FeaturedWebinare zum Thema Wald

Am 23.7. starten wir eine Reihe von Webinare / Online-Fachvorträgen. In Abständen von ca. zwei Wochen berichten Experten von ihren Erfahrungen und Ideen, warum Biodiversität im Wald so wichtig ist, wie sie geschützt werden kann und wie die Zukunft unserer heimischen Wälder aussehen könnte.

Unsere Fachvorträge und Webinare bieten zahlreiche Fallbeispiele aus Österrreich und europäischen Nachbarländern mit dem Ziel, die schrittweise Anpassung der österreichischen Forstpolitik an die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte aufgrund von Klimaveränderungen zu unterstützen. Die Vorträge unterstützen auch den Blick auf faunistische und floristische Biodiversität in Wald und Waldrandumgebung aus mehreren Perspektiven.

Webinare zu diversen Themen

Die Fachvorträge stellen innovative Ansätze aus Österreich und anderen Ländern Europas vor, um unsere Wälder zukunftsfähig zu gestalten. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Biodiversität. Diese wird auf mehreren Perspektiven beleuchtet. Einerseits aus der Perspektive des gezielten Waldbaus, wie der Wahl der Arten für Wirtschaftsbäume, andererseits mit Sicht auf die natürliche Biodiversität mit Fokus auf gefährdete Arten und wichtige Ökosystemprozesse. Dabei wird reflektiert, wie diese Ansätze großflächig in Österreich umgesetzt werden können. Themen umfassen z.B. folgende:

  • Auswirkungen von Forstmaßnahmen auf die Waldökosysteme
  • Management von Wildtieren
  • Unterschiede in der Wald- und Wildtierbewirtschaftung in und außerhalb von Schutzgebieten
  • Gesetzlicher Rahmen und Leitlinien für staatlichen und privaten Forst
  • Gezielter Einsatz von zukunftsfähigen Baumarten im Waldbau
  • Gefahren durch zunehmende Trockenheit
  • Prävention, Bekämpfung und Wiederaufforstung von / nach Waldbränden
  • Naturnahes Waldmanagement als klimaresilientes Model

Eingeladen zu den Fachvorträgen sind staatliche und private Waldmanager und andere Interessierte. Konkrete praktische Praxisbeispiele spielen eine wichtige Rolle und nach jedem Vortrag wird es Raum für Fragen und Diskussionen geben. Die Anmeldung für die Vorträge können Sie auf der Infoseiten der Veranstaltungen vornehmen.

Informationen auf Webseite und in Journalen

Falls Sie nicht an dern Webinaren teilnehmen können, können Sie sich auch auf dieser Webseite über unsere Themen informieren. Hier erscheinen regelmäßig Artikel, die Sie über einzelne Themen informieren. Zusätzlich erscheinen vier Journale, die unsere Themen zusammenfassen und ansprechend präsentieren.

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Der Baum des Jahres 2021: die Stechpalme

Die Stechpalme (Ilex aquifolium) wurde zum Baum des Jahres 2021 von der Dr. Silvius Wodarz Stifutung in Deutschland gekürt. Sie ist ein Paradebeispiel für den Artenschutz, da sie schon seit 100 Jahren unter Schutz steht, ihre Bestände sich erholt haben und nun wieder einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in heimischen Wäldern leistet.

Eine Tradition als Namensgeber

Ja, die Stechpalme ist ein Baum. Der Name hängt mit der christlichen Tradition am Palmsonntag zusammen. Weil Jesus damals mit Palmwedeln begrüßt worden war, diese in Mitteleuropa aber nicht erhältlich waren, dienten bei Prozessionen Sträuße aus Zweigen der Stechpalme als kirchlich geweihter Palmwedel-Ersatz.

Standortsbedingungen

Obwohl der Name andeutet, dass es eine Palme ist und ihre Wuchsart eher an ein strauchartiges Gehölz erinnert, kommt es jedoch sehr auf die Lichtverhältnisse an, wie der Baum im Endeffekt wächst. Bei weniger Licht kann er bis zu 5 Meter hoch werden und eher in die Breite wachsen. An lichten Waldstandorten oder in Parks und Gärten schießt sie etwa 10 Meter in die Höhe und ähnelt in der Gestalt dann eher einem Nadelbaum.

Die Verbreitung der Stechpalme

Die Stechpalme ist in Europa heimisch und wuchs schon vor über zwei Millionen Jahren auf unserem Kontinent, auf dem es damals allerdings deutlich wärmer war. Heute fühlt sich die Stechpalme vor allem dort wohl, wo es recht milde Winter ohne Früh- und Spätfröste und nicht allzu trockene Sommer gibt. Das ist vor allem das Gebiet, dass klimatisch stark durch den Atlantik geprägt ist: Westeuropa von der Südwestküste Norwegens bis zur Iberischen Halbinsel. Die aktuellen klimatischen Veränderungen lassen die Art aber nun auch wieder vermehrt an Standorten im Norden und Osten Europas gedeihen.

Schutz der Stechpalme

Aufgrund der religiösen und dekorativen Nutzung der Stechpalme während der Weihnachts- und Osterzeit, wurde sie im 19ten und anfangs des 20ten Jahrhunderts unter starkem Druck gestellt. In den 1920er-Jahren reagierten Forstleute, Naturschützer und Politiker auf den dramatischen Rückgang der Stechpalme in Deutschland, indem sie die Pflanze unter Schutz stellten. Mittlerweile haben sich die Bestände erholt und liefern einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt der heimischen Wälder. „Der sympathische Immergrün ist ein hervorragender Brutplatz und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Bienen und Hummeln“, betonte Schirmherrin der Organisation Julia Klöckner. Daher ist die Stechpalme auch Bestandteil des Ziels der Bundesregierung, den Umbau der deutschen Wälder zu klimaangepassten Mischwäldern weiter voranzubringen.

Baum des Jahres 2020 war übrigens die nicht heimische Robinie. Sie kann zwar andere Pflanzen verdrängen, gilt wegen ihrer Widerstandsfähigkeit aber auch als Hoffnungsträger in Zeiten des Klimawandels.

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EU Forestry Strategy: Bestimme über die Zukunft der Wälder Europas mit!

Im Rahmen des Europäischen Green Deal hat die Kommission eine neue Forestry Strategy (Waldstrategie) angekündigt. Diese baut auf die geplante Biodiversitätsstrategie auf und soll sich auf die verschiedenen Aspekte des Waldes und dessen zahlreiche Dienstleistungen konzentrieren.

