Multiperspektivischer Blick auf die Biodiversität der Fauna von Wald und Waldrandgebieten im Tiroler Oberland

Im August 2020 fand im Tiroler Oberland eine Veranstaltung statt, die sich mit der Biodiversität der Fauna in Wald- und Waldrandgebieten beschäftigte. Die Veranstaltung umfasste eine Alm- und Waldbegehung, gefolgt von einem intensiven Fachaustausch. Ziel war es, die verschiedenen Perspektiven von Experten aus Österreich und Italien zu bündeln und gemeinsame Ansätze zum Schutz und Management der Fauna zu entwickeln.

Die gemischte Gruppe aus Italien und Österreich bestand aus Georg Kaltschmid, Kimbie Humer-Vogl, Wolfgang Egg, Astrid Roessl, Barbara Czerny, Clemens Stammler, Martina Fallner, Johanna Platzgummer, Peter Gasser, Hanspeter Staffler und Thomas Schranz.

Alm- und Waldbegehung: Die Begehung ermöglichte eine direkte Beobachtung der Flora und Fauna der Region. Verschiedene Tierarten und ihre Lebensräume wurden dokumentiert, darunter seltene und bedrohte Arten. Eine Untersuchung der unterschiedlichen Lebensräume innerhalb der Wald- und Waldrandgebiete und deren Bedeutung für die Fauna sowie eine Analyse der ökologischen Vielfalt und der Wechselwirkungen zwischen den Arten wurde durchgeführt.

Das anschließende Fachgespräch brachte die folgenden Themen und Diskussionen hervor:

  • Vorstellung und Diskussion von Managementstrategien zur Förderung der Biodiversität. Mit der Empfehlung Managementstrategien zu entwickeln und zu implementieren, die die spezifischen Bedürfnisse der identifizierten Arten berücksichtigen.
  • Identifizierung von Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Arten und Lebensräume.
  • Austausch über gemeinsame Herausforderungen und Problemlösungen im grenzüberschreitenden Kontext.
  • Diskussion über die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Österreich und Italien zur besseren Koordination von Schutzmaßnahmen.
  • Mögliche Etablierung eines kontinuierlichen Monitorings zur Beobachtung der Entwicklung der Fauna in Wald- und Waldrandgebieten  sowie der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen.

Die gemischte Teilnehmergruppe ermöglichte einen wertvollen Austausch kultureller und ökologischer Perspektiven, was zu einem umfassenderen Verständnis der regionalen Biodiversität beitrug. Die Alm- und Waldbegehung und der Austausch zwischen den Teilnehmern gaben Impulse zur Weiterentwicklung von Schutzstrategien und Managementpraktiken.

Schädlinge im Wald

Was macht einen „Schädling“ überhaupt zu einem Schädling? Und welche Auswirkungen haben sie auf Ökosysteme? Der Begriff „Schädling“ ist ein rein anthropozentrischer, weil sich dieser Begriff vor allem auf Schäden in der Wirtschaft bezieht, oft gepflanzte Monokulturen betrifft und noch dazu oft durch anthropogen eingeschleppte „Schädlinge“ verursacht wird.

Zum Nachlesen: Nature.org

Wald- und Forstschädlinge

Waldschädling oder auch Forstschädling werden Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und Pilze genannt, die negative Auswirkungen auf die Fauna, hier im speziellen das Waldökosystem, haben. Die Schädlinge beeinflussen das Wachstum, aber auch die Gesundheit der Bäume nachhaltig. Bekannte Schädlinge sind z.B. verschiedene Arten des Borkenkäfers, andere Schadinsekten wie der Eichenprozessionsspinner, Mäuse, Wild und Pilze.

Meist haben Schädlinge nur dann eine negative Wirkung, wenn sie in Massen vorkommen. Dies kann zyklisch – oft im Abstand einiger Jahre – passieren oder auch spontan, wenn optimale Bedingungen vorliegen. Spontane Vermehrung kann durch gute Reproduktionsbedingungen, das Fehlen von (natürlichen) Gegenspielern oder ein Überangebot an Nahrung, meistens in Monokulturen, ausgelöst werden. Dann kann es vorkommen, dass Arten in Massen auftreten und Schäden an den Bäumen entstehen.

