirkungsvolle Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Marcus Waldherr
HNEE-Projektkoordinator

Während die involvierten Schutzgebietsverwaltungen vor ähnlichen Herausforderungen stehen, unterscheiden sich die jeweiligen ökologischen und sozioökonomischen Zusammenhänge auf lokaler und nationaler Ebene erheblich. So sehen sich beispielsweise lokale Verwaltungseinheiten mit einigen Herausforderungen konfrontiert, wenn es um das Management von Pufferzonen, den angrenzenden Bereichen zum Schutzgebiet, geht. Das Projekt aus dem Programm „Interreg-Zentraleuropa“ BEECH POWER bringt Wissenschaftler*innen, Praxispartner*innen und Bürger*innen aus den jeweiligen Regionen zusammen. Anhand dreier Arbeitspakete soll das Management für die Schutzgebiete verbessert werden. Ziel ist die Verbesserung der Qualität und Effektivität des integrierten Managements der gesamten Weltnaturerbestätte. Dies soll durch die stärkere Einbindung von relevanten Behörden, regionalen Akteurinnen und Interessengruppen der Zivilgesellschaft, den Aufbau eines adäquaten Pufferzonen-Managementsystems erreicht werden.

BEECH POWER fördert regionale Prozesse auf internationaler Ebene

Im Rahmen partizipativer Prozesse werden Strategien für eine ökosystembasierte, nachhaltige Entwicklung in der Region erarbeitet. Verschiedene Pilotmaßnahmen beinhalten z. B. die Einrichtung lokaler Arbeitsgruppen, die Durchführung eines Jugend-Austauschprogramms und die Umsetzung einer regionalen Marketingstrategie.Das Projekt trägt erheblich dazu bei, Teilgebiete der Weltnaturerbestätte stärker in der jeweiligen Region zu verankern. Dadurch wird sowohl die Akzeptanz der Schutzgebiete als auch die Identifikation der lokalen Bevölkerung mit dem Weltnaturerbe als regionale Besonderheit von globaler Bedeutung gesteigert, zudem wird auch die lokale bzw. (inter-)regionale Vernetzung relevanter Akteurinnen und die Zusammenarbeit mit den Partner-Schutzgebieten und -Kommunen intensiviert.

Mehr Informationen auf der Projekt-Webseite und Facebook (auf Englisch).

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Was ist die Antwort auf das Waldsterben?

Nach den Katastrophenjahren 2018 und 2019 für den mitteleuropäischen Wald ist klar, dass wir eine Antwort brauchen. Besonders betroffen war Deutschland, wo deswegen seit spätestens letztem Sommer eine hitzige Debatte geführt wird, wie man den deutschen Wald auf die Zukunft vorbereiten kann. Alle Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber eine nicht standortgerechte Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten ist.

Besonders die uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten werden kritisiert. Diese wurden seit dem zweiten Wetlkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind.

Politik greift zu schneller Antwort

Die deutsche Politik war schnell eine einfache Antwort zu liefern: Aufräumen und Aufforsten! Dieser Ansatz bekämpft zwar kurzfristig das Symptom, aber nicht langfristig die Ursache. Statt überhetzt gepflanzten Monokulturen, die der nächsten Dürreperiode wieder zum Opfer fallen, brauchen wir einen Wald, der den Wetterextremen der Klimakrise gegnüber resilient ist.

Die Krux in der Fortwirtschaft sind die vielfältigen Interessen aus verschiedenen Richtungen. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, wo Wald als wirtschaftliches Vermögen angesehen wird und das auf möglichst viel Ertrag von möglichst billigem Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine unendliche Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

Wo sich die meisten einig sind, ist, dass der Forstsektor in Deutschland seit vielen Jahren vernachlässigt wurde. An vielen Stellen wurde so viel Personal gestrichen, dass der schon seit langem forcierte Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern oft kaum vorankam. Zusätzlich beklagen Forschungsinstitute und Universitäten, dass Forschung zu einem zukunftsfähigen Wald in Zeiten der Klimakrise vernachlässigt wurde. Außerdem müsse erforscht werden, wie die Holzverwertung geändert werden könne, um eine naturnahe Bewirtschaftung profitabel zu machen. Deswegen wird jetzt gefordert, wieder mehr Personal einzustellen und neue Kapazitäten in der Waldforschung zu schaffen.