Die Kommission ruft die Bevölkerung noch bis 4. Dezember 2020 dazu auf, ihr Feedback zu der Strategie zu liefern. Das ist Ihre Möglichkeit, Ihren Ideen Gehör zu verschaffen und Herausforderungen und Probleme in ihrer Region zu teilen.

Die Strategie zielt darauf ab, gesunde und widerstandsfähige Wälder zu gewährleisten, die zur biologischen Vielfalt, zur Eindämmung des Klimawandels, und zur Sicherung von Lebensunterhalten beitragen. Gleichzeitig soll sie eine Kreislaufwirtschaft im Forstsektor unterstützen. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf dem Schutz des Waldes, dessen Restauration und der EU-weiten nachhaltigen Bewirtschaftung.

Die Länder der EU und ihre Bevölkerung sind so verschieden wie ihre Wälder. Die Forestry Strategy wird einen Rahmen bieten, EU Fördermittel effizient zu vergeben und idealerweise Regionen und Wälder fördern, die die Unterstützung am nötigsten haben. Deshalb ist es vor allem wichtig, dass erfahrene Förster und Experten ihre Visionen zu der Strategie beitragen.

In der folgenden Webseite können sie ihr Feedback abgeben:

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Waldbrand in Treuenbrietzen – Bekämpfung

Die Jahre 2018 und 2019 werden wahrscheinlich in die Geschichte eingehen als die Jahre mit den meisten Waldbränden weltweit, so auch in Mitteleuropa. Während wir Waldbrände in den Tropen, Afrika oder auch in weitläufigen borealen Wäldern des Nordens gewöhnt sind, waren Waldbrände im deutschsprachigen Raum lange Zeit kein großes Problem. Durch den Klimawandel und damit einhergehende Dürreperioden könnte sich dies jedoch ändern. Wie schlecht vorbereitet viele Forstbetriebe und Feuerwehren auf große Waldbrände sind, zeigte sich im Jahre 2018 in Brandenburg.

Treuenbrietzen ist eine kleine Stadt nahe Berlin, umgeben von 20 km² eigenem Stadtwald und einem Mosaik aus Privatwald, der zum Großteil durch eine Eigentümer-Genossenschaft verwaltet wird. Auch wenn der Stadtwald seit über 10 Jahren nach dem Prinzip der „Naturgemäßen Waldwirtschaft“ bewirtschaftet wird, besteht der Großteil dort immer noch aus den für Sandböden typischen Kiefermonokulturen. Da Waldbrände hier lange kein Thema waren und die Region wirtschaftlich schwach ist, wurde hier in den letzten Jahrzehnten der wirtschaftliche Ertrag des Waldes in den Vordergrund gestellt.

Welche Gefahr Monokulturen in Zeiten von zunehmender Hitze und abnehmender Niederschläge darstellen, zeigte sich gegen Ende des Jahrhundertsommers 2018. Dieser war der sonnenreichste aller Zeiten in Brandenburg und die Niederschlagsmenge so gering wie erst viermal seit Beginn der Aufzeichnungen. Diese Kombination führte zu einem nie dagewesenen Austrocknen der Böden, da die Kiefermonokulturen mit ihrem lichten Kronendach und humusarmen Boden nicht genug Wasser zurückhalten konnten. Zwar gibt es ähnliche Bedingungen regelmäßig in anderen Teilen der Welt, dort ist man jedoch auf Waldbrände eingestellt. In Treuenbrietzen waren jedoch sowohl Förster als auch Feuerwehr und Anwohner überrascht, wie schnell sich der Brand, der am 23.8.18 ausbrach, ausbreitete.

Wie aus Feuerwehrberichten zu entnehmen ist, trafen die meisten Einsatzkräfte erst ein, als die Rauchwolke des Brandes bereits aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen war. Anscheinend hatten sich an mehreren Stellen gleichzeitig – Hinweise auf Brandstiftung konnten nicht gefunden werden – Bodenfeuer entfacht, die sich im ausgetrockneten Gras und Kiefernstreu rasant ausbreiteten. In trockenen Gegenden der Erde sind solche Bodenfeuer Teil des Alltags und es werden vorsorglich Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung einzuschränken. Auch zuständige Förster in Treuenbrietzen forderten sogenannte Waldbrandriegel, Randstreifen aus Laubbüschen, die deutlich mehr Feuchtigkeit halten als Kiefern und Gras und Waldbrände damit stoppen können. Wie wichtig Waldbrandriegel gewesen wären, zeigte sich an der Bundesstraße, die durch das Gebiet des Brandes läuft. Die Bundesstraße und die einige Meter davon parallel liegenden Bahngleise wurden von vielen als unüberwindbares Hindernis für ein Bodenfeuer gesehen. Starke Winde sorgten jedoch dafür, dass die Flammen an einigen Stellen auf die Kronen übergriffen und sowohl die Straße als auch die Gleise überspringen konnten.

Mehr zum Thema Waldbrand im Buch “Waldbrand” von Bernhard Henning und auf seiner Internetseite Forestbook

Zur Bekämpfung des Waldbrandes wurden innerhalb von vier Tagen ca. 5000 Helfer hinzugezogen, die Tag und Nacht arbeiteten, um die Flammen unter Kontrolle zu bekommen. Das Problem waren in vielen Fällen jedoch nicht fehlende Helfer, sondern fehlende Ausrüstung und fehlendes Wasser. Da die ganze Region seit Monaten unter Trockenheit litt, waren die Wasserreserven bereits dezimiert und nicht genug Löschfahrzeuge zur Verfügung, um genug Wasser von teilweise weit entfernten Wasserentnahmestellen zu den Brandherden zu transportieren. Infolgedessen musste die Feuerwehr zu einer Technik greifen, die die meisten Einsatzkräfte noch nie im Ernstfall verwendet hatten. Per Hand wurden mithilfe von Schaufeln und Spaten Gräben gezogen, um den Brand zu stoppen. Dies gelang auch an einigen Stellen, ist jedoch eine sehr aufwändige und kräftezehrende Methode. In vielen Gegenden der Welt, die besser auf Waldbrände eingestellt sind, werden stattdessen Gegenfeuer zur Bekämpfung verwendet. Das bedeutet, dass Grasstreifen rund um den Brandherd gezielt abgebrannt werden. Dadurch steht dem Feuer kein Brennstoff mehr zur Verfügung, sobald es diesen Streifen erreicht, und es kann sich nicht weiter ausbreiten. In Deutschland werden Gegenfeuer als Maßnahme zur Waldbrandbekämpfung jedoch nicht eingesetzt, da ihre Kontrolle Fachwissen erfordert, das in Deutschland nicht vorhanden ist. 