Die Kategorie Schädling ist eine durch den Menschen definierte Kategorie, die sich rein danach richtet, was als schädlich für die Forstwirtschaft angesehen wird. Insekten machen den Großteil der so genannten Schädlinge aus. Zwar schwächen viele Insekten die Bäume, in denen sie leben, sodass sie im schlimmsten Fall im Zuge des Befalls absterben. Doch dies sind natürliche Prozesse, die so schon immer ablaufen. Erst durch den Menschen kriegen sie eine Bewertung, da Waldbesitzer ein Massensterben oder Schäden an Bäumen nicht gerne sehen, da dadurch ein Wertverlust entsteht.

Auf der anderen Seite sind viele der von Menschen gepflanzten Forste prädestiniert für Schädlingsvermehrung. Monokulturen machen den Borkenkäfern die Vermehrung einfach und bieten ihnen ein Festmahl. Und auch Pilze können sich so optimal auf der vorhandenen Baumart ausbreiten. Und auch abiotische Schadfaktoren, wie zum Beispiel Stürme, haben es in Monokulturen einfacher, Schaden anzurichten. Andere Baumarten, die solche Ereignisse abpuffern könnten, sind in den Wäldern häufig nicht vorhanden oder nicht in einem Maße, wie es eigentlich gut wäre.

Was kann gegen sie getan werden?

Natürliche Gegenspieler der Schädlinge sind meistens andere Insekten, die sich von ihnen ernähren und sie so einem geringen Level halten. Wenn sich die Schädlinge stark vermehren, vermehren sich auch die Gegenspieler stärker, da ein größeres Nahrungsangebot vorhanden ist. So halten sich die Zahlen der Schädlinge und Nützlinge normalerweise beiderseits im Gleichgewicht. Auch Vögel ernähren sich teilweise von den Schädlingen, spielen aber meistens keine große Rolle.

Außerdem können sich die Bäume oft selbst gegen die Schädlinge zur Wehr setzen. Eine undurchdringliche Rinde oder die Produktion von abschreckenden oder giftigen Stoffen, vor allem im Harz, schützt gesunde Bäume. Andere Gegenspieler zur Eingrenzung der Schadinsekten können Krankheiten sein. Wenn die Zahl der Schädlinge explosionsartig zunimmt, können sich auch Krankheiten innerhalb der Population schnell verbreiten. Andere Faktoren greifen oft erst, wenn der Schaden entstanden ist. Wenn viele Bäume sterben, entsteht ein Nahrungsunterangebot oder die Schädlinge finden keine neuen Bäume zum Nisten.

Neue Bedrohungen – nicht mehr „nur“ der Borkenkäfer

Durch den globalen Handel wird die Einwanderung von Schädlingen enorm begünstigt und so steigt die Zahl der nicht heimischen Schädlinge zunehmend an. Durch den Klimawandel und mildere Winter gelingt ihnen zunehmend auch die Etablierung in nördlicheren Regionen. Die Schädlinge gelangen hauptsächlich aus Asien und Nordamerika zu uns, da dort ähnliche klimatische Bedingungen herrschen und ähnliche Wirtspflanzen vorhanden sind. Deswegen ist die Nahrungsgrundlage für Schädlinge gesichert, jedoch fehlen die Gegenspieler aus der Heimat gänzlich. So kommt es global zu der Verdrängung heimischer Arten sowie dem Absterben der Wirtspflanzen. Insbesondere der Wald ist davon betroffen, da etwa ein Drittel der eingeschleppten Insekten Bäume befallen. Aber auch andere Gefahren wie Pilze und Viren werden eingeschleppt und bedrohen die heimische Fauna. Doch unsere Ökosysteme in Mitteleuropa, wie auch Ökosysteme im Allgemeinen sind nicht statisch. Da sich Ökosysteme natürlicherweise ständig wandeln und dynamisch sind, sind sie ebenso anpassungsfähig.

Auch die Globalisierung macht es den Schädlingen einfacher. Zum Beispiel werden sie über Palettenholz in neue Länder eingeführt. Dort fehlen oft Faktoren und Gegenspieler, die die Ausbreitung verhindern würden. So können neu ankommende Schädlinge großen Schaden anrichten, wenn sie günstige Bedingungen vorfinden. So kommt zu Massensterben, wenn neue Schädlinge auftauchen und heimische Pflanzenarten können verdrängt werden.