Kann der Wald die Antwort selbst liefern…

Experten, die die ökologische Funktion des Waldes in den Vordergrund stellen, haben zwei Kernforderungen: eine Neudefinierung der Nachhaltigkeit und mehr Vertrauen in die natürliche Regeneration des Waldes. Im Mutterland der Nachhaltigkeit wird kritisiert, dass der Begriff bis heute zu einseitig ausgelegt wird und sich nur auf die eingeschlagene Holzmenge bezieht. Die vielfältigen Ökosystemdienstleistungen und andere sozio-ökonomische Nutzen werden außer Acht gelassen.

Ausgehend von der Annahme, dass wir nicht genug darüber wissen, wie sich die klimatischen und biotischen Faktoren in den nächsten Jahrzehnten ändern werden, lehnen diese Experten übereilten Aktionismus als schnelle Antwort ab. Sie unterstützen eine natürliche Regeneration der zerstörten Waldflächen. Natürlich gewachsene Wälder hätten die größte Resilienz gegen Änderungen der Standortbedingungen. Zu einer natürlichen Regeneration gehört das Zurücklassen von Totholz im Wald und eine Reduktion des Wildbestandes oder Einzäunung von Regenerationsflächen, da in Deutschland ebenso wie in Österreich die Wilddichte durch unzureichende Jagd und zusätzliche Fütterung so hoch ist, dass sie die natürliche Verjüngung des Waldes einschränkt.

… oder müssen wir eingreifen?

Andere Experten stellen die Holzproduktion in den Vordergrund. Für sie ist die Antwort ein gezielter Waldumbau mit trocken- und hitzeresistenten Arten. Auch sie fordern, die Arten- und Altersstruktur im Wald vielfältiger zu gestalten und die Palette von eingesetzten Arten zu erweitern. Dabei setzen sie vor allem auf Baumarten aus Südeuropa, Zentralasien und Amerika, wo Dürre und Hitze normal sind. Seit einigen Jahren werden diese Bäume auf ihre Tauglichkeit in Mitteleuropa getestet, jedoch bleiben Fragen, wie sie sich auf die heimische Biodiversität auswirken.

Und was ist die langfristige Antwort? Hier sind sich viele Experten einig. Wir brauchen eine naturnähere Bewirtschaftung der Wälder und eine schonendere Holzernte. Das schützt Vielfalt, Boden und Wasser in Wäldern, was existenziell für ihre Resilienz gegenüber sich ändernden Klimaverhältnissen ist.

2019 – Der Globus in Flammen

Rund um die Welt haben 2018 und 2019 Wälder gebrannt. Die Brände unvorstellbaren Ausmaßes in Australien setzten dem Ganzen zu Ende letzten Jahres und Beginn dieses Jahres noch einmal die Krone auf. Nachdem diese Brände endlich gelöscht sind, ist es Zeit Bilanz zu ziehen.

Start in Kalifornien 2018

Das besondere in diesen zwei Jahren war das schiere Ausmaß der Feuer. Fast alle biogeografischen Regionen der Welt litten zu verschiedenen Zeitpunkten unter Waldbränden außergewöhnlichen Ausmaßes. Begonnen hat alles in Kalifornien, wo von Juli bis November 2018 Brände ungekannten Ausmaßes wüteten. Weiter ging es im Frühling und Sommer 2019 mit massiven Bränden in den borealen Wäldern rund um den Globus. Allein in Russland brannte Wald in der Größe Belgiens. Auch wenn großflächige in borealen Wäldern normal sind, war sowohl das Ausmaß als auch der frühe Zeitpunkt, zu dem die Feuersaison startete, außergewöhnlich.