Nach 9 Tagen konnte der Brand gestoppt werden. Für 400 Hektar Wald war das jedoch zu spät. Dank der unermüdlichen Arbeit der 5000 Helfer blieben sämtliche Häuser und Menschen- unbeschadet. Jedoch zeigt dieses Ereignis auch, dass die Feuerwehren in vielen Teilen Mitteleuropas nicht ausreichend auf Waldbrände vorbereitet sind. Sämtliche Klimaprojektionen sagen vorher, dass die Waldbrandgefahr in Mitteleuropa flächendeckend zunehmen wird, weswegen dieses Thema in den Fokus gerückt werden muss.

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Spätblühende Traubenkirsche

Ursprünglich stammt die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) aus Nordamerika, wo sie als Pionierbaumart Flächen besiedelt, auf denen zuvor große Brände, Tornados oder Kahlschläge stattfanden. Einzig in dem menschlich geprägten Kirschen-Ahorn Wald, wo sie zusammen mit dem Rot-Ahorn (Acer rubrum L.), dem Zucker-Ahorn (A. saccharum Marshall) und der Amerikanischen Esche (Fraxinus americana L.) wächst, bildet sie die kodominante Art.

Wie sie nach Europa kam

Dieser nordamerikanische Neophyt wurde erstmals 1623 in Europa in französischen Gärten gepflanzt. Wegen ihrer weißen und süß-duftenden Blüten und dem bunten Herbstlaub fand sie nicht nur dort großen Anklang. Bereits 1629 tauchte sie in britischen und 1685 in deutschen Gärten auf. In den Niederlanden war sie ab 1740 zu finden, lediglich in der Schweiz tauchte sie vermutlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Heute hat sich dieser Neophyt soweit in unseren Wäldern ausgedehnt, dass Bekämpfungsmaßnahmen hohe Kosten verursachen und die Art zum Bestandteil unserer Waldökosysteme wurde. Zunächst jedoch wurde die Spätblühende Traubenkirsche weiter als reine Zierpflanze genutzt und war in Parks und Gärten zu finden. Die ersten waldbaulichen Verwendungen erfolgten erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als eine von 12 gebietsfremden Baumarten wurde sie von der Preußischen Hauptstation des forstlichen Versuchswesens als anbauwürdig eingestuft. Danach wurde sie in Nadelholzaufforstungen mit geringer Stückzahl eingeführt. In den naturfernen Kiefernforsten fand die nordamerikanische Baumart beste Wuchsbedingungen vor. So lassen sich in den Niederlanden noch heute Spätblühende Traubenkirschen von den Aufforstungen von 1898 beobachten. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Spätblühende Traubenkirschebereits im großen Stil angebaut, denn Förster in Deutschland, den Niederlanden und Belgien erhofften sich Großes von dieser Baumart. Man erwartete ähnliches wertvolles Holz wie von anderen Kirschhölzern und als Pionierbaumart sollte sie karge, sandige oder moorige Böden verbessern.

Aussehen

Die relativ frostharte und anspruchslose Pionierart wird in den USA bis zu 38 Meter hoch und kann einen Durchmesser von über einem Meter erreichen. Sie wachsen als junge Pflanze außerdem auch im Schatten gut, wodurch sie auch wachsen können, wo bereits größere Bäume stehen. In Europa erreicht die Spätblühende Traubenkirsche eine Höhe von 20 Metern, in Ausnahmen sogar 30 Metern. Die dunkelbraune Rinde riecht nach Bittermandeln und die Blätter sind kräftig grün, glänzend auf der Oberseite und heller auf der Unterseite. Die dicken Blätter sind eiförmig und haben gezackte Ränder. Ihre duftenden Blüten erscheinen im Mai in Trauben und damit früher als die der Traubenkirsche (Prunus padus), ihrer europäischen Verwandten. In etwa 30 einzelne Blüten wachsen an einer solchen Traube. Im Anschluss an die Blüte wachsen kleine, zuerst violett-rote, dann schwarze Früchte. Sie sind ungefähr 10 mm klein und verfügen über einen zuerst süßlichen und dann unangenehm bitteren Nachgeschmack

Warum sie unseren Wäldern gut tut

Ihr Laub enthält ausreichend Stickstoff, um die schlecht verrottenden Kiefernadeln bei der Zersetzung zu unterstützen. Gleichzeitig kann so eine Humusschicht aufgebaut werden, die den mageren Boden aufwertet. Diese Eigenschaft macht sie besonders zum Pflanzen auf Schadflächen interessant. Denn als Pionier vermag sie den Boden vor Erosion zu schützen, sowie eine Humusschicht aufzubauen, die eine Rotbuchen-Pflanzung oder Naturverjüngung begünstigt. Buchen erhalten in ihrer Jugendphase einen geeigneten Schutz vor Sonnenbrand, wenn sie unter der Spätblühenden Traubenkirsche wachsen. Zudem eignet sich die Pionierart auch als Prävention vor Bränden, da sie eine natürliche Brandbarriere darstellt. In ihrer Heimat, den USA, wächst die kurzlebige Pionierart typischerweise zusammen mit Schattenbaumarten. Sie wächst in Lücken, die im Bestand entstehen, wenn Bäume sterben, und wird in Folge der Sukzession von dominanteren Baumarten wieder verdrängt. Sehr gute Erfolge in Europa lassen sich zusammen mit den Schattenbaumarten Rotbuche (Fagus sylvatica), Linde (Tilia spp.) und Eibe (Taxus baccata) feststellen. Die Späte Traubenkirsche bildet kein dichtes Kronendach und andere Baumarten können somit unter ihr wachsen und sie durch Sukzession zurückdrängen. Sobald sie ausgewachsen sind, gelangt genügend Licht auf den Waldboden, sodass sich auch lichtbedürftigere Arten wie Ahorn (Acer spp.), Hasel (Corylus avellana), Traubeneiche (Quercus petraea) und Douglasie (Pseudotsuga menziesii) verjüngen können.