Betroffen sind oft zunächst Stadtareale, da dort importiertes Holz ankommt, mit dem neue Schädlinge in neue Gebiete gelangen. Von dort ausgehend breiten sich die Schädlinge immer weiter aus und treffen früher oder später auf den Wald. Da dieser in den letzten Jahrzehnten durch künstliche Monokulturen und standortsfremde Baumarten verändert wurde und somit anfälliger ist, haben ankommende Schädlinge ein leichtes Spiel.

Wie können wir vorbeugen?

Zum einen lassen sich durch strengere Importkontrollen Schädlinge finden und beseitigen. Abhilfe könnten hier zum Beispiel speziell trainierte Hunde bieten. Sie können die Schädlinge, nachdem man sie darauf trainiert hat, erschnüffeln. So werden in Baumschulen Hunde zur Erkennung des Asiatischen Laubholzbockkäfers eingesetzt. Findet der Vierbeiner einen Käfer, so muss die Baumschule geschlossen werden, kann aber „Bekämpfungsmaßnahmen“ gegen ihn einsetzen. Dies kann in einigen Fällen Sicherheit bieten, ist aber kein totaler Schutz.

Zum anderen kann importiertes Holz einer Schadstoffbehandlung ausgesetzt werden. Dies kann entweder physikalisch geschehen, indem das Holz mit hochenergetischer Strahlung behandelt wird, so wie es auch bei manchen Lebensmitteln eingesetzt wird. Oder das Holz wird chemisch mit Insektiziden behandelt. Beides tötet im Idealfall Schädlinge ab ohne Rückstände im Holz zurück zu lassen. Diese Methoden sind aufgrund möglicher ökologischer Schäden jedoch umstritten. Dazu kommt, dass auch sie keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Dafür gibt es zu viele andere Wege für Schädlinge in ein neues Land zu gelangen.

An den jeweiligen Standort angepasste Wälder mit eine naturnahen Baumartenzusammensetzung, beugen jedoch langfristig Schäden vor. Denn besonders anfällig sind Fichten- und Kiefern-Monokulturen, die auf ungeeigneten Standorten wachsen. Die Fichte beispielsweise nutzt nur das Wasser aus oberen Bodenlagen und trocknet so den Boden während Dürreperioden schnell aus. Der Borkenkäfer hat dann leichtes Spiel mit der bereits geschwächten Fichte und kann ganze Bestände gefährden. Die Fichten mit Laubbäumen zu mischen, wäre eine Maßnahme für die Zukunft, erfordert jedoch Zeit und geht mit einem Verlust des Holzertrags einher. Denn wachsen langsamer und produzieren so weniger Holz. So kann man seine Bestände durch einen stabilen Mischwald aber durchaus schützen. Nicht nur vor Schädlingen, sondern auch vor Waldbränden und anderen Gefahren.

Zu den am meisten gefürchteten Waldschädlingen in Mitteleuropagehören zur Zeit der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) und der Zitrusbockkäfer (Anoplophora chinensis). Diese gehören zu den sogenannten „Quaräntaneschaderregern“. Das bedeutet es wird alles unternommen, um ihre Ausbreitung zu verhindern.

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Was ist die Antwort auf das Waldsterben?

Nach den Katastrophenjahren 2018 und 2019 für den mitteleuropäischen Wald ist klar, dass wir eine Antwort brauchen. Besonders betroffen war Deutschland, wo deswegen seit spätestens letztem Sommer eine hitzige Debatte geführt wird, wie man den deutschen Wald auf die Zukunft vorbereiten kann. Alle Experten sind sich einig, dass die Hitze- und Dürrewellen zwar der Auslöser für das Waldsterben sind, die eigentliche Ursache für flächendeckende Brände, Krankheiten und Schädlingsbefall aber eine nicht standortgerechte Forstwirtschaft in den letzten Jahrzehnten ist.

Besonders die uniformen Kiefer- und Fichtenmonokulturen auf oft ungeeigneten Standorten werden kritisiert. Diese wurden seit dem zweiten Wetlkrieg gepflanzt, weil sie schnellen Ertrag versprechen und einfach zu bewirtschaften sind. Im Angesicht der Klimakrise ist jedoch klar, dass diese Monokulturen kein zukunftsträchtiges Modell sind.

Politik greift zu schneller Antwort

Die deutsche Politik war schnell eine einfache Antwort zu liefern: Aufräumen und Aufforsten! Dieser Ansatz bekämpft zwar kurzfristig das Symptom, aber nicht langfristig die Ursache. Statt überhetzt gepflanzten Monokulturen, die der nächsten Dürreperiode wieder zum Opfer fallen, brauchen wir einen Wald, der den Wetterextremen der Klimakrise gegnüber resilient ist.