Sowohl Norden als auch Süden in 2019 betroffen

Im Laufe des Sommers 2019 wechselte die Aufmerksamkeit dann von der Nord- zur Südhalbkugel des Planeten. Es verwundert kaum, dass der heißeste jemals gemessene Monat weltweit – Juli 2019 – von Feuern auf der ganzen Welt geprägt war. Während die Feuer in der Arktis weiter brannten, breiteten sich Feuer im Amazonas und anderen tropischen Wäldern in Afrika und Asien aus. Gerade im Amazonas ist das Problem menschengemacht. Immer weiter werden Waldflächen für Viehzucht oder Landwirtschaft für den globalen Markt gerodet. In den Feucht- und Trockenwäldern Südamerikas verändert dies den Wasserhaushalt grundlegend, was die Chance von Feuern erhöht. Im Gegensatz zu borealen Wäldern, mediterranen Trpckenwäldern oder afrikanischen Savannen, kommen große Waldbrände hier nicht natürlich vor.

Waldbrand in Treuebrietzen, Deutschland

Alle Kontinente betroffen

Nachdem die Brände im Amazonas, der “grünen Lunge des Planeten” viel mediale Aufmerksamkeit absorbiert hatten, wurde im Laufe des Jahres klar, dass in Afrika sogar noch mehr Feuer wüteten. Die Brände dort waren zwar zum Großteil in Savannen, wo regelmäßige Buschbrände notwendig für die Regeneration des Ökosystems sind, aber auch hier waren die Anzahl an Feuern deutlich höher als in einer normalen Feuersaison. Und auch in den Regenwäldern Indonesiens wüteten Waldbrände, die ganze Städte in Rauchschwaden hüllten. Damit alle drei Hotspots der tropischen Artenvielfalt massiv betroffen.

Gegen Ende des Jahres drehte sich die Weltöffentlichkeit dem fünften Kontinent zu – Australien. Auf der Südhalbkugel, wo die Jahreszeiten vertauscht sind, begann die Feuersaison im Oktober, also im Frühjahr statt wie normal im heißen Sommer. Insgesamt haben unglaubliche 200.000 km² – mehr als die doppelte Fläche Österreichs – von Oktober bis März gebrannt. Dabei sind Millionen von Tiere ums Leben gekommen.

Und auch in Europa führten die Rekordjahre 2018 und 2019 zu verheerenden Bränden über den ganze Kontinent verteilt. Feuer wüteten von Spanien über Frankreich bis Zentraleuropa und von der Arktis bis zum Mittelmeer. Selbst in Regionen wie den Kanarischen Inseln und Zypern, wo Feuer zum natürlichen Kreislauf der Natur gehört, war man vom Ausmaß überfordert.

Deutschland wird 2019 hart getroffen

Besonders überfordert war Deutschland, wo über 1 000 km² Wald zerstört. wurden Das ist zwar nicht vergleichbar mit Australien, wo 200 000 km² brannten, aber in Relation zu Größe und Feuerresistenz des deutschen Waldes trotzdem verheerend. Schätzungen gehen davon aus, dass 300 Millionen Bäume nötig sind, um die Schäden zu regnerieren. Außerdem sind Schäden im Bereich von Hunderten Milliarden Euro entstanden. Neben Brandschäden waren hier vor allem Schädlinge verheerend. Durch die langanhaltende Dürre und Hitze waren viele Bäum zu schwach, um sich gegen die Schädlinge zu wehren. Dadurch konnten Borkenkäfer, Pilze, Krankheitserreger und Insekten außergewöhnlich viel Schaden anrichten. Dies gilt besonders für Nadel-Monokulturen, wo sich Schädlinge durch die uniforme Struktur besonders gut vermehren können.

Manche Experten sehen den deutschen Wald bereits am Rande des Kollaps. Das Waldsterben ist deutlich schlimmer als das Waldsterben der Achtzigerjahre, dem mit effektiven lokalen Maßnahmen schnell Einhalt geboten werden konnte. Ein weiteres Problem ist, dass Forstbesitzer auf dem Schadholz sitzen bleiben. Durch die immensen Schäden weltweit im Jahr 2019 ist der Preis für Schadholz dermaßen gefallen, dass sich die Bergung oft nicht lohnt.