Vielfalt erblüht durch sie

Auch kommt die Spätblühende Traubenkirsche einem großen Spektrum an Lebewesen, wie Vögeln, Pilzen und Insekten zugute. Besonders beliebt ist sie bei Vögeln, denn mehr als sechzig Vogelarten ernähren sich von ihren Beeren. Durch die Vögel erlangt sie auch ihre schnelle und weite Verbreitung, zumal ihre Samen besser keimen, wenn sie zuvor durch einen Vogelmagen gewandert sind. Im Vergleich zu der Gewöhnlichen Traubenkirsche leben seltene Insektenarten wie der Segelfalter auf ihr. So trägt sie zur Erhaltung der Biodiversität bei, auch als Nahrungsquelle für Bienen. Ihre Blüten verströmen einen lieblichen, stark süßen Duft, der weithin zu riechen ist.

Bekämpfen oder nutzen?

Hat sich die Späte Traubenkirsche bereits in unseren Wäldern verbreitet, so ist die Bekämpfung kostspielig und nahezu unmöglich. Denn durch Pflegemaßnahmen wird das Wuchspotenzial gesteigert und selbst durch die Bekämpfung mit Glyphosat lassen sich nur mäßige Erfolge verzeichnen. Da sich das Holz nicht von dem der anderen Kirscharten unterscheidet, eignet es sich sehr gut für die Vermarktung. Auch können in ihrer amerikanischen Heimat ähnlich gute Preise für ihr Holz erzielt werden. Bisher hat sich die Hoffnung eines guten Holzlieferanten jedoch nicht erfüllt, da die Bäume weniger gut als erwartet wachsen. Dies könnte daran liegen, dass hauptsächlich Kieferplantagen mit ihr unterpflanzt wurden. Dennoch gibt es Beispiele wie in den Niederlanden, wo noch heute Spätblühende Traubenkirschen von den ersten Anbauversuchen stehen.

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Neobiota im Kontext des Klimawandels

Der heimische Wald wird sich in den nächsten Jahrzehnten durch den Klimawandel verändern. In diesem Wandel haben Neobiota das Potenzial eine wichtige Rolle zu spielen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Der Klimawandel wird sich in Österreich wahrscheinlich hauptsächlich durch eine Temperaturerhöhung und Niederschlagsverminderung zu bestimmten Jahreszeiten ausdrücken. In den Bergwäldern wird der Klimawandel wohl geringe negative Folgen haben, da hier das Wachstum der Bäume vor allem durch die Länge der Wachstumsperiode begrenzt wird. Dürre und Hitze ist hier selten ein Problem. Anders sieht es im Osten des Landes aus. Im Tiefland sind heiße Sommer bereits normal und der Klimawandel wird diese weiter intensivieren.

Für die neuen Bedingungen sind manche Baumarten besser gewappnet als andere. Allerdings sind es besonders die forstwirtschaftlich bedeutenden Baumarten, die unter den neuen Bedingungen leiden. Fichte, Kiefer und Lärche sind an vielen Standorten, wo sie heute angebaut werden, nicht mehr zukunftsfähig. Die Reaktion darauf ist zwiegespalten. Manche sehen einen naturnäheren Wald als Antwort. Heimische Laubbaumarten wie Buche, Eiche, Ahorn und Esche sind den Veränderungen gegenüber besser gewappnet. Daher sehen es viele als die beste Lösung die Forstwirtschaft auf diese Baumarten zu fokussieren. Das ist einerseits gut für die Artenvielfalt, da die heimische Tierwelt an diese Bäume angepasst ist. Andererseits fürchten Skeptiker einen Einbruch in der Produktivität des Waldes, da Laubbäume langsamer wachsen als Nadelbäume.

Andere fordern einen aktiveren Ansatz, bei dem Neobiota im Mittelpunkt stehen. Sie sehen einen Waldumbau mit Baumarten aus anderen Teilen der Welt als beste Maßnahme, um den heimischen Wald auf den Klimawandel vorzubereiten. Viele der Arten, die dazu in Frage kommen, sind zwar bereits in Europa eingeführt worden, spielen forstwirtschaftlich aber noch eine kleine Rolle. Sie stammen oft aus Nord-Amerika, da dort ähnliche Klimabedingungen herrschen. Zwar werden auch Arten in Betracht gezogen, die aus Zentralasien stammen. Diese sind aber oft nur für Extremstandorte geeignet, wo extreme Hitze und Dürre droht. Arten aus Nordamerika sind vielversprechend, da das Klima kontinentaler als in Österreich und dem größten Teil Europas ist. Das bedeutet, dass Hitzewellen und Dürreperioden häufiger sind. Das gleiche gilt für Arten aus Zentralasien. Da diese nicht räumlich von Europa getrennt sind, stellt sich die Frage, ob sich diese hier nicht schon angesiedelt hätten, wenn die Klimabedingungen geeignet wären.

Neobiota spielen jedoch auch eine negative Rolle im Zuge des Klimawandels. Eingeschleppte Schädlinge treten bereits jetzt immer häufiger auf. Höhere Temperaturen und weniger Niederschlag setzen die Bäume unter Stress, wodurch sie sich schlechter gegen Schädlinge wehren können. Außerdem vermehren sich viele Schädlinge unter wärmeren Bedingungen schneller. Eine längere Wachstumsperiode führt in manchen Gebieten bereits dazu, dass sich manche Borkenkäfer zweimal statt nur einmal im Jahr fortpflanzen. Daher wird der Klimawandel dafür sorgen, dass der heimische Wald anfälliger gegenüber eingeschleppten Arten wird und diese sich schneller ausbreiten können. In den Bergwäldern begünstigen vor allem mildere Winter das Überleben und die Vermehrung von Schädlingen. Viele eingeschleppte Schädlinge können sich hier bisher nicht etablieren, da sie die harten Winter nicht überleben. Der Klimawandel könnte auch dies ändern.

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5-Tage Online Konferenz rund um die Themen Wald und Wildnis

Von 19 – 23 Oktober 2020, findet die erste International Wilderness Week statt. Während fünf Tagen, jeweils von 6:00 bis 20:00 Uhr, werden mehr als 80 Redner von 6 Kontinenten und 28 Ländern zum Thema Wildnis, Biodiversität, Naturschutz, Klimawandel, und vieles mehr präsentieren. Wälder und dessen Fauna und Flora sind natürlich ein wichtiger Bestandteil dieser Konferenz, weshalb viele Beiträge sich mit ihnen beschäftigen – in Form von Präsentationen, Workshops, Filmen, und Q&As.