Die Krux in der Fortwirtschaft sind die vielfältigen Interessen aus verschiedenen Richtungen. Für viele private Waldbesitzer und öffentliche Forstbetriebe ist Profitabilität immer noch die oberste Maxime. Sie befinden sich in Abhängigkeit von einem System, wo Wald als wirtschaftliches Vermögen angesehen wird und das auf möglichst viel Ertrag von möglichst billigem Holz ausgerichtet ist. Naturschützer hingegen fordern, die ökologische Bedeutung des Waldes in den Mittelpunkt zu stellen. Der Wald ist eine wichtigsten Komponenten im Kampf gegen die Klimakrise und erfüllt eine unendliche Vielfalt an ökologischen Funktionen. Als Antwort auf die Kimakrise fordern viele jedoch auch Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen, da es im Gegensatz zu vielen anderen Baustoffen in der Produktion Kohlendioxid bindet statt ausstößt.

Wo sich die meisten einig sind, ist, dass der Forstsektor in Deutschland seit vielen Jahren vernachlässigt wurde. An vielen Stellen wurde so viel Personal gestrichen, dass der schon seit langem forcierte Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern oft kaum vorankam. Zusätzlich beklagen Forschungsinstitute und Universitäten, dass Forschung zu einem zukunftsfähigen Wald in Zeiten der Klimakrise vernachlässigt wurde. Außerdem müsse erforscht werden, wie die Holzverwertung geändert werden könne, um eine naturnahe Bewirtschaftung profitabel zu machen. Deswegen wird jetzt gefordert, wieder mehr Personal einzustellen und neue Kapazitäten in der Waldforschung zu schaffen.

Kann der Wald die Antwort selbst liefern…

Experten, die die ökologische Funktion des Waldes in den Vordergrund stellen, haben zwei Kernforderungen: eine Neudefinierung der Nachhaltigkeit und mehr Vertrauen in die natürliche Regeneration des Waldes. Im Mutterland der Nachhaltigkeit wird kritisiert, dass der Begriff bis heute zu einseitig ausgelegt wird und sich nur auf die eingeschlagene Holzmenge bezieht. Die vielfältigen Ökosystemdienstleistungen und andere sozio-ökonomische Nutzen werden außer Acht gelassen.

Ausgehend von der Annahme, dass wir nicht genug darüber wissen, wie sich die klimatischen und biotischen Faktoren in den nächsten Jahrzehnten ändern werden, lehnen diese Experten übereilten Aktionismus als schnelle Antwort ab. Sie unterstützen eine natürliche Regeneration der zerstörten Waldflächen. Natürlich gewachsene Wälder hätten die größte Resilienz gegen Änderungen der Standortbedingungen. Zu einer natürlichen Regeneration gehört das Zurücklassen von Totholz im Wald und eine Reduktion des Wildbestandes oder Einzäunung von Regenerationsflächen, da in Deutschland ebenso wie in Österreich die Wilddichte durch unzureichende Jagd und zusätzliche Fütterung so hoch ist, dass sie die natürliche Verjüngung des Waldes einschränkt.

… oder müssen wir eingreifen?

Andere Experten stellen die Holzproduktion in den Vordergrund. Für sie ist die Antwort ein gezielter Waldumbau mit trocken- und hitzeresistenten Arten. Auch sie fordern, die Arten- und Altersstruktur im Wald vielfältiger zu gestalten und die Palette von eingesetzten Arten zu erweitern. Dabei setzen sie vor allem auf Baumarten aus Südeuropa, Zentralasien und Amerika, wo Dürre und Hitze normal sind. Seit einigen Jahren werden diese Bäume auf ihre Tauglichkeit in Mitteleuropa getestet, jedoch bleiben Fragen, wie sie sich auf die heimische Biodiversität auswirken.

Und was ist die langfristige Antwort? Hier sind sich viele Experten einig. Wir brauchen eine naturnähere Bewirtschaftung der Wälder und eine schonendere Holzernte. Das schützt Vielfalt, Boden und Wasser in Wäldern, was existenziell für ihre Resilienz gegenüber sich ändernden Klimaverhältnissen ist.

Waldsterben – wie hilft die Politik?