Von der Ausnahme zur Regel

All diese Meldungen zeigen, dass der Einfluss der Klimakrise auf den Wald weltweit nicht mehr zu leugnen ist. Auch wenn 2019 ein Ausnahmejahr war, die Klimakrise wird Jahre wie diese zur Regel machen und das letzte Jahr lehrt uns, welche verheerenden Schäden das bewirkt. Mit unserer Hilfe können sich die Wälder wieder von diesen Schäden erholen. Wenn immer wärmeres Klima diese Bedingungen jedoch zur Regel macht, wird es keine Regenerationsphasen mehr für den Wald geben.

Waldsterben – wie hilft die Politik?

Schon in den 1980er Jahren wurde, auf Grund des sauren Regens, von einem Waldsterben berichtet und auch heute wird dieser Begriff wieder verwendet. Nun fällt auch häufiger der Begriff Waldsterben 2.0. Unsere Wälder wurden in naher Vergangenheit stark strapaziert. Durch die immensen Schäden und Stressfaktoren geht es dem Wald nicht besonders gut, wie zahlreiche Berichte erzählen. Trockenstress, Brände, Stürme und Borkenkäfer machen den vielerorts nur aus Nadelreinbeständen bestehenden Wäldern zu schaffen. Weitere Informationen finden sich auch in anderen hier erschienenen Postings und dem vorherigen Teil dieser Serie.

Von den insgesamt 11,4 Millionen Hektar bestockte Waldfläche, was ca. 32% der Gesamtfläche Deutschlands entspricht, sind laut Angaben des Bundesumweltamtes schon 180 000 Hektar zerstört. Das waren 70 000 Hektar mehr als zu Beginn angenommen wurde. Bei einer Waldfläche von 11,4 Millionen Hektar entspricht das einem Verlust von ungefähr 1,6%. Wie viel anfälliger die Wälder für die zukünftigen Herausforderungen sind, kann allerdings nicht gesagt werden. Auch ob die verbleibenden Wälder resilient sind oder nicht, bleibt abzuwarten.

Lösungen für das Waldsterben?

Was aber macht die Politik in diesem Thema? Insgesamt, so wurde es beschlossen, sollen 800 Millionen Euro für die Rettung des Waldes zusammenkommen. Der Bund stellt insgesamt 547 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Mit den Zuschüssen der Länder wird dann die Gesamtsumme erreicht. Es sollen Privatwaldbesitzer unterstützt werden, sowie Forstpersonal ausgebildet und die Wiederbewaldung der geschädigten Flächen in Gang gebracht werden.

Weiterhin möchte Bundesagrarministerin Julia Klöckner ein „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“ zur Aufforstung der Wälder. Damit möchte sie den Verlust der jetzt vorhandenen Flächen wieder ausgleichen. Das Geld soll allerdings nicht als Schadensersatz dienen, sondern zur Anpassung gegen den Klimawandel verwendet werden. Dabei sollen dem Klima angepasste Mischwälder auf den neuen Flächen entstehen. Auch sollen die Borkenkäferherde eingegrenzt und das Schadholz aus dem Wald geholt werden, um die Flächen dann bereit zur Aufforstung zu machen.

Neue Buchreihe über UNESCO Buchenwälder

Seit nunmehr einigen Jahren sind zwei österreichische Buchenwälder als UNESCO Weltnaturerbe gelistet. Um das zu feiern, fand im Oktober 2019 ein drei-tägiges Symposium in Bad Langensalza (Deutschland) statt. Hier wurde auch die Fertigstellung der Buchreihe über das UNESCO Weltnaturerbe “Buchenwälder” in Deutschland zelebriert. Die fünfteilige Buchserie erzählt Geschichten zu den fünf Wäldern in der Müritz, Schorfheide-Chorin, Hainich, Kellerwald-Edersee und Jasmund.