Einige dieser Beiträge werden gratis auf der Facebook-Seite der European Wilderness Society durch einen Livestream übertragen und für den Rest können Sie sich hier für eine kleine Spende registrieren.

Die folgenden Beiträge sind die Highlights zum Thema Wald:

Das vollständige Program der Konferenz können sie hier finden:

Montag

13:30 CET “Welcome to Biosphere Park Lungau” – Kristin Hauser, Biosphere reserve project manager

17.30 CET “Wooden Journey” – Nicholas Scaturro, founder of Wooden Journey

Dienstag

11.30 CET “Wilderness and World Heritage in Tasmania” – Geoff Law, author, conservationist and environmental activist, The Wilderness Society

12:30 CET “Dutch Forest Reserves” – Jelle van Zanten, student at VHL University of Applied Sciences

Mittwoch

10:30 CET “Virtual excursion to beech forest and a cave” – Carpathian Biosphere reserve

11:30 CET Documentary “The Ancient Woods” – Mindaugas Survila

Donnerstag

11.30 CET “Burning biomass as a threat to Wilderness” – Zoltan Kun, WIlderness Advocate

18:00 CET “Transitioning Wildlife Management from Reactive Conflict Control to Proactive Coexistence” – Suzanne Asha Stone, Arian Wallach and Louise Boronyak, The Wildlife Coexistence Network

Freitag

7:00 CET “Far East taiga Wilderness” – Vladimir Bocharnikov, Leading Researcher at North Pacific Biodiversity Information Assessment and Conservation Program

Hat die Konferenz Ihr Interesse geweckt? Registrieren Sie sich jetzt um gemeinsam mit Teilnehmern aus der ganzen Welt die Vielfalt unserer Wälder kennen zulernen.

Eschen-Ahorn

Der Eschen-Ahorn (Acer negundo) hat seinen Ursprung in Amerika. Von den Rocky Mountains bis zur Ostküste erstreckt sich sein natürliches Verbreitungsgebiet durch ganz Nordamerika. Er zählt zu den Ahorngewächsen, hat seinen Namen allerdings von seinen Blättern, die denen der Esche ähneln.

Eigenschaften

Der Eschen-Ahornhat die Eigenschaften eines kurzlebigen Pioniergehölzes. Das bedeutet er wächst sehr schnell, wird nur circa 100 Jahre alt und kann schon im Alter von 8 Jahren Früchte bilden. Anders als andere Ahornarten hat er brüchigere Zweige und oft mehrere Stämme. Diese entstehen, da bei Verletzungen oder Ähnlichem neue Stämme vom Stumpf austreiben. An seinen jungen Zweigen kann man den Baum gut erkennen, denn sie sind kahl und bläulich bereift. Der Eschen-Ahorn wird bis zu 25 m hoch und ist gut an Standorte angepasst, die vom Menschen gestört werden. Er besitzt einen Vorwaldcharakter, was bedeutet, dass er nach einigen Jahren von dominanteren Bäumen verdrängt wird. Selbst in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet in Nordamerika gibt es keine Wälder, die nur aus Eschen-Ahorn bestehen.

Typische Standorte, die der Eschen-Ahorn besiedelt, sind Auen und Feuchtgebiete, da er gut mit längeren Überflutungszeiträumen zurechtkommt.
Die Baumart ist getrenntgeschlechtlich, was bedeutet, dass es männliche und weibliche Bäume gibt. Beide sollten in unmittelbarer Nähe vorkommen, damit sich der Eschen-Ahorn fortpflanzen kann. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich über den Wind und der weibliche Baum kann bis zu 20 000 Samen pro Jahr produzieren. Durch diese hohe Anzahl an Samen gelingt es dem Baum gut, sich auf Kahlflächen zu etablieren.

Einführung in Europa

1628 wurde der Eschen-Ahorn das erste Mal in einem Garten in England angepflanzt. Von dort breitete er sich nach und nach über Europa aus und kam über die Niederlande nach Mitteleuropa. Hier fand er Verwendung als Alleebaum und auch in Winterschutzhecken. Aber auch als Stadt- und Parkbaum wurde und wird der Eschen-Ahorn bis heute angepflanzt. Von Vorteil kann sein, dass er relativ gut mit Abgasen zurechtkommt und auch gegenüber Kälte oder Dürre resistenter ist als andere Baumarten und Ahornarten.

Verwendung

Allzu viel ist nicht über die Verwendung des Holzes bekannt. Es wird hauptsächlich als Brennholz verwendet werden. Das Holz kann jedoch auch mit anderen Holzarten gemischt zu Faser- und Spanplatten verarbeitet werden. Daher ist der kommerzielle Nutzwert von Eschen-Ahorn relativ gering.

Aussehen

Eschen-Ahorn ist sommergrün mit graubrauner Rinde. Seine Blüten treten vor den Blättern in Erscheinung, sind hängend und eingeschlechtlich. Zumeist sind sie einfarbig grün, es gibt aber auch eine Sorte des Eschen-Ahorns, die zweifarbige grün-weißliche Blätter hat. Diese wird nur in Parks oder als Zierbaum verwendet und kommt selten im Wald vor. Die Früchte des Eschen-Ahorns sind geflügelt wie die der anderen Ahornarten. Sie hängen in Ständen und bleiben oft über den Winter bis zum Frühjahr hängen.

Weiteres

Der Eschen-Ahorn beginnt schon früh im Jahr zu blühen und bietet somit Bienen und anderen nektarsuchenden Tierarten eine erste Nahrungsquelle.

Der Baum kann zudem auf freien Flächen als Lückenfüller dienen, wo Überflutungen zu lange für andere Baumarten wie Weiden und Pappeln andauern. Untersuchungen zeigen, dass die Befürchtung, der Eschen-Ahorn könnte einheimische Pflanzen verdrängen, unbegründet ist. Eschen-Ahorn ist trockentolerant und winterhart, was besonders in der Stadt von Vorteil ist. Dazu kommt, dass er kaum frostempfindlich ist. Des Weiteren dient der Baum zur Hangbefestigung und als Bodendecker auf freien Flächen. Der Eschen-Ahorn wurde im Allgemeinen eher auf freien Flächen zum Schutz vor Wind und Sonne gepflanzt als im Wald, spielt dort also eine untergeordnete Rolle.