Schon in den 1980er Jahren wurde, auf Grund des sauren Regens, von einem Waldsterben berichtet und auch heute wird dieser Begriff wieder verwendet. Nun fällt auch häufiger der Begriff Waldsterben 2.0. Unsere Wälder wurden in naher Vergangenheit stark strapaziert. Durch die immensen Schäden und Stressfaktoren geht es dem Wald nicht besonders gut, wie zahlreiche Berichte erzählen. Trockenstress, Brände, Stürme und Borkenkäfer machen den vielerorts nur aus Nadelreinbeständen bestehenden Wäldern zu schaffen. Weitere Informationen finden sich auch in anderen hier erschienenen Postings und dem vorherigen Teil dieser Serie.

Von den insgesamt 11,4 Millionen Hektar bestockte Waldfläche, was ca. 32% der Gesamtfläche Deutschlands entspricht, sind laut Angaben des Bundesumweltamtes schon 180 000 Hektar zerstört. Das waren 70 000 Hektar mehr als zu Beginn angenommen wurde. Bei einer Waldfläche von 11,4 Millionen Hektar entspricht das einem Verlust von ungefähr 1,6%. Wie viel anfälliger die Wälder für die zukünftigen Herausforderungen sind, kann allerdings nicht gesagt werden. Auch ob die verbleibenden Wälder resilient sind oder nicht, bleibt abzuwarten.

Lösungen für das Waldsterben?

Was aber macht die Politik in diesem Thema? Insgesamt, so wurde es beschlossen, sollen 800 Millionen Euro für die Rettung des Waldes zusammenkommen. Der Bund stellt insgesamt 547 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Mit den Zuschüssen der Länder wird dann die Gesamtsumme erreicht. Es sollen Privatwaldbesitzer unterstützt werden, sowie Forstpersonal ausgebildet und die Wiederbewaldung der geschädigten Flächen in Gang gebracht werden.

Weiterhin möchte Bundesagrarministerin Julia Klöckner ein „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“ zur Aufforstung der Wälder. Damit möchte sie den Verlust der jetzt vorhandenen Flächen wieder ausgleichen. Das Geld soll allerdings nicht als Schadensersatz dienen, sondern zur Anpassung gegen den Klimawandel verwendet werden. Dabei sollen dem Klima angepasste Mischwälder auf den neuen Flächen entstehen. Auch sollen die Borkenkäferherde eingegrenzt und das Schadholz aus dem Wald geholt werden, um die Flächen dann bereit zur Aufforstung zu machen.

Auch Borkenkäfer tragen zur Artenvielfalt bei

Die langanhaltende Hitze und daraus resultierende Trockenheit in vielen Teilen Deutschlands und der Welt, wirken sich nicht nur auf die Waldbrandgefahr aus, sondern erhöhen auch die Gefahr eines Borkenkäferbefalls. Durch die Trockenheit entsteht eine Stresssituation und die Bäume sind geschwächt. Das prädestiniert sie für den Befall von Borkenkäfern. 

Borkenkäfer bevorzugen geschwächte oder kranke Bäume. In diese können sie einfacher eindringen und die Bäume sind nicht in der Lage viel Harz als Abwehrreaktion gegen die Käfer zu bilden. Wenn ein Baum befallen ist, fressen sich die Larven unter der Rinde durch das Kambium, dabei unterbrechen so den Wasser- und Nährstofffluss des Baumes. Bei starkem Befall führt das zum Tod des Baumes.  

Problematisch für gesunde Bäume wird es erst bei einer Massenvermehrung der Borkenkäfer. Durch die Unmengen an Käfern fehlt ihnen „geeigneter“ Lebens- und Brutraum, dann befallen sie auch gesunde Bäume. Aufgrund des trockenen, für Borkenkäfer aber optimalen, Sommers 2018 hatten sie schon letztes Jahr gute Bedingungen und in einer Saison konnten drei vollständig entwickelte Generationen nachgewiesen werden.
Wegen dieser hohen Ausgangslage an Käfern, konnten sie dieses Frühjahr direkt ausfliegen und neue Bäume besiedeln. Auch die hohen Temperaturen ließen dieses Jahr ein gutes Jahr für die Borkenkäfer sein. Die großen Mengen Holz, die durch vergangene Stürme und Schneebruch im Wald verweilen, begünstigten zusätzlich die Verhältnisse für den Käferbefall. Die befallenen Teile des Waldes und größeren Mengen an Käferholz, werden mit kritischen Augen betrachtet, gilt der Borkenkäfer doch als größter Schädling in der Forstwirtschaft.