Eine wichtige Rolle spielte dabei der Natur&Text Verlag. Dieser half, die Feierlichkeiten zu organisieren und verkauft die Bücher auf ihrer Website. Das Ziel des Verlages ist es, die Bücher der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Buch über den UNESCO Buchenwald Jasmund

Seit über 200 Jahren hat sich der Jasmund mit seinen berühmten Kreidefelsen zu einer nahezu magischen Attraktion entwicklet. Die wilde, prächtige Küstenlandschaft und die Fragmente der wilden Buchenwälder inspiriert auch heute die Leute. Dazu kommt, dass die Kreidefelsen der Küste Jasmunds eine der wildesten und dynamischsten in Deutschland und Zentraleuropa ist.

Buchen dominieren schon seit tausenden Jahren die Wälder Jasmunds. Die Einzigartigkeit dieses Ortes liegt darin, dass die Buchenwälder bis an das Meeresufer der Ostsee reichen. Vom Klippenrand fallen sie wortwörtlich in die See und in den Schluchten und stillen Hängen reichen sie bis an die Küste. Diese und viele andere Geschichten über den Jasmund und seine Buchenwälder kann in dem kürzlich veröffentlichten Buch “Nationalpark Jasmund: Weltnaturerbe auf Rügen” nachgelesen werden.

Die Besonderheiten der Buchenwälder

Da die Buche in kleinen Arealen in den Alpen, Pyrenäen und Karpaten die letzte Eiszeit überlebt hat konnte sie sich nach ihrem Ende wieder über Europa ausbreiten. Ein Beispiel für die erfolgreiche Ausbreitung von Buchen ist ihre Anpassungsfähigkeit und Toleranz gegenüber verschiedensten klimatischen, geographischen und physikalischen Bedingungen. Weiterhin ist die Buche eine Schattbaumart, was bedeutet, dass junge Buchen jahrelang mit wenig Licht zurechtkommen können. Dies ist eine nützliche Überlebensstrategie, da Jungbäume häufig jahrelang unter dem schattigem Kronendach wachsen müssen.

Ohne menschliche Eingriffe würde die Buche ein viel größeres Gebiet in Europa einnehmen und die europäischen Wälder würden typischerweise von den Buche dominiert sein. Buchenwälder spielen somit eine wichtige Rolle in der Zusammensetzung von Wäldern in Europa. Zusätzlich bieten sie mehr als 10 000 Arten einen Lebensraum, spezialisierte Arten mit eingeschlossen.

Buchenwald Jasmund

Europäische Buchenwald Netzwerk

Gezielte Langzeit-Untersuchungen haben ergeben, dass vor vielen Jahren die Buchenwälder ein wichtiges Element der europäischen Natur waren, im speziellen für das Walderbe. Allerdings wurde erst 2017 das “Europäische Buchenwald Netzwerk” formell geschaffen. Das Netzwerk ging während dem Vorbereitungsprozess der Erweiterung des Weltnaturerbes “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas” hervor.

BEECH POWER

Im April 2019 hat die European Wilderness Society mit sechs weiteren Partnern ein neues Interreg Projekt mit dem Namen BEECH POWER initiiert. Dieses Projekt ist eine gute Möglichkeit ein neues Managementsystem für Buchenwälder zu entwickeln. Im Fokus stehen die Urwälder des UNESCO Weltnaturerbes “Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas”. BEECH POWER möchte die Managementqualität und -effektivität des Weltnaturerbes verbessern. So soll die Unversehrtheit von einzelnen Komponenten eines Ökosystems gesichert sein. Des Weiteren will das Projekt auch die Kapazitäten und aktive Beteiligung von relevanten Stakeholdern verbessern. Ergänzend versucht das Projekt reproduzierbare und innovative Modelle für das Weltnaturerbe Buchenwälder und ihre Umgebung zu erstellen.

European Wilderness Network

Auch in dem “European Wilderness Network” spielen die europäischen Buchenwälder eine zentrale und unersetzbare Rolle. Seit 2014 ist das “European Wilderness Network” aktiv. Es hat über 40 Mitglieder in 17 Ländern und mehr als 350 000 ha geprüfte Wildnis. Das Netzwerk repräsentiert Europas letzte Wildnis und vergrößert sich Jahr für Jahr. Das Hauptziel ist es, einen vereinheitlichten Ansatz für die Wildnis “Zertifizierung” zu finden und die Diversität von Wildnis zu repräsentieren.  