Im Hinblick auf den Klimawandel können die Eigenschaften des Eschen-Ahorns von Vorteil sein. Er kann im Stadtbereich zur Begrünung genutzt werden und die Luft reinigen. Im Wald kann er, wie erwähnt, zur Erstbesiedlung und Bedeckung von freien Flächen dienen.

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Neobiota in Europa und Österreich

Im ersten Artikel dieses Journals sind Neobiota im historischen Kontext beleuchtet worden. Wie aber sieht die heutige Situation in Zentraleuropa aus? Und was lässt sie erfolgreich werden?

Als invasiv werden Arten bezeichnet, die gebietsfremd sind und gegenüber einheimischen Arten, Biotopen oder Lebensgemeinschaften unerwünschte Auswirkungen haben. Sie verdrängen und konkurrieren zum Beispiel in einem Gebiet mit der dort vorkommenden Art, können aber auch als invasiv bezeichnet werden, wenn sie ökonomische oder gesundheitliche Probleme verursachen.

In Europa hat sich die Zahl der Neobiota seit dem letzten Jahrhundert verfünffacht. Schätzungsweise lässt sich hierbei sagen, dass es zwischen 12.000 und 14.000 Neobiota in Europa gibt. Die Tendenz ist steigend. Laut Forschungen der EU sind von der Gesamtanzahl der Neobiota etwa 7.000 Arten Neophyten, also eingeführte Pflanzenarten.

Zurzeit sind in Österreich etwa 2.000 Neobiota bekannt, von denen 1.300 Neophyten sind. Davon sind aber gerade einmal ein Viertel in der Lage, sich selbstständig fortzupflanzen. Die restlichen drei Viertel kommen hier nur vor, weil sie regelmäßig vermehrt werden. Außerdem sind von den über tausend Neophyten nur 14 bzw. 49 Arten – je nach Definition – als invasiv einzustufen.

Gefahren mindern

Damit Gefahren, die neue Arten mit sich führen können und um deren Einschleppung zu mindern, gilt es zahlreiche Regelungen und Gesetze zu beachten. Sie sind zum Beispiel in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, der Berner Konvention sowie dem Washingtoner Artenschutzabkommen aufgeführt.

Auf EU-Ebene treten verschiedene Verordnungen in Kraft. Die Verordnung über die „Prävention und das Management der Einführung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ ist ein Beispiel dafür, welche zusätzlich durch die Quarantänebestimmungen vervollständigt und unterstützt wird. Dadurch sollen die Ein- bzw. Verschleppung von Neobiota gemindert werden, um potenzielle Gefahren durch invasive Arten zu mindern.

Klimawandel und Globalisierung führen zu schnellerer Ausbreitung

Die Ursachen der Einführung von nicht heimischen Arten können vielfältig sein. Zum Beispiel kommt es durch die Globalisierung mit ständigem Warenaustausch zu einer unbeabsichtigten Verschleppung von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Krankheiten. So sind wir Menschen dafür verantwortlich und tragen durch die vielen Reisen zum Austausch der Arten bei. Weiterhin wird die Ausbreitung der Arten durch den Klimawandel begünstigt. Durch Temperaturveränderungen können sich wärmeliebende Arten in anderen Habitaten besser etablieren und die heimischen Arten verdrängen. Zudem entstehen durch den Klimawandel immer neue Nischen, in denen sich besser angepasste Neobiota etablieren können. Auch das Ausbreitungspotenzial potenziell invasiver Arten wandelt sich durch das Klima und fördert so ihre Ausbreitung.

Häufig ist in intakten Ökosystemen das Ausbreitungspotential invasiver Arten beschränkt. Fremde Arten können sich dort schlechter etablieren, da die ökologischen Nischen bereits weitestgehend besetzt sind. Ob neu eingeführte Arten per se unsere Ökosysteme beeinflussen, lässt sich pauschal nicht beantworten. Vielmehr sollten die Umstände betrachtet werden, in denen sie vorkommen. Viele der Arten werden, wenn sie eine ökologische Nische gefunden haben, mit der Umgebung koexistieren und keine Probleme bereiten. Einige werden trotzdem invasiv, welche dann genau beobachtet werden sollten. Bevor Maßnahmen zur Bekämpfung einer invasiven Art unternommen werden, sollten immer die Kosten und Nutzen abgewägt werden. Oft ist eine Bekämpfung nicht nötig oder ineffektiv.

Erfolgreiche Neuankömmlinge

Eine der wohl bekanntesten Neobionten ist der Waschbär (Procyon lotor). Er ist ein Ausbreitungsbeispiel für eine eingeführte Tierart in hiesigen Breiten. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet wurde er zur Pelzzucht in Europa eingeführt. Dort wurde er in Pelztierfarmen gehalten und aus einer dieser Farmen in Hessen brach er im 20. Jahrhundert aus. Von dort hat er sich über die Jahre in Deutschland ausgebreitet und kommt vor allem in Hessen und Brandenburg vor. Ob der Waschbär nun schädlich für heimische Tier- und Pflanzenarten ist oder nicht, ist umstritten.

Auch die Robinie (Robinia pseudoacacia) wurde im 17. Jahrhundert zuerst als Park- und Zierpflanze eingeführt und überwiegend in botanischen Gärten gepflanzt. Von dort breitete sie sich über Europa aus und etablierte sich in geschädigten Wäldern und Schadflächen. Da sie Stickstoff aus der Luft binden kann, kann sie auch gut auf mageren Standorten gedeihen. So düngt sie sich und die Umgebung selbst, sodass eine neue Artenzusammensetzung entsteht. Mittlerweile zum Teil im Waldbau verwendet, gibt es auch über die Robinie kontroverse Meinungen.