Nicht nur Zerstörung

Aber der Borkenkäfer bedeutet nicht nur Verlust und Zerstörung. Ein gutes Beispiel ist der Nationalpark Bayrischer Wald. In den 1990ern gab es hier Massenvermehrungen des Borkenkäfers, der Hektar um Hektar des Waldes befiel, allerdings wurde beschlossen nicht in das Geschehen einzugreifen. Ganz nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ wurden keine Sanitätshiebe durchgeführt, keine liegenden Bäume entrindet oder Totholz aus dem Wald geholt. Auch wenn es zu Beginn so aussah, dass sich der Wald nicht erholen wird und nur noch aus kahlen Baumskeletten besteht, ist im Laufe der Zeit wieder neuer Wald entstanden.

Der Borkenkäfer ist sozusagen ‚zuständig‘ für den Neuanfang im Wald, er trägt zu neuer Verjüngung bei. Durch die abgestorbenen Bäume fällt mehr Licht auf den Waldboden und ermöglicht es neuen und anderen Pflanzen und Baumsämlingen zu wachsen. Auch diejenigen, die viel Licht benötigen. Das verbleibende Totholz dient z.B. als Wasserspeicher und liefert Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil auf solche Lebensräume angewiesen sind, wie diverse Käferarten und der Duftende Feuerschwamm. Dieser Pilz kommt nur in Urwaldrelikten vor, benötigt sehr alte Tannen zum Leben und ist selten zu finden. Der Borkenkäfer trägt somit zur Artenvielfalt bei und bringt den (natürlichen) Kreislauf der Natur in Schwung. Zu Anfang hat er zwar eine Zerstörung hervorgerufen, danach kommt aber ein Neuanfang.

Treffen mit der HNE Eberswalde und Podiumsdiskussion zur Zukunft der Wälder in Deutschland

Treffen mit der HNE Eberswalde

Im Juni 2019 fand ein bedeutendes Treffen mit Vertretern der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) statt. Anwesend waren Christoph Nowicki und Prof. Dr. Pierre Ibisch von der HNEE sowie Markus Waldherr, ein erfahrener Forstwissenschaftler. 

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand das Projekt „Biodiv im Wald“, das den Schutz und die Förderung der biologischen Vielfalt in Wald- und Waldrandgebieten in Europa zum Ziel hat.

Während des Treffens wurden die bisherigen Fortschritte und Erkenntnisse des Projekts vorgestellt. Es wurde insbesondere die Bedeutung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung hervorgehoben, die sowohl den Anforderungen des Naturschutzes als auch den wirtschaftlichen Bedürfnissen gerecht wird. Die Teilnehmer diskutierten über innovative Ansätze, um die Biodiversität in Wäldern zu erhöhen und gleichzeitig die Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel zu verbessern. Christoph Nowicki und Pierre Ibisch brachten ihre Expertise ein und betonten die Notwendigkeit einer integrativen Waldbewirtschaftung, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Podiumsdiskussion: „Die Zukunft der Wälder in Deutschland“

Anschließend fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Zukunft der Wälder in Deutschland“ statt. Die Diskussion wurde von einer hochkarätigen Runde aus Experten geleitet, darunter Thomas Weber, Dr. Joachim Rock, Christoph Thies und Martin Krüger. Die Diskutanten setzten sich mit der Frage auseinander, wie deutsche Wälder in Zeiten des Klimawandels gestaltet und bewirtschaftet werden müssen, um ihre vielfältigen Aufgaben – wie Klima- und Wasserschutz, Holzproduktion und Erholung – auch in Zukunft erfüllen zu können.

Themen der Diskussion:

  • Klimaanpassung der Wälder: Es wurde intensiv über Strategien zur Anpassung der Wälder an die zunehmenden klimatischen Veränderungen diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine vielfältige Baumartenmischung sowie der Schutz alter, klimatisch angepasster Bestände zentrale Elemente einer zukunftsorientierten Waldbewirtschaftung sein müssen.
  • Rolle der Biodiversität: Die Bedeutung der Biodiversität als Grundlage für widerstandsfähige Wälder wurde hervorgehoben. Dabei ging es um die Frage, wie ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung der Wälder hergestellt werden kann.
  • Nutzungskonflikte: Die Diskussion beleuchtete auch die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald, wie die wirtschaftliche Nutzung als Holzlieferant versus der Erholungswert für die Bevölkerung und der ökologische Wert als Lebensraum. Einigkeit bestand darüber, dass innovative Lösungen und Kompromisse notwendig sind, um diese verschiedenen Ansprüche in Einklang zu bringen.
  • Zukunftsperspektiven: Abschließend wurden Perspektiven und Visionen für die deutschen Wälder der Zukunft erörtert. Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit einer langfristigen und vorausschauenden Planung, um den vielfältigen Herausforderungen des Klimawandels begegnen zu können.