In dem Netzwerk sind die europäischen Buchenwälder schon präsent. Entweder als wichtiger Bestandteil einer Wildnis, wie in der Zentral-Balkan Region oder im Hainich und Jasmund.

Waldgipfel – Rettung für den deutschen Wald?

Ende September 2019 fand der nationale Waldgipfel in Deutschland statt. Dabei ging es um Maßnahmen zur Rettung des deutschen Waldes.
Allerdings liegen die Meinungen zu diesem Thema weit auseinander. Worin sich alle einig sind ist, dass die Rettungsaktionen des Waldes teuer werden. Zum einen wurde auf dem Waldgipfel über die Zukunft der Wälder diskutiert, zum anderen die Höhe der Finanzen zum Schutz der Wälder festgelegt. Eine der vielen Fragen war, ob es besser ist aufzuforsten oder doch lieber auf die natürliche Verjüngung zu setzen. Viele Naturschützer plädieren darauf, den Wald sich selbst zu überlassen, da so standortsgemäße Mischwälder entstehen, die zum Beispiel keine Wurzelschäden durch Pflanzung bekommen und gegen Kalamitäten oft beständiger sind.

Da der Wald in letzter Zeit gestresst und anfällig ist, wird teilweise schon von einem “Waldsterben 2.0” berichtet. Immer präsenter wird das Thema Waldschwund durch die vergangenen Dürren, Stürme, Borkenkäfer und Brände. Diesbezüglich wurden einige Kostenangaben gemacht. Der gesamte Abtransport des Schadholzes würde ungefähr 2,1 Mrd. € kosten. Ferner werden um die 300 Mio. Bäume zur Aufforstung der Flächen benötigt. Des Weiteren wurden für weitere Kosten ca. 640 Mio. € kalkuliert. Laut Angaben des Bundesumweltamtes sind bis jetzt um die 180 000 Hektar Wald zerstört, 70 000 mehr als ursprünglich angenommen.

Maßnahmepaket aus dem Waldgipfel

Die Pläne und Aktionen zur Rettung des Waldes sind vielfältig. Ein Beispiel hierfür ist der 10-Punkte Plan des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der gegen das Waldsterben angehen soll. In diesem Papier werden Maßnahmen mit Blick auf die Zukunft gefordert. Eine Maßnahme wäre, den menschlichen Eingriff in Waldflächen zu reduzieren und so mehr Waldflächen sich selbst zu überlassen. Eine andere, mehr Forstpersonal einzusetzen. Auch das Bundesamt für Naturschutz hat ein Positionspapier herausgebracht, in dem der Natur- und Mischwald ein großes Thema darstellt. Der Waldumbau wird in Zukunft darin besonders hervorgehoben.

Das Maßnahmepaket des Bundes hat nun insgesamt 547 Mio. € für die nächsten vier Jahre zur Verfügung gestellt. Das sind pro Jahr 137 Mio. € für ganz Deutschland, dazu kommen noch die Zuschüsse aus den einzelnen Ländern. So sollen insgesamt um die 800 Mio. € zusammenkommen. Jedoch soll das Geld des Bundes nicht als Schadensersatz, sondern für eine bessere Anpassung an den Klimawandel dienen. Unter anderem sollen mit dem Geld kleinere Privatwaldbesitzer unterstützt, die Wiederaufforstung auf geschädigten Flächen in Gang gebracht und mehr Forstpersonal ausgebildet werden.
Manche Waldbesitzer finden das, zumindest für den Anfang, zu wenig Geld und fordern mehr für die Zukunft. So zum Beispiel der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR), der als Soforthilfe 2,3 Mrd. € fordert.