Weltweit wird viel Geld für die Bekämpfung von Neobiota ausgegeben. Da viele Pflanzen jedoch nur mit Hilfe von Glyphosat oder mittels Feuer in den Griff zu bekommen sind, tragen betroffene Ökosysteme immer Schäden davon. In Deutschland werden allein für die Bekämpfung des japanischen Staudenknöterichs 6,2 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben. Die darauffolgende Ufersicherung kostet zusätzlich noch einmal 16,7 Millionen Euro. Aber warum werden Neobiota überhaupt bekämpft? Viele der neuen Arten sind zum Beispiel nach Stürmen, Waldbränden oder Kahlschlägen wichtig für die erste Bodendeckung. Wichtige Arten sind z.B. schnellwachsende Baumarten wie die Spätblühende Traubenkirsche oder Robinie. Die Robinie kann auf nährstoffarmen und kargen Böden wachsen und so zum Beispiel auch beim Erosionsschutz an Hängen helfen. Meist werden diese Pflanzen, welche kahle Flächen besiedeln und nicht heimisch sind, nach und nach von heimischen Bäumen wieder auf kleine Areale zurückgedrängt.

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Zitrusbockkäfer

Weniger gefährlich erscheint der Zitrusbockkäfer (Anoplophora chinensis), da er sich bisher weniger gut etablieren konnte als sein Verwandter, der Asiatische Laubholzbockkäfer. Erste Befälle wurden im Jahr 2000 nahe Mailand gemeldet. Heute sind dort etwa 400 km² Wald durch den Käfer befallen. Im restlichen Europa wurden bisher nur vereinzelte Fälle des Befalls durch den Zitrusbockkäfer gemeldet. Er wurde über Pflanzenlieferungen eingeführt, da er sich in der Regel in unteren Teil des Stamms und in den Wurzeln entwickelt. Wird ein erwachsener Baum befallen, kann er eine gewisse Zeit standhalten. In ihrer Jugendphase sind die Bäume jedoch anfälliger und sterben sehr schnell ab.

Unterschiede zum Asiatischen Laubholzbockkäfer

Der Zitrusbockkäfer ist im Schnitt etwas größer als der Asiatische Laubholzbockkäfer. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist jedoch das vordere Fünftel der Flügeldecke. Beim Zitrusbockkäfer ist es deutlich gekörnter als beim Asiatischen Laubholzbockkäfer. Dieser hat nur eine feine Punktierung, ansonsten ist dieser Bereich jedoch glatt.

Das Weibchen nagt für die Eiablage nicht am Stamm, sondern am Fuß oder an oberflächlichen Wurzeln des Wirtsbaumes. Ansonsten verläuft die weitere Entwicklung wie die des Asiatischen Laubholzbockkäfers; mit dem Unterschied, dass die Larven sich von der Rinde und dem Holz der Baumwurzeln ernähren. Auch ist der Zitrusbockkäfer etwas bewegungsfreudiger und somit aktiver als der Asiatische Laubbockkäfer. Dennoch verbleibt er häufig in einem Radius von 500 m.

Die Unterscheidung zwischen Asiatischem Laubholzbockkäfer und Zitrusbockkäfer ist im Larvenstadium nur mittels einer genetischen Analyse möglich.

Bekämpfung

Als einzige Bekämpfungsmaßnahme ist zurzeit das sofortige Einschlagen und Häckseln der betroffenen Bäume bekannt. In den USA werden unter anderem auch Insektizide eingesetzt, indem der Boden oder der Baum mit ihnen geimpft werden. Das Einsetzen von Chemie ist jedoch immer mit großer Vorsicht zu betrachten. Denn es hat nicht nur einen immensen Einfluss auf den einzelnen Baum oder das Waldökosystem, sondern darüber hinaus auch Einfluss auf das Grundwasser und auf die Umwelt. In der Schweiz wurde eine Impfung entwickelt, die bereits für die Kastanienminiermotte eingesetzt wurde. Es ist jedoch aus ökonomischer sowie organisatorischer Sicht schwierig ganze Bestände zu impfen. Eine Hilfe können Spürhunde sein, die auf Käferarten spezialisiert wurden. Durch ihre besonders gute Nase spüren sie Stoffe, die die Käfer absondern, zuverlässig auf, solange diese in Geruchsweite sind. 

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Schädlinge im Wald

Was macht einen „Schädling“ überhaupt zu einem Schädling? Und welche Auswirkungen haben sie auf Ökosysteme? Der Begriff „Schädling“ ist ein rein anthropozentrischer, weil sich dieser Begriff vor allem auf Schäden in der Wirtschaft bezieht, oft gepflanzte Monokulturen betrifft und noch dazu oft durch anthropogen eingeschleppte „Schädlinge“ verursacht wird.

Wald- und Forstschädlinge

Waldschädling oder auch Forstschädling werden Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und Pilze genannt, die negative Auswirkungen auf die Fauna, hier im speziellen das Waldökosystem, haben. Die Schädlinge beeinflussen das Wachstum, aber auch die Gesundheit der Bäume nachhaltig. Bekannte Schädlinge sind z.B. verschiedene Arten des Borkenkäfers, andere Schadinsekten wie der Eichenprozessionsspinner, Mäuse, Wild und Pilze.

Meist haben Schädlinge nur dann eine negative Wirkung, wenn sie in Massen vorkommen. Dies kann zyklisch – oft im Abstand einiger Jahre – passieren oder auch spontan, wenn optimale Bedingungen vorliegen. Spontane Vermehrung kann durch gute Reproduktionsbedingungen, das Fehlen von (natürlichen) Gegenspielern oder ein Überangebot an Nahrung, meistens in Monokulturen, ausgelöst werden. Dann kann es vorkommen, dass Arten in Massen auftreten und Schäden an den Bäumen entstehen.

Die Kategorie Schädling ist eine durch den Menschen definierte Kategorie, die sich rein danach richtet, was als schädlich für die Forstwirtschaft angesehen wird. Insekten machen den Großteil der so genannten Schädlinge aus. Zwar schwächen viele Insekten die Bäume, in denen sie leben, sodass sie im schlimmsten Fall im Zuge des Befalls absterben. Doch dies sind natürliche Prozesse, die so schon immer ablaufen. Erst durch den Menschen kriegen sie eine Bewertung, da Waldbesitzer ein Massensterben oder Schäden an Bäumen nicht gerne sehen, da dadurch ein Wertverlust entsteht.

Auf der anderen Seite sind viele der von Menschen gepflanzten Forste prädestiniert für Schädlingsvermehrung. Monokulturen machen den Borkenkäfern die Vermehrung einfach und bieten ihnen ein Festmahl. Und auch Pilze können sich so optimal auf der vorhandenen Baumart ausbreiten. Und auch abiotische Schadfaktoren, wie zum Beispiel Stürme, haben es in Monokulturen einfacher, Schaden anzurichten. Andere Baumarten, die solche Ereignisse abpuffern könnten, sind in den Wäldern häufig nicht vorhanden oder nicht in einem Maße, wie es eigentlich gut wäre.