Das Treffen mit der HNE Eberswalde und die anschließende Podiumsdiskussion boten wertvolle Einblicke und Anregungen für die Weiterentwicklung des Projekts „Biodiv im Wald“. Die Diskussionen verdeutlichten die Komplexität der Anforderungen an die Wälder der Zukunft und die Notwendigkeit einer integrativen Herangehensweise, die sowohl die ökologische Nachhaltigkeit als auch die ökonomischen und sozialen Bedürfnisse berücksichtigt. Es wurde klar, dass die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Forstwirtschaft und Gesellschaft entscheidend sein wird, um tragfähige Lösungen für die Zukunft unserer Wälder zu finden.

Publikmachung des Projektes in der HNE auf dem Schwarzenbrett. Mehrere Forststudenten haben daraufhin für ein Praktikumsplatz bei der European Wilderness Society angesucht und diesen auch wahrgenommen: Helena Hieke, Leona Hermann, Ludwig Herrman, Henry Luedtke.

Wildökologisches Forum: Auswirkung von rückkehrenden Wölfen

Im Mai 2019 nahm das Projektteam an der Abendveranstaltung des Wildökologischen Forums teil. Die Veranstaltung in Salzburg bot eine Plattform für den intensiven Austausch zwischen Fachleuten, Naturschutzorganisationen und Vertretern der Landwirtschaft. Wichtige Teilnehmer und Themen waren:

  1. Hackländer Almprognose: Ein zentraler Vortrag widmete sich der Almprognose von Prof. Dr. Klaus Hackländer. Er stellte die potenziellen Auswirkungen der Rückkehr der Wölfe auf die Almwirtschaft vor. Besonders im Fokus standen die Herausforderungen, denen sich Landwirte gegenübersehen, wenn Wölfe in Almgebiete zurückkehren, und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.
  2. Länderhilfe: Es wurde über die Unterstützungsmöglichkeiten durch staatliche Hilfsprogramme gesprochen, insbesondere wie Landwirte in betroffenen Regionen finanziell und logistisch unterstützt werden können, um den Schutz ihrer Herden zu gewährleisten.
  3. Austausch zwischen NABU und Umweltdachverband: Ein weiterer wichtiger Teil des Abends war der Austausch zwischen dem deutschen Naturschutzbund (NABU) und dem österreichischen Umweltdachverband. Beide Organisationen diskutierten die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Umgang mit der Rückkehr der Wölfe, insbesondere in Bezug auf den Schutz der Artenvielfalt und den Erhalt traditioneller landwirtschaftlicher Praktiken.

Die Diskussionen während der Veranstaltung waren geprägt von unterschiedlichen Perspektiven auf die Rückkehr der Wölfe. Während Naturschutzorganisationen die Bedeutung der Wölfe für die ökologische Balance betonten, führten Vertreter der Landwirtschaft ihre Sorgen über die potenziellen Gefahren für Nutztiere und wirtschaftliche Einbußen an. Ein wichtiges Ergebnis des Forums war die Erkenntnis, dass es dringend notwendige Maßnahmen und Dialoge zwischen allen beteiligten Akteuren geben muss, um Konflikte zu vermeiden und gleichzeitig den Artenschutz zu fördern. Dazu gehören verbesserte Herdenschutzmaßnahmen, finanzielle Unterstützung für betroffene Landwirte und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zur Aufklärung über das Verhalten und den Schutz von Wölfen.

Das Wildökologische Forum hat gezeigt, wie wichtig ein integrierter Ansatz ist, der sowohl den Schutz der Biodiversität als auch die Interessen der Landwirtschaft berücksichtigt. Es wurde ein klares Signal gesetzt, dass die Rückkehr der Wölfe eine Herausforderung darstellt, die nur durch Kooperation und gegenseitiges Verständnis bewältigt werden kann.