Wie die Pläne umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Das der Weg hin zu stabilen Mischwäldern ein langer wird, auch wenn bereits heute darauf hingearbeitet wird, ist gewiss. Die Frage, ob stellenweise eine Naturverjüngung durch den Wald selbst sowie das Belassen eines Holzüberschusses im Wald besser ist, bleibt.

Auch Borkenkäfer tragen zur Artenvielfalt bei

Die langanhaltende Hitze und daraus resultierende Trockenheit in vielen Teilen Deutschlands und der Welt, wirken sich nicht nur auf die Waldbrandgefahr aus, sondern erhöhen auch die Gefahr eines Borkenkäferbefalls. Durch die Trockenheit entsteht eine Stresssituation und die Bäume sind geschwächt. Das prädestiniert sie für den Befall von Borkenkäfern. 

Borkenkäfer bevorzugen geschwächte oder kranke Bäume. In diese können sie einfacher eindringen und die Bäume sind nicht in der Lage viel Harz als Abwehrreaktion gegen die Käfer zu bilden. Wenn ein Baum befallen ist, fressen sich die Larven unter der Rinde durch das Kambium, dabei unterbrechen so den Wasser- und Nährstofffluss des Baumes. Bei starkem Befall führt das zum Tod des Baumes.  

Problematisch für gesunde Bäume wird es erst bei einer Massenvermehrung der Borkenkäfer. Durch die Unmengen an Käfern fehlt ihnen „geeigneter“ Lebens- und Brutraum, dann befallen sie auch gesunde Bäume. Aufgrund des trockenen, für Borkenkäfer aber optimalen, Sommers 2018 hatten sie schon letztes Jahr gute Bedingungen und in einer Saison konnten drei vollständig entwickelte Generationen nachgewiesen werden.
Wegen dieser hohen Ausgangslage an Käfern, konnten sie dieses Frühjahr direkt ausfliegen und neue Bäume besiedeln. Auch die hohen Temperaturen ließen dieses Jahr ein gutes Jahr für die Borkenkäfer sein. Die großen Mengen Holz, die durch vergangene Stürme und Schneebruch im Wald verweilen, begünstigten zusätzlich die Verhältnisse für den Käferbefall. Die befallenen Teile des Waldes und größeren Mengen an Käferholz, werden mit kritischen Augen betrachtet, gilt der Borkenkäfer doch als größter Schädling in der Forstwirtschaft.

Nicht nur Zerstörung

Aber der Borkenkäfer bedeutet nicht nur Verlust und Zerstörung. Ein gutes Beispiel ist der Nationalpark Bayrischer Wald. In den 1990ern gab es hier Massenvermehrungen des Borkenkäfers, der Hektar um Hektar des Waldes befiel, allerdings wurde beschlossen nicht in das Geschehen einzugreifen. Ganz nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ wurden keine Sanitätshiebe durchgeführt, keine liegenden Bäume entrindet oder Totholz aus dem Wald geholt. Auch wenn es zu Beginn so aussah, dass sich der Wald nicht erholen wird und nur noch aus kahlen Baumskeletten besteht, ist im Laufe der Zeit wieder neuer Wald entstanden.

Der Borkenkäfer ist sozusagen ‚zuständig‘ für den Neuanfang im Wald, er trägt zu neuer Verjüngung bei. Durch die abgestorbenen Bäume fällt mehr Licht auf den Waldboden und ermöglicht es neuen und anderen Pflanzen und Baumsämlingen zu wachsen. Auch diejenigen, die viel Licht benötigen. Das verbleibende Totholz dient z.B. als Wasserspeicher und liefert Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil auf solche Lebensräume angewiesen sind, wie diverse Käferarten und der Duftende Feuerschwamm. Dieser Pilz kommt nur in Urwaldrelikten vor, benötigt sehr alte Tannen zum Leben und ist selten zu finden. Der Borkenkäfer trägt somit zur Artenvielfalt bei und bringt den (natürlichen) Kreislauf der Natur in Schwung. Zu Anfang hat er zwar eine Zerstörung hervorgerufen, danach kommt aber ein Neuanfang.