Was kann gegen sie getan werden?

Natürliche Gegenspieler der Schädlinge sind meistens andere Insekten, die sich von ihnen ernähren und sie so einem geringen Level halten. Wenn sich die Schädlinge stark vermehren, vermehren sich auch die Gegenspieler stärker, da ein größeres Nahrungsangebot vorhanden ist. So halten sich die Zahlen der Schädlinge und Nützlinge normalerweise beiderseits im Gleichgewicht. Auch Vögel ernähren sich teilweise von den Schädlingen, spielen aber meistens keine große Rolle.

Außerdem können sich die Bäume oft selbst gegen die Schädlinge zur Wehr setzen. Eine undurchdringliche Rinde oder die Produktion von abschreckenden oder giftigen Stoffen, vor allem im Harz, schützt gesunde Bäume. Andere Gegenspieler zur Eingrenzung der Schadinsekten können Krankheiten sein. Wenn die Zahl der Schädlinge explosionsartig zunimmt, können sich auch Krankheiten innerhalb der Population schnell verbreiten. Andere Faktoren greifen oft erst, wenn der Schaden entstanden ist. Wenn viele Bäume sterben, entsteht ein Nahrungsunterangebot oder die Schädlinge finden keine neuen Bäume zum Nisten.

Neue Bedrohungen – nicht mehr „nur“ der Borkenkäfer

Durch den globalen Handel wird die Einwanderung von Schädlingen enorm begünstigt und so steigt die Zahl der nicht heimischen Schädlinge zunehmend an. Durch den Klimawandel und mildere Winter gelingt ihnen zunehmend auch die Etablierung in nördlicheren Regionen. Die Schädlinge gelangen hauptsächlich aus Asien und Nordamerika zu uns, da dort ähnliche klimatische Bedingungen herrschen und ähnliche Wirtspflanzen vorhanden sind. Deswegen ist die Nahrungsgrundlage für Schädlinge gesichert, jedoch fehlen die Gegenspieler aus der Heimat gänzlich. So kommt es global zu der Verdrängung heimischer Arten sowie dem Absterben der Wirtspflanzen. Insbesondere der Wald ist davon betroffen, da etwa ein Drittel der eingeschleppten Insekten Bäume befallen. Aber auch andere Gefahren wie Pilze und Viren werden eingeschleppt und bedrohen die heimische Fauna. Doch unsere Ökosysteme in Mitteleuropa, wie auch Ökosysteme im Allgemeinen sind nicht statisch. Da sich Ökosysteme natürlicherweise ständig wandeln und dynamisch sind, sind sie ebenso anpassungsfähig.

Auch die Globalisierung macht es den Schädlingen einfacher. Zum Beispiel werden sie über Palettenholz in neue Länder eingeführt. Dort fehlen oft Faktoren und Gegenspieler, die die Ausbreitung verhindern würden. So können neu ankommende Schädlinge großen Schaden anrichten, wenn sie günstige Bedingungen vorfinden. So kommt zu Massensterben, wenn neue Schädlinge auftauchen und heimische Pflanzenarten können verdrängt werden.

Betroffen sind oft zunächst Stadtareale, da dort importiertes Holz ankommt, mit dem neue Schädlinge in neue Gebiete gelangen. Von dort ausgehend breiten sich die Schädlinge immer weiter aus und treffen früher oder später auf den Wald. Da dieser in den letzten Jahrzehnten durch künstliche Monokulturen und standortsfremde Baumarten verändert wurde und somit anfälliger ist, haben ankommende Schädlinge ein leichtes Spiel.

Wie können wir vorbeugen?

Zum einen lassen sich durch strengere Importkontrollen Schädlinge finden und beseitigen. Abhilfe könnten hier zum Beispiel speziell trainierte Hunde bieten. Sie können die Schädlinge, nachdem man sie darauf trainiert hat, erschnüffeln. So werden in Baumschulen Hunde zur Erkennung des Asiatischen Laubholzbockkäfers eingesetzt. Findet der Vierbeiner einen Käfer, so muss die Baumschule geschlossen werden, kann aber „Bekämpfungsmaßnahmen“ gegen ihn einsetzen. Dies kann in einigen Fällen Sicherheit bieten, ist aber kein totaler Schutz.

Zum anderen kann importiertes Holz einer Schadstoffbehandlung ausgesetzt werden. Dies kann entweder physikalisch geschehen, indem das Holz mit hochenergetischer Strahlung behandelt wird, so wie es auch bei manchen Lebensmitteln eingesetzt wird. Oder das Holz wird chemisch mit Insektiziden behandelt. Beides tötet im Idealfall Schädlinge ab ohne Rückstände im Holz zurück zu lassen. Diese Methoden sind aufgrund möglicher ökologischer Schäden jedoch umstritten. Dazu kommt, dass auch sie keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Dafür gibt es zu viele andere Wege für Schädlinge in ein neues Land zu gelangen.

An den jeweiligen Standort angepasste Wälder mit eine naturnahen Baumartenzusammensetzung, beugen jedoch langfristig Schäden vor. Denn besonders anfällig sind Fichten- und Kiefern-Monokulturen, die auf ungeeigneten Standorten wachsen. Die Fichte beispielsweise nutzt nur das Wasser aus oberen Bodenlagen und trocknet so den Boden während Dürreperioden schnell aus. Der Borkenkäfer hat dann leichtes Spiel mit der bereits geschwächten Fichte und kann ganze Bestände gefährden. Die Fichten mit Laubbäumen zu mischen, wäre eine Maßnahme für die Zukunft, erfordert jedoch Zeit und geht mit einem Verlust des Holzertrags einher. Denn wachsen langsamer und produzieren so weniger Holz. So kann man seine Bestände durch einen stabilen Mischwald aber durchaus schützen. Nicht nur vor Schädlingen, sondern auch vor Waldbränden und anderen Gefahren.

Zu den am meisten gefürchteten Waldschädlingen in Mitteleuropagehören zur Zeit der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) und der Zitrusbockkäfer (Anoplophora chinensis). Diese gehören zu den sogenannten „Quaräntaneschaderregern“. Das bedeutet es wird alles unternommen, um ihre Ausbreitung zu verhindern.

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