Ausseer Naturraumgespräche: Teilnahme und Austausch

Im Mai 2019 nahm das Projektteam an den Ausseer Naturraumgesprächen teil, einer renommierten Veranstaltung, die den Austausch über Themen rund um den Natur- und Waldschutz fördert. Bei diesem Treffen standen Diskussionen über die Zukunft der Wälder im Mittelpunkt, wobei der Austausch mit Experten wie Wolfgang Scherzinger, Völkl und Hans Triebl besonders wertvoll war.

Hauptthemen der Gespräche:

• Waldschutz und Biodiversität: Es wurde intensiv über Maßnahmen diskutiert, die zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität in Waldgebieten beitragen können.

• Klimawandel: Die Auswirkungen des Klimawandels auf Waldökosysteme und notwendige Anpassungsstrategien wurden thematisiert.

• Waldmanagement: Verschiedene Ansätze für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung wurden erörtert, wobei der Balanceakt zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung im Vordergrund stand.

Die Gespräche boten eine Plattform für einen wertvollen Erfahrungsaustausch und lieferten wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Projekts „Biodiv im Wald“ bzw. machten es dort dem Fachpublikum bekannt.

Abholzung im Amazonas nimmt stark zu

Im Sommer 2019 brennen nicht nur Wälder weltweit, sondern die Abholzung im Amazonas-Gebiet nahm im Vergleich zum Vorjahr auch drastisch zu. Diesen Juni lag die Abholzungsrate in Brasilien bereits 88% über dem Vorjahreswert, im Juli sogar 278%. Im Juli wurde mit 2250 km² damit fast viermal soviel Wald im brasilianischen Regenwald abgeholzt wie im Juli 2019.

Dies ist besonders beunruhigend, da die brasilianische Regierung die Abholzung nicht bekämpft, sondern sie unterstützt. Der neue Präsident Jair Bolsonaro ist ein Klimawandel-Leugner und hat mehrmals gedroht, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Er stellt die Agrarindustrie, die den größten Anteil am brasilianischen Export hat, über den Naturschutz. Nachdem die beschleunigte Abholzung vom brasilianischen Institut für Weltraumforschung veröffentlicht wurde, feuerte der Präsident dessen Chef. Dies begründete er damit, dass das Institut falsche Zahlen veröffentliche, die den Ruf Brasiliens beschädigen. Von nun an werden die Daten des Instituts erst veröffentlicht, wenn diese durch das Umweltministerium geprüft wurden.

Der Schutz des Amazonas ist nur nicht wegen der einmaligen Biodiversität und den indigenen Völkern existenziell, sondern auch weil er die „grüne Lunge des Planeten“ ist und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz liefert. Jedoch werden immer mehr Flächen in Acker- und Weideland umgewandelt, wo hauptsächlich Soja angebaut und Rinder gezüchtet werden. Mittlerweile ist der Agrarsektor für 70% der brasilianischen CO²-Emissionen verantwortlich.

Kann Europa im Amazonas eingreifen?

Als Reaktion auf diese Zahlen fordern viele Europäer, dass die EU ihre politische und wirtschaftliche Macht nutzen muss, um den Amazonas zu schützen. Eine Möglichkeit dazu bietet das Mercosur-Abkommen, ein Freihandels-Abkommen zwischen der EU und der Freihandels-Organisation Südamerikas, zu der die wichtigsten Amazonas-Staaten gehören. Obwohl sich EU und Mercosur geeinigt haben, weigern sich einige Mitgliedsstaaten aufgrund der Abholzung das Abkommen zu ratifizieren. Jetzt steht die EU in der Pflicht, das Abkommen so nachzubessern, dass der Schutz des Amazonas darin verankert wird.

Der brasilianische Präsident wehrt sich jedoch gegen eine Einmischung von außen, aus seiner Sicht ist der brasilianische Wald allein Sache Brasiliens. Deswegen soll auf der „Amazon Fund“ umstrukturiert werden. Der Fonds zum Schutz des Regenwalds, der hauptsächlich vom norwegischen Staat und der deutschen Förderbank KfW finanziert wird, wird momentan von einem Lenkungsausschuss geleitet. In diesem sitzen neben Staatsvertretern auch Vertreter der Zivilgesellschaft. Geht es Bolsonaro, soll die Kontrolle vom Lenkungsausschuss zu einem Exekutivausschuss übergehen und das Geld statt für Naturschutzprojekte für Entschädigungen von Landbesitzern verwendet werden.