Waldbrände im Amazonas

Waldbrände sind Ereignisse, die natürlicherweise Auftreten und für manche Baumarten sogar essenziell zur Verjüngung sind. Die Zapfen dieser Nadelbäume öffnen sich erst bei großen Temperaturen und entlassen so das Samenmaterial für eine neue Generation. Brände gehören zum Ökosystem und tragen so zu neuer und anderer Vielfalt bei.
Auf natürlichem Weg entstehen Feuer z.B. durch einen Blitzeinschlag oder durch spontane Entzündung, die meisten Feuer werden allerdings durch den Menschen verursacht. Eine noch glimmende Zigarette aus dem Auto entsorgt oder ein Funkenflug der Feuerstelle und schon kann sich ein Brand entwickeln. Besonders dann, wenn es trocken ist, was dieses Jahr auch im Amazonas der Fall ist.

Was sich in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und anderen Teilen Deutschlands, Skandinaviens, Australiens oder der Arktis abspielt, findet sich auch im Amazonas. Die zurzeit dort auftretenden Waldbrände sind mehrheitlich von den Menschen verursacht, da Brände im Regenwald normalerweise keine natürlichen Prozesse sind. Um genaueres über die Feuer zu erfahren, können Forscher Sattelitenbilder verwenden, um die Vorgänge zu interpretieren. Mit solchen Bildern können sie sehen, dass die meisten Brände nach linearen Mustern auftreten, was für natürlich auftretende Brände nicht üblich ist. Daraus schließen sie, dass viele der Brände von oder in der Nähe von Straßen entstanden sind und somit durch Menschenhand verursacht wurden.

Bolsonaros Politik Schuld an Amazonas-Bränden?

Es ist kein Geheimnis, dass die Landwirte im Amazonas-Gebiet Feuer verwenden und neues Land für die Kultivierung zu gewinnen. Mit der sogenannten Brandrodung, die seit langer Zeit praktiziert wird, ist es am einfachsten und schnellsten an neues Land zu kommen. Da es einfacher ist, ein Feuer in der Trockenzeit zu starten, warten die Farmer auf genau diese Zeit, um das Land zu verbrennen. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Jahr ein sehr trockenes Jahr ist, können sich die Feuer relativ einfach und schnell auch auf den (intakten) Wald ausbreiten. Laut CNN betrug die Anzahl der Brände in Brasilien bis jetzt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 85%. Und es sieht nicht so aus, als ob der brasilianischen Präsident Jair Bolsonaro wirklich bemüht ist die Brände zu stoppen. Einige sagen sogar, dass Bolsonaros Regierungstaktik den Bränden entspricht, da er unter anderem durch den Export von Agrarprodukten das Wirtschaftswachstum in das Land bringen will. Und dafür braucht er Land, das mit Hilfe von Feuer von den Bauern geräumt und erschlossen wird.

Natürlich sind diese Politik und Trockenheit ein großes Problem, es ist aber nicht der einzige Grund, warum die Brände in diesem Jahr so ​​extrem sind. Auch andere Faktoren spielen dazu und beeinflussen die Situation. Wie zum Beispiel Abholzung und illegaler Holzeinschlag zu mehr Bränden führen, da dadurch bessere Bedingungen für Waldbrände geschaffen werden. Wenn die Bäume geerntet werden, bleiben Äste und Blätter auf dem Boden zurück, trocknen und können dann besser brennen. Außerdem ist ein gestörtes, unnatürliches Waldökosystem weniger widerstandsfähig gegen Bedrohungen und äußere Einflüsse. Dadurch können größere Probleme auftreten. Allerdings hat die Rate der illegalen Abholzung und Entwaldung im Laufe der Jahre nicht signifikant abgenommen, und nimmt allmählich, in allen Amazonasländern, wieder mehr zu. (siehe: Abholzung im Amazonas nimmt stark zu) Mit Bolsonaro als Präsident wird dieser Anstieg wahrscheinlich weitergehen, da er, wie erwähnt, seine „Export- und Expansionspolitik“ verfolgt. Der Pakt von Leticia, ein Plan zur Rettung des Regenwaldes, ist zumindest ein Anfangsschritt.